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Wiener Morgenzeitung · 1927-09-14 · Heft 3068 (14.9.1927) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3068 (14.9.1927)
Date
1927-09-14
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seit«4 2 Mm, Mittwoch Wiener Morgenzettrmg 14. September 1927 Nr. 3066 Die letzt« LerhmUümp« des 18. UgM«° kvngreffes. Aas der Debatte Mer Koionisatloassrageu. — 8ine remaastratiM der "IrSMrveriretsr. — Weirmmias Reüe i« Ser SchWsttz««. — Ml« uuS MotzlW ZchirchworleooocxxxxasecGOOSOQCoocsocooo^^ KLUB RADIKALER ZIONISTEN. Samstag, den 17. September 1627, um 8 Uhr abends, im neurenovierten Festsaal des Hotel Continental,!!., Praterstraße 7 (Eingang Taborstraße) MtaMem-Mteeilntf. „Der XV. Zionistenkongreß in Basel.“ Referenten: Oberbaurat B. Striokor, Dr. Leo Ooldhammer und * Dr. Leopold Plaeohkes. <0000000cxxx)000000000cx»00000000000000& Kn Protest gegen Assimilation —y, Wim. 14. September. Im Völkerbund ist dieser Tage auch gegcn die Entnationalisierung der Minoritäten Protest eingelegt tvo-rden. Der Redner wandte sich! gegen die vor zwei Jahren aufgetauchte These des Brasilianers Mcllo Franco: Dieser hatte damals die Auffassung vertreten, cs sei der Zioeck der Schutzbestiminnngen, die Einschmelzung der Minoritäten zu fördern. Verfolgt man diese Aeußerung bis zu ihrem Ende, dann findet man in ihr die Begründung für all das Unrecht, das an den Minoritäten verübt tvird, für das Verschweigen ihrer Forderungen und für die Geringschätzung ihrer Existenz. Wer '"man findet auch darin den schroffsten Widerspriich zu dem Amt des Sachwalters, das der Völkerbund auf sich genommen hatte, als er die Sorge für die Minderheiten in den Friedensvertrag hineinschrieb. In dem Pakt war allen Signatarftaaten, die ihn ja doch unterfertigten, ausgetragen, ihn: Verfassung und ihren gesetzlichen .Aufbau diesen Bestimmungen anzupassen. Man weiß, daß die meisten ©töateu, die cs anging, die Verträge irr ihre Verfassungen nicht ausgenommen haben. Der Völkerbund ermahnte sie im Jahre 1922, dies zu tun. Das war das letzte, was man von diesen Rechten der Minderheiten hörte. Herr Mello Franco gab hierfür die Erklärung. Wie gesagt, im Völkerbund nmrde dieser Tage dagegen Verwahrung eingelegt. Der Redner, der dies tat, war der Vertreteir Ungapns, der Gras Llpponyi. Freunde eines kräftigen Humors müssen dies begrüßen. Weshalb dies Heiterkeit weckt, ist wohl unnötig auszuführen, und es ist nur der Vollständigkeit des Bildes wegen von Wert, artzumerken, daß Graf Appouyi als Unterrichts minister im Kabirrett Wekerle die Volksschulgesetze in Ungarn geschaffen hat, die die Einschmelzung der „Nationalitäten" in das magyarische Volk zum erngestandenen Ziele hatten. In dieser Tat liegt einer der Keime zum Weltkrieg, und Graf Llpponyi würde loohl heute, wenn es anders ausgegangen wäre, kaum« so energisch und beredt gegen das Absorbieren nationaler Minderheiten sich zur Wehr ' setzen. Und es ist auch pikant, daß er diesmal gegen Mello Franco auftrat. Das ist ein Revancheakt, da doch Mello Franco es toar, der die Numerus-clausus-Skandale zu überprüfen hatte und dem Grafen Klebelsberg sehr scharf an den Leib rüÄe. Damals hatte Ungarn Besserung versprochen. Aber es hat sein Wort nicht gehalten und ist gegen die jüdische Minorität, die ihre Kinder studieren lassen will, auch! weiterhin so brutal wie vorher. Ja, an demselben! Tag, an dem. .Appvnyi seine schöne Rede hielt, wurde aus Budapest eine weitere Verschärfung der Prozentnorm gemeldet, der zufolge in diesem Semester an allen magyarischen Universitäten rnsgesamt etwa 110 Juden ausgenommen werden. Sieht man aber von der Person des prÄestrereud-en Grasen ab, so muß man seine Einwände als richtig unterschreiben. Er hat nur air die magyarische Minderheit in der Tschechoslowakei gedacht, der es noch immer besser geht als der Mehrheit der Juden in Ungarn, die aber chr Schicksal schwer empfindet. Apponyi hat sich gegen die Msinrilieruingstendenzen gewendet, die -das völlige Verschwinden der nationalen und kulturellen Individualität, die .Ablösung des plötzlichen durch einen langsamen Tod bedeuten. Das trifft auf die gesamte Minoritätengesttzgebung zu, die in Wirklichkeit aus der brasilianischen Auffassung beruht. Sie setzt Staat und Mehrheit gleich. Der Staat ist nicht die Zusammenfassung aller Einwohner, sondern die Macht der Majorität, die nur ihre Nationalität, ihre Sprache, ihre Kultur gellen lassen will und die gegen die Minderheit mit der Hoch verratsklage vorgeht, ivenn diese nicht ans ihre naturgegebenen Rechts verzichten will. Die Mehrheit ist im Besitze der Regierung, der!Machtmittel des Staates und seines Bertoaltumgsapparatcs, sie beherrscht die Erziehung und das /gesamte öffentliche Sjef&m. Sie sujht sich rücksichtslos durchzusetzen, und wann die Minderheiten aufbegehren, dann trifft sie die volle Härte der Gesetze, die sie nicht mitgeschaffen haben. Das ist nicht nur in Ungarn und nicht nur in den national gemischten Staaten der Fall. Auch in Oesterreich ist dieser Ungeist und er wirkt sich hier gegen die jüdische Bevölkerung aus. Me Parteien sind hier daran beteiligt, und keine denkt daran, daß ste mit ihrer Vertragsuntreue das Sc^cksal der^deukschien Minoritäten bekräftigt.! Es ist nicht bekarrnt geworben, vb-der Völkerbund fich die Ermahmmgen Apponyis schr zu Herzeu nimmt. Vielleicht wirkte die Person des Redners ungünstig. Der Völkerbund hat für die Minderheiten nichts übrig und der in der vierten KamMWon Melkte Antrag, die Auslagerr der Minoritätsabtoilung zu kürzen, ist symptomatisch für die Wertschätzung, die in Gduf den ewig lästigen Bolksteilen gewidmet wird. Sie haben kein eigenes Land, keine Macht, keine Armee. Wenn du gar nichts Hast, Lump, so lasse dich begraben. Die letzte Sitzung des Zivnistenkongresses, Aber deren Verlauf wir gestern kurz berichteten, hatte noch ein großes wichtiges Arbeitspensum zu bewältigen. Zunächst wurde die Verhandlung über die Resolutionen der Ko ixr- M'Mi-on für la nv-wi r't's ch.af tl-ichw KoT-on«rs-ntion fortgesetzt. Zu den: Verlauf der Verhandlungen über Kolonisationsfragen ist aus der Nachtfitzung von Samstag auf Sonntag einiges nachzutragen: als erster Referent des Kolonisationsausschusses sprach Zuchowieo-ki. Diese Rede war nach Form und Inhalt kein Motivenbericht eines Ausschußreferenten, sondern weit mehr. Ein Kolonist inachte gegenüber den jüdischen Brüdern außerhalb Palästinas, die sich im Zionismus gefunden haben, feinem bedrängten Herzen über die verzweifelte Lage der lantmürHchaMchen PioEre Lust, und sagte unter anderem, die Pioniere hätten wohl Anspruch darauf, zu fordern, daß der Zionist außerhalb Palästinas, der keine Nahrungssorgen hat, b^i jedem Bissen, den er itzt, daran denken müsse, o<b diejenigen, die durch ihre Arbeit di« palästinensische Scholle erwerben, auch zu essen haben. Er führ dann fort: „Wir sind mit einem Programm ins Land gekommen, wohl wissend, daß die Galuth auch in der Art, wie man lebt, besteht. Wenn wir nur den Ort wechseln, so ist damit nichts getan. Wir sind ins Land gekommen, um unser Leben zu ändern und sind ins Dorf gegangen. Dort kann man rrur leben, wenn man selbst arbeitet, und man muß danach trachten, daß die Arbeit nur von jüdischen Arbeitern durchgeführt wirr». Wenn dies nicht der Fall ist, werden wir mismals das Land als unser eigen betrachten können. Die Menschen, die ich hier vertrete, wissen sehr wohl, daß das Hineinwachsen in landwirtschaftliche Arbeit ein überaus langwieriger Prozeß ist, daß sie niemals selbst die Früchte ihrer Arbeit genießen werden, sondern daß sie für die kommenden Geschlechter, für. unser Volk, für unser Land arbeiten. Dieses Moment muß in Rechnung gestellt werden, wenn die Rechnung stimmen soll. Wir haben nicht einen Platz für unser Geschäft gesucht, sondern einen Platz für unsere Seele. Und diesen Platz haben wir gefunden. Niemals hat uns Reue 'angewandelt, niemals hatten wir das Gefühl, uns in unserer Rechnung geirrt zu haben. Ich will mich über die Form der landwirtschaftlichen Kolonisation, über Kwuzoth und dergleichen nicht auslassen. Wir bauen Erez Israel nicht m i t R e ch n u n g o n, sondern hauptsächlich mit Idealismus. Wir wollen zu unseren Arbeitern gehen wie zu unseren Kindern, und sie sollen mit uns reden, wie man mit Eltern redet." Den eigentlichen Motivenbericht der Kommission für landwirtschaftliche Sredlungsfragen erstattete Dr. Schmorak, der unter anderem feststellte, die Aussichten der Landwirtschaft in Eoez Israel feien gut, und es sei damit zu rechnen, daß man in absMarsr Zeit zu einer gewissen Autarkie gelangen könne. Wer da die Budgetkommission sich für außerstande erwarte, das Minimalbudget für landwirtschaftliche Siedlungen in Beratung zu ziehen, sei es nicht möglich gewesen, einen Arbeitsplan aufzustellen. Wir müssen es einer anderen Instanz überlassen, im Rahmen des von uns genannten Betrages von 146.000 Pfund für das Jahr einen Arbeitsplan zu erstellen. Im besonderen behandelte Dr. Schmorak die Frage, o b b e i dem Vertragsabschlüssen der Fonds mit den Siedlern ei ne d r.i tt e P a r te i a u f t r e te n könne. Die Majorität der Kommission habe sich gegen die Vermittlung einer dritten Partei ausgesprochen, eine Entscheidung, der te!« polMschrn Metiae, fentetn fmanWolitische Grwägungen zugrunde liegen. (Es handelt sich um die Kooperative ,Mr", welche nach der Forderung der palästinensischen Arbeiter 'bei den Verträgen der Siedler mit den Fonds die entscheidende intervenierende Rolle zu spielen hat.) Die Vertreter der äußersten Linken wendeten sich daher leidenschaftlich gegen die wie erinnerlich auch vom Präsidenten We-izmann in seinem Rechenschaftsbericht ausgestellte Forderung der direkten B e r tragsabs ch l üs fe. Berichterstatter Dr. Schmorak führte aus, die Mt- Unterzeichnung des Vertrages durch eine dritte Partei bringe den Arbeitern nichts Wesentliches, vernichte aber zum grasten TeM den Wert des Vertrages. Der „Mr" übernimmt ja keine Garantie; er will nur als Aussichtsorgan fungieren, das keine wirtschaftliche Verpflichtung auf sich nimmt. Damit wird aber die finanzielle Verantwortlichkeit des einzelnen Siedlers geschwächt. Uvßerdhes muß man in der Organisation „Mr" eine Verletzung der Tesamtorganisatton und eine Herabsetzung des Keren Hajessod erblicken, der dadurch zu einem kapitalistischen Unternehmen gestempelt wird. Ein AntzM.a-u^ 1beH^r.-ga n«g zur Tn.go S-mr»--. n.uattg w-U'vÄ^e a-b-golehn t, ebenso der Antrag auf Ueberweifung der Angelegenheit an -das A. und zwar mit 99:83 Stimmen. Als dann Berl Locker namen-tl i ch -c Ab st i m m u n g beantragte, erklärte Präsident Sv-kolow: Die Exekutive hält es für ihre Pflicht, zu erklären, >daß der Antrag nicht nur von der Kommission, sturdern von der Exekutive kommt. Wer das Mitglied der abtretenden Exekutive, I. Sprinzak, desavouierte Sokolow, indem er erklärte: Der Antrag ist i m N a m e n des P t a ,f t i> c n t -c n und lt t ch t im Namen der Exekutive gestellt worden. In der Exckutiw-e wurde darüber nicht abgestimmt. Als der Antrag auf Ueberweifung an das A. K. mit 189:104 Stimmen abgelehnt wurde, erklärten die Arbeitervertreter, nunmehr beginne der Kampf um ihr Recht, und sangen die Hatikwah, die vom gesamten Kongreß stehend angehört wurde. Allerdings haben drei Stunden später die nämlichen Arbeiterdelegierten die Wahl der neuen Exekutive ermöglicht. In der Somrtagsfitzuug wurde sodann in: -Zuge -der weiteren Verhandlungen über die Vorschläge der Kommission für landwirtschaftliche Siedlungsfragen (deren wichtigste Ergebnisse wir bereits mitteilten) einstimmig eine Resolution Mgon W BobMspÄKZstion in Palästina angenommen. Als taugliches Mittel zu ihrer Behindermng wurde B o d e n k a u f s e i t e n s d c S j üdischen Nationalfonds und strenge Ue b erwach ung aller Institutionen gefordert, die sich mit Bodenkauf -besassc-n. Sodann übernahm das neugewächlte Mitglied der Palästinaexekutive, Frau Henriette S z o l d, das Präsidium, und hielt in englischer Sprache, die ins Deutsche übersetzt wurde, eine RÄ>e Wer die furchtbare L arg e der Bekenner des Zionismus in So-wff-e.trußland, über ihre unmenschliche Unterdrückung und über die Notwendigkeit, daß die Kulturwelt die Forderung nach Freilassung der in den Kerkern schmachtenden russischen Zionisten zu ihrer eigenen macht. (Den Wortlaut der Resolution veröffentlichen wir an anderer Stelle. — -Anm. d. Red.) We i z mann, der den Kongreß vor Schluß -der letzten Sitzung verlaßen mußte, hielt cfm AbschSsdsarrsprachh ik der er unter anderem sagte: „Rach langer angestrengter verantwortungsvoller Arbeit hat >der 16. Zionistenkongreß die neue Exekutive gewählt. Die Aufgabe, welche die Exekutive übernommen hat, bedeutet für sie eine schwere Prüfung. K'ch fürchte, es wird lange dauern, bäs eine Besserung der Lag.c eintritt. Die Exekutive -benötigt ein fair play von allen Seiten und eine gewaltige Anstrengung seitens der zionistischen Welt. Was mich betrifft, -so fängt meine Arbeit in zwei Tagen an und wird erst dann enden, wenn wir alles erschöpft haben, was geeignet ist, -die Arbeitslosigkeit zu liquidieren." Weizmann dankt sodann den ausgeschiedenen Mitgliedern der Exekutive, Kaplan sky, Professor Pick und Sprinzak, und gibt dem Wunsche Ausdruck, daß sie weiterhin fruchtbar Mitarbeiten. Er schloß ungefähr mit den Worten: „Wir müssen unsere Nerven ruhig halten. Wir müssen im Auge behalten, daß uns auferlegt ist, nicht nur für eine Generation zu arbeiten und zu sorgen, daß den Söhnen gesichert wird, was den Vätern vielleicht noch vorenthalten bleibt. Es kommen schwere -Tage, aber auch bessere." Sodann wurde d as G udg»e t in Beratung gezogen und zum Beschlüsse erhoben. Auf diesen wichtigsten Teil der Verhandlungen wird noch näher zurüchukommen sein. In sernsr Schlnßansprache kam Präsident S o k o I o w auf die Aeußerung des britischen Kolonienministers Ame-rch zu sprechen, der erklärt'hat, die englische Regierung wisse, daß die Grundlage des jüdischen Ausbaues in Palästina gesun-d i$. Sokolow legte den Kongreßdelegierte-n ans 'Herz, dein GodanSe« der AuLöiye in breÄeste Kreise des Judentums zu tragen, damit die Stockung im Aufbau des nationalen Heims in Erez Israel ehestens überwunden werde. Leo M o H k i n, der bewährte Leiter der Kongreßverhandlungcn, dem unter stürmischen Ovationen der Dank ausgesprochen wurde, sagte in der Rede, mit welcher er den 16. Zionistenkongreß, den Kongreß des Jubiläums der zionistffchen Bewegung, für geschlossen erklärte, d i e s e r K o ngretz sei der beste, ernsteste und bcd-eutrrng-Kvol'lste zionistische Ko-ngretz seii d e-m W c l 11 ricßc g e w«feit. Re gvnMemer Kmizelfionen wieder vor de« Haager Gericht. H-aa-g. 1*8. September. (I. . A.) Am 8. September begann vor dem Haager Int eritationalem G e r i ch-t s Hof die Verhandlung über die -Klage der g-ri e.ch i s-ch e n Negier-una gegen die britische Re-

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