Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3070 (16.9.1927)
- Date
- 1927-09-16
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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<3dfe 4 «Bteav $8*tat Fememörder oder Irrsinniger? sin MelmnXvoll« SerSkkchen I, «VN,. Breslau, 16. September. Ein mysteriöser Mord wurde gestern in Glatz verübt. Em Weinreisender, I arosck, wurde von einem 21 jährigen Menschen namens Wilhelm G r e h I durch einige Rcvowerschüsse getötet. Das Motiv ist noch völlig in Dunkel gehüllt. Aus Angaben des Täters wird die Möglicbkcit eines Fememordes nicht für ausgeschloffen gehalten. Grchl gibt an, er habe im Aufträge eures GeheunbundcS gehandelt. Verschiedene Ttttowienmgen, die an seinem Körper festgcsteNt wurden, deuten darauf hin, daß er einem Gehcimvund angehört. Angeblich ist der Mörder bor kurzem erst von einem längeren Aufenthalt in A m c r i k a nach Deutschland zurückgekehrt und hatte, wie er sagt, die Absicht, unmittelbar nach der Tat nach Amerika wieder z u r ü ck z u k c h r e n. Gegen die Annahme eines Fememordes spricht allerdings die Tatsache, daß der Ermordete, sotveit bisher bekannt wurde, iricnrals politisch hervorgetrct e n ist. Durch eine ärztliche Untersuchung wird festgestellt werden, ob cs sich nickt um einen Geisteskranken handelt. Ser Mord im Pariser italienischen Konsulat. Die Vergangenheit des Mörders. Rom, 15. September. (Stefani.) Der Mörder des italienischen Vizekonsuls in Paris, Nardini, Sergio di Modugno, ist ein bekannter politischer Aufrührer. Im Jahre 1921 rvar er eines Mvvdanschlag-e-s beschuldigt, wurde jedoch wegen Mangels an Vcrdachtsgxünden fr ei gespr ochen. Im Jahre 1922 arbeitete er als Maurergehilfe in Rom, wurde als Umstürzler verhaftet und in seinen Geburtsort abgeschobm. Bei dieser Gelegenheit bezeichüete er sich als individual-östi scheu A n a r chi st e u. Er kchrte nochmals nach Rom zurück, wo er neuerdings verhaftet und in seine Heimat befördert wurde. Im vergangenen Jahre wanderte eg heimliche nach Frankreich aus, da er befürchtete, konfiniert zu werden. Seine Frau) die infolge ihres politischen Rufes auch verdächtig war, blieb in Rom zurück, da ihr der Reisepaß für das Ausland verweigert tinitbv. Wieder eine türkische »Verschwör»«»»". Kon stau t i nvp e l, 14. September. (Havas.) Die Polizei hat in Pera das Versteck dreier armenischer und eines türkischen Verschwörers umzingelt, die einen verbrecherischen Anschlag geplant hatten. Die Verschwörer setzten ihrer Verhaft «Mg lebhaften Widerstand entgegen, so daß die Polizei von der'Feuerwaffe Me brauch machen mußte. Gner der Verschwörer wurde g^L ötsk, die übrigerr verwundet und gefangetlgenvnmven. Ae AMe i« tfchechoslowakischm «eneeak. tonsulat in Saloniki. Der Generalkonsul nicht verhaftet. Prag, 15. September. Die Meldung des »Journal des Debats" über die Verhaftung des tschechoflowakischen Generalkonsuls in Saloniki wegen Stoffschmuggels ist, wie eine Lokalkorrespondeirz berichtet, unzutreffend. Es dürfte sich hiebei um die Zollaffäre eines Generalkonsuls handeln, der griechischer Staatsbürger ist. KoennrSe fliegt nach dem Sflra. Berlin, 15. September. Wie der hiesige Vertreter des ReuterSureaus erfährt, hat Kvermecke seinen Wan, den Ozean zu überfliegen, eudgültig aufgiegeben. Er erklärte, daß er scholl vor über einer Woche zu diesem! Entschluß gekommen sei. Er beabsichtige nun, zu etzne-m großen Fluge nach dem Osten zu Harten, Um nach Möglichkeit auf dem Wege über den noÄrchen Stillen Ozean San Francisco zu erreichen. Tie Route dürste folgendttmaßen verlaufen: Schwanzes .Meer, Kleinasien, Basra, Kalkutta, Hongkong, Japan, 'Sibirien und über Rußland Muck. Schja^mgMveise wird die Gesamtstcecke etwa 22.600 bis 25.660 Kiänneter uvrsirfsen.; Levtse m M. Lwavövm, 15. September. (ReutzoÄ MW». djoK^ schlechten Wetters sind Leb irre und nach J-ndne-n abg^eflogen. Re tödliche «atvme. In Rendshausen bei Kassel ist eiuÄrrürwirtssohn Lei der Reparatur einer Radiö-Mrtenue dÄdurch tzVdlich verunglückt, daß der Antennendraht mit der elektrischen Lichtleitung in Berührung kam. 3*$ junge Manu hing stundenlang an dem vom Starkstrom: duoWoffenen Draht und konnte erst nach MschaÜnng des Stwms aus seiner Lage befreit werden. Inzwischen war aber &e* reits^der Tvd^emUetreten. ' f Die Kiudertiihmrmg i» Ungar«. Ans Budapest wird gemeldet: Amtlich wird sestgkAM, daß die Haine-Medin-KinderlüHmungen bisher in .Ungarn n»r ^«sjadisch ausgetreten, sind. Es besieht keine Kevanlassm^l zur Befürchtung einer epidemischer Beskeitung, da die Zahl der Erkrankungen der Verbreitung in b*cn fMcaen. Mxeu «rr nicht nahe kommt. Doppelselbftmord in der Kaiserftrche. Tonte und Richte tot ausgesuiiSc». Im Haust Kaiserstraße 86 hat sich, gestern eine Farmlielüragödic abgespielt. Als der Schuhfckbrikant Vinzenz Mrstivk gegen! 1!chr mittags in seine dort gelegene Wohnung hormkehrte urrd die Eingangstür aufgesthlvsstn hatte, verspürte er sofort einen intensiven Leuchtgasgeruch. Zu seinem Entsttzeu fand er in der Küche seine Gattin, die 36jahrige Vlasta, und deren N ichte, die 19jährige Ger trude Mrstik, eng umschlungen in einem Strecksessel liegend, leblos auf. Die Rettungsgrstllschaft konnte nur mehr den Eintritt des Dodes feststellen. .Auch der kleine Foxhund der Frau Mrstik lag zu Füßen seiner Herrin bereits t o t am Bvden. In einem Vorgefundenen Abschiedsbrief teilt das junge Mädchen mit, daß es nunmehr die große Reise antvete, und froh sei, zum Vater (der im Weltkrieg den Tod gefunden hat) zurüötznkchven. Die Gattin hinterliest dem Manne auf dem Zettel ein letztes „Grüß Gott" mit der Bitte, der Mutter der Nichte Geld zu schicken. Auf Grund der 'Angaben des Gatten der Frau Mrstik hat das Ehepaar im guten Einvernehmen gelebt und nichts deutete auf die Tat hin. Bor einiger Zeit kam die Nichte der Frau und cs zeigte sich, daß das junge ^Mädchen sehr «rcl awcholflsch war und mitunter auch die Tante in diese Sttmmung mitriß. Das Mädchen soll auch bereits vor zwei Jahren einen Selbstmordversuch! unternommen haben. Gestern vormittags waren die beiderv. Frauen bei bsm Fabrikanten im Betriebe in der Hackengasse/undes gab eine geringfügige Differenz zwischen den beiden Gatten. Gegen 9 Uhr früh ging Frau Mrstik nach Hause und der Fabrikant schickte bald darauf auch das Mädchen der Tante nach. Ms Mrstik mittags heimkehrte, war die Katastrophe bereits eingetteten. aocx)ooooaooooooaocaooooooooooa€OoooQOOOOiooocsoooooooQooooooooooooooaoooooooooooo Vulkanausbruch auf Fslanv. Balkanaosbruch auf Island. Kopenhagen, 15. September. D:e v-ulkanrschsn ÄuSbrüche des Vatnajokul aus Island haben in den -letzten Tagen dauernd zwgenommen. Bei einer dieser Eruptionen ereignete sich ein eigenartiger UngLückssall. In schwerem Wetter kämpften sich ä<n Landpostführ er und sein Begleiter mit einer Llemen Karawane von sieben Postpferden durch das Gelände, Äs sich plötzlich der Erdboden öffnete und der Begleiter des Postboten mit vier Pferden im Innern des vulkanischen Bodens verschwand. Der Londpostführer konnte sich mit knapper Not in Sicherheit bringen und erreichte mit den übrrgen drei Ps-erden in erschöpftem Zustand einen Hof. Die Möglichkeit, den verschwundenen Begleiter nebst den vier Pferden zu retten, ist so gut wie ausgeschlossen. Sa« Erdbeben lu Tmkestaa. Eine interessante Schilderung ans dom jüngst von simer schweren GvdbeberiPatasttapihe be-drofjvnen Städtchen Na-nraga n bri-ngt die Loningrader .Mrasnaja Gazeta": Die Straßen von Namagan halben einen ganz ungewohnten Charakter: Einige Pappelalleen sind von Tischen und Bettstellen umsaiumt. Auf diesen Tischen stehen Kochapparate, Lampen, das Esten wird l>er zuiberettet. Hie und da sitzt eine Frau an der Näh- .maschine. Dort badet eine Mutter ihr Kind mitten in der Straße, unwett davon behandelt der Barbier seine Kunden und sprüht sie mit Kölnischwaster an, als wäre nichts geschehen. Mit Nvhldücherwstrcheustch die Bewohner dieser pravrsorischen-Wohn- - stätten vor der brennenden Sonne zu schützen. Au8 jedem Amtllitz spricht deutlich Spannung n-nd Furcht v-o>r n^ u-e-n Erd>stS>ßem. Wir besvchvr bas Kvaickenhaus. Itttter eirrvm breiten Leinendach stehen He KrankeEstten, der „QperattonSsaE" ist durch ein Leintuch vbgoteilt. Durch das Erdbeben' sind du: Mauern dos Krankenhauses vstig gervorden. Die Panik war 'so groß, daß die Krauikon, auch solche, die eben erst operiert worden waren, mit einem Satz aus dem Bett und ans die Straße stürmten, daß Äah-me mnd K-rüppeL die unh«>llvollen Räume 'verließen. Ermgerr gelang es, nur nn-t geringen BeÄetzaugen davon zu kommen. Ans ihren Augen spricht aber '..rmner noch das Grauen. In dev Moschee vecharven die MohammredaMer Tag und Rächt im Gäbst. Denn die GensklichLe« t hat die Katastrophe damit mativievt, dLe Mwha-m me da«« rinnen au-sgehört hatten, Schleier z-u tragen. So haben denn alle Frauen von Namagan ihr AEtz wiedwvm ver- HAl-b und suchen duvch eifvSges Beben weitere verheerende Erd« üsben von ihrer Steüü semzuhMen. Die Geistlichen lösen «imander ab, die Derwische taM.zem vtck immtfir siSsckevvm Effer. D4ele hwn'ideape Mkd<ier warrden g.eopfert, mt die Elemente zu bevuWgen, aber das Schlimmste war, daß die -G^flötze Ämrrer von neuom verhoeren^ sich wiederholten. in PaÄfliua. Der anrerÄuntzche Forscher Dr. Batley WLLLis, der im -Mustrag des WaHÄvgboner Carnsgie-Justttuts eine Weltrsffe zur Untersuchung und Erforschrmg der ErddedeugeListe .macht, verbrachte vier Wochen pn Zwecke gleichem SbudiumS in Jerusalom. In einem von ihm veräffenblichten vo rlaulfige-n Bericht gibt Dr. Willis der Ansicht Ausdruck, daß Palästina wid Syrien aus Wiederholungen solcher zerstörender Erderschübterungen wie die letzte war,. gefaßt sein müsten. Dieses letzte Erdbeben, sagt der. Gelehrte, erinnert uns daran, daß das hevl-ige Land ein aktives Erdbeberrgebiet ist. Von den ftühesten Zotten her sind Katasttophen in diesen ' Gebieten ausgezeichnet. Geradezu regelmähig ereigneten sich bisher duvchschmMch einmal im Jahrhundert schwere Bodenerschkttterungen in Syrien oder Palästina und außerdem viele Erdboden minderer Kraft. Borläustg liegt fein Grund zur Annahme vor, daß diese Mtivität im' Abmhmen bogrisfen sei. Prosestor WMs verurteilt den Ban sthwerer, starker Mauern aus Lehm ond Stettr^im. nohew. Osten. Ser Kongreß für sozialen Fortschritt. Eine Marnmni beim MnderpriMriitk«. Dr. H a i n i s ch empfing gesteo« nachmittagG DelegiertenversammlunK dor G ereini.gung für sozialen Forts ch t’Hi. Auf die Begrüßung durch den Vizepräsidenten V a r l o z namens der westlichen Delegierten und Gesandten N o st i z namens der deutschsprechenden Mttglieder der GesÄlschaft antwortete der Bundesprasid ent : „Ich war immer ein eifriger Verfechter, ein überzeugter Anhänger sozialpolitischer Ideen, und ich erinnere mich gerne der Zeit, in der ich als Mitglied des A r b e i t Sbeirates im alten Oesterreich an der Erörterul'.g und Lösung sozialer Fragen Mitarbeiten konnte. Wir stehen noch nicht am Endpunkt der Entwicklung,- Anregungen zum weiteren Ausbau, zur Vereinh ntlrchmlg und übersichtlichen Ausgestaltung unseres sozialen Nechies sind in reichem Ausmaß vorhanden, mit lebhaftem Interesse verfolgt marr bei uns die legislativen Arbeiten auf deni Gebiete der Sozialpolitik in anderen Ländern, darunter in erster Linie die Cntstchung der großen, umiaffcnden a-r b e i t s rechtlichen G esetz e.sw erk: im Deutschen Reich^e, und es wird sich nun darum handeln, diesen vielfälttgen Anregrmgen im Rcchmen des Möglichere und Erreichbaren Raum zu verschaffen. Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit airch auf das große Problem deS Geburtelrrmckgmrgesin den Krüturstaaten lenken, den durch dir wtttschastliche Lage, vollkommen .'ecklär» lich ist. Mir erschien persönlich eine Versicherung zur Ver« Lesserung d-er Stellung der Fa mt Fre nerh^a.^ L e r und zur Erleichterung der E-r<zä Lh u-N'g d-e-r d-e r dringend geboten. Die internationalen sozialpolitischen Verernigmrgen hatten es als eine ihrer wesentlichsten Aufgaben betrachtet, auf den internationalen Ausbau de-s so-- z i a -l e n R-echt e s hinzuaribeiten; diese Aufgabe hat nunmehr die im Frisdensverttag eingesetzte Jnternationa-le Arbeicksorganisation und ihr Exekutkborgan, da'H, J:-nternationa-Fe ArLeat-samt, iDernommen. Unr so wichtiger erscheint mir die zweite Aufgabe, die sich die freien internationalen Bereimgungerr seinerzeit gestellt haben-: Bertiefmrg und Brrörettuug sozielpolttischer Erkenntnis. Nicht um btc Vorbereitung einzelner Staatsverträge und Gesetze handelt es sich mehr; das besorgen die einzelnen Parlamente mü ihren stanken Arbeitervertretungen, das besorgt die Internationale ArbeiLsorganisaLLon. Wohl aber handelt es sich darum, Wege und Ziele für den Ausbau der sozialen Gesetzgebung zu weisen, diese mit den wirtschaftlrchen Verhältnissen der Nachkriegszeit in Einklang zu bringen und das soziale Recht auch technisch zu vervoll- Lmmmen." 68t WWvlg in RvWvS. Jm -Rachaus fand gestern abends zu Ehren des Kongresses eia Empfang im großen Feftsaal statt. Die Negierung tvar durch Minister R e sch vertreten. Bürgermeister S-ertz begrüßte die Gaste und sagte, Laß die Sozialpolitiker dazu berufen seren, die Verbrechen, die die Politiker an dem WirtschastslÄen begangen haben, wieder gutzumachen. Ihm dmEen die Delegierten B-roissard. Frankreich) und Major Hills ^England). Lee Chemikerdmgretz. G'DMV, W. September. (Sttfani.) Die Arbeit,i. oeS Chemikerkongresses nehmen ihren Fortgang. - Unter oen zahlreichen Vortragenden ergriff . mich der Biorsitzende der DelegrapH.t-sch -technischerc Reichsan stakt in 'Wien das 'Wort und legte felrtc Theorie für die Berechnung der Verteilung der Energie mrd> der Spa»- nuntz in den Ketten der .Korrdüktorerr dar. Eh-r-eirhatt (Men) erstattete einen Bericht über die^ submlkroskopssche , 'UntersuchMr g der 'Materie.