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Berliner Vereinsbote · 1897-01-08 · Heft 2 (8.1.1897) · page 7

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Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 2 (8.1.1897)
Date
1897-01-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Dem Weibe schien dies sonderbar in den Sinn zu fahren; sie sann einige Zeit still vor sich hin, dann trat sie zu Rosa und sprach mit etwas milderem Tone: ״Erzähle mir doch, wer Du eigentlich bist und wie Du hierhergekommen.“ Rosa sah zu ihr auf, bemerkte wohl, dass das Weib einem günstigeren Gefühle für sie Raum gegeben und sah keinen Grund, ihr etwas zu verschweigen. Hie erzählte ihr daher kurz, aber bestimmt den ganzen Hergang der Dinge und von allen ihren Lebensverhältnissen. Als sie geendet hatte, hob die Alte an: ״Gut, Kind, ich glaube Dir alles, denn Deine Worte tragen den Stempel der Wahrheit. Ich bin zwar nicht im Stande, Dich frei zu lassen, aber halte Dich nur tapfer, ich werde Dir jedenfalls beistehen und sollte es zum Aeussersten kommen, werde ich schon in der Nähe sein. Habe Vertrauen zu mir, denn, dass ich es Dir nur sage, ich bin auch Jüdin, wenigstens waren es meine Eltern. Wie es gekommen, dass diese mich verliessen und ich in grosse Notli geriet, dass ich willig die Hand meines seligen Mannes annahm, und ihm in die Kirche folgte, gehört nicht hierher. Er wurde zuletzt Kastellan in diesem einsamen und verfallnen Stammschloss der Grafen, das sie nur noch bei Gelegenbeiten der Jagden besuchen und einige Tage bewohnen, und so verblieb ich hier nach seinem Tode allein mit einer alten Magd. Nun, getroste Dich, mein Kind, es wird schon alles gut gehen; ich werde Dir etwas bringen was Du essen darfst. —“ (Fortsetzung folgt.)

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