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Berliner Vereinsbote · 1897-01-08 · Heft 2 (8.1.1897) · page 5

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Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 2 (8.1.1897)
Date
1897-01-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Unsere werten Inserenten machen wir hierdurch ganz besonders darauf aufmerksam, dass <lor „Berliner Vereinsbote“ nach wie vor wöchentlich erscheint und in einer Monats- Auflage von ca. 20000 Exempl. zur Ausgabe gelangt Als Organ der jüdischen Vereine Berlins wird der „Berliner Vereinsbote“ nur in besser und bestsituierten Familien gelesen und ist somit «du vorzügliches Insertions-Organ. Annoncen für die am Freitag jeder Woche erscheinende Nummer bitten Wir uns gefl. bis zum Mittwoch Mittag einzuseiulen. DerYerlag d. „Berlin er Y ereinsbote.“ Kaiserstr. 39-40. Contect der itadXnemer aflehna^ff eigen» artigen 21ng\be fabrtäiertf empftetjft L. Faksb ej/der, g&lirftttfitt £t. Xänigl. be^prinjtn Ulejan&e* Hur allein £t3c?»*id)ftrrtf5r 178. (gefüllte Äoy&ntVä Pft»- 1,40 mf. f. pralin6es iu^fb. 1ÄI Ulf. ic. Ejimberr-, Stnanas-, Ciü^ien» nnb nlridjfaft-Cimonaben* tOtlknadjT ttnb ©jter - Hrtn^Itn groftci!elept}on Timt I, Ho: i«! Berliner Gorset-Fabrih W. & OK Seumana Inhaber: William Neumann. 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Heimatlos, nirgends lange geduldet, mit einem kleinen Kram von Jahrmarkt zu Jahrmarkt oder in der Landschaft hausirend herum wandernd, bisweilen sogar obdachlos, nicht selten auch zum Betteln greifend, hatten ihre Eltern sie als Kind vor tausend Unbilden und vielem Ungemach nicht schützen können, denen ihre Zärtlichkeit sie gern entzogen hätte. Das Kind begriff mit frühreifem Verstände die Lage ihrer Eltern, und oft hatte sie diese gefragt, warum sie nicht auch in einem schönen Hause, in einer Stadt oder in einem Dorfe dauernd blieben, wo sie vor Unwetter und bösen Menschen geschützt seien und sie mit anderen Kindern spielen könne? Niemals aber hatte sich das Kind dazu verstanden, um Almosen in den Häusern zu bitten, wohl aber schon sehr früh häusliche Mühen für die abwesenden Eltern übernommen oder auf den Märkten am Kramtisch gestanden, damit nichts entwendet werde, auch wohl den Käufern zugesprochen, was häufig nicht wirkungslos blieb, da das Kind jedem gefiel. Endlich war der höchste Wunsch der kleinen Rosa in Erfüllung gegangen, sie hatte in Batters- •dorf eine Heimat erhalten, konnte endlich sogar in eine Schule gehen, wo sie die eifrigste und gehorsamste Schülerin ward. Aber da musste sie bald die Pflegerin erst ihres Vaters werden, an dessen Grabe sie sobald stehen sollte, dann der Mutter und nun auch durch emsiges Arbeiten zum Erwerbe des Unterhaltes beitragen. Einige Jahre später und auf ihr lastete alles; sie hatte die immerwährend kränkelnde Mutter, deren Krampfanfälle immer häufiger und heftiger wurden, mit einer eisernen Geduld zu warten, das Hauswesen zu besorgen und zugleich durch ihrer Hände Arbeit den kargen Unterhalt zu schaffen. Aber alles dies beugte sie nicht; das Bewusstsein, ihre Pflicht zu thun, und ihre kindliche Liebe in jedem Augenblicke zu bethätigen, stählte sie und hielt sie aufrecht. Wenn einmal ihre Mutter einige Tage der Gesundheit genoss, wenn es ihr dann und wann gelang, eine besondere Erquickung und Stärkung für sie zu erhalten, und sich so der süsse Frieden der Liebe in ihrer Hütte einstellte, wie glücklich fühlte sie sich dann, dass ihr frommes Herz zum Herrn jubelte und selbst ein fröhliches Lied über ihre schönen Lippen klang. Daher kam es wohl auch, dass trotz allem Weh ihre Gestalt frisch und voll aufschoss, und ihr Angesicht alle Anmut der Tugend, allen Reiz der Schönheit behielt. Und als nun die Liebe zu Daniel in ihr keusches Herz einzog, aber auch hier die Stunden des Glückes karg zugemessen waren, und die Entsagung mit eisiger Forderung auf sie zutrat, beugte sie abermals demütig das Haupt vor dem Willen des Geschickes, aber trug es mit Standhaftigkeit, da sie es kaum anders erwartet hatte. So kann es uns nicht wundern, dass sie nach einiger

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