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Berliner Vereinsbote · 1897-01-22 · Heft 4 (22.1.1897) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 4 (22.1.1897)
Date
1897-01-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Herzberg, Schuhm.-Mstr., Friedrichstrasse 250, am Belle-Allianceplatz. » Der Freiheitskämpfer. Eine Novelle. (Fortsetzung.) Daniel also fuhr früh am Morgen des Tages nach seiner Rückkehr wieder nach H., um dem Obristlieutenant von Jahn die Beschwerdeschrift der Battersdorfer Bauern zu überbringen und den ferneren Feldzugsplau mit ihm zu verabreden. Er fand seinen Gönner schon völlig entschlossen und gerüstet, und dieser hatte sich bereits am vorhergehenden Abend mit einem ihm empfohlenen, tüchtigen Sachwalter besprochen, der ihn mit den nötigen Notizen aus dem Gerichtsverfahren und dem Strafkodex bekannt gemacht und sich bereit erklärte, die Sache sofort anhängig zu machen, wenn der Versuch des Officiers sich vergeblich erweisen würde. Der Obristlieutenant fuhr demnach nach dem Schlosse des Grafen, während Daniel sich zurück in sein elterliches Haus begab, um hier den Erfolg abzuwarten. Der Obristlieutenant v. Jahn wurde vom Grafen Roderich willkommen geheissen, obgleich dieser bis jetzt jenen nicht gekannt und an ihm eine Art feierlicher Kälte gewahrte, die ihm nicht zusagte. Er liess daher an den Officier nach den ersten Begrüssungsworten die Frage ergehen, was ihm die Ehre dieses Besuches verschafft habe? Der Obristlieutenant erwiderte: ״Sie erzeugen mir mit dieser Frage einen Gefallen. Ich denke, Herr Graf, wir gehen, wie es Militärs geziemt, kurz und einfach auf die Augelegenheit ein, die mich zu Ihnen geführt. Ich komme in Sache des Sergeanten Daniel Battersdorf.“ Bei Nennung dieses Namens flog eine Blässe über Roderich’s Gesicht. Doch erwiderte er: ״Und was hätte ich mit diesem Menschen zu thnn? Und wie kommen Sie zu ihm, der so tief unter uns steht? ״Das ist leicht zu sagen: Daniel hat mir in einer verzweiflungsvollen Stunde durch Darreichung seines letzten Bissen Brotes wahrscheinlich das Leben gerettet, und wie er für Sie in der höchsten Gefahr eingetreten, brauche ich Ihnen wohl kaum in die Erinnerung zu rufen. Solche Dinge machen die Menschen untereinander gleich und verpflichten einen jeden zur Wiedervergeltung, und wenn er noch so hoch im Range stände. Doch genug. Die Sache ist: Sie haben dem Daniel seine Braut geraubt, und ich komme, sie Ihnen wieder abzuverlangen . . .“ Der Graf vermochte erst nach einer kleineu Pause zu antworten; ״Und wer sagt Ihnen dies?“ ״Die ganze Welt weiss es. Wenn auch die Nacht diese Unthat bedeckte, so ist es darum doch, als ob die Sonne sie beschienen, und wohl, ich frage Sie als Edelmann und Officier, ob Sie diesen durch Ihre Leute geschehenen Raub leugnen können?“ ״Ich gebe niemand die Erlaubnis und erkenne niemand das Recht zu, eine solche Frage an mich zu stellen, die ich daher weder bejahen, noch verneinen werde.“ ״Was meinen Sie denn, Herr Graf!“ erwiderte der Obristlieutenant mit heftiger Stimme. ״Glauben Sie denn, dass das preussische Officiercorps sich mit ewigem Ruhme bedeckt hat, um jemand unter sich zu dulden, der seine Ehre in schändlichster Weise befleckt hat? Glauben Sie, dass die Männer des preußischen Volkes draussen ihr Blut vergossen haben, um unterdes von solchen, die zu Haus geblieben, sich Schimpf und Schande anthun zu lassen? Das Officiercorps wie die ganze Armee tritt für das Glück und Wohl, für die Ehre und Pflichtreue aller

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