Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1897)
- Date
- 1897-08-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Prämiiert Dresden 1874. Hirsch7^ Schneider-Akademie Gegründet 1859. 24000 Schüler ausgebildet. Berlin C., Rotes Schloss No. 2. Grösste, älteste, besuchteste u. einzig preisgekrönte Fachlehranstalt derWelt. Am 1. und 15. jeden Monats beginnen die neuen Kurse in allen Abteilungen der Herren-, Damen- und Wäsche-Schneiderei, sowie im Skizzenzeichnen und Handelswissenschaften. Perfecte Ansbildung zu Direktricen, Zuschneidern u. Konfektionären. Absolut sicherer Erfolg wird garantiert. Nach absolviertem Kursus kostenloser Stellennachweis. Prospekte gratis. Anmeldungen baldigst erbeten.Die Direktion. Dampfwäseliepei ״Sport44 Inhaber: Max Jaroczynski. -s. Dieffenbachstr. 33. — Tel. A. IV, 446.- Hans-, Leiband Tischwäsche sowie gane Aussteuern. Princip: Sauberste Ausführung. Grösste Schonung. Prompteste Lieferung. | MUSIK zu Sommerfesten und Landpartien etc. Blas- und Streich-Orchester führt in anerkannt guter Weise aus Max Schmerl, Kapellmeister, Fehrbellinerstr. 18. Verderben gestürzt. Ganz abgesehen von dem Ruin seiner Gesundheit, dem Verderb für Sitte und Keuschheit. Das geht so Tag für Tag, solange der junge Mann noch Stellung hat. Und hat er diese verloren und findet nicht bald eine neue, fast niemals sind Ersparnisse vorhanden, die über die schlimme Zeit der Stellungslosigkeit hinüberhelfen könnten. Bei unserer studierenden Jugend findet man vielfach noch Fleiss und Anstrengung genug. Noch immer fallen die akademischen Preise an Juden, noch immer erregen unsere jüdischen Studierenden wegen ihrer rühmlichen Eigenschaften den Hass und die Abneigung der nichtjüdisehen Kreise. Der Wandel der Zeiten hat leider auch hier manches sehr zu Ungunsten verändert. Oft ist dem Juden Feigheit vorgeworfen worden. Die jüdische akademische Jugend verdient diesen Vorwarf sicherlich nicht mehr, die Duells, an denen Juden beteiligt waren, sind in den letzten Jahren geradezu erschreckend gewachsen, auf dem Fechtboden drücken jüdische Studenten in reicher Anzahl sich herum, Und mancher junge jüdische Akademiker trägt mit Stolz sein verhauenes und zerfetztes Gesicht zur Schau, Hohle Aeusserlichkeit und eitle Renommisterei sind Erseheinun gen, die bei der jüdischen Jugend der Universitäten leider nicht mehr zu den Seltenheiten gehören. Audi das Biertrinken haben sie prächtig erlernt, so das Treitschkes Vorwurf, die Juden könnten nicht soviel saufen wie die Germanen, heute seine Berechtigung zum überwiegenden Teil eingebüsst hat. Was unter uns Juden faul und morsch ist, muss auch mit unerbittlicher Strenge von den Juden selbst als faul und morsch gekennzeichnet und ausgemerzt werden. Nur auf diesem Wege ist Besserung und Gesundung zu erzielen. Von dem Geschrei unserer Feinde wollen wir uns nicht beirren lassen. Möchte nur unsere Gottesfurcht so gross sein wie unsere Furcht, vor den Menschen! Aus der Gemeinde. Die baulichen Veränderungen in der Synagoge Kaiserstrasse haben zur Folge, dass mehr als 100 Männersitze in Wegfall kommen. Die bisherigen Inhaber dieser Plätze werden dieses gewiss lebhaft bedauern. — Infolge der letzten Verfügung, betreffend den jüdischen Religionsunterricht in den Berliner Schulen, sind bei allen Anstalten die Namen derjenigen Schüler festgestellt werden, die am jüdischen Religionsunterricht zur Zeit nicht teilnehmen. Dieses Verzeichnis, das etwa 1500 Namen aufweist, ist jetzt vom Kgl. Polizei-Präsidium dem Synagogen- Vorstand ״zur weiteren Veranlassung“ zugestellt worden. Ausser den in dem betreffenden Verzeichnis benannten Kindern entbehren etwa noch 500 Schülerinnen höherer Schulen den jüdischen Religionsunterricht. Darunter sind Kinder solcher Anstalten namhaft gemacht, an denen der jüdische Religionsunterricht erteilt wird. Die Verhältnismässig grosse Zahl der an diesem Unterricht nicht teilnehmenden Kinder erklärt sich einfach daraus, dass in den höheren Mädchenschulen der Unterricht in der Religion für jüdische Kinder erst in der sechsten Klasse beginnt. Der Synagogen-Vor stand erlässt nun an die Eltern der den jüdischen Religionsunterricht entbehrenden Kinder foigendes Schreiben: ״Der Herr Polizei-Präsident hat uns auf Veranlassung des Königlichen Provinzial-Schnl-Kollegiums ein Verzeichnis übersandt, aus welchem hervorgeht, dass der Schüler der . . . keinen Unterricht in der jüdischen Religion erhält, und uns ersucht, auf Grund des § 62 des Gesetzes vom 23. Juli 1847 das Weitere zu veranlassen. Wir ersuchen Sie demnach ergebenst, uns gefälligst binnen 14 Tagen mitteilen zu wollen, 1. ob die obige Angabe den Thatsachen entspricht, 2. bejahenden Falles, aus welchen Ursachen die Teilnähme am jüdischen Religionsunterrichte unterbleibt. Zugleich weisen wir darauf hin, dass unsere Gemeinde 4 Religionsschulen unterhält, in welchen während der schulfreien Zeit Unterricht in der jüdischen Religion — an Unbemittelte unentgeltlich — erteilt wird. Die Religionsschulen befinden sich: I. CM Hinter der Garnisonkirche (Leiter : Dr. M.Kirschstein), II. S.W., Linden-Strasse 48/50 (Leiter: Dr. 8. Apolant), III. W.,Derfflinger-Strasse 18a (Leiter Rabbiner Dr. 8. Weisse), IV. NW., Gerhard-Strasse 4/5 (Leiter: Seminar-Lehrer J. Marcuse). Der Vorstand der jüdischen Gemeinde. Siegm. Meyer.“ Aus naheliegenden Gründen wäre eine recht rasche und ausführliche Beantwortung dieses Schriftstückes wünschenswert. Die jüdischen Vereine Berlins. (Nach den Angaben der p. p. Vorstände.) (Etwaige Ungenauigkeiten bitten wir gefl. berichtigen zu wollen.) Nachdruck verboten. Zur Beachtung! ]Die verehrliohen Vorstände unserer Vereine sowie alle diejenigen, die ein Interesse an der Vollständigkeit einer Gesohiehte der Jüdischen Vereine Berlins haben, werden hiermit dringend gebeten, die in unserem Blatte etwa noch nicht besprochenen Vereine uns bald gfl. namhaft machen, resp. die bekannten Angaben über die p. Vereine in mögliebster Ausführlichkeit zugehen lassen und dadurch zur Förderung dieses gewiss gemeinnützigen Unternehmens beitragen zu wollen. ״Israelitischer Kinder-Verein zu Berlin.“ Die schöne Pflicht der Wohlthätigkeit schon in früher Kindheit auszuüben, ist die Aufgabe des ״Israelit. Kinder- Vereins“, der jetzt annähernd 300 Mitglieder zählt. Begründet wurde er 1890. Seither hat er im ganzen ca. 300 Kinder mit vollständiger Bekleidung für den Winter ausgestattet. Jedes Kind kann Mitglied werden. Der monatliehe Beitrag ist 20 Pfg. Der gegenwärtige Vorstand besteht aus: Franziska Chaskel, Aron Hildesheimer, Simon M. Knoller, Johanna Nehab, Leopold Neuberg, Siegfried Schragenheim.