Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1897)
- Date
- 1897-10-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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für sie gespart habt. Gedenket auch ferner, Ihr glücklichen Kinder, der Hilfsbedürftigen!״״“ Frau Cäcilie Friedländer, Vorsitzende, Bellevuesfcr. 9. Das Verzeichnis weist eine stattliche Anzahl von Mitgliedern auf, besonders Frauen, unter denen die klangvollsten Namen unserer Glaubensgemeinde zu finden sind. Der doppelte edle Zweck des Kinder - Sparvereins, nämlich Weckung und Pflege des Wohlthätigkeitssinnes bei den Kindern und die unsern Armen zugute kommende werkthätige Liebe, sichert dem Verein die weiteste Anhänger- Schaft und den wünschenswerten Erfolg. Der ״Humanitäts-Verein für Gewerbetreibende“ veranstaltete am 16. ds. in dem blauen Saale des Grand Hotel eine Simchas - Thora -Vorfeier, die von Mitgliedern und Gästen ziemlich gut besucht war und einen guten Verlauf nahm. Während der Kaffeepause wurden die Festteilnehmer durch Gesangs- und deklamatorische Vorträge in angenehmster Weise unterhalten. Herr Dreyer als Bariton und der bekannte Concertsänger Herr Halpern ernteten für ihre Gesangsleistungen wohlverdienten Beifall. Auch die Deklamationen resp. humoristischen Vorträge der Geschwister Gerson und des Heren Bauer, Komiker im Wintergarten, fanden volle Anerkennung. Bei fröhlichem Tanz und Spiel vergnügten sich die Teilnehmer bis lange nach Mitternacht. In würdiger Weise beging der ״Verein selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens“ am 18. ds. sein zweites Stiftungsfest. Wie der Vorsitzende, Herr Bäckermeister Joseph, in seiner Ansprache hervorhob. hat der Verein während der kurzen Zeit seines Bestehens schon manchen schönen Erfolg anfzuweisen, wenngleich er noch immer Hindernisse zu überwinden hat, deren schwerwiegendstes in dem unbegründeten Vorurteil gegen jüdische Handwerker selbst in unserer eigenen Mitte ist. Das Fest verlief in in glänzender Weise. Die Darbietungen Hessen nichts zu wünschen übrig und fanden auch allgemein Beifall. Möge es dem wackeren Verein vergönnt sein, das an gestrebte Ziel, nämlich Hebung des Handwerkerstandes immer mehr zu erreichen! Der Synagogen ־ Verein ״Beth Zion“ veranstaltet am Sonntag, den 24. Oktober d. J., abends 7y2 Uhr, in den renovierten Stein’s Festsälen, Rosenthalerstr. 38, ein Tanz- Kränzchen mit Gratis-Verlosung. Programm: Gesang- und humoristische Vorträge guter Kräfte während der Kaffee- Tafel und grosse Jubel-Polonaise. Billets ä 75 Pf. sind beim Vorsitzenden Herrn J. Heymannsohn, Chorinerstr. 71a, und allen Comite-Mitgliedern zu haben. Die ,.Literarisch - gesellige Vereinigung“ veranstaltet am Sonnabend, 23. Oktober im Hotel König von Portugal, Burgstrasse 12, ihr erstes Wintervergnügen. Wir möchten den Besuch dieses Festes angelegentlich empfehlen, da die Veranstaltungen des Vereins stets einen äusserst geselligen und amüsanten Abend brachten. Die Vereinigung jüdischer Frauen und Mädchen ״Judas Töchter“, Vorsitzende Frau Behrendt und Frl. Kunz, veran staltete am Dienstag, den 19. er., in den Festsälen von Cassels Hotel eine Simchat-Thora-Feier, welche sich eines regen Besuches zu erfreuen hatte und einen für alle Teile befriedigenden Verlauf nahm. Herr Dr. Heinrich Löwe aus Jaffa, der wegen des Zionisten-Congresses nach Europa gekommen ist, hat es sich nicht nehmen lassen, in der Vereinigung, für die er stets eiu reges Interesse bekundet hat, auch bei seinem diesmaligen besuchsweisen Aufenthalte in Berlin, einen Vortag zu halten. Der überaus beliebte Redner sprach über des Thora Freudenfest und hob hervor, wie gerade die jüdische Frau, welche gewissermassen das ״Haus Jacobs״ verkörpere, berufen und dazu befähigt sei, jüdisches Leben und Wissen in die Familie und dadurch in die Gemeinde Israels zu pflanzen. Nach musikalischen und deklamatorischen Vorträgen nahm noch Herr Bambus das Wort, um speziell der rührigen Thätigkeit der früheren Vorsitzenden und Mitbegründerin der Vereinigung Frl. Tonn, welche die Generalversammlung erst kürzlich zum Ehrenmitgliede ernannt hat, zu gedenken. Der der Kaffee-Pause folgende Teil verlief ebenfalls zur Zufriedenheit der Gastgeber wie der Gäste. Ein Simchas-Thora-Kränzchen veranstaltete der Verein ״Gemilus chassodim“ am 19. ds. in Dräsels Festsälen. Die Veranstaltung erfreute sich grosser Beteiligung und verlief in würdiger Weise. Die verwandten Vereine ״Gewul Tauw“ und ״Humanitätsverein für Gewerbetreibende“ waren durch ihre Vorsitzenden, die Herren G. Michaelis bezw. Alex Büchel vertreten. Neben der Tanzbelustigung wurde den Teilnehmern mancher wertvolle geistige Genuss geboten, indem Deklamation, Gesänge und Musikvorträge zur Unterhaltung beitrugen. Aus dem reichhaltigen Programm sei erwähnt: 1. Wasserfall von Schubbert, vorgetragen von Frau Levy, geb. Isaacsohn aus Stettin, 2. Des toten Kaisers Ross und Nachtigall und Ibis von Emst V. Wildenbruch, vorgetragen von Frl. Louise Sonnenfeld vom Berliner Theater, 3. Vortrag von Helene Gottlob, 4. Gesangsvortrag von Frl. Lipkowitz, 5. Violin-Vortrag des 10jährigen Knaben J. Lipkowitz. Wie wir hören, hat sich auch für die Vereinskasse ein Ueberschuss aus der Einnahme ergeben. In dem benachbarten Friedrichsberg hat sich eine ״Vereinigung für religiöse Zwecke“ gebildet. Diese Vereinigung, welche beweist, dass mit dem erfreulichen Wachstum dieses Vorortes dasjenige des religiösen Strebens gleichen Schritt hält, verdankt einigen thatkräftigen jüdischen Männern ihre Entstehung. Sie hat es nach der kurzen Frist von kaum einem Jahre zu einer fleissig besuchten Religionsschule gebracht und der daselbst veranstaltete diesjährige Festgottesdienst an den hohen Feiertagen hatte eine Frequenz von etwa 140 Personen aufzuweisen, so dass der von der Vereinigung gemietete Betsaal die Besucher nicht fassen konnte und ein anderes Lokal eigens für diesen Zweck hesorgt werden musste. Der Vereinigung sei hierdurch auch fernerhin der beste Erfolg gewünscht. Umschau. Berlin. Ein historisch bemerkenswerter Brief König Friedrich Wilhelm’s IV. ist jetzt an das Tageslicht gekommen und wird Anfang nächsten Monats in einer hier stattfindenden Autographenauction versteigert. Der Brief ist datiert ״Charlottenburg, den 7. März 1866״, an den Prinzen Carl, den Bruder des Königs, gerichtet und enthält folgende charakteristische Stelle: ״Es sind vor kurzem die vortrefflichen englischen Juden-Missionare aus Polen ausgewiesen. Ich bitte den Kaiser Alexander auf’s dringendste, den Befehl zu suspendieren; die Gelegenheit, England zu obligieren in den ersten Tagen seiner Regierung, kann mehr, als er selbst und Viele glauben mögen, eine Friedens-Stimmung hervorrufen. Ich werde den Dmstand sehr lebhaft zu London benutzen. Ich knüpfe — aus Gründen, die hier zu weitläufig auszuführen — sehr grosse Hoffnung an diesen echt generösen und religiösen Schritt Russlands gegen England. Ich werde wahrhaft glücklich sein, wenn Sascha mir diese erste und wahrhaft unschuldige Bitte gewähren wollte. 100000 Liebes allen Lieben. Dein treuer Bruder Fritz.״ — Professor Dr. Hermann Munck, der allgemein als Nachfolger Du Bois Reymonds betrachtet wurde, dann aber dem Utrechter Professor Engelmann Platz machen musste, hat jetzt eine Art Entschädigung erhalten, indem man ihm vom ״ausserordentlichen“ zum ״ordentlichen Honorarprofessor" befördert hat. Berlin. Eine Statistik des Berliner Schulwesens bringt der soeben im Druck erschienene Verwaltungsbericht des