Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1897)
- Date
- 1897-08-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Dem neuen Verbände, dessen Ausschuss sich zusammensetz aus den Herren: Stadtagb Pringsheim (Vors.) Amtsger.- Rat Wollstein (stellv. Vors.), Rabb. Dr, Guttmann (Schriftf.) Dr. med. C. Reich (Schatzm.), sämtlich in Breslau, sowie Cohn in Liegnitz, Justiz-Rat Friedmann in Glogau, Fm. Katz in Görlitz, Justiz-Rat Ledermann in Hirschberg und Lomnitz in Schweidnitz haben sich bereits die nachstehen־ den 29 Gemeinden angeschlossen: a) Im Regierungsbezirk Breslau: Bernstadt, Breslau, Brieg, Canth, Freiburg, Gl atz, Guhrau, Löwen, Militsch, Münsterberg, Namslau, Neumarkt, Ohlau, Prausnitz, Reichenbach, Schweidnitz, Strehlen, Striegau, Trachenberg, Waldenburg, Wartenberg und Wohlau. b) Im Regierungsbezirk Liegnitz: Bunzlau, Glogau, Görlitz, Hirschberg, Liegnitz, Löwenberg und Sagan. Das Verdienst der eifrigen und hochherzigen Männer, denen das Gelingen des schönen aber schwierigen Werkes zu danken ist, wird dadurch gesteigert, dass sie im Sinne der Beschlüsse des VII. Gemeindetages vom Jahre 1896 in § 1 der Statuten des neubegründef n Verbandes zum Ausdruck bringen, das dieser sich als׳ Zweigverband des ״Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes“ betrachtet und demgemäss sich verpflichtet, ein Zehntel, der jährlichen Mitgliederbeiträge an den ״D. I. G. B.u in Berlin abzuführen. In dieser regen Bethätigung der Hingabe an das grosse Ganze erblicken wir die sicherste Gewähr auch für das Gelingen der besonderen Ziele des Verbandes, dem wir im Interesse der Gesamtheit des deutschen Judentums nicht minder wie in seinem eigenen Wachstum, Blüte und fröhliches Gedeihen und baldige Nachahmung wünschen. Eine Unterredung mit Dr. Lueger. Ein Mitarbeiter des ״Berliner Intelligenzblattes“ hatte vor einiger Zeit eine Unterredung mit Dr. Lueger, Bürgermeister von Wien, der wir einige bemerkenswerte und für die Denkweise dieses ״edlen Ariers“ zeugende Bemerkungen entnehmen. ״DasJungarische Parlament mit seiner Wahlgeometrie, der öffentlichen Wahl seiner Mitglieder und der, wie bekannt, geradezu brutalen Beeinflussung der Regierung und der Juden, die das Geld hergeben, ist nicht im Geringsten das Abbild der Bevölkerung, spricht wohl im Namen derselben, vertritt aber in Wahrheit nur einen Bruchteil der magyarischen Minorität der ungarländischen Nationen. Alle die Tiraden im ungarischen Reichstage nimmt der Fremde aber als den Ausdruck, wonn schon nicht der Gesamtbevölkerung Ungarns, so doch seiner grossen Mehrheit und konstruiert sich dann aus den Berichten der Parlaments- Jtzungen und den Randglossen der fast durchgehend nicht ungarischen, sondern jüdischen Presse ein Bild über das Reich der Stephanskrone, das weit von der Wirklichkeit entfernt ist. Wer die in Ungarn und insbesondere in Pest erscheinenden grösseren Blätter liest und sie den Parlamentsberichten anreiht, dem muss sich allerdings die Peberzeugung aufdrängen, dass Ungarn in Kossuth sein Ideal und in den Juden seine Wohlthäter sieht, und dass cs sich förmlich danach sehne, so rasch als möglich jede (Gemeinschaft mit der anderen Reichshälfte zu zerreissen. Das Gegenteil hiervon ist aber wahr. Die Mehrheit der Ungarländer sind Rumänen, Slaven und Deutsche, letztere allerdings fast durchaus ohne nationales Selbstbewusstsein und bis zur Selbstverleugnung eingeschüchtert. Diese Alle wollen von dem Kossuth-Schwindel nichts wissen, und ihre Liebe zu den Juden ist eine sehr fragliche. Dagegen sind sie durchwegs gut kaiserlich, treu dem Erzhause und treu der Gesamt-Monarchie. Aber auch von den ׳De Minorität bildenden Magyaren ist der weitaus grösste Teil der Dynastie treu ergeben und empfindet schwer den Druck der Juden, in deren Händen sich der gesamte Gross- und fast der ganze Kleinhandel, die bedeutendsten Staatss eilen und die Presse befindet und deren Ausbeutungs- und Aussaugungssystem die geradezu unglaubliche Thatsache zu Wege gebracht hat, aus den so conservativen magyarischen Bauern Socialdemokraten zu machen. Nur ein sehr kleiner Teil der Magyaren, aber leider der einflussreichste, ist es, dem der Chauvinismus jede Ueberlegung geraubt und den Sinn verwirrt hat. Diesen Chauvinismus zu benutzen, ihn noch anzufachen und durch diesen das öffentliche Leben zu beherrschen, verstehen die Juden meisterhaft. Sie haben es insbesondere durch die in ihren Händen befindliche Presse dahin gebracht, dass der magyarische Adel und der grösste Teil des bedeutenden Bürgerstandes in der Meinung, für die Grösse des Magyarentums zu wirken, die Geschäfte der Juden besorgt, das Land dem Ruin nahebringt und sich von der grossen Volksmenge entfremdet. Das Gespräch wandte sich nun den innerösterreichischen Verhältnissen zu. ״Die Lage,“ sagte Dr. Lueger, ״ist eine sehr ernste und ein Ausweg unter den jetzigen Verhältnissen fast unmöglich. Das Bestreben des Grafen Badeni, den Ausgleich unter allen Umständen, koste es was es wolle, durchzupeitschen, hat es in Folge verkehrter Massregeln dahin gebracht, dass über Oesterreich eine furchtbare Krise hereingebrechen ist . . . und nur Schönerer aus der allgemeinen Ratlosigkeit Nutzen zieht. Ja, Schönerer ist heute der anerkannte Führer nicht nur der Deutsch-Nationelen, sondern auch der Liberalen, ja selbst, so paradox es klingen mag, der Juden! Das hätte sich der Schlossherr von Rosenau vor wenigen Monaten selbst nicht träumen lassen, dass die Juden ihm durch dick und dünn folgen und die liberale Presse ihn verhimmeln werde. Und doch ist es so! Und dies Kunststück hat die Politid des Grafen Badeni zu wege gebracht.“ ״Der Wiener,“ führte der Bürgermeister aus. ״ist zu gutmütig, zu gemütlich, um jemanden hassen zu können, Weder die Wiener, noch ich selbst hassen die Juden. Aber das christliche Volk hat sich dagegen aufgebäumt, dass die Juden durch die grössere Agilität und teilweise laxere Moral die Herrschaft an sich gerissen haben. Wäre die antisemitische Gegenströmung nicht eingetreten, so wären nicht nur Grosshandel und Presse, sondern auch die Funktionen der Beamten, Lehrer, Aerzte, Rechtsanwälte u. s.w. durchswegs in den Händen der Juden, und dem christlichen Volke wäre nur die schwerste niedere Arbeit zum Wo hie seiner jüdischen Herren geblieben. Und dagegen hat sich das christliche Volk wie ein Orkan erhoben, nicht gegen den einzelnen Juden, der ja oft selbst schwer um das tagliehe Brot ringt. Allerdings verzeihen es mir die Juden in ihrer Gesamtheit nicht, dass ich ihren Siegeslauf gehemmt habe, aber sie müssen und werden sich eben in das Unvermeidliche und Unabänderliche fügen. Dessen seien sie versichert: Die Jaden hassen und fürchten mich mehr als Schönerer, denn sie wissen, dass ich nur anstrebe, was erreichbar und gerecht ist, und meine Absichten auch auszuführen verstehe, Herr Schönerer dagegen Unmögliches erstrebt und deshalb für die Juden keine Gefahr bildet. Thatsächlich sind ja heute Juden und Schönererianer die innigsten Freunde und Bundesgenossen. Es geht eben nichts über die Konsequenz!“ Aus dieser kleinen Blütenlese kann man deutlich entnehmen, was man von dem ״kommenden Mann“ zu erwarten hat. Den Vorzug der Gerechtigkeit hat an dem grossen Bürgermeister noch niemand weiter wahrgenommen, als er selbst. Umschau. Berlin. (Das berühmte allegorische Gemälde ״Prophetische Erscheinungen“) von Professor Gerolamo Naverra ist in der Permanenten Industrie- und Gewerbe-Ausstellung, Equitable-Palast, Leipzigerstr. 1021 ausgestellt. Ein Kunstreferent schreibt über den Meister und sein Werk: ״Der bekannte italienische Künstler, ein Enkel des Rabbino maggiore in Verona, verstand es, die Achtung und Bewun-