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Berliner Vereinsbote · 1897-02-05 · Heft 6 (5.2.1897) · page 8

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Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 6 (5.2.1897)
Date
1897-02-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sein Vater hielt ihn zurück, indem er ihn aufmerksam machte, dass ihm diese Ehrenzeichen ja nicht durch die Gunst irgend eines Dritten geworden, sondern dass er sie sich mit seinem Arme rechtmässig erkämpft habe. Auf die Aufregung folgte bei ihm eine düstere Schwermut, denn das Rechtsbewusstsein des jungen Mannes, dessen Herz immer von Edelmut geglüht hatte, der in der Befreiung vom Fremdenjoche mit zahllosen andern eine Zeit allgemeiner Gerechtigkeit erträumt hatte, war zu tief verletzt, als dass er sich die Dinge so bald wieder hätte zurechtlegen können. Der alte Salme erinnerte seinen Sohn an alles Das, was er ihm, da er den Entschluss, unter die Freiwilligen zu treten, gefasst, vorausgesagt hatte. Er wolle ihn damit beschwichtigen, dass also gar nichts Unverhofftes eingetreten sei. Aber er goss hierdurch nur 061 ins Feuer. Endlich übernahm Rosa das Amt, ihren Mann wieder zu sich selbst zurückzurufen. Sie begann mit leiser, schonender Hand, redete ihm von ihrer Liebe, erinnerte ihn an die Schrecknisse, die sie selbst erlebt, rief ihm zurück, wie Gott sie nicht verlassen und in ihrer Unschuld die Kraft hatte finden lassen, allen Gefahren zu widerstehen, und kündete ihm endlich unter sanftem Erröten an, dass sie ihm bald ein Pfand ihrer treuen Liebe unter Gottes Beistand in die Arme legen würde. Diese Kunde ergriff Daniel mächtig. Er riss seine Gattin an seine Brust und weinte halb seinen Schmerz, halb seine Freude aus. Dann erhob er sich, schüttelte alle Weichheit, alle Verzagtheit von sich ab und gewann seine frühere Energie wieder. Er verreiste. Nach wenigen Tagen kam er zurück und zeigte den Seinigen an, dass er ein bescheidenes, aber durch Fleiss und Sparsamkeit leicht emporzubringendes Materialgeschäft in der Stadt D. kaufen könne, und, wenn die Seinigen damit übereinstimmten, erwerben wolle. Der Entschluss ward bald gefasst, nachdem der alte Salme sich selbst nach D. begeben und die Verhältnisse mit eigenen Augen kennen gelernt hatte. So vielen Schmerz es auch den greisen Eltern verursachte, sie heschlossen dennoch, was von Geschlecht zu Geschlecht vererbt worden, zu verkaufen, und mit dem Erlös sowie mit der Geldsumme, die Daniel aus Frankfurt mitgebracht, das Geschäft in D. zu erkaufen und anzufangen. Der Umzug geschah; und wir wollen nur noch hinzufügen, dass es dem unermüdlichen und gewandten Daniel mit Hilfe seiner emsigen, schönen jungen Frau gelang, sich recht bald eine bedeutende Kundschaft zu erwerben, so dass er nach einigen Jahren zu Wohlstand gelangte, und mit dem Wachstum seiner Familie sein Glück und seine Habe nur wachsen sah. Das eiserne Kreuz und den Georgienorden legte er nie wieder an, sondern bewahrte sie nur als ein Erinnerungszeichen an die Zeit des ewig denkwürdigem Freiheitskampfes, an welchem auch er einen rühmlichen Anteil genommen.

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