Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 48 (26.11.1897)
- Date
- 1897-11-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Hirsch’“‘* Schneider-Akademie Gegründet 180. 2400 Schüler ungebildet Berlin C., Rotes Schloss No. 2. Grösste, älteste, besuchteste u. einzig preisgekrönte Fachlehranstalt der Welt. Am 1. und 15. jeden Monats 'beginnen die neuen Kurse in allen Abteilun- Sen der Herren•, Damenand Wäsche-Schneiderei, sowie im Skizzenzeichnen und andelswissenschatten. Perfecte Aneblldung za Direktricen, Zuschneidern u. Konfektionären. Absolut sicherer Erfolg ־wird garantiert. Nach absolviertem Kursus kostenloser Stellennachweis. Prospekte gratis. Anmeldungen baldigst erbeten. Dia Direktion. Dampfwäschepei ״Sport44 Inhaber: Max Jaroczynskf. -S. Dieffenbaohstr. 33. — Toi. A. IV, 446.- Haas-, Leiband Tischväsche sowie ganze Aussteuern. Princip: Sauberste Ausführung. Grösste Schonung. Prompteste Lieferung. MUSIK za Hoehzeitsu.Vereinsfestlichkeiten etc. Blas- und Streich-Orchester führt in anerkannt guter Weise aus Max Scfcxnerl, Kapellmeister, Fehrbellinerstr. 18. auch nicht immer, sowohl was die Form wie den Inhalt betrifft, gerade im Sinne des Judentums und zu seinem Nutz und Frommen geschieht. "Wirklich jüdische An gelegenheiten. di© das ureigenste Interesse des Judentums, seinen Kern und sein Wesen berühren, Fragen, wie die des jüdischen Religionsunterrichts z. B., stossen bei jener Presse entweder auf absolute Interesselosigkeit oder, wie das erst in der allerjüngsten Vergangenheit geschehen ist, auf schroffe Ablehnung und direkten Widerspruch. Das Judentum braucht Gott sei Dank auch keine publizistische Vertretung, die unter falscher Flagge seine Ladung deckt. Das Judentum ist Manns genug, sich selber seiner Haut zu wehren und mit offenem Visier seine berechtigten Interessen wahrzunehmen. Aus der Gemeinde. — Das Gotteshaus der israelitischen Synagogengemeinde ״Adass jisroel trug in der Mittagsstunde des 16. November ein militärisches Gepräge. Seitens des General-Kommandos des Gardekorps war Herr Rabbiner Dr. J. Hildesheimer und in dessen Vertretung Herr Dr. Mever Hildesheimer mit der Vereidigung der jüdischen Rekruten dieses Truppenteils betraut worden, was unseres Wissens bei dem Gardekorps überhaupt zum ersten Mal geschah. Unter Führung eines Offiziers, mehrerer Feldwebel und Unteroffiziere fänden sich ca. neunzig Soldaten in der festlieh erleuchteten Synagoge ein, in welcher ausser ihnen nur noch die Vorsteher und Beamten der Gemeinde anwesend waren. Unter dem Gesänge des ,,Wajehi binsoa“ öffneten die Vorsteher die heilige Lade und entnahmen derselben eine im Silberschmuck prangende Thorarolle, welche sie zum Almemor trugen. Hierauf wurde das Gebet für den König und das ganze königliche Haus gesprochen, und nachdem sodann unter den rituellen Gesängen die Thorarolle in die heilige Lade zurückgetragen war, betrat der Prediger die Kanzel, um in Anlehnung an Psalm 15, 2: ״Mein Werk, es gilt dem König, drum sei meine Zunge gleich dem Griffel des Schreibers“, seine Hörer zu mahnen, in dem militärischen Dienste einen Tribut der Dankbarkeit gegen das Vaterland und sein erlauchtes Oberhaupt zu erblicken, mit Freudig־ keit und Hingebung den neuen Pflichten sich zu widmen und bei dem Treueid, den sie in wenigen Tagen ihrem obersten Kriegsherrn leisten werden, sich bewusst zu sein, dass kein Bekenntnis nachdrücklicher die Heiligkeit des Gelöbnisses einschärfe, als das jüdische, dass die eiferfreudige Betätigung der Bürgerpflichten, deren höchste der Dienst unter den Fahnen sei. eine der heiligsten Religionssatzungen des Judentums bilde. Die in Form und Inhalt gleich wirksame, von edler Begeisterung durchglühte Predigt klang in ein vor geöffneter heiliger Lade gesprochenes Gebet stimmungsvoll aus. Der Vortrag des ״Uwenucho jaumar“ beendete die erhebende Feier. Der Bericht für 1896/97 füber das ,,Reichenheimsche Waisenhaus der jüdischen Gemeinde zu Berlin11 (Weinbergsweg 11c) ist soeben erschienen. Ausser dem alljährlichen Rechenschaftsbericht enthält derselbe einen Bericht über die am 9. Mai ds. Js. begangene Feier des 25jährigen Be- Stehens und bringt die bei diesem Anlass gehaltenen Reden, in denen Geschichte und Erziehungögrundsätze der Anstalt dargelegt werden, statistische Angaben über frühere Zoglinge und Erzieher, Abbildungen des Waisenhauses und der Stifter Moritz und Sara Reichenheim. — In der Anstalt wurden 76 Zöglinge <46 Knaben, 80 Mädchen) verpflegt. Die Gesamtausgaben für die Anstalt betrugen, in diesem Geschäftsjahr 54590 Mark, die durch Zinsen eigener Fonds und einen Gemeindezuschuss von 86302 Mark aufgebracht wurden. Die Ausgaben für Beköstigung betrugen, auf Kopf und Tag verteilt, 0,49% 0 M. {gegen 0,42% 0 im Vorjahr). — Von den in diesem Jahre entlassenen Knaben widmen sich 2 dem kaufmännischen Beruf, 1 wird Tapezierer: von den abgegangenen Mädchen wird 1 Verkäuferin, 2 Buchhalterinnen, 1 Wäschezuschneiderin, 1 Schneiderin, 1 erlernt die Haushaltung. — Das Waisenhaus steht unter Verwaltung eines Curatoriums, dessen Vorsitzender Herr Louis Bamberger ist, und unter Leitung des Direktors Dr. Jutrosinski. Vereinsschau. Original-Berichte <b־s ..Berliner Vereinsbote‘•, Central-Organ für die jüdischen Vereine. Den! ״Verein zur Unterstützung armer jüdischer Wöchnerinnen“ ist von dem Inhaber eines ersten hiesigen Handlungshauses aus Anlass des glücklich überstandenen Wochenbettes seiner Gattin die namhafte Summe von 2000 Mark zugegangen. Möchte doch dieser Akt der Hochherzigkeit in den Kreisen unserer jüdischen Mitbürger bei Gelegenheit freudiger Familien-Ereignisse Nachahmung finden! Der ״Verband ehemaliger Schüler und Schülerinnen Dr. 0. Lipschütz hielt am Sonntag, den 21. Mts., im Münchener Hof eine Sitzung ab, deren wesentlicher Bestandteil der Vortrag des Herrn Dr. Bärmann: ,,Soziale Streifzüge durch das Judentum“ bildete. Die mehrere Stunden währende, sehr anregende Diskussion war genügender Beweis dafür, welch reges Interesse dieser so manchen guten Wink bezüglich der heutigen Wohlthätigkeitsinstitutionen, resp. deren Vergrösserung und Verschönerung enthaltende Vortrag bei den Zuhörern* wachgerufen hatte. In der Vereinigung jüdischer Frauen und Mädchen ״judas Töchter“, Vorsitzende Frau Behrendt und Fr 1. Kunz, sprach am Montag, den 22. er., Herr Rabbiner Dr. Grünfeld über ,,Die Würde der Frau in Israel.“ Der Redner entwarf nach den Ueberlieferungen der Bibel ein getreues Bild der hervorragendsten Frauen in Israel und führte im Verlaufe seines Vortrages weiter aus, dass die jüdische Frau zu allen Zeiten, im Gegensatz zu denen aller anderen Völker, so z. B. der Römer, Griechen, der Germanen die Stelle der Priesterin des Hauses eingenommen hat. ״Noch in der heutigen Zeit“, bemerkte der Redner fortfahrend, ״und zum nicht geringen Aergernis unserer Gegner ist das jüdische Familienleben berühmt als leuchtendes Beispiel und zugleich als Quelle der sittlichen, wahrhaft segensreichen Fortentwickelung eines Volkstums“; mit um so grösserer Freude ist es daher zu begrüssen. dass die Frauen und Mädchen in Israel sich zusammenscharen, um vereint sowohl in arbeitsreicher wie in feierlicher Stunde die Ideale des Judentums hochzuhalten. Der Vortrag wurde von der Versammlung, welche von gegen 80 Personen besucht war, mit enthusiastischen Beifallskundgebungen aufgenommen. Lieber den Vortrag des Herrn Prof. Breslauer im ״Verein für jüdische Geschichte und Literatur1 am 23. ds. berichten wir in der nächsten Nummer.