Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1897)
- Date
- 1897-01-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Beruhigen sie sich nur, es ist ihr kein Schaden geschehen, und Sie wird sehr glücklich sein.“ — Eine Wonne und ein Hochgefühl, wie er es noch nie empfunden, selbst in der Stunde nicht, als ihm Rosa seine Liebe gestanden, drang mit einem Male in das Herz Daniel’s, er hob die Hände empor, und rief, eine Thräne im Auge, aus: ״O Gott, habe Dank!“ Dann wandte er sich zu der Frau: ״Kann ich zu ihr?“ Der Obristlieutenant erhob Einsprache und gab ihm zu erwägen, dass das gewiss leidende Mädchen durch sein plötzliches Erscheinen einen gefährlichen Schreck haben könnte. Aber Daniel, bei dem der wechselnde Strom der Empfindungen schon wieder einige Zweifel herangebracht haben mochte, sagte: ״Nein! wie es auch kommen möge, ich muss den ersten Blick ihrer Augen, den ersten Schein ihres Angesichts empfangen, es gilt die Ruhe für mein ganzes Leben!“ — Man hielt ihn hierauf nicht länger zurück, die Frau heschrieb ihm den Weg zum Zimmer des Mädchens, und mit geflügelten Schritten eilte er dahin. Die Liebe ist scharfsinnig; Daniel irrte sich in den verschlungenen Gängen des Schlosses nicht einen Augenblick; seine zitternde Hand fasste den Thürgriff und öffnete hastig. Rosa sass in dem Lehnstuhl mit einer Handarbeit beschäftigt. Sie hatte die Schritte gehört, sie blickte auf, sie schrie: ״Daniel. Du da! . . .“ Ueber ihr schönes etwas bleiches Gesicht breitete sich ein unendliches Glück, ihre Augen strahlten, ihre Wangen wurden mit Purpur übergossen, als sie aufsprang und mit ausgebreiteten Armen dem geliebten Manne entgegeneilte und sich an seine Brust warf . . . Nun war alles gut, alles Glück, alles Friede .... Eine Stunde wohl hatten die Liebenden nebeneinander gesessen, Hand in Hand, oft auch Mund an Mund, und erzählten sich flüchtig ihre Erlebnisse, als die alte Frau heraufkam und sie zum Aufbruch mahnte, da der Obristlieutenant trotz der Flasche alten Weines und ihrer guten Unterhaltung nicht länger warten wollte, weil drängende Geschäfte ihn nach H. zurückriefen. Bald sassen die drei im Wagen, fuhren so schnell es die schlechten Wege gestatteten nach Battersdorf, wo der Obristlieutenant, glücklieh, soviel Glück verbreitet zu haben, sich verabschiedete und nach H. sich begab. Die Scenen im Hause des alten Salme wollen wir nicht beschreiben. Es waren selige Tage die folgten.