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Berliner Vereinsbote · 1897-10-22 · Heft 43 (22.10.1897) · page 7

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Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 43 (22.10.1897)
Date
1897-10-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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M0de־־Bazar Guttman Nachf. <wmy Stein, Landsbergerstr. 66 67. Artikel aller Branchen. Bei jedem Einkauf ein Carton Seife gratis. Ausserdem erhält jeder Voizeiger dieses Inserats 5°/״ Babatt. Magistrats. Danach besass Berlin am Schlüsse des Berichts- Jahres 376 Schulen und Erziehungsanstalten aller Art: davon waren 303 öffentliche und 73 Privatschulen, die Zahl der Unterrichtsanstalten hat sich gegen das Vorjahr um vier verringert. Die Zahl der Schüler und Schülerinnen aller dieser Schulen hat sich um 4054 vermehrt, sie betrug 237 373. Die Gemeindeschulen allein wurden von 4560 Kindern mehr besucht als im Vorjahr. Nach dem Religion«- bekenntnis waren von den Schülern aller Anstalten: 208502 evangelisch, 15 628 katholisch, 11 680 jüdisch und 547 dissidentisch. — Ein Kunstwerk der Klempnerei, vom Kaufmann Victor Simon in Magdeburg auf der dortigen Ausstellung präsentiert, wird von allen Besuchern viel bewundert, ein Altarleuchter mit neun Armen für den jüdischen Gottesdienst. Es ist keine Arbeit der Neuzeit, es wurde im Jahre 1832 angefertigt. Zu dieser Zeit hatte man noch keine Ahnung von den grossartigen Hilfsmitteln der Neuzeit. Nach jetzigen Begriffen arbeitete man damals mit primitiven Werkzeugen. Es bekundet grosse Geschicklichkeit, eine solche Arbeit mit mathematischer Genauigkeit herzustellen. Eine eingravierte hebräische Inschrift lalltet übersetzt: ״Dieser Leuchter nebst Schrift ist angefertigt vom Klempner- Meister Moritz Simon, Güsten 1832. ‘ Eigentümer des Meisterstückes ist der Sohn des Verfertigers, der obengenannte Kaufmann Victor Simon. Breslau. Zurück zur Bühne geht der erste Kantor der Neuen Synagoge Breslau, Herr S. Cerini (Steifmann). C. hat am hiesigen Stadttheater als erster Tenor gewirkt, ist später als öberkantor für unsere Synagoge gewonnen worden. Dieser Tage hat er nun sein Entlassungsgesuch bezw. seine Kündigung eingereicht, weil er wieder der Bühne zuwenden will. Zabrze. Auf dem hiesigen jüdischen Friedhofe wurden fünf Grabdenkmäler von ruchloser Hand umgeworfen und mehr oder weniger beschädigt. Der israelitische Krankenpflege- und Beerdigungsverein hat für die Ermittelung der Thäter eine Belohnung von 50 Mark ausgesetzt. München. (Israelitische Kinderheilanstalt.) Die am hiesigen Platze bestehende Verwaltung der israelitischen Kinderheilstätte in Bad Nauheim hat die Baufirma Franz Brofft hier mit der Errichtung eines Gebäudes in Bad Nauheim beauftragt und hierfür einen Betrag Y0n 200000 Mk. ausgesetzt. Strassburg i. E. Der Tod des ungarischen Pariamentariers Ignaz Helfv, der als Sohn armer Israeliten zu Szamos-Ujvar geboren war und eigentlich Heller hiess, erinnert wieder an die Zeit Kossuths, denn Heller-Helfy war, wenn auch noch sehr jung, von 1848 an ein Haupthelfer des ungarischen Umstürzlers, dem er durch seine Sprachkenntnisse und Geschäftsgewandtheit eine grosse Stütze war. Nach Kossuths Niederlage und Flucht folgte Helfy seinem Meister• nach Italien, wo er in Mailand lange als Redakteur der ״Alleanza“ die Sache der ungarischen, italienischen und polnischen Oesterreicher verfocht. Er behielt auch von 1867 an, wo er nach Ungarn zurückkehrte und Abgeordnet er wurde, einen grossen Einfluss auf Kossuth und dessen Partei. Wien. (Ein Protest des Wiener israelitischen Cultus- Vorstandes.) Vice-Bürgerineister Dr. Neumayer hat bekanntlieh aus Anlass der letzten Ernennungen im Richterstande in der Gemeinderatssitzung am I. d. M. den Antrag gestellt, eine Petition gegen die Beeidigung von Christen durch jüdische Richter an die Regierung zu richten. In der Motivierung dieses Antrages hatte Dr. Neumayer unter anderem bemerkt, dass durch die erwähnten Richterernennungen die ״Verjudung des Richterstandes“ plötzlich eine ganz besondere Steigerung erfahren habe. Im weiteren Verlaufe der Motivierung erklärte Dr. Neumaver: ״Eine bedenkliche Folge dieser Ernennungen wird sein, dass weit öfter, als dies früher der Fall war. Juden über Christen zu Gericht sitzen und Recht sprechen sollen, obwohl die allgemeine Erfahrung lehrt, dass dem Juden das Verständnis, das Gefühl für sittlich-religiöse und nationale Bedürfnisse und Anschauungen der verschiedenen Nationen fast vollständig fehlt.“ Der Wiener israelitische Cultusvorstand hat nun in seiner ain 10. d. M. abgehaltenen öffentlichen Sitzung einheilig folgende Resolution beschlossen: ״In der öffentlichen Sitzung des Wiener Gemeinderates vom 1. d M. winden im Wege eines von einem Mitglied des Präsidiums eiugebraehteu Antrages und der Begründung desselben gröbliche Verdächtigungen und Schmähungen gegen das Judentum, gegen dessen religiössittliche Grundlagen, sowie gegen die religiösen und sittliehen Anschauungen unserer Religionsgenossen gerichtet, und wurde diese Kundgebung wörtlich und vollinhaltlich — ungeachtet erhobenen Widerspruches — von dem Herrn Bürgermeister zur öffentlichen Kenntnis gebracht, bezw. deren Verlesung verfügt. Nachdem diese Kundgebung durch das nunmehr erschienene, vorliegende ״Amtsblatt der k. k. Haupt- und Residenzstadt Wien“ in No. 80 offiziell festgestellt ist, erachtet es der Cultusvorstand der israelitischen Cultusgemeinde Wien für -seine Pflicht, dagegen öffentlich und fei erlieh Protest zu erheben. Der Cultusvorstand hat seit Jahren, ungeachtet des Andrängens unserer Religionsgenossen, in solange es sich um noch so empfindliche materielle Schädigungen handelte, wie beispielsweise die Nichtbefördcrung von altgedienten, bestbewährten Communal-Lehrern, nur deshalb, weil sie Juden sind, die Verweigerung von Schulgeldbefreiungen für arme jüdische Kinder, die Uebergeliung verdienter jüdischer Com munal-Beamten, die Zurücksetzung jüdischer Gewerbsleute bei öffentlichen Arbeiten, die Verweigerung von Subventionen an jüdische Wohlthätigkeitsanstalten etc. — jede Protesterklärung unterlassen. Wohl aber erachtet sich der Cultusvorstand für verpflichtet, die vorliegende Verunglimpfung der jüdischen Religion mit Entrüstung zurüe kzu weisen. Der israelitische Cultusvorstand sieht sich zu der Erklärung veranlasst, dass das Judentum hoch erhaben ist über das Niveau der in der Eingangs erwähnten Kundgebung enthaltenen Verdächtigungen, und verzichtet im Hinblicke auf die im Judentume streng vorgeschriebene und unter den Juden zu allen Zeiten beobachtete Heiligkeit des Eides selbstverständlich darauf, den gegen diese notorische Thatsache gerichteten Anwürfen die Ehre einer Widerlegung zu erweisen.“ — Im Londoner Asyl für obdachlose Juden befanden sich während des Juli und August 682 Insassen, eine gegen das Vorjahr sehr erfreuliche Besserung, denn damals suchten 859 Obdachlose das Asyl auf. 10136 Mahlzeiten wurden an die Armen verteilt. Die dadurch verursachte Ausgabe betrug in diesen zwei Monaten 2600 Mark. Amsterdam. Die Fabel von dem ungeheueren Reichtum der Juden wird eigentümlich beleuchtet durch eine Zusatnraenstellung, welche sich in einem soeben veröffentlichten Werke des Direktors des Amsterdamer Statistischen Bureaus Dr. Falken bürg über die Armenpflege in Haag findet. Daraus ergiebt sich nämlich, dass z. B. in Haag auf je 1000 Mitglieder jeder Konfession bei den Protestanten 41,7, bei den Katholiken 50,9, bei den Juden hingegen 98.3 Armenunterstützung gemessen. Petersburg. Der Zar bat angeordnet, dass in den Gou

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