Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3069 (15.9.1927)
- Date
- 1927-09-15
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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/ Kr. 3089 Wien, Donnerstag Wiener Worgerr^sZ^::'!">. September!927 Sekt« S-. Sie Achrks NM Dm Zionismus kämpft. A« <M»Msttt>Me Bersahr«i. — Ae Zsolierungshgst. -^- Ur Brrdamnn« «atz SiSMrn. Profefior Svfeks MW“. Der Mann mit Bon vielen Namen. In den letzten Wochen wurden mehrfache Anzeigen gegen einen Mann erstattet, der als Professor der Chemie Bela Dufek aus Budapest auftrat und im Hause Rampersdorferstratzc 14 einen Vertrieb mit einem von ihm erfundenen Haannittcl „A I! tj I" eröffnet hatte. Er nahm eine Reihe von Angestellten zum Vertrieb dieses „sensationellen Haarmittels" auf und lies; sich von ihnen K a u - taonen in der Höhe von 100 bis 400 Schilling ausbczahlen. Die Angestellten, die fast gar leine Beschäftigung hatten, schöpften bald Verdacht, da das ganze Warenlager Dufeks nur aus wenigen Flaschen mit einer undefinierbaren .Flüssigkeit bestand. Scbließlicb machten sic die Strafanzeige und meldeten eine SchadcnSsnnrmc van insgesamt 1700 Schilling an. Dufek wurde am 11. d. M. verhaftet, als er gerade einem Friseur sein Haarmittel anLot. Auf der Polizei wurde festgestellt, daß sein Name fingiert war und das; er in Wirklichkeit der 61jährige Vela Zat ko witsch aus Nagy Tapolcsany ist, der von ungarischen Gerichten wegen Betruges und von der Pölizeidirektion Prag wegen Kautionsschivindels verfolgt wird. Man fand bei ihm eine Stampiglie des Gem^e indeamtes und Pfarramtes O e d e n b u r g, sowie mehrere leere Dokumentformulare. Zatkowitsch gab zu, in Ungarn Kautionen in der Höhe von 1300 P e n g ö und in der Tschechoslowakei in der Höhe von 10.000 tschechischen Kronen herausgelockt zu haben. In Budapest betrieb Zatkowitsch ebenfalls ein schwindelhaftes Unternehmen unter dem Namen „Zenith" für Zloecke des KautionsbetrugcS. Zatkowitsch wechselte wiederholt seinen Namen und trat einmal als Franz Wollner, dann wieder als Laurenz Nr u g c b a u c r, Franz T r c t t c r oder Professor Dm sek auf. Auch den Namen G a s s e l s e d e r legte er sich bei und wußte sich auf diesen Namen lautende Dokumente eines verstorbenen Bekannten zu verschaffen. Zatkowitsch besaß auch einen falschen Paß auf den Namen Laurenz N c u g e b a u e r. Die Pölizeierhcbungen ergaben, daß Zatkowitsch bereits einmal in Wien Kautionsbetrügereicn mit einer Schadenssumm evon 3000 S ch i lläm g begangen hat. In Brünn soll er 3000 tschechische Kronen und in Preßburg ebensoviel erbeutet haben. Zatkowitsch behauptet, tatsächlich in Budapest M i ti'L-l schul Professor gewesen zu' sein. Er will dann in Budapest und in Eisenstadt Apotheken betrieben haben. Die Erhebungen zur Aufdeckung weiterer Betrügereien, die Zat- ^kowitsch begangen haben dürfte, werden fortgesetzt. Zer Schwindler Mery. „Von den Juden verfolgt." Aus B udap e st wird uns berichtet: Der vor einigen .Tagen angeblich nach Wien geflüchtete Erfinder Georg iM-er y hat sich gestern dem Strafgericht gestellt. Er kam jschreiend und lärmend in das Zimmer des Untersuchungsrichters Langyel ulch beteuerte, daß er v o n d e n I u d e n v-erfolgt werde, die ihn wegen seines ungarischen Patriotismus vernichten wollen. Mery, der in Wirklichkeit Jf-ak Jonas heißt, wurde ins Gefängnis gebracht und wird aus seinen Geisteszn stand untersucht werden. Er hat sich als Professor der Charlottenburger Technik ausgegeben und mit optischen und elektrotechnischen Erfindungen Paten tsch Windel eien begangen. Mery lobte während des Krieges in Hietzing, und wurde eines Tages unter dem Verdacht der Spionage für Frankreich von der Wiener Polizei verhaftet. Er war bis zum Kriegsende in einem Militärgefängnis. Dann wurde er frei und beging verschiedene Betrügereien. Er vExkaufte staatliche Baracken als sein Eigentmn an verschiedene Leichtgläubige. Er wurde wieder verhaftet, dann nach dem Stcinhos gebracht und schließlich aus Wien atzgeschafft. Sie Ermordung der Schauspielerin Forgars. Der Tod durch Erwürgen verursacht. Aus Budapest, 14. ds., wird uns gemeldet: Das OLduktionsprotokoll des Klagenfurter Landesgerichtes ist hier eingetroffen. Der Befund konstatiert, daß der Tod der Fmu Erdelyi unzweifelhaft durch Erwürgitng verursacht worden ist. In den inneren Weichteilen des Kövpers wurden Spuren p-on Gift fostgestellt. Die Staatsanwaltschaft erachtet nunmehr die Voruntersuchung für abgeschlossen und wird die Anklage gegen Erdelyi wegen vorsätzlichen Mordes erheben. Dar Todesurteil gegen Mttcher bestätigt. Aus Leipzig wird gemeldet: Im Juni vergangenen Jahves hat der 26jährige ehemalige Fürsorgezögling Karl Böttcher in der Gegend von Karow das zehnjährige Schulmädchen Senta Eckert in einem Kornfeld Mrgewältigt und erwürgt. Bald darauf überfiel er in einem W bei Stvaußberg die Gräfin Lambsdorff, die er niederschoß und wach ihrem Tode vergewaltigte und beraubte. Böttcher wurde in erster- Instanz zum DD de verurteilt und jetzt hat auch die oberste Instanz, das Leipziger Reichsgericht, das Todesurteil b estä ti g t. ,'i4 Die AushmdSVelegatwn der Zionistischen Arbeiterpartei Hitachdnch tit Rußland Jat au den Fün^eh-nten Zionrftenkonareß du Meftiorandum gerichtet, in welchem eine allgemeine Schilderung der Lage des russischen Judentums gegeben wird. Ein Mschnitt ist den zionistischen Märtyrern gewidmet, deren Los das denkbar schrecklichste ist. Wir lassen diese Darstellung, die durch ihre knappe Diktion wirkt, hier folgen! Im sow'jetrussischen Strafgesetzbuch sind Verordnungen über Verbannung" und „politischeil Isolator" („Jsolierungsgefängnis") nicht vorhanden, auch keine Straßbestimmungen, die irgendwie mit dem Zionismus zusammenhängen. In Wirklichkeit gibt es tausende Fälle von mehrjährigen Gefängnisstrafen und Verbannungen nach den entferntesten, wüsten Winkeln dss Landes um des Zionismus willen. Dieser Widerspruch ist ganz leicht zu erklären: im Laufe von fünf Jahren ist kein einziger Zionist in irgend einer Gerichtsinstanz verurteilt worden. Alle Urteile wurden administrativ, durch die Organe der G.P.U. vollzogen, das heißt, Zehntmrsende von Menschen, die des Zionismus beschuldigt werden, haben keine MäglicAeit, ihre Unschuld zu beweisen. Um die Anklage zu erheben, braucht man keinen faktischen Beweis. Die geheimen Anschuldigungen der G. P. U. genügen durchaus für eine' Verurteilung. Tausende von Menschen sind somit auf Gnade oder Ungnade einer Gruppe ausgeliefert, und diese Gruppe hat den Befehl, den Gegner bis auf die Wurzel zu verllichten, und sie scheut keine Mittel, diesen Befehl auszusühren. Irgendwelche Verordnung erübrigt sich, sie ist höchstens eine Formalität. Die Untersuchung ist lediglich ein Mittel, den Gefangenen abzuschrecken, beziehungsweise ihn zu zwingen, andere anzugeben. So sind zum Beispiel viele beschuldigt und bestraft worden, illegales Material aufbewahrt zu haben, während im Untersuchungsprotokoll ausdrücklich konstatiert war: „nichts gefunden". Andere wieder sind nicht einmal vor den Untersuchungsrichter gestellt worden, und das Resultat war dasselbe: Verbannung und Jsolierungshaft. Die Aufgabe ist, nicht nur die Bewegung zu vernichten, sondern auch die gefangenen, aktiven Menschen zu'geistigen und körperlichen Invaliden zu machen. Inquisitorische Mittel werden angewandt, um das Leben der Gefangenen zu verbittern und sie in eine Vage zu versetzen, aus der sie mir zwei Auswege haben, entweder sich zu fügen oder unterzugehen. Im letzten Jahre sind. Selbst inordfälIe vorgekommen. Die zu politischen „Isolator" Eingekerkerten tverden von ihrer Umgebung vollkommen abgeschnitten. Es ist ihnen erlaubt, ihre Verwandten einmal, höchstens zweimal im Jahre auf die Dauer von zsvei Stunden zu sehen. Sie können monatlich nur drei Briefe schicken und erhalten. Aber auch diese Begünstigungen" werden geschmälert. Dio Spazierstunden werden verkürzt, die Qualität des Essens verschlechtert, so daß die Gefangenen oft erkranken. (Ein Chawer aus Tobolsk schreibt: „Mir bleibt eins von den beiden übrig: Entweder Hungers sterben oder Selbstmord zu begehen.") Jede Verständigung der Gefangenen untereinander wird unmöglich gemacht. Manche werden in Einzelhaft auf die Dauer von einem Jahr gehalten, und die Gefangenen sind vollkommen den Stimmungen und Launen >der lokalen Machthaber ausgelieferL. Dinge, die dem Gesetz nach den Gefangenen zrikounnm, wie zum Beispiel Nicksttrennung von Eheleuten, werden erst nach Kämpfen zugestanden. Oft es kommt vor, daß über -das Gefängnis B^elagerungszustand verhängt wird. Jede freie Bewegung ist dann von Tätlichkeiten und Schikanen begleitet. Die einzige Protestmöglichkeit, die die Gefangenen besitzen, ist der Hungerstreik. Und sie hungern. Hungerstreiks von 7, 10, 12 Tagen sind keine Seltenheit, und sic werden geführt um Kleinigkeiten willen, wie um Zugabe von zehn Minuten Spaziererlaubnis, Erlaubnis, nach 10 Uhr abends zu lesen, oder wegen ungebührlicher Behandlung seitens der Gefängnisbehorde. In einem Brief eines Gefangenen in Tobolsk wird der Leidensweg der Gefangenen geschildert: „Ein Gefangener führte einen Hungerstreik von sechzehn Tagen; als man ihn mit Gewalt ernähren wollte, bemächtigte sich der übrigen eine große Aufregung, und sie veranstalteten eine Obstruktion, die eine Stunde dauerte. Die Gefüngnisbehürde antwortete daraus mit unmenschlichem Quälen der Gefangenen. Frauen umrden Haarbündel aus dem Kopse gerissen, schwer Lungenkranke mutzten barfuß auf kaltem Zementvoden gehen usw." Nach der Entlassung aus den: politischen Isolator werden dio Zionisten verbannt und in Kirgisien, Am besten sind doch die Ceschka-hüte M.» KalserstMBo 123 WIEN IX., Aisorstrufie Ir. L U ra-I um-d SMi-ri-e-n, in den schlimmsten Gegenden, wo zur Zeit des Zarenregimes nur Schwerverbrecher lebten, konzentriert. Ortschaften, die ans drei'vis fünf Häusern bestehen und Tausende vom Kilometern von einer Bahnstation entfernt liegen, wohin die Post drei- bis viermal jährlich gelangt, bilden den Aufenthaltsort; einzeln oder je zwei vegetieren sie dort unter der eingeborenen Bevölkerung, ohne eine Verdienstmöglichkeit. Von der G. P.U. bekommt jeder 6,25 Rubel (gleich 3 Dollar) monatlich, und manchmal kostet die Miete allein 10 Rubel monatlich. Wenn auch Arbeit vorhanden ist, läßt man sie nicht zu; nur in seltenen Fällen wird -rin Spezialist verwandt. Es ist nicht erlaubt, sich über die Grenze des Dorfes hinaus zu begeben. Jedes Vergehen nach dieser Richtung hin wird als Fluchtversuch bezeichnet und mit Kerker bestraft, des- „ gleichen, wenn man nicht regelmäßig täglich zur Registrierung erscheint. Kranke werben bei 40 Grab Fieber znr Registrierung geschleppt. Den Aerzten, wenn solche vorhanden sind, ist es nicht erlaubt, dem Kranken irgendwelche Erklärung über seine Krankheit abzugehen. Jeden zweiten Monat wird der O r t g e w e ch s e l t, um einer „Verwurzelung" vorzubeugen. Außer der täglichen Registrierung werden die Gefangenen öfters in der Nacht kontrolliert. Bei solchen „nächtlichn Besuchen" wird jedes Stück beschriebenes oder bedrucktes Papier immer wieder kontrolliert; ein ganz harmloser Brief (die Briefe werden unoffiziell zensuriert) ist manchmal der Grund zu Kerkerstrafe. .So wurden im Ural und in Kirgisien auf diese Weise vierzig Menschen einge-, kerkert. Jeden Tag passieren neue Unterdrückungen, erfolgen neue Quälereien, die sehr oft blutig enden. Die erwähnte materielle Lage der Verbannten führt einen physischen Znsarmnenbruch und Jrwalideutum herber und das Abgeschnittenfiorn van der Wett zu geistiger Depression mrd physischen Krankheiten. Es kommt vor, daß -der Verbannte die Erlaubnis bekommt, nach Palästina zu reisen (mit dem Verbot, jemals wieder nach Rußland zu kommen). Der Reffepaß. kostet aber 22 bis 33 Pfund Sterling. Mt den ReiseauSgaben rnuß also ein Verbannter, dem nach Palästina zu reffen erlaubt wird, 45 Pfund Sterling aufbringen. Da er das nicht kann, bleibt cv weiter mit der Palästinareffeerlaubnis in der Tasche in der Verbannung und wird, wenn er bis zur gestellten Frist den Reisepaß nicht erwirbt, in einen schlechteren Ort versetzt. Diesem Memorandum find zwei Verzeichnisse von zusammen 239 Verbannten angefügt, die in fcfcr Wüstenei des Ural oder Sibiriens zu Tode gequält werden. Bei vielen von ihnen stehen in der RubrW Bemerkungen die schrecklichen drei Buchstaben: t. L. c. Tatsache». Auf der >Ackerbruhüchschulc in ReLchin^.iLWkchMüiB^rÄd eigene Fakultät der Wissenschaft der Msllereikunst erxiKet Und per akademisch.' Grad: „Doktor der WWwisfenKrst" MMchrt. Der „Südüvoftdeutsche RachrichteMe^ Mldrb: Das preußische Staatsmimsterinm hat durch Beschluß vom 1-8. 'AiuMst dieses Jahres d«r Namen der Landgemeickde ,Mckenbevg" im ■ QbeliVesterwaWrei st in „Nouhpchstein" mntzeändert. ' * Der Medailleur Werrüw UerseLÜgte ri»e sÄenkmtzutze de» Luftschiffer Blanchard, dessen erste Luftfahrt am 14. März 1784 erfolgte. Auf (jer ,Vorderseite sah man das Mldnis dos Luftschiffers, auf der Rückseite! euren. Luftballon mit den Morten aus der dritten Odo des Horaz: „Nil mortalibus ardumn efp^ — Nichts ist dem Sterblichen zu schwer. Der bekannnto Publizist ZKoftr sagte, als er diese RückMe „Das Beste Mt er vergessen, die folgende Zeile: Coelum ipsuut petimus sinltitm" Unsere Dochell steigt selbst bis zunr Himinel empor. In DLaskau wird ein Üolschüvistisches Hrrnmuseum gegründet- Die Hirne der Führer, glauben, di« Proponenten» vordiencir ein besseres Sch>icksal, als in der Erde zu faulen. In Charkoüv sind schon 12 Hirne präpariert worden und harre» der wissenschaftlichen Untersuchmlg. Auch die französische Konrmunr wyltte die Ratio heilig preisen und die Bolschewiken ahmen nur auf etwas vriginelle Weise vergangene Beispiele nach. Sie überschätzen unzweifelhaft die Berrmnst, deren Sitz das Hirn ist, und Hegels Meistelivitz trifft- Mer besonders zu: „Sie stellen die Mlt auf den Zpopf." ' T. N. e Post «ach Polen befördern Sie aur sichersten und schnellsten ack-S Larcht-posi. Ein Brief kostet 60 Groschen. Die Luftpost &mt bei allen Postämtern und am Abslugtage bis 7L0 früh beim HmWpvstanlte aufgMbeu werden, 8Wher 30S.000 Briefe , i ‘ ’ li4'v fff' ~