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Berliner Vereinsbote · 1897-09-03 · Heft 36 (3.9.1897) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 36 (3.9.1897)
Date
1897-09-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Vereins-Schau, Am 8. September begeht Herr Rabbiner Dr. Lipschütz die Feier seiner 25jährigen Amtsthatigkeit. Der Vorstand des Lippmaim T au s-Sy ת agogon - Veroi ns trifft bereits Vorbereitungen, um diesen Tag würdig zu begehen. Am 4. September soll eine Synagogen - Feier (Gollnowstr. 11) abgehalten werden und am 8. ds. ein Festessen in Cassels Hotel stattfinden. Um ein bleibendes Andenken an diesen Tag zu schaffen, beabsichtigt der Vorstand, dem Jubilar eine Ehrengabe, evtl, in Form einer Stiftung zu überreichen. Beiträge hierzu nimmt das Vorstandsmitglied Herr Leopold Kaufmann, Dr. Frankfurts 86. 66, entgegen. Die ״Wissenschaftliche Vereinigung jüdischer Schulmänner ZU Berlin“ hielt am 21. August eine sehr zahlreich besuchte ausserordentliche General Versandung ab. Der j Vorsitzende, Herr Rector Dr. Adler, eröffnete die Sitzung j durch Verlesung eines Dankschreibens, welches Herr Landesrabbiner Dr. Feilcbenfeld-Schwerin aus Anlass der Beglückwünsehung zu seinem 70. Geburtstage an die Mitglieder der Vereinigung gerichtet hat. Dann wurde in die eigentliehe Tagesordnung eingetreten. Nach längerer Debatte wurden einige Abänderungen in den Statuten beschlossen. Diese betrafen den § 5 über die Mitgliedschaft, § 7 über Einberufung der Generalversammlung und § 11 über die Abstimmung der Generalversammlung bei Statutenänderung. — Sehlieslich wurde noch ein Antrag eines Mitgliedes ahgenommen, nach welchem der Vorstand beauftragt wird, eine Geschäftsordnung für die Vorstandssitzungen und Vorei ns Versammlungen zu entwerfen. Die nächste ordentliche Versammlung findet am 4. September statt; in derselben soll die Discussion über die vom Herrn College« Auerbach atifgestellteu Thesen fortgesetzt werden. Die jüdischen Vereine Berlins. (Nach den Angaben der p. p. Vorstände.) (,Etwaige Uת Genauigkeiten bitten wir geH. berichtigen au wollen.) Nachdruck verboten. ״Handwerkerverein ehemaliger Pankower Kameraden. Am 1. März 1890 ist dieser Verein zur Förderung und Befestigung des Gefühles der Zusammengehörigkeit unter den ehemaligen Zöglingen des Erziehungshauses zu Pankow sowie zur Unterstützung im Falle der Krankheit und Arbeitsunfähigkeit begründet worden. Ordentliche Mitglieder zählt der Verein 15. Er unterhält eine Darlehnskasse zur Unterstützung der Mitglieder in Krankheitsfällen und bei Arbeitslosigkeit. Vorsitzender ist Herr 8. Bereliowitz, Kl. Frankfurterstr. 22., Schriftführer Lehrer Falkenberg, Spenerstr. 16 und Kassierer A. Basch, Prenzlauerstr. 57. ״Synagogen-Verein Moabit.“ Von den Herren D. Struck, M. Heymann und G. W. Baruc.li ist 1890 dieser Verein begründet worden. nrfi in dem Stadtviertel ,,Moabit“ eine Andachtsstätte zu errichten. Diese befindet sieb im Hause Lessingstrasse, Ecke Elensburgerstrasse. Vereinsrabbiner und Leiter der Religionsschule ist Dr. Winkler. Der Verein zählt ca. 50 Mitglieder. Vorsitzender ist Herr M. Hevmann, Weingrosshandlung, Klopstoekstr. 21, Schriftführer Valentin Landsberg und Rendant G. W. Baruch. Umschau. — Aus dem feindlichen Lager. In Berlin bestehen unter der gemeinsamen Firma ,,Deutsches Wirtshaus“ einige speelfische Antisemiten-Kneipen. Für die Höhe des Geistes, der darin waltet, ist es bezeichnend, dass sie in gothischer Schrift, in heraldischer Ausführung die Devise zeigen: ״In diesem deutschen Wirtshaus kann man Speisen ohne Kn oblauch ha’n.“ Sie sind reichlich mit Zerrbildern ,,geschmückt“, allabendlich singt das Publikum zur Erhöhung des Bier konsums sogenannte humoristische oder auch Kampflieder gegen die Juden und der industriöse Wirt kommt dabei auf seine Rechnung. Wenn das Geschäft stockt, dann wird irgend ein Fremdling, der sich in diese angenehme Gesellschaft hinein verirrt, mit dem Kriegsgeheul ,,Juden raus!“ in die bessere Luft befördert, auch wenn er kein Jude ist. Neuerdings ist mit diesem antisemitischen Kneipgeschüft das ,,Cigarrengeschäft von Ahlwardt A Co." verbunden. In Versen, die Steine erweichen können, wird das Volk aufgerufen, die Judenherrschaft zu brechen — ein köstliches Phantasiestück, diese .,Herrschaft" der Juden, die auf Schritt und Tritt zu fühlen bekommen, dass 816 eben Juden sind und geringere Rechte haben als andere! — und eines der Mittel hierzu ist der Bezug von Cigarren von Ahlwardt & Co. Diese Ahlwardfsche Geschäftsgrün־ düng ist übrigens eine jener unlauteren Schiebungen, denen das Bürgerliche Gesetzbuch einen Riegal vorschiebt, die also nach Beginn der Geltung des neuen bürgerlichen Rechtes nicht werden Vorkommen können. Ahlwardts min derjähriger Sohn ist Inhaber des Geschäfts seines mit Schulden überlasteten Vaters. Die Ahlwardt'schen Ci garren werden an die antisemitischen Feinschmecker in diesen unstreitig höchst verführerischen Tabaken nur gegen vorherigo Bezahlung des Betrages versandt; der Ahlwardt kennt seine Pappenheimer. Sieht man nun von dieser antisemitischen Kneipen-, l 'igarren- und Bilderbogen-Industrie ab und von der Presse, die aus dem Antisemitismus ein Geschäft macht, ־— was bleibt von dieser ,,Bewegung" übrig, die stolz als Retterin des Deutschtums auftrat und die mit ihrem schier unglaubliehen Terrorismus nicht blos viele Dumme im Volk gef angen und das politisch-soziale Leben Deutschlands auf eine tiefere Stufe herabgedrückt hat, sondern die überdies die oonservative Partei in die Schaumwellen der Demagogie hineingezogen und in massgebenden Kreisen alte Vorurteile und die Neigung zu gewissen Unbilligkeiten gestärkt hat? Man vergleiche die ,,Berliner Bewegung" von 1880-81 und die heutige Lage des Antisemitismus. Was ist aus Stöcker geworden? Er ist ein toter Mann. Wohin ist die Berliner ,,Bürgerpartei“ geschwunden, die einst achtzehn Mandate in der Stadtverordneten-Versammlung inne hatte und jetzt ein einzige« und dieses nur dank der Hofstallkneehte und des sonstigen Hofpersonals. Bei den Reichstagswahlen von 1894 gelang es den Antisemiten, da es sich einerseits um eine Militärvorlage handelte und andererseits um Triumphe der Agrardemagogie. allerdings in so stattlicher Zahl Plätze zu gewinnen, dass sie eine eigene Fraktion bilden konnten. Wie tummelten sie sich auf stolzen Rossen und thaten so, als ob sie demnächst ganz Deutschland sich Unterthan sehen würden! Heute, wo wir zu den Neuwahlen noch eine geraume Weile hin haben, ist die antisemitische Reichstagsfraktion in voller Auflösung begriffen. Von den 15 Mitgliedern der Fraktion ist eines, Herr Lieber aus Meissen, ausgeschieden, weil er das bürgerliche Gesetzbuch nicht ablehnen wollte. Herr Dr. Buckel ist von der politischen Bildfläche verschwunden. Herr Ahlwardt ist gewimmelt. Ein Mitglied ist gestorben, das Mandat ist den Socialdemokraton zugefallen. Herr Vielhaben ist wiederholt, und einmal vor versammeltem Reichstag, von der Fraktion vsrleugnet worden. Herr Köhler und Herr Hirschei erklären, dass sie sich fortan der Bauernbewegung anschliessen werden. Von dem dritten rheinischen Antisemiten im Reichstage, Herrn Bindewald, und dem Kurhessen Werner wird dasselbe erwartet. Professor Förster ist ansgeschieden, weil er die Wirtschaft in

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