Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 39 (24.9.1897)
- Date
- 1897-09-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Mode-Bazar Guttman Nachf. <wmy stem, Landsbergerstr. 66 67 Artikel aller Branchen. Bei jedem Einkauf ein Carton Seife gratis. Ausserdem erhält jeder Corzeiger dieses Inserats 5°/0 Rabatt. aufzunehmen. Alsbald protestierten die ״Alten Herren44. Sie versammelten sich zu diesem Zwecke im November vorigen Jahres in Qleiwitz und gaben dort ihren Wider- Spruch in einer einstimmig angenommenen Resolution energisch Ausdruck. Es ward darin u. A. gesagt: ״Wir weisen den finsteren Geist der Unduldsamkeit, welcher den altgeheiligten Grundsätzen Hohn spricht und die Bande inniger Freundschaft unter den Bundesbrüdern verschiedener Konfession zu zerreissen droht, zurück. Dieser Geist missachtet die Freiheit und Gleichberechtigung aller Bürger, verletzt die Ehre der Komilitonen und widerstreitet dem Vaterlandssinn. Ein Beharren auf jenem Beschlüsse, muss zur Trennung ״alter44 und aktiver Burschenschafter führen. Das Ansehen und die Ehre der deutschen Burschenschaften verlangt daher, dass jener Beschluss alsbald beseitigt und die gefährdete Eintracht wieder hergestellt wird durch ein einmütiges rückhaltsloses Bekennen zu dem Geiste vorurteilsloser Duldsamkeit, welcher immerdar der Stolz und die Zierde der deutschen Burschenschaften bleiben muss.“ — Diese Resolution hatte ein Rundschreiben der ״Germania44 an sämtliche Burschenschaften zur Folge, worin sie mitteilte, ״dass sie diese Entschliessung nicht für bindend halte, dass sie sich vielmehr stets das Recht wahren werde, über die Aufnahmefähigkeit neuer Mitglieder zu entscheiden.“ Der Protest der ״Alten“ hatte also keinen Erfolg; dasselbe Schicksal teilten ihre späteren Vorstellungen und das Ende vom Lied ist nunmehr der in letzter Zeit erfolgte Austritt zahlreicher jüdischer und christlicher ,.alter Herren44 aus der Burschenschaft. Hiervon hat die letztere ihren Komilitonen selbst durch Zirkular Kenntnis gegeben. Die Ausgeschiedenen werden dem Vernehmen nach ihre Stellung zu der Streitfrage in einem Memorandum an alle Burschenschaften ausführlich darlegen. — Kapellmeister Mahler, der als Nachfolger Jahn s zum Direktor der Wiener Hofoper berufen worden ist, war die Bedingung gestellt, vor Uebernahme des Amts sich taufen zu lassen. Erst nachdem dies geschehen, sind ihm die Funktionen eines Kaiserl. Königl. Operndirektors übertragen worden. In Bezug auf die Ausweisung russischer Unterthanen aus Deutschland ist seit Kurzem ein völliger Umschwung eingetreten. Nicht nur. dass in einzelnen Fällen die Aufenthaltserlaubnis, auch wo deren Entziehung bereits augedroht war, ohne erheblichere Schwierigkeiten auf ein halbes bezw. ganzes Jahr verlängert wurde, sind auch die, an verschiedenen Orten, z. B. in Memel, in grösserer Anzahl verfügten Ausweisungen auf Anordnung von höherer Stelle meistenteils zurückgenommen worden. Die Betroffenen, fast ausschliesslich russische Juden, die seit Jahren in Deutschland gewohnt haben, sind von der günstigen Wendung ihres Geschickes um so überraschter, als bisher alle ihre Beschwerden gegen ihre Ausweisung erfolglos geblieben waren und kurzer Hand abgewiesen wurden. Auch neue Aufenthalts-Erlaubnisscheine werden unverdächtigen Ausländern, die sich über den Zweck ihres Verweilens im preussischen Staatsgebiete genügend ausweisen können, nach längerer Pause wieder für grössere Zeiträume erteilt. Man bringt den Umschwung mit dem Besuch des Kaisers in Russland und der allgemeinen Verbesserung der deutsch-russischen Beziehungen in Zusammenhang. Jerusalem. Die Gesellschaft ״Palästina Exploration Fund“ bemüht sich jetzt, in Transjordanien Ausgrabungen nach jüdischen Altertümern zu machen. Am Sonnabend Abend hielt dementsprechend der amerikanische Konsul, Herr Edwin Wallace. im ״New Hotel Palestine“ einen Vortrag über das Land jenseits des Jordan, seine Natur, Geschichte und Bewohner. Der Vortrag war öffentlich und zahlreich besucht. Auch wurden viele Spenden für die Ausgrabungen gegeben. Rechoboth. Jeder Besucher dieser Kolonie müsste unbedingt auch die Schule besuchen, da sie ein Muster für derartige Anstalten in unseren Dörfern zu werden bestimmt ist. Abgesehen davon, dass die junge heran wachsende Generation in den Geist des Hebräischen als ihrer Mutterspräche, eingeführt wird, hat man hier zuerst daran gedacht, dass diese Anstalt nicht nur jüdische Kinder, sondern jüdische Bauernkinder erziehen sollen. Jeden Nachmittag gehen fünf Knaben der obersten Schulklasse unter Aufsicht eines tüchtigen geübten Arbeiters hinaus auf das Feld und in den Garten, um alle landwirtschaftlichen Arbeiten selbständig auszuführen. Die Kolonie hat zu diesem Zwecke einen Platz von ca. einem Hektar angewiesen, auf dem die Schulknaben bis jetzt ringsherum eine Reihe von Acacia mimosa pharnesiana und zwei Reihen des Wunderbaumes Eucalyptus anpflanzten, um nunmehr das Land mit tiefem Spatenstich von der gefürchtetsten Art der hiesigen Quecke (triticum repensj gründlich zu reinigen. Man wird sodann das Land mit Weinreben, Orangen, Citrusäpfeln (Ethrogim). Mandeln und anderen Frachtbäumen bepflanzen, und so allmählich durch diese Kinderarbeit eine gute Baumschule schaffen. Die Einnahmen aus dieser Baumschule werden dazu verwendet werden, für die Kinder gute Garten- Instrumente und Turngeräte zu erwerben. Selbstverständlich ist es, dass die Konservation zwischen den Kindern und ihrem Leiter in hebräischer Sprache geführt wird. So werden Geist und Körper, Judentum und landwirtschaftlicher Sinn zugleich gekräftigt und gestärkt, und man muss dem leitenden Gärtner von Rechoboth, Herrn A. Eisenberg, aus vollem Herzen Dank wissen, dass er diese Einrichtung getroffen und so gut durchgeführt hat. Damit aber auch die Mädchen der Kolonie den ihnen zugänglichen Landarbeiten, wie solche die Bäuerinnen in den mitteleuropäischen Ländern verrichten, obliegen, wird in dem Versuchsgarten auch Gemüse gebaut. Ausserdem levneu sie den Umgang mit dem Milchvieh und die ganze Milch- Wirtschaft. Auch die Mädchen sprechen mit dem Leiter der Arbeit, wie unter einander, Hebräisch. Die hohe Bedeutung dieser neuen Einführungen tritt noch mehr hervor, wenn wir bemerken, dass die anderen Kolonien sich beeilen, dieses Muster nachzuahmen. So ist die Kolonie Katra (Gederah) schon dabei, für ihre Knaben eine ähnliche Baumschule, sowie einen Turnplatz einzurichten. Die ohnehin gesunde und kräftige Jugend unserer Dörfer hat so Gelegenheit, im engsten Anschlüsse an die Arbeit der Eltern sieh zu stärken und zu stählen. Ein Urteil über die ״Israelitische Volksküche‘ . Eines unserer Blätter brachte neulich einen Artikel über die ״Israelitische Volksküche“, der der antisemitischen Presse reichlichen Stoff zu Ausfällen gegen diese Anstalt, ihre Leitung und — anders macht es ja ein antisemitisches Blatt nicht — gegen das Judentum lieferte. Wenn dies auch nur der einzige Erfolg jenes Artikels sein dürfte, so ist dies jedoch Grand genug, jener tendenziösen, von Uebelwollen diktierten und von oberflächlicher Beobachtung zeugenden Beurteilung der Anstalt entgegenzutreten. Wenn der Berichterstatter ohne Vereingenommenheit, mit aufmerksamen Blicken die Israelitische Volksküche beobachtet und sich nicht auf das ,,einwandfreie Zeugnis fremdbärtiger Studenten44 verlassen hätte, so müsste er gleich allen Besuchern der Anstalt doch die aussergewohnlichen, ja nirgend wieder anzutreffenden Leistungen der Anstalt anerkannt oder wenigstens erwähnt haben. Der Artikel ergeht sieh nur in Vorwürfen, zu denen aber die ,,einwandfreien Zeugen44 selbst nicht zum geringsten Teil Veranlassung gegeben haben mögen. Einer Widerlegung der vielen unrichtigen und übertriebenen Behauptungen über die Anstalt