Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 6 (5.2.1897)
- Date
- 1897-02-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Der vom Konsistorium der Provinz Brandenbürg veröffentlichten Nachweisung für 1895 entnehmen wir. folgende die Juden angehende Daten: Getauft wurden 15 Kinder jüdischer Eltern und 94 Erwachsene. Bei der letzten Ziffer ist nicht angegeben, ob alle 94 Juden waren, es ist indes sicher, dass wenn nicht alle, doch die weitaus meisten früher diesem Glauben an gehörten, denn die Taufen von Heiden sind doch eine grosse Seltenheit in Brandenburg. Uebrigens ist in diesen Ziffern Berlin mit einbegriffen. Leipzig. Das Reichsgericht verwarf die Revision des Redakteurs Karl Sedlatzek, welcher am 20. Oktober V. J. vom Landgericht II Berlin wegen Beschimpfung der jüdisehen Kirche und Gotteslästerung zu drei Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Frankfurt a. M. Der hiesige Zahnarzt Marcus und der Chemiker Liebmann experimentirten mit Morton’s Verfahren, Zähne durch elektrische Induktion von Cokain zu anästhesieren. Sie entdeckten dabei die Möglichkeit, auf elektrolytischem Wege dem Körper Morphium, Eisen, Quecksilber, Salicyl und andere Stoffe zuzuführen. Pest. Mit Vergnügen haben unsere Glaubensgenossen aus dem Amtsblatte entnommen, dass Sr. Majestät der König Dr. Isidor Baumgarten, einen der hervorragendsten Richter Ungarns, zum Staatsanwalt ernannte. Warschau. Nach ofizieller Angabe macht sich in letzter Zeit eine besonders auffallende Auswanderung der Juden aus dem Königreich Polen nach Afrika bemerkbar. Die Auswanderungsbewegung ist so gross, das viele Gegenden buchstäblich keinen einzigen männlichen Juden mehr aufweisen und sich Frauen und Kinder mit dem Handel beschäftigen müssen. Petersburg. Die Baronin Hirsch hat zur Gründung eines israelitischen Hospitals in Warschau hunderttausend Rubel gespendet. Paris. Ein Rechtsspruch gegen ein antisemitisches Unternehmen wird aus Lyon berichtet: Ein gewisser Sapin und ein Drucker Gregoire hatten dort die Absicht angekündigt, ein ״Israelitisches Jahrbuch“ herauszugeben, in dem die Namen sämtlicher jüd. Beamten, Geschäftsleute u. 8. w. in Frankreich veröffentlich werden sollten. Mehrere Personen, deren Namen in diesem Buche figurieren sollten, haben nun beim Civilgerichte von Lyon ein Verfahren angestrengt, um diese Art der Veröffentlichung ihres religiösen Bekenntnisses zu verhindern. Das Urteil ist zu Gunsten der Kläger ausgefallen und Sapin und Gregoire sind mit der Beschlagnahme ihres Buches bedroht worden, die vor der Verkaufsstellung desselben stattzufinden hat, wenn die beiden Verurteilten dem Rechtsspruche sich nicht fügen wollen. London. Ein edler Mann, ein Wohlthäter, wie er selten gefunden wird, feierte dieser Tage seinen 70. Geburtstag: Frederick David Mooatta in London, In dem Album von Adressen und Glückwünschen, welches an diesem Tage überreicht wurde, liegt zugleich die beste Charakteristik seines Lebens und Schaffens, seiner unermüdlichen Thätigkeit, auf allen Gebieten des jüdischen Lebens. Dasselbe enthält die Namen der königlichen Familie, der Erzbischöfe von Canterbury und Westminster, ebenso gut wie samtliehe jüdischen Gemeinden von Jerusalem bis Jamaika. In dieser warmen und herzlichen Anerkennung ist aber auch zugleich der Dank ausgesprochen, den die Judenheit einem ihrer ausgezeichnetsten Männer schuldet.