Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1897)
- Date
- 1897-10-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3019627-3019628-3019670--786-3020268- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Mode-Bazar Guttman Nachf. <wmy stem» Landsbergerstr. 66/67. Artikel aller Branchen. Bei jedem Einkauf ein Carton Seife gratis. Ausserdem erhält jeder Vorzeiger dieses Inserats 5°/0 Rabatt. ©in jähes Ende genommen. Aber seine Beschützerin wusste guten Bat; sie erkor den Studenten, den sie inzwischen liebgewonnen hatte, zu ihrem Gatten. Der ehemalige Student, Vorbeter und Opernsänger in spe ist jetzt Inhaber enms Bankgeschäfts geworden. — Das Reconvalescentenheim in Amalienhof bei Spandau, bekanntlich eine humanitäre Stiftung des verstorbenen Justizrats Dr. Lazarus zum Andenken an Kaiser Friedrich, ist jetzt auch zur Benutzung während der kalten Jahreszeit eingerichtet worden, während es in den beiden ersten Jahren seines Bestehens nur im Sommer Genesende aufnehmen konnte. In dem der Stiftung übereigneten ehemaligen Gutshause, an das sich ein grosser Park anschliesst, ist auch unter einer Oberin, eine Pflegerinnenstation eingerichtet worden, von der aus unbemittelten Kranken der Nachbarschaft Hilfe geleistet wird. Genesende weibliche Personen werden diesem Reconvalescentenheim meist aus der Charite und dem Augustahospital in Berlin überwiesen; das Institut verpflegt durchschnittlich zehn Personen; der Aufenthalt jeder ist auf vier Wochen bemessen. Die Wahlagitation in der Westpriegnitz wird seitens der Konservativen und Antisemiten in der Weise geführt, dass überall wo Herr von Saldern erscheint, auch der antisemitische Redner Herr Bäckler auftaucht, um ihn zu widerlegen. In Wittenberge, wo ausser einigen Freisinnigen niemand in der Versammlung war, in der Herr von Saldern sprach, hat Herr Bäckler das Geschäft mit geradezu herzerfrischender Offenheit besorgt. Wird das eine Freude in der Wählerschaft werden, wenn die Stichwahl kommt und sich die feindlichen Brüder rührend und gerührt iu die Arme sinken! Die Konservativen haben nunmehr ein Flugblatt für den ״Plattenburger“ erscheinen lassen. Sie wenden sich darin vor allem gegen die — Antisemiten und benutzen dazu Herrn Dr. Förster als Eideshelfer. Aus seiner Charakteristik der ehemaligen Genossen ziehen sie den Schluss: ״Die Antisemiten wissen also selbst nicht, was sie wollen.“ Das ist richtig. Aber vor wenigen Tagen erst hat die ״Kreuz-Ztg.u erklärt, die Konservativen hielten das Juli- Programm aufrecht. Dieses Programm ist vom Antisemitismus stark durchseucht. Danach wissen also auch die Konservativen nicht, was sie wollen. Das ist auch richtig. Denn der Wahlaufruf behauptet, mit dem Börsengesetz sei ein guter Schritt vorwärts gethan. Wohin denn? Das sieht man alsbald an dem Zusatz, dass die Konservativen sorgen werden, dass der Getreidehandel wieder auf reelle Grundlagen gestellt wird. Also immer noch werden. Ja, wo ist denn der Schritt vorwärts? Köstlich ist es, wie sich der Plattenburger mit der Sozialdemokratie abfindet. ״Sie hat Streiks geschürt und unsägliches Elend verschuldet, dann aber hat sie die Arbeiter im Elend sitzen lassen. Wo? In der Westpriegnitz! Aber auch wir Konservativen wollen, dass jeder Arbeiter seinen gerechten und auskömmlichen Lohn erhalte. Ei, ei! Und doch klagt Herr von Saldern einige Zeilen zuvor über die Freizügigkeit. Schaffen wir die ab, dann geben die Konservativen ganz von selbst auskömmlichen Lohn. Natürlich! Geht denn das auskömmliehe Lohnzahlen nicht auch mit der Freizügigkeit? Es wird ja doch dann den Arbeitern aus Alldeutschland nur leichter, nach der Westpriegnitz zu reisen, wo die konservativen Grossgrundbesitzer die höchsten Löhne zahlen! DüS&eldorf. Der ״Verein zur Verbreitung• und Förderung der Handwerke unter den Juden“, welcher seinen Sitz hier in Düsseldorf hat, versendet soeben seinen Jahresbericht pro 1896—1897. Wie wir aus demselben ersehen, sind in dem Berichtsjahre 24 Lehrlinge aufgenommen worden. Im ganzen unterstanden dem Vereine 96 Lehrlinge, wovon allein 37 unter der Obhut der Abteilung Köln standen. — Im Lehrlingsheim Düsseldorf waren 22 und in demjenigen von Köln 17 untergebracht. Die übrigen Lehrlinge wurden bei auswärtigen Meistern in die Lehre gegeben. Es beendeten ihre Lehrzeit 26 Lehrlinge, sie fanden sofort lohnende Stellen. Nach dieser Seite kann der Verein mit Befriedigung auf seine Wirksamkeit im abgelaufenen Geschäftsjahre zurückblicken. Geringer waren aber die Erfolge betreffs Hebung der finanziellen Lage. Beträchtliche Summen, welche eigentlich für den Lehrlingsfonds bestimmt waren, mussten zur Deckung des Fehlbetrages für die laufenden Ausgaben verwandt werden. Der im Dezember 1896 verstorbene Kassierer des Vereins. D. Fleck, bestimmte in seinem Testamente 5000 Mk. für den Verein. Die Universalerbin, Frl. Rosa Fleck, weigert sich jedoch das Legat auszubezahlen und da der Verein keine Korporationsrechte besitzt, um gegen die Erbin gerichtlich vergehen zu können, so ist diese Zuwendung insoweit verloren, als Fleck zu Lebzeiten dem Verein Vorschüsse in der Höhe von 3494 M. gemacht hat und welche infolge des Vermächtnisses dem Verein verbleiben. Die Zahl der Anmeldungen armer Knaben bei dem Verein nimmt stetig zu. Frankfurt a. M. Vielen leidenden Glaubensgenossen, welchen ein Aufenthalt in einem Winterkurort als notwendige Bedingung zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit Verordnet ist, wird es angenehm sein, zu erfahren, dass die Verwaltung des jüdischen Kurhauses in Soden i. T., welches im Sommer Kranken unentgeltlich seine Pforten öffnet, dasselbe auch in diesem Winter für zehn Insassen als Winterstation gegen Vergütung des Selbskostenpreises offen halt. Wer einmal in der Lage war, für sich oder einen der Semigen einen Winterkurort aufsuchen zu müssen, wer die doppelte Sorge hat, wie die grossen Kosten zu erschwingen seien, und wenn ihm dies auch möglich gewesen wäre, wo der Platz zu finden sei, der dem Gesetzestreuen in Beziehung auf strenge rituelle Verpflegung keine Skrupel verursachen dürfte: der wird die Grösse der Wohlthat ermessen, welche die treffliche, nur von Menschenliebe geleitete Verwaltung durch ihr erwähntes Vorgehen unseren Glaubensgenossen erweist. Auch solche, die nicht über grosse Reichthümer verfügen, und denen die Fortsetzung ihres streng religiösen Lebens die grösste Beruhigung in Krankheitsfällen gewährt, ist in den schönen Räumen der Kuranstalt des ruhigen, gegen Nordwinde geschützten Taunusbades in der Nähe Frankfurts Gelegenheit geboten, sich rituell und gut ver pflegen zu können. Die Preise sind minimal, die Kost ist eine vorzügliche, und da Schwerkranke nach dem Statut klirre Aufnahme finden dürfen, so ist den Kurgästen der Anblick schwerer Leiden, der׳ den eigenen Gesundheitszustand verschlimmern könnte, erspart, was um so wichtiger ist, als ja die Winterszeit die Insassen den grössten Teil des Tages auf den Aufenthalt im Hause verweist. Ein schöner־ Saal, in dem such für gesellschaftliehe Unterhaltung gesorgt ist, versammelt die Bewohner des Hauses zu angenehmer Unterhaltung oder gesellschaftlichem Spiel, und wer bei guter Witterung «las Freie vorzieht, ohne gerade einen Spaziergang machen zu wollen, dem bietet die prachtvolle Veranda einen angenehmen Aufenthalt. Es haben sich ber eits einige Wintergäste, Herren und Damen, angemeldet. Nähere Auskunft über die Preisbedingungen und die Hausordnung erteilt der Vorsitzende der Verwaltung, Herr Michael M. Mainz jr.. Ostendstr. 6 in Frankfurt a. M., der auch die Aufnahme vollzieht. — Dem demnächst ausscheidenden Lord Mayor von London, Sir Faudel Philipps, ist es gelungen, während seines Amtsjahres die Summe von 700 000 Pfund Sterling (14 Millionen Mark) zu wohlthätigen Zwecken zu sammeln. Von dieser Summe entfielen 547 000 Pfund Sterling auf den Indischen Hungernot-Fonds, 40 000 Sterling für die