Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 48 (26.11.1897)
- Date
- 1897-11-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Oberhemden Reparatur Werkstatt, AH»8ch-H-»»»«ir.40. Halspriesen 20, Paar Handpriesen 25, Leinen-Lineals m. Einsetzen SO Pfg. Neuanfertig. z. dUllxst Preisen. Abholung f*«i• Frage zu dokumentieren, so bedarf es dazu nicht vieler Worte. Es ist das gute Recht des Kaisers, seiner tiefinnigen, religiös-christlichen Ueberzeugung Ausdruck zu verleihen. Wir sind auch vollständig davon überzeugt, mag auch vielleicht der äussere Anschein dagegen sprechen, dass der Kaiser durchaus nicht die Absicht gehabt hat, die jüdischen Soldaten der deutschen Armee als minderwertig oder gar unwürdig. da> Ehrenkleid des Kaisers zu tragen, zu bezeichnen. Zum eisernen Bestand des antisemitischen Arsenals gehört nun einmal die fable convenne von der jüdischen Presse, die im Dienste bezw. Solde des Judentums stehend darauf ausgeht, alles Gute und Edle, alles Deutsche und Christliehe aus der Brust des Deutschen zu reissen, um dafür Unmoral. Irreligiosität und Vaterlandslosigkeit einzuptianzen. Unter Judenpresse versteht der Antisemitismus zunächst in Bausch und Bogen alle diejenigen Zeitungsorgane, welche nicht antisemitische Tendenzen verfolgen. Dazu würde im grossen und ganzen die gesamte Presse liberaler Richtung ohne Unterschied der einzelnen Parteirichtungen gehören. Alsdann kommt im speziellen die gesamte freisinnige Presse, und zwar ganz gleich, ob sie sich zur deutschen Volkspartei, zur freisinnigen Volkspartei oder zur fcieisinnigen Vereinigung bekennt. Dann kommen alle diejenigen Zeitungen an die Reihe, welche thatsächlich oder angeblich jüdischen Besitzern gehören, ganz oder teilweise von jüdischen Redakteuren redigiert werden, von Juden vorzugsweise gelesen werden, jüdische Interessen vertreten u. s. w. Hierzu rechnet der Antisemitismus nun ganz im besonderen verschiedene hauptstädtische Organe, das ..Berliner Tageblatt11, die ״Vossische Zeitung'׳, die ״Volks- Zeitung“, die ״Berliner Zeitung11, das .,Kleine Journal“ u.s.w. Es gehört nicht eben viel dazu, um von den braven Verfechtern deutscher Treue und Redlichkeit zu den Juden und Judengenossen geworfen und infolgedessen von der antisemitischen Meute in Acht und Aberacht erklärt zu werden. Man braucht nur den leisesten Zweifel au der Unfehlbarkeit antisemitischer Behauptungen zu äussern. man hat nur nötig in der bescheidensten Weise einen Juden, der sieh! den Groll der antisemitischen Kli<jue zugezogen hat. in : Schutz zu nehmen, und das Verbrechen ist geschehen, i Das passiert übrigens nicht nur den bösen Liberalen, die j nun eilt mal vom Teufel dazu bestimmt zu sein scheinen, als j Judenknechte herumzulaufen. Der fromme streng katho-! lisehe Dr. Lieber musste sich seinerzeit gefallen lassen.; mit Juden und Freisinnigen in einen Topf geworfen zu i werden, als er im Namen der Centrumsfraktion im Reichs- I tage erklärte, dass 01־ und seine Freunde niemals einer poj litischen und rechtlichen Schlechterstellung der Juden zu-! stimmen würden. Am liebsten hätte man ilm damals gleich i zum Juden oder doch wenigstens zum Judonstämmling ge-! stempelt. Da aber der Name Lieber schliesslich nicht j jüdischer klang als der Name Liebermann von Sonnenberg,!, so hing man ihm wenigstens eine jüdische Frau au. 1 Wir Juden aber haben zu erklären: ,.Das Judentum! >tcht. im Dienste keiner bestimmten Partei, welchen Namen j dieselbe auch immer führen mag. abgesehen von denjenigen j Pressorganen, welche sich bereits durch ihre Bezeichnung j als den berechtigten Interessen der Juden und des Judenturas dienend hinstellen, bedient es sich auch keiner besonderen Presse, welchen Namen dieselbe auch tragen mag, welche Tendenzen dieselbe auch verfolgen mag.“ Woher weiss der Antisemitismus, dass diejenigen Zeitungsartikel, die wirklich oder angeblich die Gefühle seiner Partei- und Gesinnungsgenossen verletzen, von Juden geschrieben oder auch nur inspieriert sind? Und selbst, wenn das der Fall wäre, woher nimmt er das Recht, die Schuld Einzelner der Gesamtheit aufzubürden, es so hinzustellen, als ob hinter j dem Geschreibsel jedes journalistischen Hosenmatzes, wenn j es gewissen Leuten nicht gefällt, gleich das gesamte Jud ־ turn mit seiner ganzen gefürchteten Macht stände? Wenn hier und da Artikel und Meinungen in die Welt gesetzt werden, von denen die Judengegner ausschreien, dass sie in unwürdiger und herab würdigender Manier gegen das Christentum zu Felde ziehen, warum muss dann partout das Judentum in abstracto et extenso dem Philister als Popanz und Schreckgespenst vorgeführt werden? Das Juden-! tum bezw. die Juden haben gar nicht die Neigung gegen das Christentum Invektiven zu schleudern. Die Juden ) sind froh und danken ihrem Schöpfer, wenn man sie in j Ruhe und ungeschoren lässt. Und sie können nicht eini mal behaupten, dass das zu allen Zeiten und an allen Orten | geschehe. Und die Angriffe, die in ganz besonders hohem! Maasse gegen das Judentum von Leuten gerichtet werden.; die ganz gewiss und unbedenklich den Anspruch erheben, i als brave Christen zu gelten, zeigen in der Regel eine! hagebüchene Deutlichkeit, die an Verständlichkeit nichts! zu wünschen übrig lässt. Wenn aber ein Jude, oder was j dasselbe besagt, ein liberaler Zeitungsschreiber in der Hitze! des Gefechts dem Christentum gegenüber nicht in Demut; erstirbt, dann heisst es:! .,Hoch die Juden 10 Meter am Galgen! 1 Dass die Raben und Krähen um die Knochen sich balgen?׳ j. Vertreten denn nun alle diejenigen Organ־־׳ der offent- | liehen Meinung, »lenen der Antisemitismus nun einmal das | Stichwort ..Judenblätter“ angehängt hat. wirklich »las Inter-! esse des Judentums? Mitnichten! Zunächst sind es durch-! aus nicht immer ..Judenblätter1•. Es passt nur der bekannten! antisemitischen Wahrheitsliebe oftmals gar zu bequem in j den Kram, an Stelle von Gründen und Beweisen, zu denen immerhin ein gewisses Quantum von Geist und Wissen gehört, »las nicht jedermann besitzt, eine Phrase, ein Schlagwort zu setzen, das bei der grossen Menge eine gewisse Zugkraft hat und »las eigene Nachdenken, die Gründe und Beweise ersetzt. Um nur einige Beispiele anzuführen: Da erscheint in »ler Reichshauptstadt ein Blatt freisinniger Richtung, das einem jüdischen Verleger gehört und schon aus. diesem Grunde sich des aufrichtigen Hasses der Antisemiteti erfreut. Der Verleger hält zwar »len politischen Teil seiner Zeitung mit ängstlicher Borgfalt v. 11 allen jüdischeu Mitarbeitern rein, aber was timtr Judenblatt ist es nun einmal und wird es bleiben. Ein anderes Blatt, welches gleichfalls, auch bei der Gelegenheit, von welcher wir anfangs dieses Artikels ausgingen, zur Judenpresse zählt, wurde vor einigen Jahren dadurch unliebsam bekannt, dass sein Chefredakteur einen jüdischen Mitarbeiter wegen seiner Eigenschaft als ,Jude entliess, eine gerichtlich erhärtete Thatsa»11-־e. Macht nichts, »las.Judenblatt bleibt an ihm Irängen: Ein drittes Pressorgan hat »las Unglück, unter seinen Besitzern einen mit ׳lern fürchterlichen Namen ..Cohn״ zu haben. Der Chefredakteur, der auch den politischen Teil verantwortlich zeichnet, ist Christ und Deutscher, und keine Zeile wird gedruckt, die nicht entweder von ihm selbst geschrieben oder doch wenigstens gebilligt ist. Das verschlägt nichts, im antisemitischen ,Jargon heisst das Blatt trotz alledem das ״Organ für jedermann aus dem Volke -Israel.־׳ Um unsere oben gestellte Frage noch einmal zu wiederholen: Vertreten diese und ähnliche Organe wirklich und wahrhaftig die Interessen des Judentums? Nun ja, sie sind Gegner des Antisemitismus, sie stehen nicht auf dem Standpunkt, um p-den Preis die Juden zu entrechten und zu verachteten, unter Ausnahmegesetzen stehenden Parias entwürdigen zu müssen. Das ist ein Programmpunkt des Liberalismus aller Zeiten und aller Länder, mit dessen Aufgebung der Liberalismus einfach seine Existenzberechtigung aufgeben würde. Das ist aber auch alles, wenn man nicht ein gelegentliches Vorgehen gegen antisemitisclie Regungen dazu rechnen will, ein Vorgehen, da