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Berliner Vereinsbote · 1897-05-07 · Heft 19 (7.5.1897) · page 3

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Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 19 (7.5.1897)
Date
1897-05-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Vereins-Schau. Das seltene Fest der goldenen Hochzeit feiern am 20. Mai c. Herr Joachim Goldstein und seine Gattin Sara, geh. Kupfer, in völliger geistiger und körperlicher Frische und Rüstigkeit. Herr Goldstein fungiert seit etwa 25 Jahren in der Synagoge Kaiserstr. als Schames? ist Logenbruder und ehemaliger Diener der Reichsloge, von der er auch jetzt eine kleine Pension bezieht, und Kassierer des Vereins ״Danzig“. Wenn das greise Paar auch nicht gerade in guten Verhältnissen lebt, so hat es doch die Freude, ihren Sohn und ihre sieben Töchter versorgt zu wissen, da sie alle verheiratet und sich infolge ihrer Arbeitsamkeit gut ernähren. Möge das Jubelpaar an seinen Kindern und zahlreichen Enkeln noch viele Freude erleben! Am 9. ds. feiert das Reichenheim'sche Waisenhaus das Fest seines fünfundzwanzigjährigen Bestehens. Die Einladüng zur Teilnahme an dieser Feier sind ziemlich zahlreich ergangen, und es ist zu erwarten, dass sie eine der Bedeutung des Tages und dem Werte der Anstalt entsprechende sein wird. Einen Bericht hierüber bringen wir in der nächsten Nummer. Auch sind wir in der Lage, unsern w. Lesern eine Abhandlung über die Anstalt mit einer Illustration für die folgende Nummer in Aussicht zu stellen. Ein erfreuliches Bild von dem Gedeihen des vor Jahresfrist gegründeten jüdischen Lehrlingsheims in Pankow giebt der soeben erschienene erste Verwaltungsbericht dieser Anstalt. Das Lehrlingsheim, welches am 17. Mai 1896 seiner Bestimmung übergeben worden ist, hat im vergangenen Jahre 20 Lehrlinge beherbergt, denen es Wohnung, Kleidung und teilweise auch Beköstigung gewährt hat. Diejungen Leute, welche durchschnittlich im Alter von 15—16 Jahren standen, haben die verschiedensten Handwerke zu ihrem Berufe gewählt, sie wurden Schlosser, Klempner, Gärtner, Maler, Schneider, Tapezierer, Uhrmacher u. A. Der Art ihrer Vorbildung nach hat die überwiegende Mehrzahl die Volksschule beendet, einige sind im Besitze des einjährig-freiwilligen Zeugnisses. Ihre Ausbildung erhalten die jungen Leute in den städtischen Fachschulen und dem Kunstgewerbe-Museum. Dem Verein, welcher die zur Förderung des Handwerks unter den Juden dienende Anstalt in’8 Leben gerufen hat, gehören gegenwärtig 72 immerwährende Mitglieder und 254 Mitglieder an. Die Einnahmen betrugen im abgelaufenen Verwaltungsjahre 148,665.50 Mark, die Ausgaben einschliesslich der Baukosten des in der Mühlenstrasse Nr. 20 in Pankow belogenen Heims 106,217.30 Mk. Der bisherige Vorsitzende des Vereins, Herr Stadtrat Dr. Max Weigert, hat wegen Ueberbürdung mit anderen Geschäften dieses Amt jetzt niedergelegt, stellvertretender Vorsitzender ist zur Zeit Herr Maurermeister Joseph Fränkel. Ein eigenartiges Concert, das in Musikkreisen berechtigtes Aufsehen erregte und deshalb sehr gut besucht war, veranstaltete Herr Max Weinbaum in voriger Woche im Saale der ״Gesellschaft der Freunde“, Potsdamerstr. 9. Die altehrwürdigen Töne machten einen unbeschreiblich wohlthuenden Eindruck auf das aufmerksame Auditorium. Besonderes Interesse erweckten die Compositionen des nachweisbar ersten Synagogalkomponisten Salomo di Rossi, der um das Jahr 1600 lebte. Die zu Gehör gebrachten Stücke waren originell, die Ausführung muss auch als durchaus gelungen bezeichnet werden. Die Chorgesänge und auch die Soli wurden gut vorgetragen, wenngleich stellenweise die Knabenstimmen zu hell aus dem Ensemble hervorstachen. Mit seiner Veranstaltung hat Herr Weinbaum, dem das Concert ein ehrenhaftes Zeugnis ausstellt, uns einen genussreichen Abend bereitet. Möge es dem jungen Künstler vergönnt sein, sein Streben mit dem besten Erfolge gekrönt zu sehen. Hermann Koch (16 Jahre im Hause N. Israel.) 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