Mannheim
Compact Memory

Berliner Vereinsbote · 1897-05-07 · Heft 19 (7.5.1897) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 19 (7.5.1897)
Date
1897-05-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3019627-3019628-3019647--556-3020015
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

wie ein Sehnen durch die Gemüter vieler galizischer und russischer Juden, ihr Los dem der beneideten und mit Recht beneidenswerten Landleute gleich zu machen. Dieser Zug muss genährt werden; der Sinn für Landbau muss, wo er nicht vorhanden ist, angeregt, und wo er ist, gepflegt und gefördert werden. "Wenn erst die Gedanken des Volkes mehr darauf gerichtet sind, wird die Verwirklichung weniger Zeit erfordern und eher zu bewerkstelligen sein. Volkstümlich gehaltene Schriften in Form von Er- Zählungen und Novellen, welche die glücklichen Seiten des Landlebens in warmen Farbtönen schildern, könnten viel zur Kräftigung einer solchen Volksbewegung beitragen, und darum sollte dieser Litteraturzweig, der durch Kompert, namentlich aber Sacher-Masoch n. A. vertreten wird, liebevoll gepflegt werden. Nicht nur in Russland, sondern auch in Galizien, wo die Juden wenigstens in rechtlicher Beziehung keinen Ausnahmen unterstehen, ist die Armut eine so drückende, eine so allgemeine und traurige, dass damit die Lage kaum irgend eines Bevölkerungsteils verglichen werden kann. Die Auswanderung soll aus diesen Kreisen eine sehr beträchtliche sein, Galizien ist ein agrikulturell allgemein stark ausgebeutetes Land und gewiss nicht in der Lage, neuen Volksklassen Brod und eine^ zufriedenstellende Lebenshaltung zu verschaffen, sonst müsste das Land, das einen so hervorragenden jüdischen Prozentsatz enthält, die Lösung dieser Frage seinerseits zuerst in die Hand nehmen. Allein Galizien dürfte in der Ackerbewirtschaftung und Ausnutzung auf der denkbar höchsten Stufe anzutreffen sein, die überhaupt zu erreichen ist, auf keinem sonstigen Gebiete Europas leben so viele Menschen auf gleichem Flächenraum, ohne Beihilfe stark entwickelter Industrien. Der Versuch, der planmässige Versuch, zu geordneter Ackerwirtschaft überzugehen, würde auch dort mit einem Lavaerguss antisemitischer Eruptionen beantwortet werden. Wenn wir uns nach Gebieten umsehen, auf denen der Jude noch nichts leistet, so ist es der Ackerbau, der uns zuerst in die Augen springt. Er gestattet ganz besonders die Entwickelung des dem jüdischen Naturell angeborenen und überall stark ausgebildeten Strebens nach Selbstständigkeit, nach eigenem Besitz, eines strebens, das im wirtschriftlichen Ringen dem Kämpfer sehr zu Statten kommt. Gerade hier wird für grosse Massen die Möglichkeit des eigenen Besitztums erschlossen; die nach Unabhängigkeit lechzende jüdische Natur ist wohl befähigt, auch im Ackerbau die Konkurrenz auszuhalten. Die geistigen Fähigkeiten, die Zähigkeit, Nüchternheit, Massigkeit und Sparsamkeit sind weltbekannte jüdische Eigenschaften, die die geringe körperliche Qualität, die bei der ersten Generation ein wenig entmutigen würde, reichlich wieder ausgleichen. Wir hätten also alle Ursache, die neuen Bahnen zu ebnen und für eine dauernde, planmässige Entwickelung in dieser Richtung zu arbeiten. Noch ist es nicht zu spät, noch hat die Erde Raum für alle, wer weiss, oh nach hundert Jahren die verdreifachte oder vervierfachte Menschheit überhaupt noch Erörterungen dieser Art zulassen wird, ob nicht der Genuss des wertvollsten Eigentums, des Grund und Bodens, den Juden allein von seinen Wohlthaten ewig ausgeschlossen hat, das mögen diejenigen erwägen, ־ die die allgemeinen Interessen des Judentums zu fördern sich berufen fühlen und in leitenden Stellungen sich befinden, die ihnen das allgemeine Vertrauen übertragen hat. Die Aufgabe ist gross, das Werk ist schwer. Diejenigen, die sich ihm widmen wollen, müssen, durchglüht von heisser Liebe für ihren Stamm, auf reellem Boden stehen, und mit nüchternen Blicken alles prüfen können. Mögen besonders die amerikanischen Philanthropen die Sache aufnehmen und sie der praktischen Lösung zuführen, sie sind am meisten dazu berufen, denn sie geht es meistens an. Die jüdischen Vereine Berlins. (Nach den Angaben der p.p. Vorstände.) ("Etwaige Ungenauigkeiten bitten wir gefl. berichtigen zu wollen.) 5. ״Ahawas scholaum“ Zu den ältesten Synagogen-Vereinen Berlins gehört der im Jahre 1852 von Brasch gegründete Verein Ahawas Scholaum; in der von dem Verein unterhaltenen Synagoge wird täglich Gottesdienst abgehalten. Zu den ferneren Obliegenheiten des Vereins gehört die Abhaltung von Iraner an dachten im Hause verstorbener Mitglieder. Eine in der Synagoge angebrachte Gedachtnistafel weist die Namen der durch den Tod entrissenen Mitglieder auf. Soweit es die Kassen Verhältnisse gestatten, werden auch humanitäre Werke geübt. Der Verein unterhält auch eine Religionsschule in den Räumen der Gemeindeschule Gartenstrasse 170, die der Leitung des Vereinsrabbiners Herrn Dr. Solo Stein unterstellt ist. Die Mitgliederzahl beziffert sich gegenwärtig auf 145 ordentliche und 2 Ehrenmitglieder. Im August 1894 wurde die für den Verein erbaute Synagoge Linienstr. 197 Nachdruck verboten, feierlich eingeweiht. Sie umfasst im Paterre 800 Man nersitze und auf den Emporen ca. 200 Frauensitze. Vorsitzender des Vereins ist Herr Joseph Hirschberg, Lothringerstr. 63; die übrigen Mitglieder des Vorstandes sind die Herren Sally Selbiger, II. Vorsitzender, E. Bernstein I. Schriftführer, Louis Becker, II. Schriftführer, Julius Pick, Rendant, S. Almus, Beisitzer, Jakob Todtmann, Controllern, Simon Landsberger, M. Mendelsohn und Max Scheyer, Synagogenvorsteher. Jüdische Gemeinde. Krstta-, de» V. Mal hi allen Synagogen abends 71/2 Uhr. Komrabettd» &**» 8. Mat in der alten Synagoge morg. 81/2Uhr, in den übrigen Synagogen morgens 9 Uhr. Predigten: 10 Uhr Neue Synagoge Herr Rabbiner Dr. Stier. Kaiserstr.-Syn. Herr Rabbiner Dr. Mayb&um. Ifngnifc&irttrofelttt # Nachm.4Uhr Alte Synagoge Herr Rabbiner Dr. Rosenzweig. Abendgattesdienst 8V2 Uhr. G>»ftz»dirr»st an den Wochentagen in allen Synag. morgens 672 Uhr und abends 672 Uhr. 6 Uhr verschied nach lang, beiden der ehrwürdige Senior unseres Vereins, Herr M. Michaelis, Vater unseres verehrten Vorsitzenden. Stets erfüllt vom regsten Interesse für unsere Wohlfahrtseinrichtungen, hinderte ihn selbst die Bürde d. Alters nicht, dasselbe zu bethätigen. Sein Andenken wird in unserer Mitte stets treu bewahrt werden. Der Vorstand des Humanitäts-Vereins (Gewui Tauw). ספרים מחזורים טליתים (Talasse in Wolle u. Seide) Silberfressen H1T1TD e*»pf. H. Engel’« Buchhdlg., Berlin C., Klosterstr. 1Ö. Verein ״Schomre schabbos. Stollaagsuehcnden, die den Sabbath halten, wird Beschäftigung nachgewiesen und Unter- Stützung gewährt. Beitrittserklärungen nimmt entgegen und Auskunft erteilt Xiouia Beokor, Linienstr. 71 Jüdische Lesehalle and Volksbilbli othek Münchener Hof, Spandauorstr. 11-13 für jedermann geöffnet: an Wochentagen von 722—72b. Sonnabend u. Sonntag v.7a2—726. BÜChor werden ausser Sonnabend täglich gewechselt. Verlags- und Sortiments-Buchhandlung, Berlin 0*9 Rosenstrasse 17. Allgemeine Literatur. Musikalien, Schulbücher. Spezialität: Judaica und Hebraica. Gebetbücher, Tallesim in Wolle und Seide u. 8. w. in grosser Auswahl stets auf Lager. Bestellungen nach ausserhalb werden schnellstens ausgeführt. _ Albert Kats. Vereinigung jüdischer Frauen und Mädchen ״Juda’s Töchter”. - Vorsitzende: Frau Behrendt u. Frl. Tonn. Sonntag, den 16. Mai. Erster Ausflug nach Grünau. Gemein- Same Abfahrt Vorm. 10 Uhr vom Bahnhof Alexanderplate. Für Nachzügler bis "372 Uhr Nachm, in Carolinenhof. Gäste willkommen. Der Vorstand.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.