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Berliner Vereinsbote · 1897-08-27 · Heft 35 (27.8.1897) · page 6

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Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 35 (27.8.1897)
Date
1897-08-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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״Hilf&verein für jüdische Studierende/‘ Der Zweck des Vereins ist: Jüdische Studierende der Universität zu Berlin und der anderweitigen staatlichen höheren akademischen Lehranstalten (Technische Hochschule, Bergakademie, Kunstakademie u. s. w.) zu unterstützen zur Fortsetzung des Studiums und zur Ablegung der nötigen Examina, letzteres nur nach mindestens einjährigem Studium in Berlin. Vorsitzender ist Geh. Sanit.־ Rat Dr. Abraham, Bendlerstr. 31. Schriftführer Geh. Sanit.- Rat Dr. Croner, Bendlerstr. 9. ״Comite für Feriencolonieen jüdischer Kinder.“ Das Comite entsendet alljährlich schwächliche und in der Genesung begriffene Kinder im Alter von 7 bis 14 Jahren aus bedürftigen würdigen Familien während der Sommerferien in die Sommerfrische unter Führung eines Lehrers oder einer Lehrerin (Vollscolonieen, Freistellen und Halbcolonieen). Vorsitzender ist Herr Ad. Meyer, Breitestr. 9. / ״Hilfsverein für Bfärkisch-Friedland.“ Der Zweck dieses Vereins ist: 1. bedürftige, jüdische Personen über 50 Jahre alt, 1n Märkisch-Friedland geboren oder seit 15 Jahren Mitglied der dortigen Gemeinde, zu unterstützen, entweder durch Verpflegung in der eigenen Wohnung oder Unterbringung in geeigneten Familien. 2. Jungen Leuten die Mittel zur Erlernung eines Hand- Werks, einer Kunst oder zum Studium zu gewähren. Vorsitzender des Vereins ist Generalconsul W. Schönlank, ''Blumeshof 12, Schriftführer Herr Saulmann, Kaiser-Wilhelmstrasse 37. ״Xinder-Spar-Verein.“ Der ״Kinder Spar-Verein" wurde im Jahre 1896 gegründet. Inzwischen sind die Sparbüchsen zweimal entleert worden. Das erste Mal war das Resultat die Summe von 4950 Mark, das zweite Mal 8200 Mark. Vor der nächsten Entleerung der Sparkästchen im Herbst wird samtliehen Familien, welche Sparkästchen halten, ein Bericht mit ihren Namen zugehen. Die Verteilung hat seither stattgefunden an 33 Witwen, 15 Eheverlassene, 40 Familien, für Kinder zu Badekuren und Feriencolonieen, für Unterstützung der Taubstummen anstatt, etc. Vorsitzende des Vereins sind Frau -Cäeilie Friedländer, Bellevuestr. 9 und Herr Commerzienrat Jul. Martin Friedländer, Bellevuestr. 8. Schriftführer Herr Commerzienrat Julius Isaac, Chausseestr. 114. Schatzmeister Herr Adolf Russ, Kurfürsten dämm 12. Verband der Vereine für jüdische Geschichte and Xfiteratur in Deutschland". Der ״Verband der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland“ besteht seit 4 Jahren und giebt alljährlich einmal Mitteilungen über die Thätigkeit sämtlicher Geschichtsvereine, die seither in Deutschland schon die stattliche Zahl von 70 überschritten haben, heraus. Die Thätigkeit des Verbandes besteht darin, für die einzelnen Vereine Redner zu empfehlen und ihre literarische Thätigkeit zu überwachen und darüber zu berichten. Der Vorstand des Verbandes bestellt aus den Herren: Dr. Gustav Karpeles (I. Vorsitzender), Rabbiner Dr. Frank- Köln (II. Vorsitzender), Dr. Hirsch Hildesheimer (Schriftfiihrer), Commerzienrat Julius Isaac (Schatzmeister, ferner aus den Herren: Dr. Adolf Brüll-Frankfurt a. M., Dr. med. Fink-Hamburg, Kaufmann Siegfried Freund-Dortmund und Bankier Emil L. Meyer-Hamburg, Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal-Pr. Stargard (Beisitzer). Der geschäftsführende Ausschuss besteht aus den Herren: Dr. Gustav Karpeles (Vorsitzender), Dr. Hirsch /flildesheimer (Schriftführer), Commerzienrat Julius Isaac ^(Schatzmeister). Sekretär des Verbandes ist Schriftsteller 1 Albert Katz, Pankow, Berlinerstr. 120. Umschau. — Die Palästina-Import-Gesellschaft hat von der Jury der Hamburger Gartenbau-Ausstellung für ihre dort ausgestellten Waren die grosse Bronze-Medaille erhalten. — In Samter ist an der königlichen Land־wirtsohaftsschule, die zur Zeit von 39 jüdischen Schülern besucht wird, nach mehreren vergeblichen Anträgen nunmehr die Einführung jüdischen Religionsunterrichts von der Regierung genehmigt, und derselbe (drei Stunden wöchentlich) dem. Gemeinde-Rabbiner übertragen worden. Dresden. Der Redakteur Kühn von der hier erscheinenden antisemitischen ״Deutschen Wacht“ wurde zu 500 Mk. Strafe verurteilt Er hatte der Polizeibehörde Parteilichkeit zu Gunsten des Besitzers einer Spezialitätenbühne vorgeworfen. — (Zum Zionisten-Congress.) Die armen Juden des Ostendes von London und die jüdischen Gemeinden von Manchester, Liverpool und Leeds haben Delegierte zum Zionisten-Congress in Basel erwählt. Die reichen Juden und sämtliche englischen Rabbiner sind, wie die ״Allgem. Corr.“ unter dem 10. d. M. mitteilt, mit den Zielen des Congresses nicht einverstanden. Oesterreich. Herr Ernst Vergani, der Eigentümer und Herausgeber des ״Deutschen Volksblattes^, der einzigen grossen Zeitung, die den christlich-sozialen Antisemiten zur Verfügung steht, ist bekanntlich dieser Tage vom Gerichte aller Welt als das gezeitigt worden, wofür ihn seine Gegner schon lange hielten, als ein gewöhnlicher Defraudant. Nun hätten unparteiisch denkende Leute sagen können, dass das ein Malheur sei, dass jeder Partei passieren könne, also auch der christlich-sozialen, wenngleich zugegeben werden muss, dass gerade diese Partei von Unglücksfallen solcher Art besonders hart verfolgt wird. Sie hat Feichtinger abzuschütteln versucht, Mittermayer ausgeschlossen, Grolich boykottiert — den alten Grundsatz bürgerlicher Gerechtigkeit, kleine Diebe zu hängen und vor den grossen zu katzbuckeln, hat sie aber nicht verlernt. Feichtinger, Grolich, Mittermayer sind Schufte, weil man sie nicht braucht, Vergani ist ein Ehrenmann und muss einer sein, weil er eine Macht ist. Herr Mittermayer, der Dieb, Herr Dr. Löw, der jüdische Apostat, Herr Wedrul, sein Schützling, der ״Judenknecht" sammeln in den Klöstern für ein neues antisemitisches Tageblatt ihrer Couleur. Hätte die christlich-soziale Partei den Eigentümer des ,,Deutschen Volksblattes" fallen lassen, hätten Herr Mittermayer und Compagnie nicht länger sammeln brauchen. Darum erweisen Herr Lueger, Fürst Lichtenstein und alle die Kleinen Herrn Vergani ihre unterthänfgste Reverenz und erklären den Freispruch der deutsch-national-antisemitisehen Beleidiger Verganis für ein ,,Judenstückei“. Traurig, traurig! Bisher war es nach christlich-sozialer Terminologie ein ״Judenstückei“, wenn man Obligationen stahl, heute ist es ein ,,Judenstückei“, wenn man Obligationendiebe brandmarkt. Das ist der Siegfried, der auszog, den Drachen Corruption zu töten, das ist das moralische Ende des Blattes und der Partei, die den Einfluss der ״Judenpresse" bekämpfen wollten! Herr Vergani ist ihr Oberhaupt, sein Wort ist Dogma und zu den tausend Verdrehungen, die er in seinem Blatte begeht und die von dem glaubensstarken Wiener Spiessbürger ruhig für wahr genommen werden, kommt noch eine — dass er sich für einen Ehrenmann erklärt. (Volksblatt Leipzig.) — Wien. Ueber die letzten Vorgänge in Pilsen verlautet hier authentisch: Ein deutscher Student der Medizin, Namens Hartmann, Israelit, schlug den böhmischen Studenten Schmidt, welcher mit anderen Personen am Ringplatze stand, gestern abend mit einem Stock. Schmidt behauptet, er habe über das Trikolore-Band, welches Hartmann trug, gelächelt, worauf dieser ihn mit dem Stocke schlug. Hartmann behauptet, drei bis vier Personen wollten ihm das Band entreissen, weshalb er sich mit dem Stocke verteidigt

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