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Berliner Vereinsbote · 1897-11-12 · Heft 46 (12.11.1897) · page 4

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Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 46 (12.11.1897)
Date
1897-11-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Oberhemden Reparatur Werkstattr Au» 40 Halspriesen 20, Paar Handpriesen 25, Leinen-Einsatz m. Einsetzen 50 Pfg. Weuanfertig־. z. billlgrst Preisen. Abholung* frei. obligatorischer Unterricht oder fakultativer, liess Herr Sachs einstweilen bei Seite. Auch die Gründung neuer Religionsschulen ist nach seiner Meinung im Augenblick nicht das wichtigste. Der Schwerpunkt der ganzen Frage liege in der Einführung des Religions-Unterrichts an den Öffentliehen Schulen. Nicht einverstanden erklärte sich Herr Sachs mit der Hinausschiebung des Beginns des Unterrichts bis zum 9. Lebensjahr. Man könne vielleicht im Zweifel sein, ob es pädagogisch richtig sei, sechs- bis neunjährige Kinder bereits in die hebräische Sprache einzuführen, sonst aber sei kein Grund vorhanden, warum nicht auch jüdische Kinder genau wie ihre nichtjüdischen Schulkameraden in demselben Alter ihrer Religion zugeführt werden sollten. Hoffentlich würde dann auch die traurige Thatsache aufhören, dass gerade im zartesten Kindesalter auf Veranlassung der Eltern jüdische Kinder am christlichen Religions-Unterrieht teilnehmen. Herr Sachs bat zum Schluss, die Besprechung dieser enorm wichtigen Frage entweder einer besonderen Sitzung zu überweisen, die sich alsdann lediglieh mit diesem einzigen Gegenstände zu befassen hätte, oder aber zu diesem Zweck eine gemischte Deputation einzusetzen. Herr Justizrat Meyer als Vertreter des Vorstandes hielt es für inopportun, jetzt durch Commissions-Beratungen womöglich neue Anregungen und Pläne ans Licht zu bringen, wo zur Zeit noch alles im Werden und in der Entwicklung begriffen, wo man sich geradezu einem Chaos gegenübersehe, wo alles im beständigen Fluss begriffen sei. Im höchsten Grade bemerkenswert und hocherfreulich ist eine weitere Mitteilung desselben Herrn. Danach macht sich zur Zeit ein derart starker Andrangzu den Religionsschulen der jüdischen Gemeinde geltend, dass zwei derselben nicht mehr in der Lage sind, Neuanmeldungen anzunehmen. Schon heute, so erklärte der Herr Vorsitzende des Vorstands, habe sich die Notwendigkeit der Gründung zweier weiterer Schulen herausgestellt, und man werde dieser Frage näher treten müssen, sobald man erst wisse, woher man das Lehrpersonal hernehmen solle. Es wäre nach unserem Dafürhalten empfehlenswert, das, was man selbst für notwendig erachtet, nicht auf die lange Bank zu schieben. Man sollte an das Goethesche Wort denken: Begeisterung ist keine Heringsware, Die man einpökelt auf mehrere Jahre. Nach weiterer Debatte wurde die Sache der beantragten gemischten Deputation überwiesen. Einer Anregung des Herrn Geheimrat Blumenthal folgend, dürfte diese Kommission in ihre Beratungen noch verschiedenes hineinziehen, 80 z. B. die Ausarbeitung einer Prüfungs-Ordnung für Lehrer, Festsetzung von Lehrplänen, Einführung von Lehrkursen an verschiedenen Anstalten. Die übrigen Punkte der Tagesordnung der Repräsentanten-Sitzung waren untergeordneter Natur. Zu Revisoren der Kassen und des Depositoriums wurden ernannt die Herren Isidor Sachs, Oppenheim, Sieskind und Neufeld. In die Kommission für Angelegenheiten des Krankenhauses wurden die Herren Mosse, Fränkel, Senator und Baginsky gewählt. Nunmehr wird die vorhingenannte Kommission ihre Arbeit beginnen. Sie findet reichlich Stoff zur Thätigkeit. Für unsere Jugend soll uns nur das Beste gut genug sein. Grade auf dem Gebiete des Unterrichts in der jüdischen Religion scheinen Umänderungen grundlegender Natur im Schoosse der Zukunft zu liegen, seitdem auch der Staat plötzlich sein Herz fürs Judentum entdeckt hat. Einstweilen kann unsere Stellung nur eine abwartende sein. Wenn erst etwas Ausgereiftes an die Oberfläche gekommen, werden wir mit unserem Urteil nicht zurückhalten. Aus der Gemeinde. - Herr Siegismund Bergei, ein inBerliner jüdischen Kreisen sehr bekannter und hochangesehener Mann, feiert am lö.d.M. mit seiner Gemahlin das Fest der silbernen Hochzeit. Herr B. ist namentlich auf dem Gebiete des jüdischen Vereinslebens eine sehr bewährte und geschätzte Persönlichkeit im Vorstände des Centralvereins für die Interessen der jüdischen Gemeinde, als Schatzmeister der Grossloge für Deutschland U. O. B. B., welches Amt er seit 12 Jahren bekleidet, als Synagogen Vorsteher der alten Synagoge, und noch in vielen anderen jüdischen Vereinigungen hat Herr B. eine eifrige und erspriessliche Thätigkeit entfaltet. Die Liebe und Achtung aller derjenigen, die dem hochverdienten Manne jemals nahegestanden haben, wird das schöne Fest sicherlich noch erhebender gestalten. — Sein fünfzigjähriges Doktorjubiläum feierte der Nestor der deutschen Sprachwissenschaft Prof. Dr. H. Steinthal. Bereits in seiner Doktorarbeit, ״de pronomine relative" betitelt, legte er den Grund zu dem grossen Wissenschaftliehen Gebäude, welches er in seinem arbeitsreichen Leben errichtet und bis ins Feinste ausgeführt hat. Die Sprach- Wissenschaft auf psychologischer Grundlage zu erneuern, nachdem die Sprachvergleichung durch Bopp und Schleicher, die vergleichende Mythologie und Religionsgeschichte durch Adalbert Kuhn begründet war, dem Ursprung der Sprache nachzugehen, die im Leben der Völker ähnlich entstehen musste, wie sie täglich in jedem neugeborenen Kinde hervorbricht, diese grundlegenden Gedanken, zu denen als ein durchaus neuer der der Völkerpsychologie (von M. Lazarus ist das Wort und der Begriff zuerst aufgestellt worden) sich gesellt — in dieser Reihe von Ideen bewegt sich Steinthals System, dessen Einzelheiten er eine lange Folge bahnbrechender, durch Geist, Scharfsinn und ausgebreitete Sprachkenntnisse hervorragender Bücher gewidmet hat. Mit einem treffenden Ausdruck hat ein jüngerer F01 scher seinen Lehrer Steinthal ״lingua linguarumque peritissimus“ genannt, denn der Kreis der von ihm beherrschten Idiome ist erstaunlich. Er bewegt sich mit gleicher Sicherheit im Chinesischen wie in den semitischen Sprachen, er zieht Türkisch oder Sanskrit mit gleicher Leichtigkeit zu Beispielen heran, wie einige Negersprachen oder die europäischen Kultursprachen — er stellt andererseits massgebende Formeln für geistige Vorgänge auf, für psychische Momente oder logische Einzelheiten, Formeln, die der Wissenschaft der Seelenkunde eine neue Richtung gegeben haben. Seine ״Charakteristik der hauptsächlichen Typen des Sprachbaues“ sein© berühmte Abhandlung ״Philologie, Geschichte und Psychologie in ihren gegenseitigen Beziehungen" lassen ihn als einen ersten Schüler Wilhelms von Humboldt erkennen, dessen sprachphilosophische Grundsätze er erweitert und vertieft hat. In den letzten Jahren hat Steinthal sich mehr ethischen Fragen zugewendet, sowie auch der Bibelforschung und sich als ein kritischer Philosoph ersten Ranges erwiesen. Der treffliche Mann, der über eine seltene Arbeitskraft verfügt, steht jetzt im 75. Jahre; möge ihm noch ein langer und froher Lebensabend beschieden sein. Aus Anlass dieses Jubiläums empfing derselbe ehrende Kundgebungen. Im Namen der Berliner Universität, welcher der Gelehrte 47 Jahre hindurch seine Lehrkraft gewidmet hat, erschien der Rektor Professor Gustav Schm oller; er beglückwünschte den Jubilar mit einer tiefsinnigen Ansprache, in die er den vollen Accent persönlicher Wärme und sympathischer Hochachtung hineinlegte: Steinthal gehöre mit seiner Bildung der Epoche deutscher Entwickelung an, in welcher die glänzende Art unserer grossen Philosophen sich verbunden habe mit einer Blüte der deutschen Philologie. Aus dieser Verbindung erwuchsen Ideale des Lebens und der Wissenschaft, der Bildung und Humanität. Diesen Idealen sei der

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