Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1897)
- Date
- 1897-10-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Hospitäler, 30 000 Pfund Sterling für die Ueberschwemmten der Grafschaft Essex, und der Best wurde für verschiedene kleinere Hilfeleistungen gesammelt. Wie die englischen Zeitungen einstimmig melden, hat der Lord Mayor durch seinen Takt und seine Fähigkeiten zu dem Erfolge dieser Sammlung in bedeutendem Masse beigetragen. Oie luden in Norwegen. Laut ״Aftenposten״ befinden sich jetzt circa 500 wirkliche Juden in Norwegen, davon 250 bis 300 in Christiana. Dieselben sind aus Dänemark and Deutschland eingewandert, auch aus Bussland und Polen. Die jüdische Einwanderung —- welche ja lange Zeit in Norwegen ganz verboten war — soll in den letzten Jahren zugenommen haben, und diejenigen, welche jetzt ankommen, ״werden auch immer besser“ —wie das genannte Blatt sich ausdrückt, während die, welche früher ins Land kamen, in kultureller Beziehung nicht sonderlich hoch standen. Jelissawetgrad. (Judenhetze.) Am 17. April d. J8. hatten im Flecken Kontakusowka, im Kreise Ananjew, Gouvernement Chersson, antisemitische Demonstrationen und Unruhen stattgefunden, die am 11. September im Jelissawetgradschen Bezirksgerichte (vor einer Deputation des Odessaer Gerichts* hofes) den Gegenstand einer langdauernden Verhandlung bildeten. Es waren 87 Zeugen, meist Juden, die unter den Unruhen zu leiden gehabt hatten, vorgeladen. Der Sachverhalt war nach einer Correspondenz der ״Now. Wr.u folgender: Gegen 60—70 Bauern zogen am 17. April unter der Anführung eines gewissen Wassili Jakowlew aus Kantakusowka nach dem gegenüberliegenden Wosnessensk am Bug, um dort eine Judenhetze in Scene zu setzen. Bechtzeitig dort getroffene Vorsichtsmassregeln vereitelten jedoch dieses Bubenstück, und der Haufe zog wieder nach Kantakusowka zurück. Auf der die beiden Orte verbindenden Brücke trafen die Bauern mit einer Gruppe Juden zusammen. Der Urjadnik Stryshalkowski, welcher sich ebenfalls auf der Brücke befand, forderte die Leute auf, auseinanderzugehen, doch leisteten sie seiner Aufforderung nicht Folge, sondern antworteten mit Schmähreden. Dann stürzten die Bauern in den Flecken und zertrümmerten Thüren und Fenster. Einige Juden, die sich nicht hatten verstecken können, wurden verprügelt; der Skandal begann um 11 Uhr abends, und daher schliefen die meisten schon. Aus dem Schlafe geweckt, liefen die erschreckten Juden, hauptsächlieh Frauen, Kinder und Greise, aus dem Städtchen aufs freie Feld und verbrachten dort die Nacht. Sie kehrten erst am Morgen, als wieder Buhe herrschte, in ihre Wohnungen zurück. Die Hetze begann gleichzeitig an mehreren Punkten. Der Dorfgeistliche trat den Unruhestiftern mit einem Heiligenbilde in den Händen entgegen, wurde aber bei Seite gestossen, und der Lärm dauerte bis zum frühen Morgen fort. Es wurden 66 Häuser zerstört und der Gesamtschaden beläuft sich auf mehr als 6000 Kübel. Am Morgen wurden von der Polizei über 100 Personen verhaftet. Viele wurden dann wegen mangelnder Beweise für ihre Teilnahme an den Unruhen wieder freigelassen und ein Teil vom Gemeindegericht verurteilt. In Jelissawetgrad sassen am 11. Segtember die 14 Hauptanstifter und Bädelsführer auf der Anklagebank. Ausser dreien waren sie alle Bauern aus Kantakusowka — meist junge Leute, manche erst 18 Jahre alt. Wassili Jakowlew wurde zur Einreihung in die Arrestantenkompagnie auf die Dauer von 2 Jahren verurteilt, die übrigen 13 zu einjähriger Gefängnisstrafe. Allen Verurteilten wurden ausserdem sämtliche Bechte aberkannt. — In den Gebirgsgegenden von Armenien und Kurdistan giebt es kleine fleissige jüdische Gemeinden, die, bescheiden und ergeben, Gott und den Nächsten fürchten, n am entlieh den Nächsten, den Kurden. Eine dieser Gemeinden ist die von Bavandiz, eine sehr schlichte, friedfertige Ortschaft. Die Fluten des Mzab, an welchen es gelegen ist, vermitteln die Beziehungen mit den reichsten und bevölkertsten Städten an den Ufern des Tigris. Unsere Glaubensgenossen sind dort nur etwa 200 an der Zahl, allesamt sehr thätig. Sie treiben alle Arten von Gewerben, selbst die mühseligsten, sind Maurer, Färber, Weber, Goldarbeiter, einige auch Kaufleute. Sie vermehren die Kapitalien, die ihnen die reichen Muhammedaner der Stadt an vertrauen, Dagegen wollen diese nicht einsehen, dass ihr Geld verloren gehen kann: sind die Geschäfte schlecht, soll der Jude allein die Folgen tragen. Dies geht wenigstens aus einer Unterhaltung hervor, die ich mit drei aus dortiger Gegend stammenden Israeliten hatte. Einer derselben betrieb das Geschäft eines Goldarbeiters. Er hatte verschiedene Gegenstände bePsich, die ihm seine Kunden in Arbeit gegeben hatten. Eines Nachts drangen Diebe in seinen Laden und nahmen alles Vorhandene mit weg. Als die Kunden kamen, um ihre Gegenstände zu holen, erzählte er ihnen sein Unglück und bat sie, den Erfolg der vom Gericht vorgenommenen Untersuchung abzuwarten. ,,Ich weiss gar nicht, wovon Sie reden,“ antwortete einer der Kunden, ״ich kenne keinen Bichter und habe keine Zeit mit Ihnen zu verlieren. Ich habe meinen Bichter bei mir, hier sehen Sie ihn!“ und er zieht seinen Dolch hervor. ״Halten Sie es nach Belieben: entweder Sie geben mir mein Gold, oder ich spreche selbst das Urteil und führe es aus.“ Und der arme Goldarbeiter sah sich gezwungen, mit seinem Sohne ausser Landes zu gehen. Beide wanderten von Stadt zu Stadt, sich abmühend und arbeitend. Ich riet ihnen, sich in Bagdad niederzulassen, und versprach ihnen meinen Schutz, ״Und meine Frau und meine Kinder, die ich zum Pfand in Bevandiz gelassen? Alles, was wir verdienen oder sammeln, schicken wir Ihnen, für Sie und für die Gläubiger“. Der Dritte war Kaufmann gewesen. Es war eine jammervolle Erscheinung. Der arme Mann brachte Korn von Bavandiz nach einer benachbarten Ortschaft. Sein Floss stösst an einen Felsen, zerschellt, und die Wellen des Mzab verschlingen sein Vermögen. Auch er musste nun, um seinen Geldgeber schadlos zu halten, Bavandiz verlassen. Seit zwei Jahren irrt er in Mesopotamien umher und sammelt das erforderliche Geld, um sich frei zu machen. Ich war glücklich, diesen Armen unterstützen zu können, dank der bedeutenden Mittel, die mir die Alliance israelite vor einigen Monaten für die bedürftigen Kranken von Bagdad zukommen liess. Unsere Glaubensgenossen in Bavandiz führen ein mühseliges Dasein, doch hat sie Gott glücklicherweise mit viel Mut und Ergebung gesegnet. ״J. Pr.w Vermischtes. Herrn Rabbiner Dr. Grünfeld jr., Prenzlauerstr. 49, Rabbiner der WolfTsehen Ez-Chajim-Gemeinde sind vom Magistrat unserer Stadt einige Klassenzimmer der 69. Gemeindesehule, Kl. Frankfurterstr. 6, zur Abhaltung jüdischen Religionsunterrichtes, zur Verfügung gestellt worden. Anmeldungen (auch zum Barmizwah-Unterricht) nimmt Herr Rabbiner Dr. Grünfeld jr. täglich in seiner Privatwohnung entgegen. Für die hartbedrängte JLehrerfamilie gingen noch ein: von Herrn A., Paupachstr. Mk. 3,—. L. L. Zionskirchstr. Mk. 2,—, H. Krojanker, Schmidstr. 8a Mk. A, H. Alexandra, Magdeburgerstr. 13 Mk. 5,—, H. S. Pagel, Kleiststr. 16 Mk. 5,—. Herzlichen Dank allen gütigen Gebern! Im ganzen gingen ein: Mk. 92,85. Weitere milde Gaben erbittet und befördert die Expedition dieses Battes. Kalendarium. Freitag, den 15. October, 19. Tischri Sabbat-Anfang 5,10. »onnabend, ״ .16. 20. " ש׳חה׳ם Nacht 5,49. Sonntag, .17 ״ 21. " הרשנא רבה Paimfcst. Montag, .18 ,׳ 22. " 22רה ^QL^Schlussfest (Seelenfeier). Dienstag, ״ 10 ,1 23. " שמחת תורה Gesetzesfreude. Nacht 5,41. Freitag, .22 ׳, 26. ״ Sabbat-Anfang 4,w.