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Berliner Vereinsbote · 1897-07-09 · Heft 28 (9.7.1897) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 28 (9.7.1897)
Date
1897-07-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Umschau. — Wie dev ״Reichs-Anzeiger“ meldet, ist dem Geh. Kommerzienrat Schwabach zu Berlin der Stern zum Königliehen Kronen-Orden zweiter Klasse verliehen worden. — Der Samuel-Bleichröder-Stiftung, von dem verstorbenen Geh. Kommerzienrat Gereon von Bleichröder zum Andenken an seinen Vater gegründet und testamentarisch dotiert mit einer Million Mark, sind durch Königl. Kabinettsordre die Rechte einer juristischen Person verliehen worden. Zweck der Stiftung ist (nach dem ״B. T.“): bedürftigen lungenkranken Personen, die nicht als unheilbar zu erhalten sind, ärztliche Behandlung und Pflege in einem ei genen Krankenhause unentgeltlich zu gewähren. Die Zulassung geeigneter Kranken ist weder durch Alter, Geschlecht noch religiöses Bekenntnis beschränkt. Es sollen zunächst 20 Betten hergestellt werden. Zur Durchführung der Stiftungszwecke haben die Testamentsvollstrecker mit dem Berlin-Brandenburger Heilstättenverein für Lungenkranke über die Erbauung und Versorgung eine Vereinbarung getroffen. Das Bleichröder-Krankenhaus soll mit Einrichtungen des Vereins räumlich und innerlich derart verbunden sein, dass der Verein die vollständige Verwaltung des Hauses übernehmen kann. Er hat die ärztliche Behandlung und Verpflegung der Kranken zu versehen, alle Bedürfnisse der letzteren ZU erfüllen und das Personal von Aerztert, Hilfsbeamten, Dienern etc. zu stellen und zu kontrollieren. Als Vergütung zahlt das Kuratorium an den Verein einen jährliehen Beitrag zu den Generalunkosten von 12000 Mark lind für jeden Kranken und für jeden Verpflegungstag 3 Mark und höchstens 18000 Mark, wofür bis zu 6600 Verpflegungstage zu gewähren sind. Der Heilstättenverein hat unter Zustimmung der Testamentsvollstrecker ein grösseres, schön und gesund gelegenes Waldareal bei der Stadt Belzig erworben, von welchem der Bleichröder־ Stiftung ein erheblicher Anteil eigentümlich überlassen ist. Dort baut das Kuratorium der Samuel-Bleichröder-Stiftung das Krankenhaus selbständig und auf eigene Kosten, und daran soll sich die Errichtung der dem Verein nothwendigen Baulichkeiten anschliessen. Berlin. Wieder einmal macht die Judenmission von sich reden. Sie hat am 18. Juni ihr alljährliches Fest abgehalten und über ihre Erfolge Bericht erstattet. Die Berliner Judenmission hat nicht viel zu berichten, in Berlin arbeitet für sie der Pastor Biding, in Posen der getaufte Jude Levin, in Czernowitz Gottlob, ebenfalls ein getaufter Jude, während man für Breslau, wo früher auch eine Missionsstation war, keinen geeigneten Mann finden konnte. Im Ganzen hat sie im Laufe des Jahres 1896 glücklich 18 Juden getauft, (wieviel davon aus Ueberzeugung?) Es ist immer gut, diese Herren im Auge zu behalten, besonders den Herrn Levin in Posen, dem es beliebt, in jüdischen Kreisen sich als Jude auszugeben! In Sachen Arwas trifft hier eben aus Jerusalem folgende Zuschrift ein : ״Unseren Repräsentanten Herrn Rabbiner Joseph Arwas Ehrwürden, eine der prominentesten Persönlichkeiten der marokkanischen Israeliten in der heiligen Stadt Jerusalem, haben wir bevollmächtigt, für unsere marokkanischen jüdischen Armen in Zion Geschenke und Spenden in Deutschland zu sammeln. Alle bis jetzt durch ihn gesammelten Spenden haben wir (mit Abzug von 20 pOt. von jeder Sammlung, die wir zum Lebensunterhalt seiner hier verbliebenen Familie bestimmt) zu Gunsten der hilflosen marokkanischen Israeliten in Jerusalem verwendet. Die grossmütige Teilnahme, die unsere edlen Brüder in Deutschland unserem genannten Boten bewiesen haben, verpflichtet uns zu stetem Danke. Möge der Allmächtige die Wohlthat Derer vergelten, die in diesen schweren Zeiten unseren Boten mit Rat und That stützten Jerusalem, den 31. Mai 1897. Der marokkanische Rabbiner und Vorsteher der marokkanischen und israelitischen Gemeinde zu Jerusalem. (Siegel). Salomon Abuschid, Präsident der Marokkanischen Gemeinde. Meise Malka, Rabbiner der Marokkanische Gemeiude in Jerusalem. Es folgt noch die Bestätigung seitens des Oberrabbiners zu Jerusalem Saul Eljaschar; ferner Beglaubigungen der Siegel und Unterschriften seitens des Gouverneurs von Jerusalem, Ibrahim, und des Consuls des Deutschen Reiches in Jerusalem Dr. von Tischendorf. Hiernach sind die mehrfach verbreiteten üblen Nachreden als falsch erwiesen. Gegen ihren Urheber ist die gerichtliche Klage eingeleitet. Spandau. Auf die Verhältnisse innerhalb der Antisemitenpartei wirft der Briefwechsel zwischen dem ans der Fraktion ausgeschiedenen Prof. Förster und dem Abg. Zimmermann ein grelles Licht. Förster schreibt: ״Frak־ tionssitzungen sindseit Monaten gar nicht mehr abgehalten worden, früher auch nicht in genügender Weise. Die beiden Wahlen in Königsberg und Wiesbaden sind nicht hesprechen, kein Entschluss ist gefasst worden. Der nächste Parteitag hätte meines Erachtens längst vorbereitet werden müssen, soll er nicht eine ziemlich belanglose Zusammenkunft, wie der in Halle, werden.“ Weiter heisst es: ״Mittelstand und Mittelstand, darauf sitzen wir fest, ohne dass recht ersichtlich wird, was wir wollen und was wir nicht wollen. Von dem überaus mangelhaften Besuch des Reichstages seitens unserer Fraktion, von unseren ganz unzureichenden Pressverhältnissen will ich nicht weiter reden. Die Folge jenes Besuchs und des Mangels an aller Beredung ist, dass die Stellung zu den wichtigsten Gegenständen dem Belieben des einzelnen überlassen bleibt. Und demgemäss wird unsere Bewegung auch im Lande keine rechten Fortschritte machen. Stillstand und Mangel an Leben überall! Oder zu viel Leben, dass heisst oberflächlicher Radau mit verbrauchten Schlagworten! Welchen Wert hat die Zugehörigkeit zu einer solchen Partei? Und welche Lücke anderseits misst mein Austritt in das Parteigefüge?“ Die Fraktion bemüht sich, diese Vorwürfe zurückzuweisen; die Erklärung in der dies geschieht, schliesst mit den Worten: ״Herr Professor Förster hat in seinem an den Vorstand des Provinzial Vorstandes für die Provinz Brandenburg gerichteten Schreiben, worin er sein Amt als Vorsitzender niederlegt, auch seinen Austritt aus der Partei ausdrücklich erklärt. Wir nehmen davon mit der Erklärung Kenntnis, dass wir selbstverständlicherweise den Kreis Neustettin] als zum Besitztum: der Partei gehörig betrachten und die entsprechenden Folgerungen für die nächsten Wahlen ziehen werden.“ — Das Bild, das Herr Förster von seiner bisherigen Partei entwirft, ist das natürliehe Ergebnis einer politischen Richtung, deren Lebenselement die Verhetzung, die Schaumschlägerei und, mit Herrn Förster zu reden, der Radau sind. Eine solche Partei fällt natürlich sehr bald in das Nichts zurück, aus dem sie hervorgegangen ist. Hamburg. Vor einigen Tagen hat die lang erwartete Eröffnung der Ausstellung Palästinensischer Kolonien stattgefunden. Das Comite der Allgemeinen Gartenbau-Aus- Stellung war durch die Herren Prof. Zacharias, Dr. Brinkmann, Dr. Zimmermann und Garten-Inspektor Jürgens vertreten, die Gönner und Förderer des Unternehmens, sowie die Vorsteher der Gemeinde, Repräsentanten u. 8. w. hatten mit ihren Damen der Einladnng Folge geleistet: die gesamte Presse unserer Stadt entsandte ihre Vertreter. Unter Führung der Comitemitglieder fand eine eingehende Besichtigung der Ausstellung statt und den Darbietungen wurde rückhaltlose Anerkennung gezollt. Der anwesende Gärtner, Herr Glücks mann aus der Colonie Maskereth-Bathjah (Ekrou), Zögling der Ackerbauschule der Alliance israelite Mikweh-Israel bei Jaffa, der die Ausstellung^- Objekte aus Palästina hierher brachte, gab bereitwilligst Erklärungen über die einzelnen Produkte, auch wurde den Besuchern eine interessante Abhandlung ״Die jüdischen Dörfer in Palästina, ihre Entstehung und Entwickelung bis auf die Gegenwart,“ deren Verfasser Herr W. Bambus ist. überreicht. Diese mit Abbildungen versehene vortreffliche

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