Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1897)
- Date
- 1897-01-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Jetzt sahen die junge Frau und die Eltern Daniel’s die Steifheit seines Fusses sehr gern, denn als er sich nun, der Pflicht und Ehre zu genügen, wieder gestellt hatte, wurde er als Invalide und zum Kriegsdienst unbrauchbar erklärt. An demselben Tage, wo der Obristlieutenant dem Grafen Roderich einen so unwillkommenen Besuch abgestattet, hatte der letztere sein Schloss verlassen und sich nach der Residenzstadt begeben, wo er sich in die Wogen eines wüsten Lebens stürzte. Aber beim Wiederausbruch des Krieges wurde auch er wieder eingefordert und trotz Widerspruch und Bestechungsversuchen als ein kerngesunder Mann zur Armee geschickt. Der Zufall wollte, dass er gerade unter den Befehl des Obersten v. Jahn kam. Als bei dem Letzteren sich meldete, während dieser von einem Schwarme von Officieren umgeben war, wurde er vom Obersten ganz freundlich empfangen. Sobald die Meldung aber zu Ende war, führte ihn der Oberst bei Seite und sagte zu ihm: ״Herr Rittmeister, wir beide haben noch eine Ehrensache abzumachen. Indes für jetzt gehören wir nicht uns, sondern dem Dienste des Königs und dem Vaterlande an. Kehren wir mit Gott und heiler Haut aus dem Feldzuge zurück, so werde ich die mir schuldige Genugthuung von Ihnen fordern. Wären Sie aber bereit, mir wegen der schimpflichen Worte, die Sie in der Hitze des Augenblicks ausgestossen, eine Ehrenerklärung zu geben, so werde ich die Hand zur Versöhnung bieten. Diese Ehrenerklärung muss ich mir aber in diesem Falle nach dem Kriege erbitten, damit es nicht aussähe, als ob Sie der Autorität Ihres Vorgesetzten gewichen wären.״ Diese Worte wälzten vom Herzen des Grafen Roderich einen schweren Stein, und er erklärte sich bereit, den Wünschen seines tapferen Obersten zu aller Zeit und unter allen Umständen Folge zu leisten. Zu der gedachten Ehrenerklärung kam es aber nicht, denn schon nach wenigen Wochen brachte die Kugel eines französischen Grenadiers dem Grafen eine tätliche Wunde bei. Die Wahrheit zwingt uns zu gestehen, dass dieses Schicksal den Grafen auf der Flucht ereilte, die er vor einer gegen ihn und seine Schwadron heranrückenden Schaar ergriffen hatte; die Kugel war ihm in den Rücken gefahren. (Schluss folgt.)