Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 45 (5.11.1897)
- Date
- 1897-11-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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aus 3 Vorstandsmitgliedern ihrem Ehrenmitglieds eine kunstvoll ausgeführte Adresse, enthaltend die Ernennung zum Ehrenmitglied©, sowie die Glückwünsche der Verein!- gung, welche letztere am Hochzeitstage noch einmal telegraphisch übermittelt wurden. Der Verein selbständiger Handwerker jüd. Glaubens hielt am 25. v. M. seine ordentliche Generalversammlung ab, welche sehr zahlreich besucht war. Der Vorsitzende gab den üblichen Rechenschaftsbericht, woraus hervorging, dass der Verein im steten Wachsen begriffen ist und die Kassen- Verhältnisse sehr günstig liegen. Ein Antrag des Herrn Herz auf Abänderung des § 7 des Statuts wird angenommen. Die Abänderung geht dahin, dass die Kassenrevisoren vom Vorstande abgesondert und dafür drei Beisitzer demselben zugestellt werden. Aus der hierrauf folgende Vorstandswähl gingen hervor die Herren: Bäckermeister Josepf Grenadirstr. 17 (I. Vorsitzender), Maler Löwenstein, Invalidenstr. 144 (II. Vorsitzender), Bürstenmachermeistr. Herz, Linienstr. 225 (I. Schriftführer), Frieseur Strauch, Münzstrasse 23a (II. Schriftführer), Photograph Rosenthal, Königstr. 31 (I. Kassierer), Schneidermstr. Rabau, Blumenstrasse 3, (II. Kassierer), sowie die Herren Rechtsanwalt Gabriel, Zahnarzt D1\ Seligmann und Buchdrucker Blaustein als Beisitzer. Das Agitationskomitö wird die Herren Baschwitz und Redlich auf sieben Mitglieder verstärkt. Umschau. — Auszeichnungen. Auf der allgemeinen Nahrungsmittel- Ausstellung wurde die in den allerweitesten Kreisen bekannte Weltfirma A. Zuntz sei. ¥we. durch die Verleihung der goldenen Medaille ausgezeichnet. — Die Fabrik von H. Schlesinger, hier, Spandauerstr. 48, erhielt auf der Brüsseler Welt-Ausstellung die silberne und goldene Medaille. Berlin. Ein Mitglied der freien sog. ״humanistischen“ Gemeinde in Berlin hatte nach der ״Kreuzztg.“ seine Kinder fortgesetzt dem Religionsunterricht entzogen und wurde vom Schöffengericht zu 10 M. Strafe verurteilt. Darauf schickte er seine beiden Knaben mit erbetener Zustimmung der Berliner Schuldeputation in den jüdischen Religionsunterrieht der Volksschule, obwohl er und seine Frau Christen sind. Da die Kinder in dem Religionsunterricht der evangeliscben Schule jedoch als fehlend weiter geführt werden, so wird der Cultusminister zu entscheiden haben, ob der jüdische Religionsunterricht für sie ausreichend ist. Die ״Allg. Israelitische Wochenschrift“ bemerkt dazu: Es wird auch zu entscheiden sein, ob das Judentum verpflichtet ist, seinen Religionsunterricht zu so wenig würdigen Experimenten herzugeben. Berlin. In den antisemitischen Versammlungen, die zu den Stadtverordnetenwahlen abgehalten werden — viel sind es ja nicht — bildet die Simon Blad’sche Erbschaft einen beliebten Redestoff. So äusserte der bekannte Herr Wilborg in einer Moabiter Versammlung unter stürmischer Heiterkeit; Ein alter Jude, von dessen Erdenwallen nur die Erinnerung an galante Abenteuer mit seinem Dienstmädchen geblieben ist, stirbt und hinterlässt der Stadt Berlin über eine Million Mark unter der einzigen bescheidenen Bedingung, ihm in Berlin ein Denkmal zu errichten und — wenn ich mich nicht irre — dies einmal im Jahre, vielleicht zum Laubhüttenfeste, zu bekränzen. (Grosse Heiterkeit.) Jeder andere Mensch würde einem Juden, der mit einer solchen Zumutung an ihn herangetreten wäre, wohl in etwas deutlicher Weise die Thür gewiesen haben. Anders unsere Stadtverwaltung! Die sagt: Weshalb soll ich die Million nicht nehmen? Geld kann man immer gebrauchen, und auf ein Denkmal mehr oder weniger kommt es ja nicht an. Bekanntlich bildet die Blad’sche Million eine Stiftung, von der die Stadtverwaltung nichts weiter hat, als die Last der Verwaltung. Diese Stiftung dient dazu, Künstlern und Handwerkern, die in Not geraten sind, das weitere Fortkommen zu ermöglichen, also ein Zweck, an dem die patentierten Anwälte des Mittelstandes am allerwenigsten etwas sollten auszusetzen haben. Natürlich ist es der Stadt nicht angenehm gewesen, sich bereit zu erklären, die Marotte des alten Blad, auf seinem Grab in figura verewigt zu werden — um mehr handelt es sich nicht — zu erfüllen, aber der humane Zweck, dem die Stiftung dient, liess keine Wahl, und so hat denn auch die Krone, vor der ja Herr Wilberg und seine Gesinnungsfreunde stets in Ehrfurcht ersterben, die Stiftung genehmigt. Wenn also Hejr Wilberg der liberalen Stadtverwaltung nichts weiter vorzuwerfen hat, so mag er ruhig einpacken. Berlin. Von der rückhaltslosen Anerkennung, welche das grosse seitens der verdienstvollen ״Comies zur Abwehr antisemitischer Angriffe“ herausgegebene Werk ״Die Juden als Soldaten,“ auch in fachmännischen Kreisen findet, legt eine eingehende Besprechung desselben in den ״Jahrbüchern für die deutsche Armee und Marine“ erneuertes, sehr bemerkenswertes Zeugnis ab. Die angesehene militärische Zeitschrift enthält eine ausführliche Recension der Schrift, in der alle wesentlichen Daten ausgezogen sind, insbesondere die Zahlen der Juden, welche die Feldzüge mitgemacht haben, die der Toten und Verwundeten, endlich die Ziffer der von ihnen erworbenen eisernen Kreuze; sie schliesst mit den Worten: ״Diese Zahlen stellen der militärischen Brauchbarkeit und dem guten Verhalten der jüdischen Soldaten vor dem Feinde ein allerdings glänzendes Zeugnis aus.“ Wir dürfen uns freuen, dass diese Erkenntnis sich auch in denjenigen Kreisen Bahn zu brechen beginnt, in denen man bisher davon nichts wissen wollte. So ehrend das Urteil ist, das die Zeitschrift den militärischen Eigenschäften der Juden ausgestellt, noch viel wichtiger ist, dass sie durch Abdruck der wichtigsten Originalziffern den militärischen Kreisen, die das Buch selbst vielleicht nie zu Gesicht bekommen, die Nachprüfung ermöglicht. — Der germanische Volksbund. Eine der zahlreichen Spielarten der Antisemiten, die Richtung Förster-Mosch, veröffentlicht ihre Pläne für die neuen Wahlen. Danach wird diese Partei — sie nennt sich ״Germanischer Volksbund“ — gemeinsam mit Ahlwardt und mit Paul Werner, dem Vorsitzenden eines antisemitischen Bauernbundes, folgende zehn Wahlkreise mit eigenen Candidaturen beglücken: Arnswalde-Friedeberg, Neustettin, Flatow-Sohlochau, Dt. Krone-Jastrow, Landsberg, Königsberg i. N., Pyritz-Saatzig, Meseritz-Bomst, Dramburg-Schivelbein, Stolp-Lauenburg. Von diesen Bezirken bilden die beiden ersten, Arnswalde- Friedeberg und Neustettin, den Besitzstand des ״Germanisehen Volksbundes", der aber von der anderen antisemitisehen Partei, der ״deutsch-socialen Reformpartei“ angefochten werden wird. Landsberg-Soldin ist im Besitze der freisinnigen Vereinigung, von dem Rest gehören der freiconservativen Partei Dt. Krone und Meseritz, die anderen fünf Kreise den Deutscheonservativen. Diese letztere Partei ist es also auch in diesem Falle, welche hauptsächlich die Kriegskosten zu zahlen haben wird. Die Conservativen erleben wahrlich viel Freude an ihren alten Schützlingen! Dabei ist diese Liste nur von einer einzigen der vielen antisemitischen Fraktionen aufgestellt. Man wird aber kaum zweifeln können, dass auch die anderen Gruppen am liebsten in die conservativen Wahlkreise einbrechen werden, denn da finden sie am ehesten Aussicht auf Erfolg. Bemerkenswert ist auch, dass die Herren vom ״Germanischen Volksbund“ kein Bedenken tragen, selbst die Kreise anzugreifen, in denen der deutsche Besitzstand durch die Polen gefährdet ist, z. B. Meseritz und Flatow. — Dr. Max Nordatl begiebt sich vor Ablauf dieses Monats nach Petersburg, um sich mit den russischen Juden bekannt zu machen. — Wegen Vergehens gegen die Religion und zwar gegen die jüdische wurde von der Strafkammer in Königsberg i. Pr. der Zimmergeselle Julius Neumann zu drei Tagen Gefängnis