Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 47 (19.11.1897)
- Date
- 1897-11-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3019627-3019628-3019675--841-3020328- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Mode-Bazar Guttman Nachf. <wmy stein) Landsbergerstr. 66/67. Artikel aller Branchen. -W>8 Jeder Vorzeiger dieses Inserats erhält 5° ״ Kabatt. " anderen Feind als die Feinde Gottes und wenn das Judentum in dem Antisemitismus das moderne Heidentum bekämpfe, mache es sich wahrhaft verdient um das deutsche Vaterland, wahrhaft verdient um jede positive Religion, weil es denjenigen die Larve vom Gesicht reisse, welche an die Stelle der Bibelmoral die sich nur scheinbar ״jen- *eits von Gut nud Böse" haltende Immoralität zu setzen trachteten. Gerade um des christlichen Glaubens und seiner Erhaltung willen sollten die ernst Denkenden unter den Christen sich mit den Juden verbinden zu gemeinsamem Vorgehen gegen den gemeinsamen Feind, den Antise111i־ tismuö. Die deutschen Juden müssten gerade in dieser {schweren Zeit festhalten an dem Grundsatz: in politischer Beziehung deutsch bis auf die Knochen, in religiöser Be- Ziehung treue Anhänger des von den Vätern überkomme־ nen Glaubens an den einig einzigen Gott. — Der eben so fein durchdachte, wie in seinen Ausführungen grundwahre und zu treuer Beharrlichkeit im Judentum aneifernde Vortrag wurde von allen Versammelten mit regstem Interesse *,ngeliort und wohlverdientem Beifall begleitet. — Eine Abendunterhaltung mit Tanz und Vorträgen heiterer und ernster Art hielt die Erschienenen noch lange zusammen. In der Vereinigung ,.Judas Töchter" gegr. 1895 sprach Herr Dr. Julius Moses in einer, dem Rufe des Redners entsprechend zahlreich besuchten Versammlung, über das Thema: ,,Die Pflicht des Juden in der Gegenwart“. Der Vortragende teilte seine Ausführungen in die drei Hauptbestandteile: Haus, 8chüle. Leben, ein, wobei er bezüglich des erstereu die Solidarität aller Juden, als zu einer einzigen, grossen. Familie gehörig, in grossen Zügen beieuehtete. Zu 'Punkt■ zwei zeigt Redner, von den frühsten Anfangen des jüd. Volkes ausgehend, an der Hand reichen statistischen Materials und unter Nennung berühmter Namen, dass gerade die Juden bis zur Gegenwart immer bestrebt waren. Träger der Cnltur und Wisse’?haft zu sein, und dass ־alle anderen Völker erst aus den. Borne der jüdischen Lehre schöpften. Im Schlussteile seines Vortrages erläuterte der Vortragende, nach welcher Richtung hin sich die Aufgaben der im Judentum Stehenden, beiderlei Geschlechts, erstreckten, und dass gerade sie. auf Grund ihrer Vorgangenheit. ihre Ehre darin setzen müssen, unter strengster Vermeidung alles blos äusserliehen Scheinwesens. die Ethik des wählen Menschentums, welches das Judentum vorkörpere, zur allgemeinen Geltung zu bringen. Dem Vortrag, welchem verdienter Beifall wurde, schloss sich ein anregender Meinungsaustausch an. Bei dieser Gelegenheit׳ weisen wir darauf hin, dass am Dienstag. 20. d. M. Herr Rabbiner L. Höxter in 'derselben Vereinigung, in! Restaurant Rosmrhalerstrasse;>9, einen Vortrag über: ..Die Stellung des jüdischen Weibes nach dem Talmud“ halten wird. Vergl. Annonce in »ff"-t?r No. methoden“. Ein besonderes Kapitel widmete der Vortrage 11 de den Krankheitserscheinungen, die in besonders hohem Prozentsatz bei Juden Vorkommen. Dazu gehören Nervenleiden, durch die aufreibende, nerveuzerüttende Tlvätigkeit der Kaufleute, Bamjuiers u. s. w. hervorgerufen, ferner Magenleiden, veranlasst durch gesteigerten Fleischgenuss, die bekannte jüdische Götterspeise ״Schalet“ u. s. w. Der interessante Vortrag wurde mit grossem Beifall aufgenommen. Die unentgeltlichen Fortbildungskurse des ״Verein für jüdische Geschichte und Literatur" werden auch in diesem Jahre am Montag, Mittwoch und Donnerstag in den Räumen der ״Jüdischen Lesehalle“. Oranienb11rgerstras.se 28 Hof pt. sattfinden und zwar wird am Montag Hebräisch, am Mittwoch Geschichte der Juden und am Donnerstag Einführung in die leitenden Ideen des Judentums unter Zugrundelegung der ״Sprüche der Väter“ vorgetragen. Anmeldungen nimmt Herr Dozent Dr, E. Baneth, WaJlnertheaterstr. 21, ent gegen. Hoffentlich melden sieh auch in diesem Jahre eine grosse Anzahl von Teilnehmern zu diesen Kursen, deren Bedeutungwohl nicht erst auseinandergesetzt zu werden braucht. In der letzte״ Sitzung der ,,Wissenschaftlichen Verein!- gung jüdischer Schulmänner zu Berlin", welche ausseiordentlieh zahlreich besucht war, machte der zweite Vorsitzende, Kollege Dr. Sachs, zunächst Mitteilung von einer Zu wendüng des Herrn Rektor Dr. Adler an die Darlehnskas.se der Vereinigung im Betrage von 50 Mark. Alsdann hielt Herr Landesrabbiner Dr. Feilehonfeld-Schwerin seinen Vortrag über: ״Die Bibolsprache in der Sprache der Schule“. Die Ansicht des Herrn Redners geht dahin, aus den Dar- Stellungen der biblischen Geschichte die Schüler klar und deutlich erkennen zu lasset!, wie das Volk Israel immer die Fahne der Sittlichkeit und des Glaubens hochgehalfen habe; Israels Heroen seien immer leuchtende Vorbilder eitles wahrhaft frommen Lebenswandels gewesen lind sind als solche auch der heutigen Jugend noch zu VC, gegenwärtigen. An zahlreichen Beispielen führte der Vortragenseine Ansicht durch und erweckt»* durch die Staunenswert»? Gelehrsamkeit, die aus seinen Darlegungen sich kundgab. wie durch die eigenartig geistreichen Auffassungen der biblischen Erzählungen das lebhafteste. Interesse samtliehet־ Zuhörer. Ganz besonders interessieren die Lehrer des Referenten eigenartig.* methodisch»- Winke. Einig»? derselben mögen hier Platz linden: In der allerersten Schulzeit mögen die Kinder noch keinen Unterricht in der biblischen Geschichte gemessen, statt dessen ,׳"׳״gen ihr lieber kleinere Gebete, di»* tief religiösen Inhalts sind, eingeprägt werden. Auch in der darauffolgenden Zeit, in der bereits die biblische G.-schichte Emernchtsgegensiaml sei. ist mehr Gewicht auf gedächtnismässige Einprägung als auf Erweckung des Gefühlslebens des Kindes zu legen: Der .,Israelitische Frauen-Unterstützungs-Verein" hielt, am 15. ds. Mts. im Bürgersaale dos Rathauses seinen dritten Vortragsabend ab. Herr Richard Schmidt-Cabanis, der bekannte und berühmte humoristische Schriftsteller, in weitesten Kreisen auch als hervorragender Rezitator bekannt,, rezitierte Verschiedenes aus seinen eigenen liumoristisehen Schriften, währen»! Herr Siegmund * Mehring, gleichfalls eine in litt»?,׳arischen Kreisen mit Rocht gefeierte Persönlichkeit, gereimte Uebertragungen ernsten und heitren Inhalts zum Vortrag brachte. — Der letzte Vortragsabend, am 22. ds. Mts. wird Novellen und Dichtungen yon Dr. Alfred Friedmann bieten, sowie biblische und andere Erzählungen, vorgetragen von Emanuel Reicher, dem bekannten Mitglied des Deutschen Theaters. Im ״Verband ehemaliger Schüler und Schülerinnen der Religionsschule Adass jisroel" hielt am Dienstag abend Herr Dr. med. H. Weyl einen Vortrag über: ״Moderne Heilvor allem Gl Moralisieren streng zu vermeid.■n. Endlich handhabe man die Disziplin nicht, gar zu streng, da der Mittelpunkt des Unterrichts doch immer »las Lernen sei. Nachdem dem yorehrton Herrn Vorträge!»׳!׳-,! für sein»* geistreichen Worte seitens der Versammlung durch Erlmben von den Plätzen gedankt worden war, mdspann sieh eine lebhafte und eingehende Diskussion: leider jedoch war es nicht einmal möglich, alle auf der Rednerliste stehenden zu Worte kommen zu lassen, denn der vorgerückten Zeit wegen musste die Debatte gegen Mitternacht abgebrochen werden. Sicherlich aber werden sich noch viele Teilnehmer dieser Versammlung gern der zahlreichen Anregungen erinnern. Zu erwähnen ist noch, dass Herr Geh. Sanitätsrat Dr. Blumenthal, der gleichfalls zu dem Vorträge erschienen war, seinen Dank aussprach für den Ernst und das Interesse, welches die Vereinigung der Förderung des jüdischen Wissens entgegenbringe: in diesem Sinne weiter zu arbeiten.