Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 46 (12.11.1897)
- Date
- 1897-11-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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M0de־Bazar Guttman Nachf. <wu1y ste!״) Landsbergerstr. 66/67. Artikel aller Branchen. Bei jedem Einkauf ein Carton Seife gratis. Ausserdem erhält jeder Vorzeiger dieses Inserats 5% Rabatt. faltet hatte, vereinigten sich 1600 Stimmen auf ihren Kandidaten, einen Eigentümer Schultz. Diese immerhin nicht unbeträchtliche Stimmenzahl rührt im wesentlichen her von den zahlreichen Subalternbeamten, welche in jener Stadtgegend, Moabit und Hansaviertel, wohnen. Im ganzen also wahrhaft klägliche Resultate. Das ist die Partei, die einst im Jahre 1883 unter den Auspizien von Stöcker, Pickenbach, Irmer, Cremer, Ruppel u. 8. w. den ״Sturm auf das rote Haus“ eröffnete, in deren Versammlungen der Minister von Puttkam er zu erscheinen nicht für unter seiner Würde hielt, wo, wie triumphierend einer ihrer Häuptlinge urbi et orbi kundgab, Fürst Bismarck durch seinen Sohn zum Volke herniederstieg! Der Antisemitismus der Gasse und Gosse, soweit er in politischer und kommunaler Beziehung in Betracht kommt, scheint dermalen in Berlin wenigstens auf dem letzten Loche zu pfeifen. — Wie die antisemitische Pressmeute mit allen denjenigen umspringt, die sich aus irgend einem Grunde ihre' Ungnade zugezogen, zeigt wieder einmal ein drastisches Beispiel, gleichzeitig ein weiterer Beweis dafür, wie diese Herrschaften Thron und Alter stützen. Die Thatsache, dass sich ein Dr. juv. Graf Albert von Schwerin mit Fraulein von Mendelssohn verlobt hat, findet natürlich keinen Beifall bei dem Organ des Herrn Sedlatzek, dem ״Deutschen General-Anzeiger.“ Das wäre ja weiter nicht auffallend, denn der Umstand, dass die Familie von Mendelssohn seit Generationen bereits nicht mehr dem Judentum angehört, fällt ja nicht ins Gewicht bei einem Blatt, welches dem wildesten Racen - Antisemitismus huldigt. Weil aber der Väter der Braut, der Geheime Coinmerzienrat von Mendelssohn durch Kaiser Friedrich geadelt wurde, — das genannte Blatt behauptet es wenigstens, während von anderer Seite die Nobilitierung auf den jetzigen Kaiser zurückgeführt wird — so entblodet sich das erwähnte Blättchen nicht, zu bemerken: ״Kaiser Friedrich war bekanntlich infolge seiner Mildthätigkeit als Kronprinz stark verschuldet.“ Die eigenartige Praxis unserer Gerichtshöfe in Beleidigungssachen macht es uns schwer möglich, von Herrn Sedlatzek und seinem General-Anzeiger anders als in Ausdrücken der höchsten Anerkennung und Verehrung zu sprechen. Und wer nach jener Leistung noch nicht überzeugt ist, dass der deutsche General-Anzeiger aus lauter Liebe zu Religion, Vaterland und Monarchie zusammengesetzt ist und dass Herr Sedlatzek wie seine Hintermänner Ehrenmänner sind vom Scheitel bis zur Sohle, dem ist eben nicht mehr zu helfen. — Martin Bendix, der bekannte und populäre Gesangskomiker, feierte vor kurzem sein 25jähriges Künstlerjubiläum, das ihm eine reicheFülle wohlverdienter Anerkennungen und Ovationen brachte. Wohl kaum ein Anderer, der jemals einen Bühnenraum betreten, ist so tief eingedrungen, in den echten Geist des wahren Berliner Volkshumors. Die derb witzigen Schlager, die er ins Publikum geworfen, sind längst zu geflügelten Worten geworden, es dürfte nicht Viele geben, die bis auf den heutigen Tag eine Ahnung davon gehabt haben, dass so viele der schnodderigen Berliner Ausdrücke, die jeder kennt und jeder gebraucht, Martin Bendix ihre Entstehung verdanken. Für die Antisemiten dürfte es jedenfalls sehr interessant und lehrreich sein, dass Bendix der Urkomische, diese leibhaftige Verkörperung des witzig-schlagfertigen Berlinertums, der den Sprachschatz um hunderte von neuen Schlagwörtern und Redewendungen bereicherte, ein Jude ist, der ja bekanntlich der antisemitischen Logik zufolge nicht im Stande sein soll, dem Geist seiner Umgebung sich anzupassen. War wir Martin Bendix aber ganz besonders hoch anrechnen, das ist der Umstand, dass er seine Kunst niemals wie so manche andere aus dem Auslande importierte Komiker und Possendichter, entwürdigt hat, um vor gebildetem und ungebildetem Mob seine Stammesgenossen zu verhöhnen und zu karrikieren. — Amtsgerichtsrat Wilmanns in Berlin ist am Sonntag im 63. Lebensjahre gestorben. Wilmanns war einer der ersten Pioniere der antisemitischen Bewegung in Berlin. Er hat mit seinen Broschüren gegen die ״Goldene Internationale“ den Kampf eingeleitet. Sonst ist er öffentlich nicht aufgetreten. — Der Reichstagsabgeordnete AhIwardt hat jüngst in öffentlichen Versammlungen in Hörde und auch in Berlin behauptet, dass die Löwe’schen Gewehre, von ihm ,.Juden- Hinten" genannt, nunmehr waggonweise nach dem Hörder Verein wunderten und dort eingeschmolzen würden. Aus sicherster Quelle wird der Frankfurter Zeitung aus Hörde mitgeteilt, dass auch diese Nachricht des biederen Ahlwardt völlig aus der Luft gegriffen ist, — Herr Rittergutsbesttzer Spickermann hat in der bekannten Angelegenheit ein Schreiben an den Klub von Berlin gelangen lassen, in welchem er erklärt, dass er mit der ominösen Inschrift auf seinem Gute ״nicht die anständigen Juden, sondern die jüdischen Hausierer gemeint habe, durch welche er häufig belästigt werde. Er begreift daher nicht die Aufregung verschiedener seiner Klubmitglieder. Die Antisemiten unter sich. Graf Herbert Bismarck ist bekanntlich von den antisemitischen Conservativen für Dresden-Altstadt in Aussicht genommen, einen Wahlkreis, den gegenwärtig der antisemitische Abg. Zimmermann vertritt. Die ״reinen“ Antisemiten aber wollen sich diesen Einbruch in ihr Wahlgebiet auch seitens Herbert Bismarcks nicht gefallen lassen, sondern die Candidatur Zimmermann aufrecht erhalten. Die antisemitischen Conservativen aber wollen die ״reinen“ Antisemiten dadurch strafen, dass sie dieselben nicht wie bisher bei den bevorstehenden Dresdener Stadtverordnetenwahlen mit unterstützen. So gehts bei den Antisemiten der einen und der anderen Richtung zu, wenn sie ״unter sich“ sind. — Jüdische Feiertage müssen, da sie keine gesetzlichen Feiertage sind, den Arbeitern bezahlt werden, wenn diese auf Veranlassung des Arbeitgebers auszusetzen gezwungen sind, entschied die Kammer IV des Berliner Gewerbegerichts in einer Klage gegen eine jüdische Firma. Ausserdem billigte das Gericht dem Kläger eine Lohnentschädigung wegen unberechtigter Entlassung zu. Das einmalige Ausbleiben desselben von der Arbeit, das durch seine Teilnahme an einem Begräbnis veranlasst wurde, wurde vom Gericht nicht als gesetzlicher Eutlassungsgrund angesehen, da ein solcher nur in einer beharrlichen Arbeitsverweigerung erblickt werden könne. Es wäre besser gewesen, wenn der betreffende jüdische Arbeitgeber es nicht erst auf eine Klage hätte ankommen lassen. Die jüdische Gemeinde hat sich vor einigen Jahren bereits auf dies en richtigen Standpunkt gestellt. — Antisemitische ״Scherze". Aehnlich wie früher ein anderes Mitglied des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus erhält in letzter Zeit Pfarrer Battenberg in Frankfurt teils die Ausführung grosser Warenbestellungen, teils die Anfrage vorsichtiger Geschäftshäuser, ob solche Bestellungen von ihm ausgegangen seien. So waren 32 Fass Automatenhier bestellt, aber glücklicherweise nicht abgesendet worden, dann kam ein grosser Karton Tuchproben und jetzt wieder für mehrere hundert Mark Cigarren von der holländischen Grenze. Die Bierbestellung trug dieselben Schriftzüge, wie früher an dieselbe Adresse gelangte anonyme antisemitische Schmähbriefe. Es seien also Geschäftsleute gewarnt, da der Adressat selbstverständlich die Annahme verweigert. Königsberg l. Pr. Zu einer schönen Gedächtnisfeier, ver- Kunden mit der feierlichen Enthüllung eines Grabdenkmals