Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1897)
- Date
- 1897-08-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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der£; Waffe nachkorame; erklärend bezw. entschuldigend fügt^er hinzu, das sei eine Folge der Degeneration durch fortgesetzte Inzucht. Selbst wenn der Vorwurf in seinem vollen Umfange berechtigt wäre, ist es eine unbillige Härte, jemand aus seiner körperlichen Schwäche einen Strick zu drehen. Es soll nicht bestritten werden, dass die Juden, die zumeist als Städtebewohner den aufreibenden Einflüssen des Stadtlebens mehr erliegen als die Bevölkerung des platten Landes, aus diesem (*runde hinsichtlich des von ihnen zum Militär gestellten Procentsatzes im Vergleich zu der übrigen Bevölkerung um eine Kleinigkeit ungünstiger dastehen. Die Juden aber, die ihrer Pflicht gegen das Vaterland mit der Waffe nachkommen, stehen an Eifer und soldatischer Tüchtigkeit niemand nach. Das haben die letzten Kriege mit ihrer überaus grossen Anzahl jüdischer Dekorierter hinlänglich erwiesen. Die Hinneigung der Juden zur Bildung scheint Herrn Bünning nicht ganz ohne Gefahr. Er meint, dass die sogenannten Aufgeklärten unter ihnen realistischer seien als die anderen, dass die Idealität des Strebens ihnen mehr abgehe. Auch das Judentum, das in der Litteratur sich hervorgethan hat und in der Presse als gebietende Macht sich kundgiebt, ist seiner Ansicht nach ein Segen für das Vaterland nicht gewesen. Bleiben wir dabei einen Augenblick stehen. Es liegt uns durchaus fern, für alles eintreten zu wollen, was von angeblich jüdischen Skribenten in die Welt gesetzt worden ist. Aber an den Plattheiten und Cochonnerien der sogenannten jüngstdeutschen Schule ist das Judentum herzlich unschuldig. Auch die von den Antisemiten beständig hinausposaunte Tirade von dem ungeheuren Einfluss des Judentums in der Presse ist ins Ungeheure übertrieben. Gewiss sind viele Juden an Zeitungen thätig, manche mögen einen gewissen Einfluss im liberalen Sinne ausüben, aber wir sind der Meinung, dass der gesamte Einfluss der sogenannten jüdischen Presse ein Kinderspiel ist z. B. gegenüber dem Einfluss der zu vielen Hunderten zählenden Amts- und Provinzblätter, die in conservativ-regierungsfreundlichem Sinne von ganz bestimmten Centralstellen aus dirigiert werden. Die sogenannten Aufgeklärten unter den Juden sollen nicht die Idealität des Strebens besitzen wie die Aufgeklärten unter den Nichtjuden. Es giebt Sünder hüben wie drüben, sehen wir nur die sogenannten Antoritäten unter den studierten Schichten an, gewiss aufgeklärte Leute, die bedeutenden Juristen und berühmten Mediziner von gut arisch-christlichem Namen. Beim Anblick ihrer Rechnungen bekommt man einen heiligen Respect vor ihrem Idealismus. An der Stellung der Juden zur Politik hat der Autor ebenfalls vieles auszusetzen“. Dass die akademischen und Finanzjuden heute noch durchgehend« der Partei der Verneinung oder gar der Zerstörung angehören, ist ein politischer Fehler; mehr Rechte als sie gemessen, können sie billigerweise nicht beanspruchen. Und erreicht haben sie doch auch genug. Bis in di© regierenden Häuser sind ihre Glieder zwar noch nicht hineingekommen wegen des Mangels ebenbürtiger Geschlechter, doch ist mit dem Gelde ihrer Töchter schon manches fürstliche und gräfliche Wappen neu vergoldet. Ein Lord Disraeli lenkte zeitweilig die Geschicke des stolzen Albions, auf dem erzbischöflichen Stuhle zu Olmütz thront zur Zeit ein Cohn, Finanzbarone und Edelleute haben sie in hellen Haufen, auf den akademischen Kathedern sitzt eine beträchtliche Zahl, und die gegenwärtigen Führer der sozialdemokratischen Zukunft sind zum Teil jüdische Millionäre. Dass man trotz aller Erfolge noch nicht in andere Bahnen eingelenkt ist, dürfte nur eine Wirkung des Beharrungsvermögens sein, denn die Verbindung mit der roten Internationale könnte für die goldene doch schliesslich recht verfänglich werden.“ Genau so sagt der unverhüllt־ auftretende Antisemitismus auch. Was Lord Disraeli, dessen Grossvater bereits dem Judentum den Rücken gekehrt, was Fürstbischof Cohn, selbstverständlich auch längst kein Jude mehr, noch mit dem Judentum zu thun hat, ist schwer zu begreifen. Dass es jüdische Finanzbarone und Edelleute giebt, und auch Dozenten auf den Kathedern, ist ja richtig, dass die Finanzbarone Geld genug haben, wollen wir auch nicht bestreiten, wenn es sich nur um die materiellen Interessen dieser Leute handelte, würden wir wahrlich keinen Finger krumm machen. Dagegen ist es ganz und gar falsch, wenn behauptet wird, die Juden mit akademischer Bildung könnten nicht mehr verlangen, als was sie schon erreicht haben. Oder sollte es Herrn Bünning wirklich unbekannt sein, dass wie in vielen Punkten so auch in diesem Punkte die Verfassung ein toter Buchstabe geblieben ist und das klare Recht zu Boden getreten wird durch administrative Prellerei? Auf dem Papiere kann es der Jude zu den höchsten Ehrenstellen bringen, die Wirklichkeit aber? Unsere jüdischen studierten Kreise können mit Leichtigkeit die Antwort darauf erteilen. Die Juden als Führer der Partei der Zerstörung, wir hören die Stimme des Antisemitismus. Jede andere Partei bekämpft die Sozialdemokratie mit den Waffen der Vernunft, den Ergebnissen der Wissenschaft, nur der Antisemitismus macht sich die Sache kinderleicht. Der Jude Singer, der Jude Arons zugleich als Schwiegersohn Bleichröders, die goldene Internationale, die rote Internationale, fertig ist die Arbeit, das ist das gesamte ״geistige Arsenal“. Mag sein, dass unter den jüngeren akademisch gebildeten jüdischen Generationen mancher sich hingezogen fühlt zur Sozialdemokratie, schliesslich haben ja auch die kathedersozialistischen Professoren, die auf den deutschen Universitäten fast uneingeschränkt den Ton angeben in sozialwissenschaftlichen Dingen, mit dem Sozialismus sicherlich mehr Berührungspunkte als mit den Anschauungen von Fr. Wilhelm Bönning. Unter den christlichen jüngeren Geschlechtern liegt die Sache nicht viel anders, ein Bisoben Sozialismus liegt heute überhaupt in der Luft und erstreckt sich bis in die Kreise der Geistlichkeit hinein. Mit den Finanzjuden befassen wir uns nicht gern, mögen sich die Herren selber verteidigen! Führer der Verneinung oder gar der Zerstörung aber sind sie gewiss nicht, sintemal sic selber viel zu verlieren haben. Ihre Verneinung, wo sie überhaupt existiert, ist in der Regel sehr sanfter Natur, und wenn es sich um neue Soldaten oder Kriegsschiffe handelt, sind sie überall zu finden, nur nicht bei den Parteien der Negation. Und schliesslich, was heisst denn heute Verneinung bezw. Zerstörung, was heisst denn heute regierungsfreundlich, positiv? Vor wenigen Jahren noch konnte man zwei Parteigruppierungen unterscheiden, den regierungsfreundlichen Konservatismus, wozu Centrum und National-Liberale in den meisten Fällen hinzugerechnet werden konnten, und den oppositionellen Freisinn mitsamt der Sozialdemokratie. Heute, wo die materiellen Interessen längst alles andere überwuchert haben? haben sich die Verhältnisse vollständig verschoben. Oft genug musste die Regierung froh sein, wenn ihre Gesetzentwürfe von dem einst 80 geschmähten Freisinn und der Sozialdemokratie herausgehauen wurden. Liegt darin etwa Verneinung oder gar Zerstörung? Oder liegt darin etwa eine besondere Regierungfreundlichkeit, wenn die agrarischen Konservativen über jeden gestürzten Minister Jubelhymnen anstimmen, mit der Kündigung ihrer Königstreue drohen, sobald die Tonne Weizen weniger als 160 Mark kostet und Herrn von Diest - Daher zujauchzen, wenn er den Ministern den Gruss des Götz von Berlichingen entbietet? Dass sich die Juden zu solchen Parteien, die ihre Mitarbeit nicht einmal haben wollen, besonders hingezogen fühlen, ist doch wohl nicht zu verlangen. Dass der Jude glaubt, etwas Besseres zu sein als der Deutsche, ist einfach nicht wahr. Er verlangt nur, und hat ein Recht dazu, dass man ihn für nichts Schlechteres ansieht. Seinen Tiraden gegen Lessing wollen wir Herrn Bünning verzeihen. Lessing bedarf keine Verteidigung. Sehr ungehalten ist Herr Bünning auch über die Behauptung, in welche sogar christliche Gelehrte einstimrnen, das? das Judentum der Welt den Monotheismus gebracht hat. In einer spaltenlangen Erörterung, die wir unseren Lesern schenken wollen, quält er sich im Schweisse seines Antlitzes