Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1897)
- Date
- 1897-07-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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j Prämiiert Dresden 874י. Prämiiert Berlin 1879. Hirsch1' Schneider-Akademie Gegründet 1859. 24000 Schüler ausgebildet. Berlin C., Rotes Schloss No. 2 Grösste, älteste, besuchteste u. einzig preisgekrönte Fachlehranstalt der Welt. Am 1. und 15. jeden Monats beginnen die neuen Kurse in allen Abteilun* gen der Herren-, Damen- und Wäsche-Schneiderei, sowie im Skizzenzeichnen und Randeiswissenschaften. Ferfecte Ansbildung zu Direktricen, Zuschneidern u. Kon• fektionären. Absolut sicherer Erfolg wird garantiert. Nach absolviertem Kursus kostenloser Stellennachweis. Prospekte gratis. Anmeldungen baldigst erbeten. Die Direktion. Dampfwäscherei ״Sport“ Inhaber: Max Jaroczynski. -S. Dieffenb&chstr. 33. — Tel. A. IV, 446.- Haas-, Leiband Tischwäsche sowie ganze Aussteuern. Princip: Sauberste Ausführung. Grösste Schonung. Prompteste Lieferung. I MUSIK zu Sommerfesten und Landpartien etc. Blas- und Streich-Orchester führt in anerkannt guter Weise aus Max Scbmerl, Kapellmeister, Fehrbellinerstr. 18. I. tenen Genüsse waren auch dazu angethan, überall Fest- Stimmung zu wecken. Das Vaudeville - Sommer - Theater hatte zur Feier des Tages ein besonders reichhaltiges Programm gewählt, und die flottgespielten, humorvollen Piecen ernteten vielen Beifall. Ausserdem waren die Vorstände des Vereins, die Herren Kuntz und Ball bemüht gewesen, das Fest nach allen Seiten hin zu verschönen. Der Ball, der im Saale stattfand, erfreute sich lebhaften Zuspruches, und für die fröhliche Kinderschaar ward eine äusserst gelungene Fackelpolonaise veranstaltet. Als wir beim Sterneblinken Puhlmann verliessen, war noch lange nicht das Ende der Festlichkeit abzuwarten; das schöne Gartenkonzert, sowie die heiteren Tanzweisen werden wohl viele noch bis in später Nacht hingehalten haben. Es freut uns, mitteilen zu können, dass der finanzielle lieberschuss des Festes ein recht befriedigender war und wir wünsehen dem wackeren Verein auch für die Zukunft ein segensreiches Gedeihen. H. Ferien-Colonien. In einer der Ahlwardt, Leuss, Hammerstein und Genossen würdigen Weise versucht es ein auf dem Schlesischen Bahnhof Angestellter, seiner jadenfeindliehen Gesinnung Ausdruck zu verleihen; und da es ihm wie jenem Hunde, der keine Zähne hat und doch heissen möchte, geht, so begnügt er sich damit, gegen die Entsendung jüdischer Kinder in die Ferien-Colonien — natürlieh aus reiner Liebe für die schwächlichen Arbeiterkinder — seine Stimme zu erheben, wozu er sich der edlen Staatsbürgerzeitung bedient, die dem Gekläff der antisemitischen Meute mit bekannter Bereitwilligkeit ihre Spalten öffnet. In dem ״freien Meinungsaustausch“ der No. 315 dieses edlen Organs lesen wir: ״Berlin, den 7. Juli 1897. Sehr geehrte Redaction! Unter höflicher Bezugnahme auf die Notiz in No. 310 Ihrer geschätzten Zeitung, betreffend die ,,Nichtaufnahme schwächlicher Arbeiterkinder in die Feriencolonien“ gestatte ich mir Ihnen folgendes mitzuteilen: Ich bin seit mehreren Jahren auf dem Schlesischen Bahnhof beschäftigt und habe stets die Feriencolonien abreisen und ankommen sehen. Dabei habe ich die interessante Entdeckung gemacht, dass die Hälfte, wenn nicht gar Zweidrittel der Kinder Angehörige der ״deutschen Staatsbürger jüdischer Confession“ waren. Diese Wahrnehmung ist auch vielen anderen Personen aufgefallen, und hierbei ist die Bemerkung oft wiederholt worden: ״Für die Feriencolonien gebe ich keinen Pfennig mehr.“ Falls sie noch Zweifel in die gemachten Angaben setzen, bitte ich Sie, Sich bei Wiederkehr der Kinder diese und auch die sie abholenden Angehörigen persönlich anzusehen, es dürfte dies vollkommen genügen.“ Der Angestellte würde jedenfalls besser thun, sich um seine dienstlichen Obliegenheiten mehr als um die Physiognomien der Passagiere zu kümmern, und wenn er mit ״arischer Treue“ seines Amtes waltet, dann hat er wahrlieh keine Zeit zu derartigen Beobachtungen. Aber die Wahrnehmung judenfresserischer Interessen scheint ihm höher zu stehen als seine berufliche Pflicht. Zu der ״interessanten Entdeckung,“ die der scharfsichtige Mann auf dem Schlesischen Bahnhof gemacht hat, hat ihm jedoch nicht der ״Verein für Ferien-Colonien“ verhelfen, sondern der Wohlthätigkeitssinn derjenigen Familien, die schwache bedürftige jüdische Kinder für die Dauer der Ferien unentgeltlich bei sich aufnehmen. 224 Kinder sind in Freistellen untergebracht, und zwar verteilen diese sich wie folgt: Colberg 12, Stolp 10, Prenzlau 5, Swinemünde 2, Güstrow 6, Eberswalde 1, Polzin 1, Schneidemühl 6, Treptow 1, Krajanke 4, Schönlanke 11, Filehne 28, Königsberg N.-M. 2, Czarnikau 12, Samotschin 8, Lobsens 5, Schwerin a. W. 3, Ritschenwalde 6, Schwetz 9, Grätz 8, Pinne 8, Jarotschin 6, Hammerstein 14, Koschmin 8, Krotoschin 15, Schroda 21, Pieschen 12. In den Voll- resp. Halbcolonien Greifenhagen, Eimen, Dessau und Wittekind sind 102 Kinder untergebracht. Die unter dem Protectorate Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin Friedrich stehenden ״Ferien-Colonien“ haben im ganzen 3217 Kinder in diesem Jahre in die Sommerfrische entsandt. Dieses wahrhaft edle Werk wird sich hoffentlich auch in Zukunft der Unterstützung aller wahren Menschenfreunde erfreuen, auch wenn der auf dem Schlesischen Bahnhof Angestellte und seine Gesinnungsgenossen für ״Ferien-Colonien“ keinen Pfennig mehr geben. Die jüdischen Vereine Berlins. (Nach den Angaben der p. p. Vorstände.) (Etwaige Ungenauigkeiten bitten wir gefl. berichtigen zu wollen.) Nachdruck verboten. heit zu bieten, ohne grosse Opfer einer würdigen Andacht beizuwohnen. Der Vorstand setzt sich zusammen aus den 32. Israel. Fortbildungsverein ״Montefiore“. Jungen Leuten Gelegenheit zu ernstem, aber zwanglosen Studium unserer religiösen, namentlich aber religionsgesetzliehen Litteratur unter Leitung hervorragender Wissenschaftlieber Kräfte zu geben, ihnen — ganz besonders den hier fremd ankommenden — ein Rückhalt zu sein und in seinem Vereinslokale einen angenehmen Aufenthalt und interessante, gesunde Lektüre zu bieten, ist die Aufgabe des Vereins ״Montefiore“. Am 29. Oktober 1884 ist er anf Anregung des Herrn Dr. Berliner von den Herren Eugen Beer, Dr. W. Biberfeld und Dr. M. Hildesheimer begründet worden und hat jetzt 50 ordentliche und 2 Ehrenmitglieder. Der Vorstand der jüd. Gemeinde hat dem Verein im Gemeindehause Rosenstr. 2 einen Raum zur Verfügung gestellt. Hier befindet sich eine in stetem Wüchstum hegriffene Bibliothek. An den hohen Festtagen veranstaltet der Verein einen Gottesdienst, um den Mitgliedern Gelegen¬ Herren: W. Lewy, Neue Fnedrichstr. 73 (Vorsitz. 1. V.) D. Diamant, L. Struck und J. Goldschmidt. 33. ״Juda’s Töchter“. Die Vereinigung jüdischer Frauen und Mädchen ״Juda's Töchter“, am 30. Januar 1895 von Frl. Margarete Sachs und Frl. Rosa Tonn ins Leben gerufen, hat den Zweck, jüdische Wissenschaft und Litteratur unter seinen Mitgliedern zu verbreiten und zu pflegen, das jüdische Bewusstsein zu wecken und zu heben und den Sinn für Wohlthätigkeit anzuregen. Der Verein zählt 60 Mitglieder. Alljährlich zu Chanukka findet für bedürftige Kinder eine Beschenkung statt. Die Vorsitzende des Vereins ist Frl. Ida Ranft, Artilleriestr. 28. Ferner gehören zum Vorstand die Damen: Adele Guth, Clara Kessler, Margarete Sachs und Johanna Rosenthal. Als Beirat fungiert Herr Hermann Kessler.