Mannheim
Compact Memory

Berliner Vereinsbote · 1897-05-07 · Heft 19 (7.5.1897) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 19 (7.5.1897)
Date
1897-05-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3019627-3019628-3019647--555-3020014
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Berliner %ein§bde ״*cf jZenlraf-0rgar^ für die jüdischen Vereine Berlins. Erscheint jeden Freitag. SC Bezugspreis Mk. 0,75 vierteljährlioh, für auswärts 1,00 Hk. 'BR Insertionspreis för die viergespaltener Petitzeile 30 Ptg. Redaktion, Expedition und Annoncen-Annahme: Berlin HO., EUsabethstrasse 50 a. Postzeltungs-Llste 1012. KM Nummer 19. Berlin, den 7. Mai 1897 w. Jahrgang. Fernspreeh- Anschluss Amt VII, No. 4662. Unseren werten Lesern — soweit sie den Abonnementsbetrag pro II. Quartal noch nicht entrichtet haben — werden wir in den nächsten Tagen eine Quittung über 75 Pfg. zu präsentieren uns erlauben. Wir bitten höfl., die Quittung zu honorieren um sich so die prompte Zustellung des ״Berliner Vereinsbote“ zu sichern. ״Berliner Vereinsbote", Elisabethstrasse 59a. Eine wichtige Frage. Von B. Traubenberg. (Schluss ) Namentlich im Westen sind die Städte gefüllt mit jüdischen Arbeitern und Handwerkern; die landbauliche Arbeit, auf die die kleinen Städte nirgend nebenher versichten können, ist ihnen gänzlich untersagt, und so leiden die westlichen Gouvernements an einer Ueberfüllung von Handwerkern, die von ihrer Hände Werk allein nicht existieren können. Das einzige Heil läge auch hier in dem Landbau, der nach gesetzlichen Bestimmungen dem Juden gänzlich versperrt ist. So notwendig uns die Beschäftigung des Juden mit Ackerbau und Viehzucht erscheint, so wenig lassen sich dahingehende Wünsche in Europa realisieren. Um so mehr müssen wir unsere Aufmerksamkeit Amerika zuwenden und am meisten natürlich denjenigen Teilen, die zur Verwirklichung dieser Aufgabe keiner besonderen Transporte von Zuwanderern bedürfen, sondern bereits zahlreiche jüdische Elemente in sich bergen. Das ist in allererster Linie Nordamerika. Ebensowenig könnte gegen Mexiko Einspruch erhoben werden, wenn jüdische Bevölkerungsteile in dessen Nähe anzutreffen sein sollten. Die Bodenfruchtbarkeit und der sonnige Himmel, vielleicht auch das noch billig zu habende Land, wie die unmittelbare Nähe Nordamerikas mit seinen starken städtischen Ansiedelungen jüdischen Stammes, würden diesen glücklichen Strich besonders vorteilhaft erscheinen lassen, wenn nicht Nachklänge spanischer Unduldsamkeit zu befürchten stünden, was bei einem Staate, der noch immer auf die Proklamierung voller Gleichberechtigung aller Konfessionen warten lässt, immerhin in Erwägung gezogen werden muss. Nordamerika muss mit der Inswerksetzung von Kolonien alsbald vorgeben, ehe auch dort das ״Zu spät!“ uns entgegenschallt. Und Nordamerika hat mindestens dieselben Ursachen, die es dazu nötigen sollten, wie Europa, bloss dass in Europa diese Frage nicht der Lösung entgegen geführt werden kann, während das erste re auch hierin volle Bewegungsfreiheit geniesst. Die wirtschaftliche Lage der Juden erfahrt insofern eine Schwächung, als sie aus durchaus selbstständigen Gewerbetreibenden, die sie der Mehrzahl nach sind, zu abhängigen Maschinenlohnarbeitern werden, eine Entwichelung, die aufs Lebhafteste zu bedauern wäre und der blos durch eine Hinleitung zum Ackerbau vorgebeugt werden Amerika erhält mit der Zeit staraen jüdischen Volksteil und muss, um ähnb Missverhältnisse wie in Europa zu verhüten, ein Bruchstrck ׳ ׳-f die Bodenarbeit hinlenken. Die grossen Städte haben eine sehr beträchtliche jüdische Beimischung, die in grossem Elend lebt, und werden daher gern Bruchteile an 'andere Gebiete abgeben, wo das Mensehenmaterial nutzbringender und produktiver angelegt werden kann. Der Hausierhandel, der lange Zeit als recht einträglich galt, ist jetzt auch dort derartig überschwemmt, dass er seinen Mann nur noch kümmerlich nährt und damit auch an Ansehen immer mehr verliert, so dass er in kurzer Zeit vielleicht dieselbe Stufe der Verachtung erreicht haben; wird, wie im lieben deutschen Vaterlande. Amerika ist der einzige Erdteil, der der hier befürworteten Richtung eine volkstümliche Entwickelung noch zulässt. Versäumt man auch da den richtigen Zeitpunkt, dann wird es wohl für alle Zeit zu spät sein, und wir werden wirklich und endgiltig die Teilung der Erde in leichtsinniger Weise verschlafen haben. Statt mit nationalen Phrasen unerreichbaren Phantomen nachzujagen, thäte man gescheiter, eine Bewegung hervorzurufen, die solche greifbaren Ziele verfolgt und die im höchsten Grade erhaltend auf das Judentum zurückwirken müsste. Die innerste Volksseele muss mit diesem Gedanken beschäftigt und vertraut werden. So ganz ohne Vermittelung und Vorbereitung käme er nicht. Es geht

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.