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Berliner Vereinsbote · 1897-11-12 · Heft 46 (12.11.1897) · page 6

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Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 46 (12.11.1897)
Date
1897-11-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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rin gipfelte, dass der Sabbat als unlöslicher Bestandteil und unerschütterlicher Grundstein des historischen Judenturne unter keinen Umständen beseitigt oder durch den Sonntag ersetzt werden dürfe. Diejenigen, die derartiges unternähmen, führten bewusst oder unbewusst eine Trennung ▼om Judentume herbei und damit gleichzeitig ein Hinübergleiten ins andere Lager. In schöner, tief empfundener Weise und unter dem lauten Beifall der Versammlung zeichnete der Vortragende das Bild der Sabbatfeier im alten Israel, die auch unter den heutigen Verhältnissen festgehalten, und wo sie geschwunden, neu erweckt und neu belebt werden müsse. Nicht Bestrebungen, welche des Sabbats Heiligkeit durch fremde Einflüsse zum Schwinden bringen wollen, verdienten unsere Unterstützung, sondern notig sei gegenüber solchen Bestrebungen ein Verein zur Heiligung des Sabbats. (Lang anhaltender Beifall, Hochrufe!) In der Diskussion, welche sich bis Mitternacht hinzog, wurde der Standpunkt der Sonntagsfreunde von den Herren Dr. Holz und Adolf Ginsberg mit den oft erörterten Argumenten begründet, von der Gegenpartei traten die Herren Rechtsanwalt Holz. Rechtsanwalt Dr. Lewinsobn, Klausner, Scheyer u. a. in die Schranken. Neues wurde kaum geboten, es sei denn die Behauptung, das betr. Cirkular habe 5800bejah ende Zuschriften erhalten. Verschiedene Versuche nach Gemeindeangelegenheiten, namentlich die Frage der Rabbinerwahl in die Besprechung hineinzuziehen, fanden kein Entgegenkommen. Sicherlich wird die nächste Ver- Sammlung des Vereins sich mit dieser Angelegenheit zu befassen haben. ״Nicht Almosen, sondern Arbeit“- lautete das Thema über welches in der Monatsversammlung der Gruppen O, S und SO des ״Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen G|aubens“ am 9. d. M. Herr Eugen Rosenstiel sprach. Ausgehend von den ausserordentlich erschwerten Erwerbsverhältnissen, die sich grade unter der jüdischen Bevölkerung infolge mannigfacher Ursachen geltend machen, legte Redner ausführlich die Verpflichtung der Allgemeinheit dar, diesen um ihre Existenz Ringenden durch Nachweis von Arbeitsgelegenheit die Möglichkeit zu bieten, sich und ihre Angehörigen auf anständige Weise zu ernähren. Eingehend besprach Herr Rosenstiel die Thatigkeit und die bisher erreichten Erfolge des von den Vereinigten Bnai Brith Logen geschaffenen Arbeits-Nachweises. Von denen, welche durch diese Institution Arbeitsstellen nachgewiesen erhielten, waren viele, die einst bessere Tage gesehen und selbständige Arbeitgeber gewesen waren, auch fehlte es nicht an solchen, die früher in kaufmännischer Stellung thätig, durch die Ungunst der Verhältnisse sich genötigt sahen, auf weitere Beschäftigung in ihrer bisher ausgeübten Thätigkeit zu verzichten, um als einfacher Arbeiter, Hausdiener n. 8. w. ihren Lebensunterhalt zu gewinnen. Besondere Sorgfalt verwendet nach den Ausführungen des Referenten der Arbeitsnachweis auf die Unterbringung und weitere Beaufsichtigung jüdischer Lehrlinge bei Handwerksmeistern. Schliesslich verweist Redner mit eindringlichen Worten auf die Notwendigkeit, ein derartiges Werk zu unterstützen, damit der Verein seine Thätigkeit weiter ausbauen und ausdehnen kann. Insbesondere würde es im Interesse der jüdischen Gemeinde-Verwaltungen liegen, ein derartiges Unternehmen zu subventionieren, da die Arbeit desselben ohne Zweifel das Bettlertum vermindere und somit auch dem Gemeindesäckel zu Gute kommen. In Aussicht genommen, falls die Zukunft die hierzu erforderlichen Mittel bringen würde, sei auch die Subventionierung jüdischer Handwerker durch Zuschüsse behufs Einrichtung von Werkstätten und Beschaffung von Maschinen. Als Krönung des gesamten Werkes habe man jedoch an einen über ganz Deutschland sich erstreckenden Central verein gedacht, damit man in den Stand gesetzt sei, Arbeitskräfte, die an einem Orte vorhanden, an anderer Stelle dagegen fehlen, so schnell wie möglich dorthin zu befördern, wo man ihrer bedürfe. Mit einem nochmaligen beredten Hinweis auf die nützlichen und erspriesslichen Ziele des Arbeitsnachweises schloss Redner seinen mit grossem Beifall aufgenommenen Vortrag, an den sich noch eine anregende Diskussion schloss, die im Allgemeinen Uebereinstimmung mit den Ausführungen des Vortragenden bekundete. Der erste Diskussionsabend im ״Verein für jüdische Ge- Schichte“ wurde am Montag eröffnet durch einen Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Baneth über ״Maimonides angeblieber Uebertritt zum Islam“. An der Hand eines reichen wissenschaftlichen Materials wies Redner die Unhaltbar keit dieser vielfach in der jüdischen Geschichte und Literatur auftretenden Legende nach. In der Diskussion suchte Herr Dr. Bernfeld den Beweis für das Gegenteil zu führen, was dem Vortragenden Gelegenheit bot, noch einmal seinen oben dokumentierten Standpunkt klarzulegen und zu begründen. Am Sonnabend, den 6. November abends 81/■י Uhr. wurde von einer kleinen Anzahl wackerer Leute ein Raschi>^ Verein begründet. Derselbe hat den Zweck, gleichgesinnte ' Glaubensgenossen vorzugsweise die Jugend, za diesen Vorlesungen heranzuziehen. Da unseres Wissens in Berlin ein Raschi-Verband noch nicht existiert, so ist es zu wünschen, dass diesem Verein von Seiten unserer Glaubensgenossen reichliche Unterstützung zu Teil wird. Die Tage, an dem diese Vorlesungen stattfinden und die Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Lipschütz, Barnimstr. 39 bereits übernommen hat, werden zur Zeit bekannt gegeben. Anmeldungen werden ausser bei Herrn Rabbiner D1\ Lipschütz und beim VerejnsjWorsitzenden ^Herrn S., Spandau! Landwehrstr. 26 am Sonnabend Abend 8% Uhrlini Hotel Centrum (Sinai) _ Alexanderstr. 51/52 gern entgegengenommen. Der ״Vorstand der Hiifskasse für israelitische Kultu§beamte deren Witwen und Waisen in Deutschland“ veranstaltet Sonnabend, den 20. November er., in den Gesamträumen der Philharmonie ein Konzert. Als Mitwirkende werden genannt die Kammersängerin Frau Rosa Sucher, Herr Hofopern־ sänger E. Stamm er, Herr Professor Gustav Holländer, die belgische Hofopernsängerin Fräulein Sophie Hey mann, Frau Theresina Gessner und Herr Otto Sommerstorf. Karten sind vorher beim Rendanten M. Göttinger, Flensburgerstr. 7, bei Max Stein, Lehrterstr. 42. Max Moses, Alte Jakobstr. 15, Inder Weinhandlung Friedländer, Lothringorstr. 7, im Börsenrestaurant, Burgstr. 27, Sally Brilles, Potsdamerstr. 41, bei den Herren Kantoren Marksohn, Epstein und Friedmann zu haben. Umschau. Berlin. Der Antisemitismus oder, wie er sich in Berlin bei Kommunal wählen nennt, die ״Bürgerpartei״, hat bei den diesmaligen Wahlen zur Stadtverordneten-Versammlung in der dritten Abteilung, wie schon seit Jahren, ansser* ordentlich schlecht abgeschnitten. Den Kampf auf der ganzen Linie aufzunehmen, dazu hat man sich dieses Mal nicht aufzuschwingen gewagt, nur in 4 Bezirken, dem dritten, 32., 38. und 40. hatte sie Kandidaten aufgestellt. Im dritten Bezirk, der einzige, der zur Zeit ihren Besitzstand bildet, kommt Herr Pretzel mit dem liberalen Kandidaten in die Stichwahl. Für den Liberalismus ist der Kampf hier sehr erschwert, da diese Gegend, Friedrich- und Dorotheenstadt, Hunderte von Wählern hat, die als Schlossbedienstete, Hoflieferanten u. 8. w. in direktem oder indirektem Abhängigkeitsverhältnisse zum Hofe stehen, jedoch ist es nicht unwahrscheinlich, dass bei einigermaassen rühriger Agitation auch die letzte Säule der Bürgerpartei fällt. Im 32. Bezirk, der früher bereits zweimal durch Dr. Bachler, den Redakteur der ״Staatsbürgerzeitung״ vertreten war, brachte es der Bürgerparteiler, der aus den Prozessen des Sedlatzekschen Organs bekannt gewordene Rechtsanwalt Ulrich auf ganze 249 Stimmen. Im 38. Bezirk, ebenfalls vor Zeiten zum antisemitischen Besitzstand gehörig, kam der antisemitische Bewerber gleichfalls nicht in die Stichwahl. Im 40. Bezirk endlich, wo die Bürgerpartei in den letzten Wochen eine starke Agitation ent-

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