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Berliner Vereinsbote · 1897-10-29 · Heft 44 (29.10.1897) · page 5

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Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 44 (29.10.1897)
Date
1897-10-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Prämiiert Dresden 1874. Hirsch’**' Schneider ־Akademie Gegründet 1850. 24800 Sondier ausgebildet. Berlin C., Rotes Schloss No. 2. Grösste, älteste, besuchteste u. einzig preisgekrönte Fachlehranstalt der Welt Am 1. and 16. jeden Monats beginnen die neuen Kurse in allen Abteilun* een der Herren-, Damen- und Wdscbe-Scbnelderef, sowie im Skizzenzeichnen und Handelswissenschalten. Periode Ausbildung zu Direktricen, Zuschneidern u. KonfekHonären. Absolut sicherer Erfolg wird garantiert. Nach absolviertem Kursus kostenloser Stellennachweis. Prospekte gratis. Anmeldungen baldiggt erbeten. Die Direktion. Dampfwäscherei ״Sport“ Inhaber: Max J&roczynski. -S. Dieffenbachstr. 33. — Tel. A. IV, 446.- Ha ns-, Leiband Tiscöwäscüe sowie ganze Aussteuern. Princip: Sauberste Ausführung. Grösste Schonung. Prompteste Lieferung. MUSIK zu Hochzeits-u.Vereinsfestliehkeiten etc. Blas- und Streich-Orchester führt in anerkannt guter Weise aus Max Schmerl, Kapellmeister, Fehrbetlinerstr. 18. sicht über die Ritual-Anstalten der Gemeinde zu führen hat. Wie begreiflich und mit Rücksicht auf die beiden letzten Wahlen an die Oberfläche gelangte konservative Strömung will man diese Stelle mit einem Rabbiner positiver Richtung besetzen. Die Verhandlungen mit den Rabbinern von Cassel (Prager) und Frankfurt a. M. (Horovicz) waren wesentlich daran gescheitert, dass der Vorstand dem Rabbiner nicht die unabhängige Stelle sichern wollte die er, in religiöser Beziehung verlangte. Dr. R. hatte schon gelegentlich vor zwei Jahren dem Prof. Dr. Philippson eine Abgrenzung der Rabbinate nach Breslauer Muster empfohlen. Jetzt scheint man endlich nach langen Erfahrungen diese Lösung der Frage für die einzig richtige zu halten und dem konservativen Rabbiner allein die Wirksamkeit in der alten Synagoge (Heidereutergasse) zu überlassen, ohne ihn zu Wanderpredigten in den andern Synagogen mit modernem Kultus zu verpflichten.“ l±u Es verlautet, dass in der letzten Sitzung die zur Vorbereitung für die Wahl eines fünften Rabbiners eingesetzte Kommission beschlossen habe, die Wahl des Dr. Rosenthal der Gemeindevertretung zu empfehlen, Vereinsschau. Die Gruppe N. und N.O. des ״Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens'' hielt am 21. d. Mts. im Saale der Brauerei Pfefferberg ihre Monats-Versammlung ab, die einen ausserordentlich starken Besuch zu verzeichnen hatte. Herr Dr. Moses sprach über das Thema ״Kultur und Judentumu. Von den ersten Anfängen des jüdischen Volkes ausgehend bis mitten hinein in die allerjüngste Zeit wies der Vortragende an der Hand eines reichhaltigen, Wissenschaftliehen und statistischen Materials nach, wie von jeher die Juden an dem Kulturleben ihrer Umgebung sich beteiligt und auf allen Gebieten menschlichen Wirkens eine reiche und gesegnete Thätigkeit entfaltet. In besonders eingehender Weise zeigte der Redner das hervorragende Kontingent, welches gerade in der Jetztzeit die Juden zu den höheren Lehranstalten, den Universitäten, den gelehrten Berufen stellten und forderte zum Schlüsse auf, gegenüber allen Bestrebungen, welche uns von der Mitarbeit am Geistesleben des Jahrhunderts ausschliessen wollen, einig und fest zusammenzustehen. An den mit grossem Beifall auf gegenommenen Vortrag schloss sich eine angeregte längere Discussion, in welcher von einigen Seiten gewarnt wurde, nach wie vor unsere Kinder in unverhältnismässig grosser Anzahl den akademischen Berufen zuzuführen. Man solle vielmehr die Jugend mehr der sogenannten produktiven Arbeit, dem Landbau und Handwerk, zuführen, aber nicht in der Weise, dass man Minderbegabte und Bildungslose dazu verwende, sondern derart, dass junge Leute mit tüchtiger wissenschaftlicher Bildung sich nicht zu gut dünken, dem Handwerk sich zuzuwenden. Von anderer Seite wurde dieser Ansicht beigepflichtet, jedoch gleichzeitig dem Bedauern Ausdruck gegeben, dass gerade in jüdischen Kreisen noch vielfach gegenüber dem jüdischen Handwerker ein unbegründetes Misstrauen herrsche. Die Versammlung endete erst gegen Mitternacht. Am letzten Sonntag feierte der ״Synagogen-Verein Beth Zion“ zur Kräftigung der Vereins-Kasse sein erstes Wintervergnügen. Wie uns mitgeteilt wird, war die Beteiligung eine sehr grosse und auch der materielle Erfolg den Er- Wartungen entsprechend. Die Darbietungen musikalischer und gesanglicher Art fanden allgemeinen Beifall. Die ״Literarisch-gesellige Vereinigung“ eröffnete ihre diesjährige Wintersaison mit einem durchaus gelungenen Kränzchen am 23. ds. im ״Hotel König von Portugal“. Die grosse Beteiligung und das rege Interesse an der Veranstaltung kann als ein Beweis für die stets wachsende 8ympathie angesehen werden, deren sich die Vereinigung erfreut. In der That muss lobend anerkannt werden, dass die zur Vereinigung gehörenden Mädchen und jungen Herren einen Eifer für die Bestrebungen des Vereins an den Tag legen, womit sie ein bescheidenes und in jeder Beziehung taktvolles Benehmen verbinden, so dass wir jungen Leuten den Beitritt aufs wärmste empfehlen wollen. Das Kränzchen bot den Teilnehmern ausser den üblichen Tanzbelustigungen manchen wertvollen geistigen Genuss durch deklamatorische und gesangliche Vorträge. Der Israelitische Wohlthätigkeits-Verein ״Humanitas“ (Bikur Chaulim) beging am 19. d. Mts. sein Simchat Thora- Kränzchen in Steins Pestsälen, Rosenthalerstr. 38. Den ersten Teil des Festes bildete ein vortreffliches Concert unter der bewährten Leitung des Musikdirektors Schmerl, hierauf folgte Tanz. Der Königliche Tänzer Herr Francois Forte leitete die Tänze. Zur Kaffeetafel hatte das Comite reichlich für Unterhaltung gesorgt und wurde die 250 Personen zählende Festgesellschaft mit Vorträgen mannigfacher Art überrascht. In zu Herzen gehenden Worten sprach der Vorsitzende über die Entwickelung des Vereins. Herr Baum II, Schriftführer des Vereins, ergänzte die Ausführungen und bemerkte, dass es an der Zeit sei, dass sich auch die Frauen an dem humanen Werke beteiligen mögen. Die Ansprache des Redners gipfelte in einem Hoch auf die Damen. Der Vereinsarzt Herr Dr. Caro toastete auf den Vorsitzenden und wies auf die Rührigkeit desselben hin. Ein reichlicher Ueberschuss, der in die Unterstützungs- Kasse flieset, lohnte dieses schöne Fest. Glaubensgenossen, welche für 1 Mark monatlich freien Arzt und Medizin haben wollen und wo es Not thut. Unterstützung, die mögen sich vertrauensvoll dem Verein ״Humanitas“ anschliessen. Meldungen nimmt der Vorsitzende Herr Buchdruckereibe־ sitzer 8. Kuntz, Rochstrasse 15, entgegen. Der ״Verein für jüdische Geschichte und Literatur“ er ■offnete seine Thätigkeit für den Winter mit einem Vortrage des Herrn Rabbiners Dr. Vogelstein-Stettin über ״Uriel Acosta in Wahrheit und Dichtung“. Sowohl der in weitesten Kreisen bekannte Name des Vortragenden als auch das interessante Thema und das sichtbar zunehmende Interesse für die Bestrebungen des Vereins brachten ein Auditorium zusammen, für welches die Aula des Friedrichs- Werderschen Gymnasiums nicht ausreichte, so dass viele Wissbegierige umkehren mussten. Dass das Thema eine erschöpfende Behandlung erfuhr, die manchen neuen Gesichtspunkt zu Tage förderte und den aufmerksam lauschenden Zuhörern das bekannte Drama von Gutzkow in bisher vielleicht wenig bekanntem Lichte erscheinen liess, darf wohl als selbstverständlich vorausgesetzt werden. Erwähnenswert erscheint uns die vollendete Form, die den Vortragenden als Muster der Rede und vorzüglichen Kenner des von ihm behandelten Gebietes zeigte. Lang auhaltender Beifall folgte den Ausführungen, die einen sichtbaren Eindruck auf das Auditorium machten. (Weitere Vereinsschau Seite 6.)

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