Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 41 (8.10.1897)
- Date
- 1897-10-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Mode-Bazar Guttman Nachf. <wmy Landsbergerstr. 66/67. Artikel aller Branchen Bei jedem Einkauf ein Carton Seife gratis. Ausserdem ©rhälfc jeder Vorzeiger dieses Inserats 5°/0 Rabatt. Plötzlich entglitt aber die Schwimmblase, an die er sich geklammert hatte, seinen Händen. In seiner Verzweiflung ergriff er den Arm eines neben ihm schwimmenden 12 bis 14jährigen Knaben, den er mit sich in die Tiefe zog. Herr Lehrer Weiss, der eben vollständig angekleidet aus der Kabine trat, warf sich rasch entschlossen ins Wasser und rettete die Beiden vom sicheren Tode. Der wackere Lebensretter wurde vom Badepublikum für seine Heldenthat mit stürmischen Eljenrufen belohnt. — Unter den anlässlich der Anwesenheit des Zaren in Warschau beschenkten Arbeitem im Sommerpalais zu Lazienki erhielten Berek Lew eine goldene Uhr, Chaskjel Bloch eine silberne Uhr und Pinkus einen goldenen Hing. Wittenberg. Der erste israelitische Gottesdienst seit mindestens 400 Jahren, vielleicht auch seit der Gründung Wittenbergs, hat vorgestern hier stattgefunden. Ob vor 1440 jüdische Religionsübungen hier stattgefunden haben, darüber haben wir keine Nachricht, fest aber steht, dass seit 1440 kein© solche stattgefunden haben können, da seit diesem Jahre kein Israelit in Wittenberg gewohnt hat. Am Anfang des 14. Jahrhunderts waren die Juden in Wittenberg und Umgegend sehr zahlreich,־ im Jahre 1304 wurden sie durch Herzog Rudolf I. ausgewiesen; sie kehrten aber bald wieder zurück, und als sie im Jahre 1440 auf Veranlassung der Kurfürstin Margaretha von deren Gemahl, Friedrich dem Sanftmütigen, ZUtn zweiten Male vertrieben wurden, da geschah dies mit dem Zusatz ״auf ewige Zeiten.“ Diese ewige Zeiten haben vorgehalten, bis sie von dem Freizügigkeitsgesetz durchbrochen wurden. Nun siedelte sich ein Israelit nach dem andern hier an, bis ihre Zahl jetzt auf etwa 40 Seelen, darunter 12 Haushaltungsvorstände, gestiegen ist. Die hier ansässigen Juden wurden der Synagogen-Gemeinde in Halle zugeteilt, die Hauptfeste feierten sie aber in Koswig, Dessau oder Berlin. Seit einiger Zeit erteilt ein jüdischer Lehrer aus Halle den hiesigen jüdischen Kindern wöchentlich in zwei Stunden Unterricht in der hebräischen Sprache und Religion, an dem zur Zeit drei Kinder teilnehmen. Da die Zahl der erwachsenen Juden für die Bildung einer Religionsgemeinde noch zu klein, aber stark genug zu gemeinschaftlichen Religionsübungen ist, so haben sie sich nunmehr zu solchen Andachten vereinigt, und damit an diesem Rosch ha Schau ah den Anfang gemacht. RawitSch. Bis zum 1. Juni d. Js. zählte die hiesige Strafanstalt zu denjenigen Anstalten, in denen an die jüdischen Insassen rituelle Kost verabreicht wurde. Es lieferten deswegen eine ganze Reihe von Landgerichten der östlichen Provinzen die jüdischen Strafgefangenen hier ab, die meisten kamen aus Berlin. Ihre Zahl war deshalb ziemlich gross und betrug durchschnittlich gegen 100. Nachdem nunmehr die Verabreichung ritueller Kost abgeschafft und die Verfügung getroffen worden, dass auch die jüdischen Strafgefangenen in den Strafanstalten der Provinz untergebracht werden sollen, in der das Verbrechen begangen worden ist, werden fortab hier nur Strafgefangene aus den Landes* gerichtsbezirken Posen, Lissa, Rawitsch und Ostrowo aufgenommen werden. Dadurch wird nach dem ״Ges.“ die Zahl der jüdischen Strafgefangenen in der hiesigen Anstalt sich auf 8 bis 10 verringern. Bremen. Herr Ahiwardt, Mitglied des Reichstags, hat, so schreiben die ״Br. N.“, nun auch unser Bremen heimgesucht, nachdem er vor einigen Tagen in Hamburg für sein Cigarrengeschäft Reklame gemacht hatte. Seiner freundlichen Einladung, zu seinem Vortrage über das Judenrum in der alten und neuen Welt in die ״Centralhallen“ zu kommen, hatten etwa 500 Personen Folge geleistet, wohl zum grössten Teil Leute, die sich für einen Obolus von 30 Pfg. einen billigen Spass kaufen wollten. Es war doch einmal etwas Anderes. Herr Ahiwardt 11688 es denn auch an Bemühungen nicht fehlen, den hochgespannten Erwartungen, die das versammelte Publikum an seinen Vortrag und seine Person knüpfte, gerecht zu werden. Neues brachte er natürlich nicht vor; was er erzählte, waren, bis auf die hochphilosophishe Einleitung, alte Sachen und immer dieselben gehässigen Ausfälle gegen das Judentum, die sattsam bekannt sind. So verschmähte er es auch nicht, die ״faule Eiergeschichte“ aus Amerika wieder aufzuwärmen und Aeusserungen in Abrede zu stellen, die er notorisch gethan hat. Mit Beginn der Diskussion, die ein Herr, der sich als Vertreter der Arbeitervereinigung der Vereinigten Staaten vorstellte, eröffnete, ging der Ulk los, doch war die Haltung der Anwesenden gemessen und ruhig. Nürnberg. Der vor einer Woche gestorbene, auch zu seinen Lebzeiten als grosser Wohl thäter bekannte Privatier Lazarus Schwarz, hat in seinem Testamente den weitaus grössten Teil seines Vermögens für wohlthätige und gemeinnützige konfessionelle und interkonfessionelle Zwecke bestimmt. Insbesondere hat er in Anbetracht dessen, dass dürftige Israeliten in derartige Anstalten nicht aufgenommen werden, mit einem Capital von 400000 Mk. eine Altersversorgungsanstalt für Israeliten gegründet, des weitern 124 000 Mk. der israelitischen Cultus- Verwaltung in Nürnberg für bestimmt vorgesehene Wohlthätigkeitszwecke vermacht. Weiter hat er gegen 20 000 Mk. verschiedenen Wohlthätigkeits-Anstalten, darunter dem Comite für Ferien-Colonien. für arme, kranke Kinder, dann dem Verein für Krankenpflege durch Niederbronner Schwestern, dem Verein für Krankenpflege durch Diakonissinnen, dem Verein Frauenwohl u. s. w. zugewendet. Seine Sammlung von Goldand Silbermünzen bestimmte er dem Germanischen Museum. Die Adas Jisroel erhält 2000 Mk., der israelitische Armen-Unterstützungsverein 1000 Mk., die isr. Waisenanstalt in Fürth, welcher er bereits im Leben 120 000 Mk. gewidmet, 500 Mk., All. Isr. 1000 Mk., das isr. Lehrerseminar in Würzburg 1000 Mk., die Präparandie in Burgpreppach 1000 Mk., die Talmud Thora in Schwabach 500 Mk. Strassburg i. E. Der vielbesprochene Fall Rosenthal in Erlangen ist, der ״Correspondenz Hoffmann“ zufolge, nunmehr auch nach der disciplinären Seite hin zum Abschlüsse gelangt. Nach der gerichtlichen Feststellung hat Prof. Dr. Rosenthal in der betreffenden Vorlesung gelegentlich der Demonstration der Zusammenziehung und Ausdehnung des Herzens an einem Frosche den auf ein Holzgestell befestigten Frosch mit den Worten״ .־Sehen Sie, der Frosch ist so befestigt, wie Christus am Kreuze“, den Zuhörern vorgezeigt and unter ihnen in Umlauf gesetzt. Die beiden mit der Sache befassten Gerichte kamen zu der lieber- Zeugung, dass Prof. Dr. Rosenthal mit diesen Worten nicht etwa die Person Christi mit dem Frosche vergleichen, sondern nur, um den Zuhörern die Art und Weise der Befestigung des Frosches auf dem Holze deutlich zu machen, auf die Befestigungsmanipulationen bei einem Gekreuzigten vergleichend hinweisen wollte. Die Gerichte lehnten denn auch, wie bereits bekannt geworden ist, die Strafverfolgung wegen des Mangels eines strafbaren Vergehens ab, indem sie weder die Thatbestandsmerkmale des § 166 (Gotteslästernng), noch die Thatbestandsmerkmale des § 366 Ziffer 11 des Reichsstrafgesetzbuches für erschöpft erklärten. Das Cultusministerium hatte bei der darauf erfolgten disciplinären Würdigung der Sache die gerichtliche Feststellung zugrunde zu legen, es gelangte aber, und man wird ihm darin nur zustimmen können, zu der Ansicht, dass die gefalle ne Aeusserung nach Form und Umständen durchaus unangebracht und geeignet war. die religiösen Empfindungen der Zuhörer zu verletzen; es sehe sich daher veranlasst, dem Professor Dr. Rosenthal mit Entschliessung vom 16. September sein Bedauern und Missfallen Über das fragliehe Vorkommnis aussprechen zu lassen.