Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3069 (15.9.1927)
- Date
- 1927-09-15
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3069 Wien, Donnerstag ' Wiener MorgenzeitNNS lä. ^PkemVer 1927 Seite 7 Gerichtssaal. Wieder Verhandlungen gegen SuU-Semonstranten. __ Bor dem Schöffensenat unter dem Vorsitz des Hostates D r. Czerny hatten sich gestern wieder vier I u l i- D e m o n st r a n t e n gegen die von Staatsanwalt Hoftat D r. Schwa r tz vertretenen Anklagen auf E r - Pressung und Auflauf zu verantworten. In der ersten Verhandlung war der 19jährige Eisendreher Karl W a l k s h o f e r wegen Verbrechens der E r- Pressung und boshaften Sachbeschädigung augeklagt. Walkshofer hat am 15. Juli das Privatauto des Arztes Dr. Richard Ko fl er mit mehreren Unbekannten in der Burggasse ausgehalten, mit den Fäusten die Insassen mißhandelt, und schließlich den Kraftwagen um gest ü rzt und die Fe n stersche i b en ei n geschlagen und die Gummireifen zerschnitten. Auch ein Wachmann, der zuni Schutze der Insassen im Auto saß, wurde von der Menge arg zu ge richtet. Die Menge ließ erst ab, als die Wache Schreckschüsse abgab. Der Angeklagte verantwortete sich damit, daß er an den strafbaren Handlungen überhaupt nicht t e i l g enommeu habe. Zeugen erkannten jedoch mit Bestimmtheit in Walkehoser einen der Hanpttätcr, weshalb der Angeklagte zu vier Monaten schweren Kerkers, verschärft durch einen F a st t a g im Monat, verurteilt wurde. Die Untcrsnchungshaft vom 15. Juli bis zur Urbeilsfällung wird in die Strafe eingerechnet. In der zweiten Verhandlung war der 35jährige Steingrcrveur Franz Divis wegen Vergehens des Auflaufes und wegen W a ch e b e l e i d i g u n g angeklagt, weil er am 15. Juli, als die Wache in der Stadiongaste die Menge zum Verlassen des Platzes'aufforderte, keine Folge lei st e t e, und den Wachleuten zurief: „I h r k o m m t 's a n o d' ran, Ihr Pülcher!" Auch Divis bestritt jede Schuld, wurde aber auf Grund des Beweisvcrfahpens zu einer Arreststrafe von 14 Tagen verurteilt, die durch die Untersuchungshaft v e rb ü ß t i st. Der 46jährige Buchhalter Rudolf G l ö ck e l hatte sich wegen. v e r s u ch te r Verleitung zum V e rb rechen der öffentlichen Gewalttätigkeit zu verantworten. Er soll am 15. Juli um 7 Uhr abends im Weinhaus „Zum Laterndl" in der Landesgerichtsstraße den Gästen zugerufen haben: „Ihr dürft halt nicht f e i g s e i n, w e n n d i e W a ch e s ch i e ß t, s o macht das nichts, einen oder zwei werden sie t r e f f e n, d i e anderen schlagen wir nieder, a l s o k o m m t, ich gehe voraus." Der Wacheins-pektor Rosenkranz, der diese Aeußerung gehört hatte, verhaftete ihn. Auch Glocke! bestritt die ihn: zur Last gelegten Handlungen, wurde aber trotzdem z u e i n e m M >o n a t st r e n g e n A r r e st verurteilt. Die Untersuchungshaft wurde in die Strafe eingerechnet, der Rest der Strafe für bedingt erklärt. In der letzten Verhandlung war der 36-jährige Schuhmachergehilfe Karl Ma r t y ka n wegen Auflaufes und W a ch e b e l e i d i g u n g angeklagt, weil er am 15. Juli am Schotteutor während einer Verhaftung „P f u i Wache, au s l a s s e n!" gerufen hat, und der Aufforderung, den Platz zu verlassen, nicht Folge l e i st e t c. Martykan wurde zu 14 T a g e n st r e n g e n A r r e st s v e r u t t c 111, die durch die Untersuchu-ngGcht verbüßt erscheinen. Sie Haftung des Hotels für DkedstShle. Der Käuflnann Dr. Hans Lichten st ern aus Mährisch- O st r a ll war gelegentlich eines vorübergehenden Aufenthaltes in Wien, mit seiner Gattin im Hotel „Metropol" abgestiegen. Als er mit seiner Gattin das inl 3. Stock gelegene Zimmer verließ, hinterlegte er den Zimmerschlüssel beim Portier. Nach der Rückkehr behob er wieder den Schlüssel und fand sein Zimmer ordnungsgemäß versperrt. Beim Eintritt bemerkte er aber sofort, daß die Wohnung während seiner Abwesenheit von einenr Einbrecher heimgesucht worden sei. Der Kleiderkasten und drei Lederkosser waren erbrochen und eine ganze Reihe von Gegenständen verschwunden. Dr. Lichtenstern verlangte nun auf gerichtlichem Wege einen S ch a d e n e r s n tz v o n 2100 Schilling, weil die Hotelgesellschaft mangelhafte Maßnahmen gegen Hoteldiebstähle vorgekehrt habe. Es bestehe kein eigenes Ueberwachungsorgan, die Schließvorrichtungen seien unmodern und schließlich habe auch das Stubenmädchen durch Ofsenlassen des Zimmerfensters einen Diebstahl möglich gemacht. Dieser dürfte von dem bekannten Hoteldleb Benno Nucken st einer verübt worden sein, - der sich unter falschem Namen im Hotel anfhielt und dem Personal hätte aussallen müssen. Die Hotelgesellschast wendete ein, daß es keinen abso l u te n S ch u tz ge gen Hotel- Liebe gäbe. Die Hotolleitung habe, soweit es möglich ist, für die Sicherheit des Eigentums ihrer Gäste vorgesorgt. Das Bezirksgericht Innere Stadt erkannte, daß das Hotel tatsächlich haftpflichtig sei. Dem Kläger sei der Beweis gelungen, baß dem Hotel ein Versehen zur Last falle, weil die Zimmertüren, solange keine ständige Ueberwachung jedes Gangabschnittes erfolgt, mit Sicherheitsschlössern hätten versperrt werden müssen. Es handle sich unl einen Fall leichter Fahrl ä s s i g k e i t. Das B e r u f u n g S g e r i ch t b cstäti-gte dieses Urteil mit der Begründung, daß der Herbergswirt nicht bloß für ein Verschulden seiner Ang stellten haftbar gemacht werden könne, er sei auch per. sönlich für sein eigenes Verschulden nach den allgemeinen Gesetzen des Schadener^atzrechtes haftbar. Auch leerstehende JHtame unterliegen der Wohnbaustenrr. Der Vcrivaltungsgerichtshof beschäftigte sich Dienstag mit einer Beschwerde, die die Erben nach dem bekannten Großindustriellen Leopold Pollack-Parnegg gegen die vom Magistrate für die beiden leerstehenden Villen 13. Vez., Trauttmannsdorfergasse und Gloricttcgasse vorgeschriebcnc W o h n b a ti ft c u c r, eingebracht hatten. Die Behauptung ging dahin, daß nach dem Wohnbansteuergesch ein wirklich leerstehendes Haus nicht abgabepflichtig sei. Der Vertreter der Gemeinde Wien, Obermagistratsrat Dr. Urban, führte demgegenüber aus, daß es die Absicht des Gesetzes sei, den W o h - nu n gs au fw and zu besteuern. Wenn sich Personen de» Luxus erlauben, in einer Zeit der großen Wohnungsnot ganze Objekte als eine Art W o h n u u g S r c s c r v c zu behalten und von der gelviß möglichen Vermietung abschcn, so liege darin zweifellos ein noch größerer W o h n n n g S a u f Iv a n d, als in der Jnnchabung einer großen Wohnung an sich. Die Beschwerdeführer benützen drei Wohnungen, die a u S 27 Zimmern, 3 K a b i n e tt e n, 11 D i e n e r z i m m e r n, 7 Badezimmern und sonstigen Nebenraumcn bestehen. Ucberdies aber hasten sie noch diese beiden Villen zu ihrer jedcrzeitigen Verfügung. Der Vertvättungsgerichtshof schloß sich dieser Argumentation an und wies die B e s ch w e r d c a l s unbegründet ab. Die Schaffung einer Raumreserbe sei, so wird in der Begründung ausgeführt, als eine Art der Benützung aufzufasien, selbst wenn sich in den Reserveräumen keine Möbel befinden und kein aktueller Aufenthalt stattfindet. Dadurch, daß dem Eigentümer die Verfügungsgewalt zusteht, ist auch die Jnnehabuny gegeben. Mhue und Kunst. Sperntheater. Richard Ma,k jllbilirrt. Ms der Beifall nach dem zweiten Akt des „R o s e nkavalier" kein Ende nehmen wollte, hielt Kammersänger Mayr an das Publikum eine kleine Ansprache. Er dankte in seiner schlicht-bescheidenen Weise für die Teilnahme und fügte gleichsam entschuldigend hinzu, er sej zu gerührt, um die Partie des Ochs von Lerchenau so durchführen zu können, wie es ihm am Herzen und in den Intentionen des Komponisten liege. Tatsächlich war. nicht nur Rührung, sondern auch sine gewisse Nervosität in der ganzen Festaufführung — von den Philharmonikern und Direktor Schalk bis zu den Solisten — zu spüren. Frau Olszewska als Oktavian betonte stärker das Heroische als es dem verliebten Kavalier ziemt, Frau Schumann ,stimmlich sehr gut, war gleichfalls als Darstellerin der Sophie «von der allgemeinen Rührung stark mitgenommen. Der ruhende Pol in der Unruhe des Ensembles war die Marschallin der Frau Lotte Lehmann. In ihren tragischen Akzenten sparsam, erquickte sie durch ihre wunderschöne Stimme und durch die lyrische Innig- Der Zollausfchuß setzte gestern die Debatte über den Mehlzoll fort; sie dürfte, entgegen dem unfprünglichen Plan, diese Woche nicht beendet kverden. Die Opposition bemüht sich, die Argumente gegen den Mehlzoll durch einen positiven Antrag auf Schaffung eines Getreidemonopols zu stützen. Die Abgeordnete Emmy Freundlich hob hervor, daß ein Getrerdemonopol durch die Einflchr die Versorgung des Marktes und die Erstellung des Preises regeln soll, was entgegen der von landwirtschaftlicher Seite borgebrachten Argumentation um so leichter sein wird, je größer das heimische Kontingent ist. Die Einfuhr braucht nur so reguliert zu werden, daß der Preis, den die heimische Landwirtschaft benötigt, nicht zu tief sinkt. Abg. E l d e r s ch wies darauf hin, daß der Einwand, die Getrerdeproduktion in Oesterreich sei zu groß und die einzuführende Menge zu gering, so daß das eingeführte Getreide nicht so hoch belastet werden kann, um den Bauern einen entsprechenden Aufschlag zu garantieren, nicht zutreffend ist. In Oesterreich wurden im Jahre 1026 2,7 Millionen Zentner Weizen und 4,9 Millionen Zentner Roggen, zusammen also 7,6 Millionen Zentner Frucht geerntet. Die Einfuhr hat im Jahre 1026 5 Millionen Zentner betragen, davon an Frucht 3,4..und an Mohl 4,6 MWionen. Von J eit, die stets ihre Gestalten auszeichnet. Der Jubilar ,e>bst erfrischte durch seinen ursprünglichen herzinnigen Humor, die Stimme freilich klang mitunter verschleiert. Im übrigen kommt es bei Richard Mayr, der als Komiker wie als Tragöde der Opernbühne eine gleich überragende Persönlichkeit ist, nicht so sehr ans die Gesangsleistung an sich an. Seine stets ans einem Guß geformten, die Szene beherrschenden Gestalten sind eben Schöpfungen innersten Erlebens und höchster künstlerischer Reife, ivelchc die dankbare Mitwelt dem großen Mimen und kraftvollen Sänger nicht so bald vergessen wird. flb. Mt gilb’ne Meisterin." Theater an der Wien. Die neue Operette von Edmund Eysler hat eine spezifisch wienerische Note. Eysler macht keine Ausflüge in fremde Gefilde, er führt uns zurück in eine Zeit, wo man Walzer tanzte, Polka hopste und keine Jazzband das Trommelfell bedrohte. Er kredenzt eine solche Fülle einschmeichelnder Walzer,. Märsche und Couplets, daß die Hevrigrnquartctte für lange Zeit aller Sergen enthoben sind. Der Text der Herren-B ra m m er und Grünwald bringt diesmal keine exotischen Figuren auf die Bühne, im Gegenteil, er ist lustig und harmlos. ' Die schöne Gvtdschmiedswitwe Margarete zeigt schon im ersten Akt Heiratsgelüste, der zu ihr passende Geselle ist auch schon da; sie muß aber zuerst zwei ivindigen Pseudoadeligen aufsitzcn (wo nähme man sonst den unvermeidlichen Zweiten-Aktschluß-onKflikt her?), um im dritten 'Akt doch ihrem Gesellen iit die Arme zu sinken. Die Sache geht aber Gott sei Dank, ohne viel Sentiments ab; ein ausgezeichnetes Komitertrio Gl awatsch-S teiner-Waldemar sorgt dafür, daß man ans dem Lachen nicht herauskommt, und Mizzi Zwcrenz vollzieht mit viel Etfolg in ihrer neuesten Nolle den Uebertritt zum Facht der komischen Alten. Eine angenehme Ucbcrraschung bot Betty Fischer, diesmal in kein geschraubtes Hochdeutsch gepreßt, liebenswürdig und natürlich, in prächtiger: Kostümen mit goldblonder Perücke : eine bildhaft schöne Rokokosigur. Huberch M a r i s ch ka siegte auf allen Linien: als Regisseur, Tenor und Erobere.' der schönen Goldschmredstvitwe. Seine scharmante Art, trittslieder und Couplets zu bringen, ist bekannt. Kunz sorgte für stimmungsvolle Bühnenbilder und der Erfolg gegeben. Daß er sich im Theater an der Wien in unzähligen Hervorrufen, Blumenspeirden und orkanartrgem Beifall -äußert, ist schon Hausbrauch. Da er aber diesmal auch gleichzeitig dem Jubilar Eysler galt, freute man sich doppelt. '! e. fr. Ans den Zfteufern. Burgthea 1 c r. Morgen, Uhr, m W t r t Kh-asr S zum Pe'ch-v ogeT". Mka-d emne-bhocriter. .Morgen^ %8 Uhr, „S lie-f- -ma-ma". . O>p e r n th e a te r. Morgen, 7 Uhr, „Don I-u>ctt*. Deutsches Volks-theate-r. Gegenwärtig finden dis Proben zu Georg Kaisers Lnstjpiei „Die Papiermühle" unter Leitung Äs -neuen Regisieurs Hans Schwerfort statt. S'lad't.theate r. Die DanFküm-stlerm La Jana wurde für die Freitag, den 30. d. M., zur llrauWhrung gelangende Revue „A>lles aus Liebe" von Karl Farkas -und Ernst Marifchka, Musik von Ralph Benatzky, verpflichtet. Alpvilisto-The ater. Wegen der Vorbereitungen für die Samstag, den 17. d. M., staicffmdende Urauffü-nhrung der Jazz-Operette ,Dady X" bleibt -das Theater Freitag, ife» 16. d. M., geschlossen. der Ernte muß auch das Getreide fiir die Selbstversorger abgerechnet werdet, da es nicht in den Verkehr kommt und auch beim Getreidemonopol nicht in Betracht kormnen kann, das sind 2 bis 3 Millionen Zentner. Es muß also mindestens die Hälfte der Gesamtmenge, die für die nicht sich selbstversorgende Bevölkerung nötig ist, e i n g e f ü h r t werden. Eine staatliche Bewirtfchaftnng must nid)* sein und man müßte auch den Handel nicht ansfchaltem Abg. Dr. Bauer befaßte sich mit dem von der Regierung -und ihren Parteien ins Treffen geführten Argument, daß der erhöhte Zoll nur eine Verteuerung des Feinmehls, aber nicht des Brotmehls und der Futtermehle herbeiführen werde. Wenn dieses Argument — führte der Redner aus — überhaupt zutreffend ist, so kann es nur für Weizenmehl zutreffen, für Roggen mehl überhaupt nicht, da bei Roggenmehl keine beträchtliche Einftrhr au» dem Auslande besteht. Bei nt Noggenmehl ist es also sicher, daß sich der Zoll im Preis voll oder nahezu voll a»rswkÄeu tvird, denn auch der Preis des Roggeumehls ist durch die Summdes . Wertes, der Transportkosten und des Zolles bestimm-. Es wird also htzim Roggenmehl eine , gleichmäßige oder , naheM ÄoWnLKge P-ert eueru n g alle r M «x te § VOLKSWIRTSCHAFT Mehlzoll oder Getreidemonopol? Ae Iebntte im zollansfchnß.