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Berliner Vereinsbote · 1897-07-02 · Heft 27 (2.7.1897) · page 3

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Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 27 (2.7.1897)
Date
1897-07-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Die jüdischen Vereine Berlins. {Nach den Angaben der p.p. Vorstände.) (,Etwaige Ungenauigkeiten bitten ־wir gefl. berichtigen zu wollen.) Nachdruck verboten. 25. ״Jüdisches Mädchenstift.“ Arme jüd. Mädchen hauswirtschaftlich auszubilden und für den Dienstbotenberuf vorzubereiten ist der Zweck des im Jahre 1890 gegründeten und jetzt 455 Mitglieder zählenden ״Jüdischen Mädchenstiftsw. Im Hause Münzstr. 23 ist es domieiliert. Die Erziehung und Ausbildung der Zöglinge (gegenwärtig 16) wird von Frau Henriette Baer geleitet. Das Institut unterhält einen rituellen Kosttisch für Mädchen und Frauen. Vorstand: Waisenhaus-Direktor Dr. A. Strelitz, Schönhauser Allee 162, (1. Vorsitzender), Julie Neumann, Viktoriastr. 35 (Vorsitzende), Frl. Lüpschütz, Lindenstr. 25 (81 eilv. Vorsitzende), Robert Goldschmidt, Pariserplatz 6 a (Schatzmeister), Direktor H. Scheyer, Schöneberger Ufer 42 (Kontrolleur), ferner Sanitätsrat Dr. Blumenthal, Frau Geheimrat Meyer Cohn, Frau Martin Fernbach, Frau Michael Fiegel, Leopold Friedmann, Stadt- Yerordneter Dr. J. Ginsberg, Frau Bendix Levy, Frau Alfred Löwenberg, Frau Louis Oppenheim, Frau Hermine Rathenau, Frau Rosa Sachs, Kommerzienrat E. Jaffe, L. Meyer. 26. ״Jüdische Lesehalle.“ Am 1. Januar 1895 haben die Herren Dr. Karpeles, Dr. H. Hildesheimer, Kommerzienrat Jul. Isaak und Prof. Philipsohn die jüdische Lesehalle, die sich Spandauerstr. 11/13 pt. 1. befindet, ins Leben gerufen. Die jüdischen Zeitungen des In- und Auslandes, sowie die verschiedensten Werke auf dem Gebiete der jüdischen Litteratur sind hier einzusehen. Die Lesehalle wird von Studenten, Kaufieuten u. s. w. eifrig besucht und die mit ihr verbundene Bibliothek viel benutzt. Ca. 50 Zeitungen aus Deutschland, Österreich, Russland, England, Amerika u. 8. w. liegen aus, und die Bibliothek zählt an 2000 Bände. Die Benutzung der Lesehalle und der Bibliothek ist unentgeltlich. Nach Massgabe der vorhandenen Mittel soll das Institut zu einem Jünglingsheim ausgebaut werden. Die Lesehalle ist geöffnet: Freitag, Sonnabend, Sonntag und Montag von 1—5 Uhr nachmittags, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag von 7—10 Uhr abends. Der Verein zählt 120 Mitglieder und 12 Vereine, die Beiträge zahlen. Der Vorstand setzt sich zusammen aus den Herren: Kgl. Kommerzienrat Julius Isaac, Chausseestrasse 114 (Vorsitzender), Benas Levy, Klopstockstr. 35 (Schatzmeister), Oberlehrer Dr. M. Schaefer, Linkstr. 20 (Schriftführer), und die Herren Dr. Hirsch Hildesheimer, Rabbiner Dr. Stier, Maximilian Heymann, Heinrich Fraenkel, Gustav Spiewkowski, cand. med. Theoänr Zlocisti. 27. ״Mathilde.“ Zur Unterstützung armer Wöchnerinnen und der Religionsschule des Lippmann Taus-Synagogenvereins hat sich im Jahre 1893 unter der Leitung der Frau Rosalie Silber der ״Israelitische Frauen verein Mathilde“ gebildet, der bereits über die stattliche Zahl von 600 Mitgliedern verfügt. Der Verein hat bisher in Berlin 0. und NO. eine erspriesslihe Thätigkeit entfaltet. Den Vorstand bilden: Frau Rosalie Silber, Blumenstr. 83 (Vorsitzende), Leopold Kaufmann, Gr. Frankfurters!!-. 86 (stellv. Vorsitzender), Leo Schwarz, Neue Königstr. 71. (Rendant), M. Hoffmann, Neue Königstrasse 87 (Schriftführer), ferner die Damen Frau Dr. Johanna Lipschütz, Frau Paula Salinger, Frau Balbina Linsker, Frau Ella Sinai, Frau Mathilde Wedel, Frau Jeanette Bock, Frau Julie Fuss, Frl. Rosa Engel, Frau Cäcilie Leyser, Frau Cantor Epstein, Frau Rosa Sass. Aus der Gemeinde. Die Sitzung der Repräsentanten-Versammlung am 27 - Juni war die letzte vor den Ferien. Aus den vom Vor־ sitzenden erstatteten geschäftlichen Mitteilungen heben wir hervor, dass sich das Kuratorium des Erziehungshauses in Pankow konstituiert hat und ans folgenden Mitgliedern besteht: Emil Mosse, Rechtsanwalt Markower, Rechtsanwalt Breslauer und Heinrich Eisner. Für die Ferienzeit, in welcher kein Mitglied des Vorstandes in Berlin anwesend sein wird, wird Herr Professor Baginsky zum stellvertretenden Kassen re visor gewählt. Einige nichtjüdische Engrosschlächter haben der Gemeinde das Anerbieten gemacht, unter noch zu vereinbarenden Bedingungen Koscherfleisch unter strengster Aufsicht der Gemeinde zu verkaufen, und zwar zu erheblich billigeren Preisen, als die zur Zeit bei den jüdischen Schlächtern üblichen. Zur Prüfung dieser Angelegenheit und eventuellen Festsetzung der Bedingungen wird eine gemischte Deputation eingesetzt, in welche von der Versammlung die Herren Leonhard Sachs, Isidor Sachs, Fränkel und Löwenberg hineingewählt werden. Zur Rettövierung des früheren Siechenhauses werden 4278 Mark bewilligt. Die in Frage kommenden Räumlichkeiten sollen zum grössten Teile zu dem Zwecke des jüdischen Krankenhanses verwendet werden, namentlich ZU Arbeitszimmer für Aerzte, Wohnräumen für Personal, zur Erweiterung der Polikliniken usw. Desgleichen werden bewilligt, zur Anläge eines elektrisch betriebenen Fahrstuhls im Krankenhause 12000 Mark, zur Einführung elektrischer Beleuchtung in der Synagoge Kaiserstr. 3500 Mark. Zum Schluss der Sitzung werden von der Versammlung eine Reihe von Rechnungsabschlüssen verschiedener Special-Verwaltungen genehmigt, darunter die der Gemeindesynagogen, des Erziehungshauses in Pankow, der Beerdigungskommission, der Kommission zur Beschaffung des Koscherfleisehes und zur Verwaltung des Quellenbades. Fast alle diese Verwaltungszweige haben Minderausgaben zu verzeichnen. Die nächste Sitzung findet wohl erst im September statt. Vereins-Schau. — Der ״Israelitische Kindergarten und Kinderhort“ veranstaltete am 30. d. Mts. zum Besten seiner Anstaltskasse ein grosses Sommerfest im Zoologischen G&rten. Ein Kinderfest in grossangolegtem Stile war die Veranstaltung. Die Zoglinge der Anstalt, begleitet von ihren Lehrerinnen, den Ehrendamen und Herrn I. Bloch, fuhren in den ersten Nachmittagsstunden an den Ort der Veranstaltung. Hier vergnügten sich die munteren Kleinen an fröhlichen Spielen aller Art. Es war geradezu herzerhebend anzusehen, mit welcher Hingebung die Ehrendamen sich den Kleinen widmeten, wie die Lehrerinnen mit Umsicht und Geschick die muntere Schar zusammenhielt und wie die Freude sich auf den Gesichtem der Kinder widerspiegelte. Das Verhalten der Kleinen war ein durchaus lobenswertes und legte Zeugnis von der Disciplin ab, die in der Anstalt waltet. Für die Bewirtung der Kinder war in ״geschmackvoller“ Weise Sorge getragen, indem ihnen an sauber gedeckten Tischen Chokolade und Kuchen verabfolgt wurde. Die Beteiligung von Gästen liess zu wünschen übrig, und auf Grund unserer Beobachtung erscheint es uns mindestens zweifelhaft, ob das Fest einen nennenswerten Ueberschuss ergeben hat. — Der Verein ״Juda7S Töchter“ (Vorsitzende Frl. Ranft) veranstaltet am Sonntag, den 4. Juli, seinen dritten Ausflug in diesem Sommer. Hermsdorf ist dieses Mal das Ziel der Ausflügler. Wie wir hören, war die Beteiligung an den beiden bisherigen Sommerpartien eine recht rege, sodass es dem Verein gelungen ist, auch im Sommer, wo die meisten Vereine der Ruhe pflegen, das Vereinsinteresse seiner Mitglieder rege zu erhalten. Am 7. ds. hält der Verein eine geschäftliche Sitzung (nur für Mitglieder) ab.

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