Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 46 (12.11.1897)
- Date
- 1897-11-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Prämiiert Dresden 1874. Prämiiert Kerlin 1879. Hirsch Schneider-Akademie _9. 24000 Schaler ausgebitdet. Berlin C., Rotes Schloss no. 2. Grösste, älteste, besuchteste u. einzig preisgekrönte Fachlehranstalt der Welt Am 1. und 16. jeden Monats beginnen aie neuen Kurse in allen Abteilun• gen der Herren*, Damen* und Wtische'Schnelderef, sowie im Skizzenzeichnen und Handelswissenschaften. Perfecte Ausbildung zu Direktricen, Zuschneidern u. Kon* 1 fefcfionären• Absolut sicherer Erfolg wird garantiert. Nach absolviertem Kursus kostenloser Stellennachweis. Prospekte gratis. Anmeldungen balj digst erbeten.Die Direktion. | DampfwäscHerei ״Sport“ Inhaber: Max Jaroezynski. -S. Dieffenbachstr. 33. — Tel. A. IV, 446.- Hans-, Leib- und Tischwäsche sowie ganze insstenern, Princip : Sauberste Ausführung. Grösste Schonung. Prompteste Lieferung. MUSIK za Hochzeitsu. Vereinsfestlichkeiten etc. Blas- und Streich-Orchester führt in anerkannt guter Weise aus Max Schmerl, Kapellmeister, Fehrbellinerstr. 18. Jubilar treu geblieben, er habe die höchsten Probleme behandelt zugleich als Philologe, als Philosoph und Historiker; so sei er nicht allein der grosse Sprachforscher, sondern auch ein Ethiker und Sozialphilosoph geworden. — Die Philosophische Fakultät hatte eine grosse Abordnung entsandt, bestehend aus dem Dekan Geh. Rat Kekule von Stradonitz und den Professoren Weinhold, Dilthey, Tobler, Albrecht Weber und Johannes Schmidt, Der Dekan wies in seiner Anrede darauf hin, dass Steinthal der Erste gewesen sei, welcher Wilhelm von Humbold verstanden habe. Als ״alter Freund“ nahm dann Professor Albert Weber, der berühmte Sanskritforscher, das Wort. Die einzelnen Gelehrten gratulierten dann persönlich, insbesondere auch Geh.־ Rat Weinhold. Von jüngeren Gelehrten war der Literarhistoriker Dr. Richard M, Meyer erschienen. Im Namen der Humboldt-Akademie, zu welcher Prof. Steinthal mit den Grundstein gelegt hat, sprach Dr. Max Hirsch. Weitere Abordnungen zu empfangen, musste sich Professor Steinthal in Rücksicht auf seinen leidenden Gesuüdhcitsznstand versagen. Zahllos waren jedoch die Telegramme und Aufmerksamkeiten, die dem verehrten Manne zu teil wurden. Der Kaiser hat dem Jubilar den Kronenorden 3. Klasse mit der Zahl 50 verliehen. Vereinsschau. Der Humanitätsverein ״Gewui Tauw“ begeht wie wir bereits erwähnt haben, am 14. d. M. das Fest seines 25jährigen Bestehens. Die Geschichte dieses Vereins hat mit der Ent- Wickelung der jüdischen Gemeinde in der Zeit seines Bestehens fast gleichen Schritt gehalten, und der Verein nimmt unter den Wohlthätigkeits-Vereinen unserer Gemeinde einen hervorragenden Platz ein. Von allen Seiten werden ihm di© lebhaftesten Sympatien entgegengebracht, wofür die Zusage von Behörden, Vereinigungen und Privaten an dem Jubelfeste teilzunehmen, ein beredtes Zeugnis sind. So werden z. B. vier Herren Repräsentanten, Deputationen aller Wohlthätigkeits-Vereine, der Logen (auch der Odd Fellow-Loge) zur Beglückwünschung erscheinen, und nach dem Berichte des ״Communalblattes“ werden auch einige Stadtverordnete unter den Gratulanten sich befinden. Die Feier selbst verspricht einen der Bedeutung des Tages und der Wert- Schätzung des Vereins würdigen Charakter anzunehmen, was aus den umfangreichen Vorbereitungen zu schliessen ist. Vormittags pünktlich um 10 Uhr findet die Feier im Conzerthause, Leipzigerstr. 48, statt. Das Festprogramm weist Gesangs-Piecen, Orgelspiel, Ansprachen u. 8. w. auf. Abends 72/ג Uhr versammeln sich die Festteilnehmer in den Räumen der ״Gesellschaft der Freunde“, Potsdamerstrasse 9, wo ein durch Kunst und Humor gewürztes Mahl mit darauffolgendem Ball stattfindet, wozu bereits die Anmeldungen in grosser Zahl eingegangen sind. Der erste Gesellschaftsabend der ״Vereinigung Monbijou“ findet am Sonnabend, 13. November in Cassels Hotel statt. Der in weitesten Kreisen als meisterhafter Redner geschätzte Herr Redacteur Alphonse Levy wird über das Thema ״modernes Heidentum“ einen Vortrag halten. Es folgt dann ein geselliges Beisammensein mit Vorträgen und Tanz. Der Eintritt ist unentgeltlich. (Siehe Inserat Seite 2.) Auf dem Gebiete des jüdischen Vereins- und Ver- Sammlungslebens kann man ja vieles erleben, aber dasjenige, was man am vergangenen Donnerstag in der Versammlung des ״liberalen Vereins für die Angelegenheiten der jüdisehen Gemeinde“ zu sehen und zu hören bekam, dürften selbst die bekannten ältesten Leute noch nicht erlebt haben. Herr Rabbiner Dr. Vogelstein aus Stettin sollte einen Vortrag gegen den Zionismus halten und hielt ihn ja auch. Schwer genug wurde es ihm allerdings gemacht, da die in hellen Haufen erschienenen Zionisten mit Stimmen und Fäusten gesegnet waren, die sie befähigen, Abgeordnete des österreichisehen Reichsrats zu sein. Der Skandal wurde zeitweise so toll, dass man in den Glauben versetzt werden konnte, in einer politischen Versammlung zur Zeit der grossen Judenhetze der Wahlagitation sich zu befinden, wo Sozialdemokraten oder Antisemiten gegnerisch Versammlungen zu sprengen sich bemühten. Wir wollen für heut© uns nicht weiter auslassen und behalten uns vor, eventuell auf diesen Gegenstand noch einmal ausführlicher zurückzukommen. Nur soviel wollen wir bemerken, dass die Schuld an dieser schmachvollen Skandalaffaire unseres Erachtens beiden Teilen zuzuschreiben ist. Die Erregung übermannt uns noch jetzt bei der blosen Erinnerung an jenen Abend, wo Juden gegen Juden, Kinder eines Stammes und eines Glaubens mit giftiger Sehmährede und geballter Faust einander gegenüberstauden und das Bild zweier Gegner gewährten, die einen Kampf bis aufs Messer zu führen gezwungen waren. Der zweite Vortrags-Abend des ״Israelitischen Frauen- Unterstützungs-Vereins“ am Montag, den 8. November, hatte ein sehr zahlreiches Publikum nach dem Rathause gezogen. Frl. Barkany, vom Publikum mit Beifall begrüsst, trug das Wildenbruch’sche Hexenlied, ״Orakel“ von Stobbe und als Zugabe ״das zwölfjährige Kind,“ ein niedliches Kindergedichtchen vor. — Hierauf folgte die zweite Vortragen de des Abends, Frau Olga Wohlbrück, ebenfalls mit lebhaftem Beifall begrüsst. Die beliebte Schriftstellerin las zuerst eine sinnige Erzählung ״Zurück“ und als Zugäbe ״Frau Kratzefuss“, beides eigene Dichtungen. Reieher Beifall lohnte beide Vortragende. Der Gottesdienst am Sonntag beschäftigte noch einmal am 4. d. M. eine vom ״Centralverein für die Interessen der jüdischen Gemeinde“ einberufene Versammlung. Dieselbe fand in Dräsels Festsälen, Neue Friedrichstrase statt nnd war von mindestens 1500 Menschen besucht. Es ist selbstverständlich, dass ©s heute nicht möglich ist, dieser nach allen Richtungen hin ventilierten Angelegenheit neue Seiten abzugewinnen. Hervorheben wollen wir nur, dass im wohlthuenden Kontrast zu einer früheren Versammlung, welche denselben Gegenstand behandelte, die scharf hervortretenden Gegensätze diesmal nicht in so schroffer, persönlicher und verletzender Weise zu Tage traten. Zum guten Teil dürfte dies wohl dem ausserordentlich ruhigen und saehgemässen Auftreten des Vortragenden, Herrn Professor Dr. Baginsky, als Verdienst anzurechnen sein, der von vornherein darum bat, im Sinne des Friedens und der Versöhnlichkeit diese ganze Frage zum Austrag zu bringen. Herr Professor Baginsky ging dann eingehend in den Kern der Sache ein. Er hatte aus dem alten wie neuen Testament ein Fülle von wissenschaftlichem Material zusammengetragen, auch die kirchliche Auffassung des späteren Christentums, wie auch des Mittelalters und insbesondere des Reformators Martin Luther kam bei seinen Ausführungen nicht zu kurz. Zur Sache selbst legte der Redner bei aller Mässigung seinen Standpunkt in aller Schärfe dar, der da-