Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1897)
- Date
- 1897-07-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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MF* Cafe Austria "MW Oranienburgerstr. 92 (am Hakeschen Markt) angenehmster Aufenthalt, speciell für Familien. I. Etage: Billard-Salon — Gute Getränke — Aufmerksame Bedienung. Um zahlreichen Besuch bittet M Eglhofer. PampfWäscherei ״Sport“ Inhaber: Max Jaroczynski. -S. Dleffenbaohstr. 33. — Tel. A. IV, 446.- Haus־, Leib- und Tischwäsche sowie ganze Aussteuern. Princip: Sauberste Ausführung. Grösste Schonung. Prompteste Lieferung. goge zu führen. Aber in der grossen Mehrzahl zwingt sie ihr Beruf mit unabweisbarer Notwendigkeit, am Sonnabend zu arbeiten. Ein Gang durch die Strassen unserer Stadt, ein Blick in die leeren Synagogen, und andererseits in die offenen Geschäfte, Werkstätten, Bureaux und Schulen müssen jeden überzeugen, dass an unserem Ruhetage die Mitglieder unserer Gemeinde in voller Arbeit sich befinden. Kein Wunder daher, dass unsere Kinder aufwachsen, ohne das Judentum kennen und lieben zu lernen, oder ohne jene wahre Religiosität zu gewinnen, zu der ein erhebender Gottesdienst uns führt. Wir wollen und dürfen nicht teilnahmlos und unthätig ferner zuschauen, wie der Glaube, der das Glück und die Seligkeit unserer Väter* war, mehr und mehr aus der Mitte schwindet. Wir müssen sorgen, dass Massregeln ergriffen werden, die, ohne den Geist und das Wesen unserer Religion irgendwie zu verletzen, eine Besserung der Verhältnisse herbeizuführen im Stande sind. Wir wollen nicht, dass an dem Sabbat, der heilig ist, und der eine der Grundvesten des Judentums bildet, gerüttelt werde, aber wir wollen für diejenigen sorgen, die ohne auf dem Boden der Reform-Gemeinde zu stehen, nicht in der Lage sind, am Sabbat das Gotteshaus zu betreten. Und für diese verlangen wir, neben und ausser dem Gottesdienst am Sabbat die Ausgestaltung des Sonntag-Morgengottesdienstes zu einer erhebenden religiösen Feier mit Predigt. Wir haben kein anderes Mittel, den in erschreckender Weise zunehmenden Indifferentismus zu bekämpfen, und selbst die orthodoxesten unserer Glaubensgenossen können hiergegen nichts einzuwenden haben, wie hervorragende Rabbiner nns bestätigen. Es mag sein, dass die religiöse Feier am Sonntag anfangs wenig besucht werden wird, aber wenn die Thore der Synagoge offen stehen, wenn wir vor uns selbst keine Ausflüchte haben, das Haus Gottes ZU betreten, dann wird sicher im Laufe der Zeit das in der Brust vieler schlummernde religiöse Gefühl wieder zum vollen Bewusstsein gelangen. Die jetzigen beklagenswerten Zustände sind auf die Dauer unhaltbar, weil dem grösseren Teil unserer Glaubensgenossen die Möglichkeit vollständig entzogen wird, den wöchentlichen Gottesdienst allein oder mit ihren Kindern zu besuchen. Um eine Besserung dieser Verhältnisse herbeizuführen, beabsichtigen wir, dem Vorstande der Jüdischen Gemeinde einen Antrag zu unterbreiten: ״er möge neben dem Sabbat-Gottesdienste eine feierliche Andacht mit Predigt an den Sonntagen in den Synagogen einrichten.“ Falls eine grosse Anzahl unserer Glaubensgenossen sich für diesen Antrag erklärt, daun wird auch der Vorstand diesen Wünschen gerecht werden. Wir bitten Sie im Namen des Glaubens, der uns eint und unsern Herzen teuer ist, ihrer Meinung auf dem um- Keilenden Blatte Ansdruck zu geben, und dasselbe umgehend zurückzusenden. Berlin, im Mai 1897. Hochachtungsvoll Kommerzienrat Julius Isaac. Gustav Lewinsteiu. Benas Levy.a Vereins-Schau. Die ״Wissenschaftliche Vereinigung jüdischer Schulmänner ZU Berlin*‘ hielt am 26. Juni unter ihrem Vorsitzenden, Herrn Rektor Dr. Adler, eine Sitzung ab. Nach Aufnahme eines neuen Mitgliedes und Erledigung geschäftlicher Angelegenbeiten wurde die Diskussion der von Herrn Kollegen Auerbach aufgestellten Thesen über die allgemeine Volksschule fortgesetzt. Dieselbe war eine so umfassende und anregende, dass sie auch in dieser Sitzung noch nicht zu Ende geführt werden konnte. Mit Zustimmung des Refereuten wurde um Mitternacht der Abschluss der Debatte auf eine der kommenden Sitzungen vertagt, und muss bis nach denselben der Abdruck der Thesen zurückgestellt werden. Ein sehr angeregter Meinungsaustausch entstand, als dann noch über die Themata gesprochen wurde, die voraussichtlich im Laufe des Winters zur Verhandlung gelangen werden. Die lebhafte Beteiligung an der Diskussion bewies den regen Eifer der zahlreich zur Versammlung erschienenen Mitglieder. Die Vereinigung tritt jetzt ihre Ferien an; die Mitglieder w erden am 15. August einen gemeinschaftlichen Sommerausflug unternehmen und am 21. August in einer ausserordentlichen Generalversammlung über die vom Vorstand vorgeschlagene Aenderung der Statuten beraten. Für den 4. September ist alsdann die nächste ordentliche Sitzung in Aussicht genommen. Der WohJthätigkeits-Verein GemilllS Chassodim veranstaltet am 13. Juli sein diesjähriges Sommerfest bei Puhlmann Schönhauser Allee. Wie wir hören, sind für diesen Tag von den Vorstands- und Comitemitgliedern die umfangreichsten Vorbereitungen getroffen, sodass bei dem geringen Entree von 30 Pfg. resp. 50 Pfg. (Kinder 10 resp. 20 Pfg.) den Teilnehmern ein wirklich guter Abend versprochen werden darf. Auch der tanzlustigen Jugend dürfte ihr volles Recht werden, da für diesen Abend im grossen Saale sogenannte ״italienische Nacht" geplant ist. Im Interesse des Vereins, der seine segensreiche Thätigkeit in vielen dringenden Fällen zur Genüge gezeigt hat, möchten wir unsere Glaubensgenossen bitten, durch Entnahme von Karten ihre Unterstützung angedeihen zu lassen. Billets sind bei den Vorstands- und Comite- Mitgliedern, sowie in der Expedition des ״Berliner Vereinsbote“ Elisabethstr. 59a zu haben. (Siehe Inserat.) ״Verein für Ferien-Colonien. Annähernd 400 Kinder sind vor einigen Tagen von dem Verein für Feriencolonien in die Sommerfrische geschickt worden. Da die Anmeldungen sehr zahlreich waren, machte die Auslese viele Mühe, der sich die Vorstandsmitglieder und die Herren Aerzte gern unterzogen. Ein Teil der erholungsbedürftigen Kinder ist in dem von dem bekannten ־Philanthropen Herr Eugen Rosenstiel in hochherziger Weise errichteten Kinderheim in Eimen bei Magdeburg untergebracht worden. In der nächsten Nummer unseres Blattes werden wir alles Nähere hierüber berichten. Möge der Sommeraufenthalt den Kleinen gut bekommen! Die Religionsschule des Luisenstädtischen Brüdervereins ״Ahawas reim“ veranstaltet während der Ferien an jedem Mittwoch einen Ausflug unter Führung der Anstaltlehrer in die Umgegend von Berlin. Die Beteiligung ist jedem gestattet.