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Wiener Morgenzeitung · 1927-09-16 · Heft 3070 (16.9.1927) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3070 (16.9.1927)
Date
1927-09-16
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 3070 Wien, Freitag Wlenee Morgertzettrmg 16. Sepkember ISS? Bühne und Kunst. gsadora Suara«. Ihre Kirrder wurden v^r den: Kriege durchs einen Auto» Unfall in Paris getötet. Anläßlich einer Schlittenfahrt in Salzburg verunglückte sie selbst derart, daß an ein Tanzen fürderhin nicht zu denken war. Und nun ist die 49jährige Frau auf ganz entsetzliche Art während einer Autofahrt umgekommen. Durch Strangnlierung. Sie saß im Auto, die Fransen des Schals verfingen sich in den Radspeichen wnv sie war rettungslos verloren. Bei der Zusammenstellung dieser drei Unglücksfälle könnte man abergläubisch wecken. > Isidora Duncan, eine gebürtige .Amerikanerin, hat — man karrn das nicht von vielen Künstlerinnen sagen — auf ihrem Kunstgebiete tatsächlich bahnbrechend gewirkt. T<r Laie, der etwa Beispiele aus verschiedenen modernen Tanzschulen im Film „Kraft und Schönheit" gesehen hat, wird die Bedeutung der Duncan für die Entwicklung des Tanzes am besten verstehen, wenn er sich vor Augen hält, daß alle diese Tänze mit entblößten Gliedmaßen und vor allem mit unverhullten Füßen, aber auch, mit persönlicher tänzerischer Ausdruckskunst, ohne das Wirken d.r Duncan unmöglich gewesen wäre. Bis zu ihrem Auftreten gab es nur Trikot und Gazeröckchen, Fußspitzenevolutionen und starr! Tanzgymnastik. Ihr Streben, die Tanzkunst im Sinne der griechischen Antike umzuformen, wirkte revolutionär und mit einer Tatkraft, die sich aller tauglichen Mittel bediente, nicht zuletzt der Reklame, wußte sich die Duncan durchzusetzeu. Sie grng m griechischen Gewändern über die Straße, hielt Vorträge, grürwete Schulen und stand alsbald im Mittelpunkt der „Ämcan-Bewegung". Mit dem künstlerischen Erfolg kam der Reichtum urtb sie konnte in Paris einen „Tempel des Tanzes" Lauen. Es mag daran erinnert sein, daß die Duncan, als sie das erstemal nach! Wien kam, aus „Gründen der Sittlichkeit"^ mir im geschlossenen Kreise tanzen durfte. Als es später gestattet wurde, den ersten öffentlichen Duncan- Älbend zu veranstalten, der im Carl-Theater stattsand, zischte eure Dame im Parkett empört das Wort „Schweinerei" auf die Bühne. Die Duncan unterbrach die Tanzvorftthrmig und erklärte, erst dann wieder tanzen zu wollen, wenn die betreffende Dame das Theater verlassen hätte. Sie war eine starke Persönlichkeit und wird in der Geschichte der Tanzkunst als Schöpferin einer neuen Kunstepoche verzeichnet bleiben. Ae Architekten und der Iuftizpalaft. Die „Zentralvereinigung der Architekten Oesterreichs"" übersendet uns ein Mem or and um, in welchem sie vom künstlerischen, städtebaulichen, verkehrstechnischen und auch ökonomischen Standpunkt gegen die Absicht Stellung nimmt, den Justizpalast unter Benützung der Brandruine wieder herzustelleu.! Es wird ausgesührt, daß unter Ver.vendung der bestehenden Mauerwerksveste unmöglich ein taugliches Amtsgebäude wieder aufgebaut werden könnte, weil sowohl Grundriß als Ausbau dieses Bauwerkes den berechtigten praktischen Anforderungen heute nicht mehr genügen. Da der Kostenaufwand der Wiederherstellung dieses nach! allgemeinem Urteil untauglich gewesenen Amtsgebäudes ganz erheblich wäre und sich erfahrungsgemäß die Kostensumme im vorhinein unmöglich feststellen läßt, ist es ökonomischer einen würdigen Neubau zu errichten. Das Memorandum verweist auch darauf, daß in städtebaulicher Beziehung der Justizpalast sehr ungünstig gelegen war und verkehrstechnisch ein großes Hückernis bedeutete. Es ließe sich bei Regelung! dieser Frage ein grober Fehler bei der seinerzeitigen Ausgestaltung dcr Ringstraße korrigieren.! Die österreichischen Architekten wünschen, daß das Ergebnis ihres ausgeschriebenen W e t L b e w e r b e s zur „Neugestaltung des Schmerlingplatzes"" im allgemeinen JrUeresse abgewartet werde, bevor man eine endgültige Entscheidung in der Justizpalastfrage fällt. Schließlich wird noch der Ansicht!2husdruck gegeben, daß der Justizpalast nicht am Schmerlingplatz, sondern an ander.r geeigneter Stelle, etwa auf den Baugründen an der Klferst r a ß e vor dem Gebäude der österreichischen Nationalbank zu errichten spare. Au» den Theater«. Carl-The ater. JdauRußka wurde für die weibliche Hauptrolle in der am 14. Oktober zur Uraufführung gelangenden Novität „Die Glocken von Baris"" als Gast verpflichtet. Deutsches Bolkstheater. Nächsten Donnerstag findet die Erstaufführung von Georg Kaisers Lustspiel „Die Papiermühle", inszeniert Von Hans Schwisikart, statt. — Sonntag nachmittags (halb 4 Uhr) tritt Leopoldino Konstantin in der Krtnödie „Die Schule der Kokotten" auf. Raimund-Theater. Mittwoch, den 21. d. M., beginnt das Stadttheater mit der 417. Ausführung der Revue „Wien lacht wieder" ein Gastspiel, das bis Donnerstag, den 29. d. M., dauern wird. Das Stadtcheater blvHt wlAhrend dieser Zeit M zu. der Freitag, den 30. d. M., stattftndenden Premiere der Revue „Alles aus Liebe", geschlossen. . Burg the ater. Morgen halb 8 Uhr „Das Käthchen von Heikbronn". AkadeMietheater. Morgen halb 8 Uhr „Spiel im Schloß". » A p o l l o t h e a t e r. Wegen ocr Vorbereitungen zu I der Samstag, den 17., stattfindenden Uraufführung der » Jazzoperette „Lady >T" findet heute keine Vorstellung und ' arrch keine öffentliche Generalprobe statt. O p e r n t he,a t e r. Morgen .7 Uhr zu besonderen Preisen mit Zuschlag „Das Mädchen auS dem goldenen Westen" mit Frau Jeritza und Herrn Zerger. Frau Hohenberg ans Burgtheater engagiert. Wie wir erfahren, hat das Burgtheater mit Frau Julia Hohenberg, die gegenwärtig ein Gastspiel an der Renaissancebühne absolviert, einen Vertrag abgeschlossen. Die Künstlerin tritt bereits am 1. Oktober m den Verband des Brirgtheaters. Margarete Koeppke vom Deutschen BolkStheater hat nun auch iit Berlin einen großen, unbestrittenen ErfoLg errungen. Sie spielte im Deutschen Dheater die weibliche Titelrolle rn Shakespeares „Troi-luS und C re ff i da" und wurde sehr gefeiert. Antorenverbandskonzerte. Unter Miiwivkung des Generalmu-gkdirektors Malata, der Qpernsänaerin Rösa Weikwärber, des Klaviervirtuosen Togliapidra aus Venedig und der Klavierviriuosin Jean ne Bloch beginnen ab September die Autoren- Verbandskonzerte in den Mufikvereinssälen. Für die Kü n st l e r- .festwoche werden Künstler aller sieben Künste und Kunstfroun.de (auch Chor- und Orchestermitgiieder) auifaefordert, sich schriftlich an Direktor Herbst, Wien, iü. Bezirk, Postamt 101* Fach 81, zu wenden. Ter Regtssenr des Potcmlln-Films. Eisenstein, ist, une aus Berlin gemeldet wird, von Direktor Saktenbnrg von den Saltenburger Bühnen engagiert worden. Die von ihm inszenierten Stücke sollen nicht im Theater, sMdern im Sportpalast ansgeführt werden. 1 fOtMSlfiBTfCBAH 1 Ser Mehlzoll im Ausschuß angenommen. Der Zollausschuß hat gestern mit 18 gegen 11 Stimmen den Antrag der Regierung auf Erhöhung des Mchlzolles auf acht Goldkronen angenommen. Bis zur Behandlung der Mehlzollfrage im Plenum des Nationalcates wird allerdings einiges Wasser die Donau hinabfließen. Die Regierung hat nunmehr die Aufgabe, die Staaten, welche für die Mehleinfuhr nach Oesterreich in Betracht kommen, also vor allem Ungarn und Jugoslawien, dazu zu bringen, daß sie die Bindungen bezüglich des Mchlzolles in den Hmrdelsverträgen lösen. Zu diesem Zwecke war der Plan des Uebereinkommens zwischen den österreichischen und ungarischen Mühlen gefaßt worden, für das man auch die jugoslawischen Mühlen gewinnen wollte; nach diesem Plan sollte den ungarischen Mühlen ein bestimmies Einsuhrkontingent zu niedrigeren, beziehungsweise vergütetem Zollsatz eingeräumt werden. Auf diese Weise hätten die ungarischen Mühlen von der österreichischen Regierung, ohne daß dadurch eine Verbilligung des Mehles eingetreten wäre, ein G e s ch e n k von ansehnlicher Höhe (zirka 2*5 Millionen Schilling) erhalten; gleichzeitig aber wäre der erhöhte Zollsatz bei der Preiserstellung des Mehles für den Jnlanorcnsum voll zur Austvirkuug gekommen. Nun ist dieser Plan d»s Mühlenübercinkommens gescheitert und die B e r h c;' u : g e n mit Ungarn bezüglich des Mehlzolles beginnen von neuem. Es hat den Anschein, daß die Regierung, von der Ansicht ausgehend, daß Ungrrn für den Absatz der österreichischen Industrie fast gar nicht in Frage kommt, mit dem Gedanken spielt, den Handelsvertrag mit Ungarn, wie es schon im Falte der Tschechoslowakei geschah, zn kündigen. Dadurch würde ein b e r t r a g s l o s e r Z u st anb eintreten, während dessen die Maximalzölle, in Kraft wären. Um den Handel, der bei einem vertragslosen Zustand zwischen Oesterreich und Ungarn stark geschädigt Iverdcn würde, kümmert sich ja die Regierung nicht. Es wäre hoch an der Zeit, daß der österreichische Handel endlich einmal energisch gegen feine systematische Hintansetzung im Rahmen der österreichischen Wirtschaftspolitik seine Stimme erhebt. Oesterreichs wirtschaftliche Zukunft beruht nicht aus der industriellen Entwicklung, tme man uns glauben machen will, da die österreichische Industrie weder die Produktions- Voraussetzungen, noch auch die Kapitalien besitzt, um eine stetige, über den lokalen Nahmen hinausgeherrde Entwicklung zu nehmen; die einzigen Entwicklungsmöglichkeiten in 8oeben erschienen: Drei neue Abenteuer Sherlock Holmes f Dis drsi Siebelund andere Abenteuer. Von A. Conan Doyle. Bilder von Curt Lange. $ im Buchhandlung und mod. Antiquariat R. Löwit, Wien, I., Rotenturmstr. 22. Telephon 71-4-25. Oesterreich, die des Handels, werden durch eine unselige Wirtschaftspolitik verscherzt. Durch dieselbe Wirtschaftspolitik aber wird durch einseitige Bevorzugung der argrarischen Bevölkerungskreise die Wirtschaftskraft der städtischen Bevölkerung immer mehr geschwächt. Wenn auch heute die ganze Frage dcr Getreide - und Mehlzölle n o ch i n d e r L u f t h ä n g t, so ist es doch sicher, daß die wirtschaftspolitisch falsch orientierte österreichische Regierung alles aufbicten wird, um an ihrer bisherigen Politik festzuhalten, selbst um den Preis weiterer wirtschaftlicher Schädigung eines großen Teiles der wirklich produktiven Bevölkernng. Die Wirtschaftsschichten Oesterreichs, die es angeht, sollen es endlich verstehen und ihre Stimme erheben, so daß sie gehört wird. Der Biehzoll. Nachdem der Ausschuß hierauf den Gemüsezoll, der gemäß dem neuen Entwurf auf 26 Goldkronen erhöht werden soll, angenommen hatte, ging er in die Beratung der Viehzölle ein. Nach dem Entwurf soll der Zoll für Sch lachtvieh, welcher bisher 12 Goldkronen allgemein, und 5 Goldkronen vertragsmäßig pro 100 Kilogramm betragen hatte, auf 15 Goldkronen erhöht werden. Für Nutz und Zuchtvieh schlägt der Entwurf einen Zollsatz von 75 Goldkronen pro Stück (bisher 50 Goldkronen allgemein und 25 Goldkronen vertragsmäßig), für Jungvieh einen Zollsatz von 45 Goldkronen pro Stück (bisher 30 Goldkronen allgemein und 15 Goldkronen vertragsmäßig) vor. Als erster Redner ergriff der sozialdemokratische Abgeordnete D r. Bauer das Wort; er erklärte, daß der Zoll auf Schlachtvieh zufolge der bedeutenden Einfuhr sich im Preise auswirken wird. Auf dem Wiener Markt, der für die Verhältnisse in ganz Oesterreich entscheidend ist, überwiegt bei weitem die Zufuhr des ausländischen über dve des inländischen Schlachtviehs, dies aus dem Grunde, daß wir im Inland keine hinreichende Mästung haben. solange die österreichische Landwirtschaft das Vieh nicht gemästet auf den Markt bringt, wird sie es es nur schwer und in ungenügenden Aderigen absetzen können. Das Mittel also, um die heimische Produktion zu heben, indem man hier einen größeren Anteil am Absatz sichert, kann nicht der Zoll sein, sondern nur die Förderung der Mästung. Die Zollerhöhung für Schlachtvieh wird der Konsum« n t zahlen müssen, aber den Gewinn wird nicht der heimische Produzent haben, sondern der Biehzoll ist eigentlich eine Steuer, die der Finanzminister einsteckt, da die heimische Landwirtschaft nur für ein Fünftel des Mastviehs an Zoll bekommt. Eine fünfmal so hohe Belastung aber wird dem Konsumenten anserlegt. Nachdem die Slbgeovdneten S ch e i b e i n, Buching e r und H a u e i s gesprochen hatten, wurde die Debatte vertagt. Die nächste Sitzung des Zollausschusfes, in der die Zölle weiter behandelt werden, findet Mittwoch, den 21. b. M., um Y211 Uhr vormittags statt. Entführung der österkeWschen Siomens-AMen an der Berliner Börse. Aus Berlin wird gemielbfet: Die Prüfungsstelle bet Berliner Börse hat den Antrag auf NeueinsAhrung der Aktien der österreichischen Siemens-Schukkert-Werke genehmigt. Dreiprozentige StaatseistnbahnprioritätsobNgationen. Jur Auftrag dep Caisse Commune teilt die Wiener Börsenkammer mit, daß der Coupon der dreiprozentigen Staatseiisenbalhu-PrioritätsoMgationen altes Netz und Ergän- AmgSncf) pro 1. September 1937 vom 15. September 1927 an mit je 39 amerikanischen Cents, abzüglich 10 französische Centimes Inkassospesen zum jeweiligen Tageskurs eingelöst wird. Handel ab 15. Septsmlber Ex-Coupon. GenerawersaMnilung der Oesterpeichisch-Orientacische« Handelskammer. Donnerstag abends fand im großen Siltzungssaal! des Oesterreichifchen Handelsmüsimus die vierte ordentliche Generalversammlung der Oesterreichisch-Orientqlischen Handelskanimer statt. Aus dem Tätigkeitsbericht ist hervorzuheben, daß die KaMmer im Berichtsjahr 1938 wie auch int Jahre 1927 einen steigenden Zuwachs tut Mitgliedern a.ufzmpeisen hat. das. WjtgWsgchlel her

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