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Berliner Vereinsbote · 1897-01-08 · Heft 2 (8.1.1897) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 2 (8.1.1897)
Date
1897-01-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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_ Hotel MiLnohener Hof, nüo Restaurant L Rau^es^ Tpsmisusesir-1113־, LoK« L»1»»r1־v1u»«1»1 - Str. empfiehlt seine mit allem Comfort der Neuzeit ausgestatteten Festsäle für Hochzeiten und Festlichkeiten. — Vorzügliche, von orthodoxen. Rabbinern Ihr streng: rituell anerkannte Küche, Mark 1,— pro Gang, incl. Wein, Bier, Selter. ־ Grosser Frühstücks* und Mittagstisch. — Diners und ä la carte. — Gut gepflegte• Weine von 25 Pfg. ä Glas an. — Reichhaltige Speisenkarte zu jeder Tageszeit. Sonntag, Mittwoch und Freitag: 0#“ Fische,"Wi ä Portion 75 Pfg. — Fernsprecher Amt V, 3139. I.. Rothenberg. IMPORT-GESELLSCHAFT PALÄSTINA G. m. b. H. Amt I, 4991. Werderscher Markt 9. Amt I, 4991. im Werder-Hause vis-ä-vis Gerson. Verkauf von Produkten aller Art aus den jud. Ansiedlungen in Palästina und Syrien. Weine: 71 72 Esra, süss, portweinartig, p. Fl. 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Aber ihr Geist erhob sich kräftig über diese schweren Sorgen, zuerst mit der innigsten Zuversicht zu dem Horte der Unschuld, zu dem Gotte, der sie gnädig durch so vieles Missgeschick geführt und seinen Engel vor ihr helgesendet, vor allem Uebel sie zu lösen: dann in dem Mute, welcher der Unschuld dem Frevelmute gegenüber ein wob nt, und in dem Entschlüsse, lieber das Leben zu verlieren, als der Tugend und der Liebe untreu zu werden. Sie sah voraus, dass es einen harten Kampf kosten würde, aber sie gelobte sich die grösste Wachsamkeit und die mutigste Entschlossenheit sich zu bewahren, um der Gewalt wie den Künsten der Verlockung widerstehen zu können. Sie ergriff das Jacht, durchsuchte alle Winkel des grossen unheimlichen Gemaches, verstellte mit Möbeln die beiden Thiiren desselben und warf sich dann auf das Bett, um einige Stunden des Schlafes zu gemessen. Als die ersten Strahlen der Sonne sich in das Gemach stahlen, erwachte sie, brachte alsbald das Zimmer wieder in Ordnung und erwartete gefasst, was da kommen würde. Bald hörte sie auch Schritte nahen, der Schlüssel ward umgedreht und die Thür öffnete sich. Die alte Frau trat ein, und stellte ein Frühstück auf den Tisch, wobei sie einen giftigen Blick auf das Mädchen warf. Rosa war aber schon aufgesprungen, fasste den Arm des Weibes, und rief ihr zu: ״Wo bin ich hier? was will man mit mir, wer hat mich mit unerhörter Frechheit hierherbringen lassen? Um Gotteswillen, antwortet mir. Frau! Habt Mitleid mit einem armen Mädchen, mit eine!■ ««schuldigen Waise!1‘ ... ״Oho, Püppchen!“ grinste ihr die hässliche Alte entgegen, ״du weisst ja das Alles ebenso gut wie ich; ich lasse mich von solchen Lärvchen nicht täuschen, und du wirst bald genug Den sehen, den du sicherlich erwartest.״ ,,Ihr seid im vollen In turne, Frau! Nichts weiss ich, als das man mich wider Gottes und der Menschen Gesetze vom Hause fort und hierher geschleppt hat: ich ahne wohl, wer dieser Bösewicht sei, der dieses angezettelt, aber ich steho in keinerlei Verbindung mit ihm und habe ihm niemals eine Hoffnung gegeben. Uebrigens. wenn ihr glaubt, dass ich freiwillig hierher gekommen, warum schliesset ihr mich ein?” Die alte Frau schien hiervon etwas betroffen: doch schüttelte sie mit dem Kopfe und sprach: ״Was weiss ich davon. Ich thue, was mir geheissen wird und kümmere mich um Nichts weiter.“ Mit diesen Worten riss sie sich von Rosa los und eilte zur Thür hinaus, die sie sorgfältig wieder verschloss. Rosa vermochte nichts von dem Frühstück zu verzehren: sie!nass immer und immer wieder das grosse Gemach mit ihren Schritten; endlich trat sie an'8 Fenster, aber der Anblick, der sieh hier darbot, war nicht minder trostlos. Sie sali in einen grossen, von hohen Gebäuden ganz umschlossenen Hofraum hinein: aber die Gebäude waren längst verfallen und unbewohnt, weder Mensch noch Thier 11688 sich blicken. Ebenso herrschte Todtenschweigen in dem ganzen alten Schlosse, und der vom grauen Himmel herunter fliessende Regen war das Einzige, was die Stille unterbrach. Es verging Stunde nach Stunde in tätlicher Einsamkeit, und mehrere Male flössen die Augen des jungen Mädchens in Thränenströmen über, wenn immer und immer, wieder ihre völlige Verlassenheit ihr zum Herzen drang. Endlich um die Mittagszeit kehrte die alte Frau wieder

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