Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1897)
- Date
- 1897-01-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Officier geziemt, nach dem Austrage der Angelegenheit Rechenschaft geben, vorausgesetzt, dass Sie mit unverletzter Ehre daraus hervorgehen. Jetzt aber habe ich noch ganz anders mit Ihnen zu reden. Ich will Sie, junger Mann, aufs nachdrücklichste verwarnen, sich, wozu ich Ihnen die Hand biete, aus den schlimmen Händeln rechtzeitig zu ziehen, in welche Sie sich eingelassen. Zuerst sehen Sie hier eine Beschwerdeschrift der Bauernschaft, mit deren Schulzen an der Spitze, welche die Gewalttätigkeiten, Erpressungen und Beleidigungen, di© Sie sich in unerhörter Weise erlaubt, der Regierung zur Kenntnis, Abhülfe und Bestrafung vorlegt. Dieselbe wird, wenn Sie sich weigern unserem gerechten Verlangen zu genügen, noch heute der königlichen Regierung übergeben. Sie kennen die Proklamation unseres Königs, den Erlass des Si׳aatsministeriums und wissen, ■dass gerade die Einführung der neuen Regierung es notwendig macht, an jedem offenbaren Uebertreten der Verfügungen im Angesichte der Bevölkerung das strengste Strafamt zu üben. Sie werden sich also eine harte Untersuchung auf den Hals ziehen, und wie diese enden müsse, können Sie selbst berechnen. Nicht minder ist bereits für Ihren an einer Einwohnerin des Dorfes vollzogenen Raub ein Rechtsanwalt instruiert, der noch heute die Hilfe des Kriminalgerichts in Anspruch nehmen wird. Glauben Sie nicht, dass man Ihr altes verfallenes Stammschloss nicht kenne, das zu solchen Unthaten die beste Gelegenheit giebt. Lassen Sie mich unverrichteter Sache Ihr Haus verlassen, so werden alsbald Untersuchungsrichter und Gensdarmen Ihre Schlösser besetzen, die Zeugen sind bereit. Sie können der Strafe und der Schande nicht entgehen. Ihre Sache, junger Mann, steht verzweifelt schlecht, und erkennen Sie mich lieber als Ihren besten Freund, indem ich Ihnen Zusage, dass alle diese Dinge niedergeschlagen und vergessen werden sollen, wenn Sie das Mädchen unbeschädigt auslieferc. Wissen Sie, ich will Sie nicht überrumpeln; ich gebe Ihnen eine halbe Stunde Bedenkzeit; erwägen Sie Ihre Lage, Sie haben ihr Los in dieser Stunde noch in den Händen.“ Der Obristlieutenant stand auf und begab sich in ein Nebenzimmer, wo er, die Hände auf dem Rücken, mit starken Schritten hin und her ging. Leute, die zu niederträchtigen Handlungen befähigt sind, pfiegeD in der Tiefe ihrer Seele nur Feiglinge zu sein. Die Wut und der Trotz, mit welchem sie, so lange sie sich im Besitze der Macht glauben, an die That gehen, verlassen sie sofort, wenn sie vor einer höheren Gewalt stehen und sie die Gefahr erkennen, in welche sie sich gestürzt haben. Am Ende hatte auch weniger die Leidenschaft selbst, als der Aerger über den Widerstand und die Ab- Weisung, die er bei Rosa erfahren, und der Wunsch, sich