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Berliner Vereinsbote · 1897-08-13 · Heft 33 (13.8.1897) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 33 (13.8.1897)
Date
1897-08-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Prämiiert Dresden 1874. Prämiiert Berlin 1879. Hirsch’* Schneider-Akademie Gegründet 1850. 24000 Schüler ausgebildet. Berlin C., Rotes Schloss No. 2. Grösste, älteste, besuchteste u. einzig preisgekrönte Fachlehranstait der Welt Am 1. und 15. jeden Monats beginnen die neuen Kurse in allen Abteiluneen der Herren-, Damen- und Wäsche-Schneiderei, sowie im Skizzenzeichnen und Handelswissenschaften. Perfecta Ansbildung zu Direktricen, Zuschneidern u. Konfektionären. Absolut sicherer Erfolg wird garantiert. Nach absolviertem Kursus kostenloser Stellennachweis. Prospekte gratis. Anmeldungen baldigst erbeten.Die Direktion. DampfWäscherei ״Sport״ Inhaber: Max Jaroczynski. -S. Dieffenbachstr. 33. — Tel. A. IV, 446.- Haas-, Leib- und Tischwäsche sowie ganze Aussteuern. Princip: Sauberste Ausführung. Grösste Schonung. Prompteste Lieferung. I MUSIK zu Sommerfesten und Landpartien etc. Blas- und Streicb-Orchester führt in anerkannt guter Weise aus Max Sohmerl, Kapellmeister, Fehrbellinerstr. 18. I. ab an der Hand rationalistischer Theorien das Unrichtige jener Annahme darzulegen. Was er zu sagen hat, ist nichts weiter als ein Gallimathias unverdauter Lesefrüchte aus rationalistischen Autoren. Dass die Juden zuerst der Welt den Glauben an einen einig-einzigen Gott verkündet haben, das lässt sich nun einmal nicht aus der Welt schaffen, und das Judentum wird sich dessen stets rühmen, weil es ein unanfechtbares Recht hierzu besitzt. ״Von einer eigenen Kultur zu reden, haben weder einzelne Zweige noch die Gesamtheit ein Recht, da sie keine hesitzen. Was sie als Religion respektieren, ist, ausser den Verkeilungen der Erzväter und einigem talmudistisch gefärbten Formelkram nicht von Belang, von einer religiösen Bildung der einzelnen ist abgesehen, von rabbinischer Schriftgelehrsamkeit nicht zu reden.“ Das ist kurz und bündig — heller Unsinn, des Näheren darauf ein zugehen lohnt nicht. Herr Bünning giebt dem Judentum den Rat, sich in der Gesamtheit aufzulösen. Ueber das Wie macht er sich weiter keine Kopfschmerzen. Meint er etwa Massentaufen? Dann haben wir in Deutschland für einige Jahrhunderte Marannentum und Juden Schnüffelei wie einst in j Spanien. Oder die Mischehe? Herr Bünning will bei jungen Mädchen, wenn wir ihn recht verstanden haben, eine gewisse Vorliebe dafür bemerkt haben. Habeant sibi, und siehe Bleichröders Tochter. Sie verschmolz sich mit dem Deutschtum in Gestalt eines Offiziers von ältestem Adel und mit standesgemäßen Schulden. Dem alten Bleichvöder kostete der Spass einige Millionen; das junge Paar siedelte nach Breslau über. Dort erneuerte der junge Ehemann alte Bekanntschaften mit Damen eindeutigster Qualität, das angetraute Eheweib wurde bald eine verfluchte Juden, dirne, und schliesslich trat die Reitpeitsche in Thätigkeit. Das Beste wird wohl sein, wir bleiben Deutsche und bleiben Juden. Deutsche in unserer Liehe zum Vaterlande, in unserem Streben nach Bildung und Aufklärung, Juden in unserer Liebe zum angestammten Glauben. So werden wir hoffentlich ein Geschlecht werden, das überall mit Ehren genannt wird, ein Geschlecht, das kein Unrecht begeht, aber auch kein Unrecht zu dulden gewillt ist. Aus der Gemeinde. Unter grosser Beteiligung fand am Mittwoch nachmittag die Beisetzung der auf so tragische Weise aus dem Leben geschiedenen Frau des Bankiers Leonor Kroner auf dem Friedhofe in Weissensee statt.. Herr Rah. Dr. Weisse hielt eine überaus eindrucksvolle Grabrede, in der er die Verblichene als liebevolle Tochter, treue Gattin und fürsorgliehe Mutter schilderte, deren zu früher und so jäher Heimgang eine unausfüllbare Lücke in der Familie gerissen. Ueber die einzelnen traurigen Umstände, durch die zwei hochangesehene Familien unserer Gemeinde in so namenlose Trauer versetzt wurden, sind unsere Leser durch die Tageshlätter unterrichtet. Erwähnt sei nur noch an dieser Stelle, dass die dahingeschiedene dem Vorstande der Frauenvereinigung ״Gewul tauw“ angehörte, dass der tiefgebeugte Gatte, Herr Bankier Leonor Kroner ein rühriges Mitglied des Vorstandes des Humanitätsvereins ״Gewul tauwa ist, und dass der Vater der Verstorbenen, Herr A. E. Isaac langjähriges und verdienstvolles Mitglied des Synagogen- Vorstandes ist. Möge den Trauernden der Trost nicht fehlen! Vereins-Schau. Sowohl die Mitglieder der Wolffschen Ez chajim Synagogen-Gemeinde als auch die anderen Glaubensgenossen der Königstadt werden es sicher mit Freude begrüssen, dass vom nächsten Sabbat an regelmässig in der Synagoge Landsbergerstr. 85, die sich fortgesetzt einer guten Frequenz erfreut, ein Jugendgottesdienst abgehalten werden wird. Hoffentlich wird auch der Jugendgottesdienst, geleitet von Herrn Dr. Grünfeld jun., denselben Zuspruch haben. Die jüdischen Vereine Berlins. (Nach den Angaben der p. p. Vorstände.) (Etwaige Ungenauigkeiten bitten wir gefl. berichtigen zu wollen.) Nachdruck verboten. 48. ״Iaippmann-Taus-Synagogen-Vereiii“. Der vollständige Name des Vereins, von dem Grossvater des Componisten Meyerbeer vor etwa 110 Jahren gegründet, lautet ״Lippmann Meyer Wolff gen. Lippmann-Taus-Synagogen-Verein und Beth-Samuel- Verein“. Zweck des Vereins ist, unter Leitung des Rabbiners Dr. Oskar Lipschütz für die Grundpfeiler des orthodoxen Judentums: Thora, Aboda und Gemilus chassodim zu wirken. Ausser er. 200 ordentlichen Mitgliedern hat der Verein 9 Ehrenmitglieder, darunter Baron Wilhelm Carl v. Rothschild in Frankfurt a. M. und 5 Damen. In der Gollnowstr. 11 unterhält der Verein eine־ Synagoge, in den täglich Gottesdienst abgehalten wird. Zu eien Institutionen ist die von Herrn Dr. Lipschütz geleitete Religionsschule zu rechnen. Aus der Geschichte des Vereins ist besonders erwähnenswert, dass im Jahre 1878 Herr Rabbiner Dr. Lipschütz die Synagoge von W. J. Pakscher übernahm. Ca. 50 Jahre vorher war dessen Urgrossvater Rabbi Samuel Warrasch der Leiter der Synagoge. Der Componist Meyer Beer wurde in dieser Synagoge eingesegnet. Seiner Zeit gehörten mit die vornehmsten Juden zur Synagoge. Das alte Synagogenlokal war die frühere Schatzkammer der aus Böhmen stammende Lippmann Tausk. Die Synagoge ist mit die älteste Berlins. Den jetzigen Vorstand des Vereins bilden die Herren J. Heilbrunn, Neue Königstr. 10, Vorsitz., M. Reinhart, Leopold Kaufmann, L. Schwarz, L. Hoffmann, H. Leyser, Sachs, Lesser, Lewisohn, Lindenstrauss. Zu diesem Vereine gehört auch der jüdische Frauen- und Jungfrauen- Wohlthätigkeits-Verein ״ Mathilde “. 49. Erster Israel. Kindergarten und Kinderhort. In dem von Herrn Hermann Abraham Gormannstr. 3 begründetem Israel.-Heimathaus befindet sich der Erste Kindergarten und Kinderhort, der den Zweck hat, Kinder armer oder solcher Eltern, die den Tag über durch Aus- Übung des Berufes verhindert sind, ihren Kindern die wünschenswerte Erziehung und Verpflegung angedeihen zu lassen, körperlich und geistig zu stärken. Begründer und jetziger Vorsitzender des Vereins, der gegenwärtig ca. 600 Mitglieder zählt, ist Herr Sanitätsrat Dr. Ehrenhaus (Friedrichstr. 127). Die übrigen Mitglieder des Vor- Standes sind: Frau Justizrat Rosenheim (Vorsitzende), Fr. Elise David (Rendantin), Justin Bloch, (Schriftführer).

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