Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 6 (5.2.1897)
- Date
- 1897-02-05
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Durch die Einwirkung Roderich’s waren dem Greise fast alle Wege des Erwerbes abgeschnitten; der Krieg hatte so viel Not, so grossen Geldmangel verursacht, dass bei dem Bauern fast gar nichts mehr zu ver- •dienen war. Hierzu kam, dass Daniel durch seinen Militärdienst, durch den Aufschwung, den sein Geist erfahren, durch die Ehren, die er erworben, zur Fortsetzung des väterlichen Geschäftes fast untauglich geworden, und er darin eine unerträgliche Erniedrigung empfunden hätte. Allein er fühlte sich beruhigt. War doch vor dem Beginne des Krieges, allen Denen, welche mit Auszeichnung dienen würden, einen höheren Grad erreicht hätten und invalide geworden, ein Anrecht auf Civüversorgung je nach dem Masstabe ihres militärischen Ranges und ihrer Befähigung zugesichert worden. Er beschwichtigte daher die Besorgnisse seines Vaters, verwies ihn auf die be- | scheidenen Ansprüche, die sie machten, und setzte sich hin, sein desfallsiges Gesuch an die betreffende Behörde niederzuschreiben, das er mit allen seinen Papieren und Zeugnissen begleitete. Der alte Salme schüttelte den Kopf, 11688 aber den Sohn gewähren. ״Ich habe viel erlebtu, sprach er nur leise, ״vieles ist besser geworden, als wir es erwartet und geglaubt hatten. Aber das glaube ich nun doch nicht, dass man in Preussen einem Juden ein gutes Amt geben werde.“ Daniel antwortete nicht, denn er liebte es nicht, seinem von ihm so tief verehrten Vater zu widersprechen. Das Gesuch ging ab; Monde verstrichen ohne Antwort. Salme wurde immer betrübter, Daniel immer ernster. Er hatte ja auch keinen einzigen Für- Sprecher, niemand, der sich für ihn verwenden würde, und er fing selbst an zu bezweifeln, dass das blosse Recht durchdringen könnte. Endlich kam der Bescheid; Daniel riss das Schreiben heftig auf, aber ebenso schnell erbleichte er. Unter belobender Anerkennung der VOQ ihm geleisteten Dienste wurde ihm eine einträgliche Stelle zugesagt, sobald sein jüdisches Glaubenbekenntnis ihn am Eintritt nicht mehr hindern würde ... Es musste wohl das Gesuch Daniel’s nicht das erste derartige gewesen sein, denn das Rescript der Regierung fügte gleich hinzu, dass eine Vor- Wendung an höherer und allerhöchster Stelle hieran nichts ändern könne, da desfallsige Befehle in bestimmter Weise bereits ergangen wären. Daniel war wütend; noch nie in seinem Leben hatte man ihn so leidenschaftlich, so aufgeregt gesehen. ״Wie?“ rief er aus, ״hat man in dem Aufruf zu den Waffen ein Sterbenswörtchen von dem Unterschied des Glaubens erwähnt? hat man auf den Schlachtfeldern, in den Commandos,