Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1897)
- Date
- 1897-06-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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troll© über solche Meister zu üben, wblche ihre Berechtigung, Lehrlinge attszubilden, auch ausüben. Die Innung verlangt: ״Die Berechtigung, Lehrlinge auszubilden, solle abhangen von der nachgewiesenen Qualifikation als Lehrmeister, sie verlangt dann zweitens die ausschliessliche Bezeichnung dieser Qualifikation mit dem Titel ״Meister״. Im Uebrigen mischt sie sich weder in die Werkstatt noch in den Laden aller derer, die nicht zur Innung gehören wollen oder können.“ Wird den Innungen solche Aufgabe gestellt, werden die gesetzlichen Bestimmungen danach eingerichtet und mit solchen scharfen Zusätzen, um Willkürlichkeiten unmöglich zu machen, ausgestattet, dann kann eine segenbringende Thätigkeit von ihnen allerdings erwartet werden; freilich werden sich die guten Folgen nur nach vielen Jahren zeigen, denn wie sollte die neue Thätigkeit der Innungen im Stande sein, die Schäden einer 10jährigen Anarchie in kurzer Zeit zu heilen und den Mischmasch dieser trüben Zeit so schnell zum Klären zu bringen? Das darf uns aber nicht abhalten, in unserer Pflicht vorweg zu gehen und von neuem zu beginnen, was begonnen werden muss, unbekümmert um das Geschrei Unbefugter und Unberufener, die zwar die Bevormundung durch den Staat wohl bekämpfen, sich selbst aber als unberufene Vormünder aufstellen. Werden die Meister Lehrer und bilden die Innungen Vereinigungen der Lehrmeister, dann erübrigt nur noch das Eingreifen der Fach- und Lehriingsschulen in den allgemeinen Lehrapparat, um die herrlichen Früchte dieser ernsten Bemühungen, dieses ehrlichen Willens bald heranreifen zu sehen. So hebt sich die Standesehre, das Standesbewusstsein, so hebt der schöne Beruf des wackern, biederen Handwerkers, so wird Handwerk und Meister, Geselle und Lehrling wieder ein© Bürgerzierde werden, dem Sich weder der Gelehrte noch der Künstler, der Beamte noch der Bürger und Kaufmann hochmütig und geringschätzig gegenüber stellt, sondern seine Achtung und Anerkennung entgegenbringen wird und muss, wenn jedermann die Wahrheit erkennt, dass eine Werkstätte mit geschickten Arbeitern, eine Stadt mit guten Werkstätten, ein Land mit werkthätigen Städten den Reichtum des Landes erhöht, wenn zum allgemeinen Bewusstsein gelangt, dass alles das nur erreicht werden kann durch gute Schulen, durch gute Lehrer, durch gute Werkstätten und tüchtige Meister; dann ist es undenkbar, dass man den Bestrebungen, wirksame Innungen zu erlangen, in bisheriger Weise feindlich entgegentreten kann. Alle politischen Parteien müssen einig sein, die Vervollkommnung eines notwendigen Lehrapparates zu unterstützen; diese Stütze kann keine Domäne einer einzelnen Partei sein, wie es auch nicht einer einzigen Partei zuzuschreiben ist, dass der Verfall des Gewerbes leider stattgefunden hat; dazu haben vielmehr alle gesetzgebenden Faktoren mitgewirkt. In einer Zeit, in der das Bedürfnis nach wahrer Ordnung so dringend ist, wie vielleicht noch niemals zuvor, sehen wir auf der einen Seite fast fruchtlose Bestrebungen, auf der andern Seite ein ungeheures Defizit von Ordnungssinn. Die jüdischen Vereine Berlins. (Nach den Angaben der p. p. Vorstände.)!,Etwaige Ungenauigkeiten bitten wir gefl. berichtigen zu wollen.) Nachdruck verboten. 18. ״Csra“ Verein zur Unter- Stützung* Ackerbau treibender Juden in Palästina und Syrien. Zum Zwecke der Unterstützung Ackerbau treibender Juden in Palästina und Syrien, hat Herr J. Turof im Jahre 1884 den Verein ״Esra“ ins Leben gerufen. Der thatkräftigen Hilfe dieses Vereins verdanken viele Kolonien in Palästina und Syrien ihre Existenz, und der Verein hat auch im vorigen Jahre anlässlich der Gewerbeausstellung die Freude gehabt, aller Welt die Erfolge seiner Thätigkeit in einer grossen Anzahl Landesprodukte aufweisen zu können. Der Verein ist über ganz Deutschland verbreitet und zählt 2300 ordentliehe und 5 Ehrenmitglieder. Den Vorstand bilden die Herren M. Dorn, LuiseDstr. 12, (Vorsitz.), N. J. Anders. Prof. Dr. A. Baginsky, Willy Bambus, Dr. David Caspari, Consul Julius Friedmann, Isidor Gutmann, Dr. Hirsch Hildesheimer, Berthold Israel, Professor Dr. L. Landau, Dr. R. Loewe. 19. ״Jüdischer Frauen-Verein der Luisenstadt.“ Seit 1877 besteht der jüdische Frauenverein der Louisenstadt, der den Zweck hat, bedürftigen Glaubensgenossen Unterstützung zu gewähren. Er zählt 850 ordentliche, 10 ausserordeutliche Mitglieder und 1 Ehrenmitglied (Frau Sibylle Hess). Vorsitzende des Vereins ist Frau Minna Egers, Prinzenstr. 41, stellvertretende Vorsitzende Frau Amalie Scholein, Sebastianstr. 20. Ferner gehören zum Vorstande die Herren: Gustav Rewald (Cassierer), Adolf Korach (Schriftführer), Hermann Hirsch (Controllern־), Sanitätsrat Dr. Cohn, und die Damen J. Cohn, Rosa Bruck, Jenette Rosenberg, Anna Biesenthal. Reline Schoyer, Frau Rabbiner Höxter. 20. ״Gewul tow“. Der Humanitätsverein Gewui tow ist am 21. November 1872 als eine Krankenunterstützungsnnd Witwenkasse gegründet worden. Im letzten Jahre hat die Wirksamkeit des Vereins eine Erweiterung in einer Darlehnskasse gefanden. Sämtliche Instutitionen erfreuen sich eines gedeihlichen Fort- Schrittes. Die Mitgliederzahl hat die Höhe von 785 (darunter 9 ausserordentliehe, 19 immerwährende und 5 Ehren- Mitglieder) erreicht. Vorsitzender des Vereins ist Herr G. Michaelis, Bülowstrasse 97. Die übrigen Mitglieder des Vorstandes sind: Leonor Kroner (stellv. Vorsitz.), G. Friedländer (Rendant) Ludwig Riess (1. Schriftführer), J. Bloch (2. Schriftführer), S.Köttner(Controleur), J. Epstein, S. Cohn, Louis Cohn und B.C. Cohn (Beisitzer), B. Atlas, R. Engel, Ch. Eisenberg, M. Brauer, J. Buttermilch und M. Berkitz (Krankenväter). Jüdische Gemeinde. Jfrsttag, brn 18. Juni, in allen Synagogen abends 772 Uhr. $0ttttalftttfe, den 19. Juni, in der alten Synagoge morg. 872 Uhr, in den übrigen Synagogen morgens 9 Uhr. Predigten Vorm. 972 Uhr Alte Syn. HerrRabb. Dr. Maybaum. Vorm. 10 Uhr Lindenstr. Syn. Herr Rabbiner Dr. Stier. Irrgendgottesdienst Nchm.4Uhr. Kaiserstr. Synag. Herr Rabb. Dr. Rosenzweig. Avends»rr-sdr-«st 972 Uhr. Gottesdienst an den Wochentagen in allen Synag. morgens 672 Uhr und abends 672Uhr. Vereinigung jüdischer Frauen und Mädchen ״Juda’s Töchter”. Vorsitzende: Frau Behrendt u. Frl. Tonn. Sonntag, den 27. d. M., Irverler Nusstug nach Tabkerl's Maldschlößcherr. Lahnverkehr nach Nieder-Schönweide stündlich zweimal von allen Stadtbahnhöfen. Von dort 10 Minuten Chausseeweg. Gemeinsame Abfahrt Vorm. 1074 Uhr vom Bahnhof Alexanderpl. Gäste (Damen und Herren) willkommen. Bei schlechtem Wetter findet der Aüsfiug nicht statt. Der Vorstand. Der Synagogen-Versin ״Beth Zion“ veranstaltet zum Besten der Vereinskasse am Mittwoch, den 23. d, Nachmittag 3 Uhr, in Noack’s Garten und Sälen, Brunnenstr. 16, ein großes S © in in er f e st verbunden mit Goncert, Theater, Ball und Kinderbelustigungen, wozu Teilnehmer höflichst eingeladen werden. Entrde 30 Pfg. I. A. J. Heymansohn, I. Vors. ״Humanitäts-Verein Gewui Tauw.“ Sonntag, den 20. Juni 1897. Sommerfest, in Draesels Garten und Festsäien, Neue Friedrichstrassse 35, verbunden mit Concert, Tanz, Fackelzug, Gesang und humoristischen Vorträgen Die Kaffeküche ist den Damen von 3 Uhr ab *geöffnet. Anfang des Concerts 4 Uhr. Eintrittspreis SO Pfg. Kinder zahlen 15 Pfg. wofür denselben eine Stocklateme verabreicht wird. Billets sind zu haben bei dem Unterzeichneten Comitö und bei sämtlichen Vorstands-Mitgliedern. J. Bloch, Prenzlauerstrasse 19. M. Berkitz, Kaiser Wilhelmstr. 18 c, 8. Cohn, Unter den Linden 4 a’ J. Epstein, Weinbergsweg 8a> Ch. Eisenberg, Kaiser Wilhelmstr. 20. Das Comitd. Bei ungünstiger Witterung findet das Fest in den Prachtsälen statt.