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Wiener Morgenzeitung · 1927-09-12 · Heft 3066 (12.9.1927) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3066 (12.9.1927)
Date
1927-09-12
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. äOöo Wien, Montag Wiener MorLenzeitung 18. September 19S1? Vei te 3 weisender Mädchen und Frauen Ivurde Bedeutendes geleistet. Ueber die Ankunft von 360 solcher Emigrantinnen wurden die Komitees in Südafrika telegraphisch verständigt, worauf diese Frauen und Mädchen im Ausfchiffungshafen empfangen und entweder den Verwandten Übergeben oder unter Aufsicht der speziellen Damenkommissionen einenr produktiven Beruf zugeführt werden. Während der Berichtspcriode hat cs sich erwiesen, daß eine bedeutende Zahl jüdischer Auswanderer nach Australien geht. Fast mit jedem nach Australicu abgehenden Schiff wandern 60 bis 70 Emigranten, hauptsächlich aus Polen, aus. Herr Dr. Naffalowitsch erstattet einen höchst interessanten Bericht über den jüdischen Jischuw in Brasilien urrd über die für die jüdischen Einwanderer bestehenden Aussichten. Es wird ein Budget für die ArLeit der Hias-Jca- Emigdirckt in Brasilien votiert, das eine großzügige Aktion in den wichtigsten Punkten Brasiliens ermöglichen soll. Insbesondere wird hervorgehoben, daß die Errichtung und der WeiterauSbau d e 8 D a r l e h e n s k a s s e n iv e. s e n s m Brasilien und in den anderen südamerikanischen Ländern cmgestrebt werden mutz. Sie Wahlen in Jugoslawien. NuhlgSr Verlaus. — Korose-c in Laibach untsrlogcu. Belgrad, 11. September. (Tsch. Pr.-B.) Die heute im ganzen Lande durch geführten Wäh len verliefen nach den bis abends eingelangten Berichten in vollkommener Ruhe und Ordnung. Es wurden unter anderem gewählt: In Belgrad der Führer der Demolintischen Partei Davidovic mit 10.137 Stimmen und der frühere Radikale Minister des Innern Maksimovic mit 6505 Stimmen. In Agram die Kroatischen Föderalisten Dr. Trumbic und Dr. Pardic. In Laibach der Kandidat der Selbständigen dcmokratischrn Partei Doktor Kramer mit 4609 Stimmen gegen bcu Führer der Slowenischen Bolkspartei Dr. Korosec, der 4571 Stimmen erhielt. Zwei litauische Abgeordnete nach Wilna geflüchtet. Wilna, 18. September. Zwei, Abg eordnete des litauischen Sejm haben bei der hiesigen Polizeidirektion um Schutz und Asyl ersucht, da sie sich in ihrer Heimat mr den Rechtsradikalen nicht mehr sicher fühlen. Re MderlShmuWS'Cpjdem!§ in Rumöiüen. SotaMjafe Ausbreitung. — Mette von Mesoplern. Bukarest, 11. September. Die Äiu'.erlählnungsepedemie nimmt eilte katastrophale Ausdehnung an. Äach unverbürgten Meldungen Md ganze'Ortschaften von "oer Epidemie ergriffest worden, Hunderte Todesopfer sollen angeblich zu beklagen'sein. In Bukarest selbst sind ungefähr 300 Kinder erkrankt, die Hälfte davon ist gestorbert. Die ungarischen Bä Hürden habest an der Grenze strmge Ueberwachungsinastnahnseit angeordnet. Trotzdem ist die Epst>cmie auch schon in den ungarischen $rwij-ovt€H eingetretcss. In Debreczin sind in Etsenbahnerfamilien sieben Fälle Volt Kinderlähmung. vorgekommen. Mstern begann in Budapest der Kongreß der deutschen Kinderärzte, der sich infolge der großen Gefahr vor allesst mit den Vorsichtsmaßnahmen Men diese furchtbare Krankheit befassen wird. Sie lateinische Schrift ln Japan. Wie der japanische Professor Tanak a d a t c. dem Institut für internationale intellektuelle Mitarbeit mitteilt, beabsichtigt man in Japan, das lat einische Alphabet cinzuführen. Die gegenwärtige japanische Schriftart besieht bekanntlich auS chinesischen Hieroglyphen, zu deren Erläuterung noch die japani? scheu Schriftlichen der ,Katakana" und «der „Chirakana" gebraucht sverdeu. Zn der Erlernung dieser außerordentlich komplizierten Schriftart sind etwa sechs Ja hre erforderlich: die Zeit, sdie man in Europa zum Beispiel für eiu Hochsiudiunr braucht. Es ist also nicht zu leugnen, daß trotz mancher Vorteile die Hieroglyphenschrift das geistige Lebe« eines modernen Staates wie Japania ußerordentlich hemmt. Die Einführung des lateinischen Alphabetes soll also nicht eine Nachgiebigkeit der <>utO' Diiischm Äultur gegenüber sein, sondern sic entspricht den inneren Bedürfnissen Japans. Allerdings soll die Hieroglyphenschrift nicht vollkommen verdrängt werden. Sie bleibt also eine Art Staatsschrift für bysondors wichtige Schriftstücke, wie Urkunden und dergleichen, auch soll sie für das Gedicht bewahrt bleiben. Denn ein japanisches Gedicht ist ja nur in der chinesischen Schrift denkbar. In der Umschrift verliert eS nach der Meinung dev Fachleute den größten Teil seiner Schönheit. Es behält den Reim, verirrt abeüt! ne fachstrakt bildliche Ausdrucksart der Hieroglyphen. Jedenfalls soll '/urch die Einführung des Alphabets die traditionelle Altertums- und Pocsiepftege keinesfalls geschädigt werden. Für einen tvirklich gebildeten Japaner wird die Hier»- glyphenschrift auch weiterhitr obligatori sch bleiben. ' Der Gebrauch der lateinischen Schrift soll sich nur auf die Bedürfnisse deS Alltags beschränken. ■HMMniRiaaHRiiiiaBMflBBBBBflnaHvinninaM Austria führt in der Meisterschaft. Hakoah hat drei Punkte. Die dritte Rundvder Meisterschaf 1, die schon am Freitag zwei Spiele sah, wurde gestern bei verhältnismäßig sehr gutem Besuch absolviert. Im 'großen und ganzen gab es keine Ueberraschung, Rapid (und Admira holten sich dei Punkte, Sportklub und H a k o a"h beendeten ihr Spiel mit halbenr Erfolg, unerwartet kam nur der Sieg Hertha über Slovan. In der Tabelle führt Ansirra klar mit sechs Punkten bei drei Spielen, Admira und Vienna haben je 5 Punkte, Rapid 4, Wacker, Slovan, H a k o a h und Sportklub je 3. Simmering und Hertha weisen je 2 Punkte auf, ohne jebeit Punktcerfolg beenden derzeit F. A. C., W. A. C. und 33.21. (5. die Tabelle. Die Ergebnisse waren: Hakoah—Sportklub 2 : 2 (6:0). Die Dornbacher gleichen in den letzten Minuten durch einen ungerechtfertigten Elfmeterstotz aus. Sportklub-Platz, 7600 Zuschauer, Schiedsrichter Voigt. Sportklub: Edi; Beer, Lowak; Widemann, Kellinger, Lang; Urban, Zetenka, Schilling, Zach, Pillavein.' Hakoah: Halmas; Scheuer, Strohs; Fried, Heß, Pollak; Sckwar;, Fuß, Kestler, Worlmann, Fischer- Das Ergebnis dieses Spieles für den jüdi-scheu Verein liegt darin, daß es auf dem heißen Hernal-ser Boden gelang, e : n eit Punkt zu re t t e n. Dies war nicht «leicht, denn der Eporiiklub-Platz ist ja in einem gewissen Punkte mi t Recht sehr verrufen. Der Terror der Anhängerschaft der Hausherren wirkte sich auch gestern ans. so fair und korrekt die Spieler selbst gegene i nna über arbeiteten. Man kann ruhig sagen, daß der schon völlig unsportllche Fanatismus eines Teiles der Zuschauer die Wendung des Spieles h erbe i f ü hrte Der sonst ruhige und verläßliche Schiedsrichter Voigt ließ sich drei Minuten vor Schluß dahin Meinflussen, nach einem Freistoß gegen Hakoah, bei dem die Blau- Weißen die bekannte Mauer bildeten, angeblich wegen Hands, einen Elfmoierstoß zu diktieren. Dadurch erzielten die Dornbacher gegen die bereits führende Hakoah den Ausgleich. In der letzten Minute erzielte Sportklub einen Treffer, dach der Sch'edsrichler bemerkte OMde und wirkte als ausgleichende Gerechtigkeit Freilich war es zu dieser Situation ohne den Elfmeterstoß wahrscheinli ntcht gekommen- Das Endergcd u: S selbst entspricht im allgemeinen dem Kräfteverhältnis. Nach einer überaus matten ersten Hälfte der Hakoah kamen die Krleauer in Schwung und konnten den Sportklub, der -das Tempo nicht durchstand, allmählich Überwinden. Den Hauptanteil an dem unentschiedenen Resultat hat diesmal wieder der Tormann Halmos, der glanzend in Form ist. Strohs und Scheuer arbeiteten wie immer aufopfernd und wirkungsvoll. Die Halfreihe spielte recht matt, Pollak ist derzeit außer Form, Im Angriff waren nur Fuß und Wor-tmann die Hauptkämpfer. Auch Kestler hielt sich nicht schlecht, dagegen engagierte sich Schwarz in seinem letzten Spiel vor der Arreise nach Amerika nicht fänderlich und Fischer teil noch weniger. Der Sportklub erwies sich in der ersten Minute, in der er bedeutend überlegen war, als -schußmrfäthig. In diesem Abschnitt konnte sich Hakoah erst in der letzten Biertebstunde befreien. Nach Wiederbeginn gelangte zunächst der Sportklub durch Schilili-ng in der 6. Minute in Führung aus einem unhaltbaren Treffer. In der nächsten Minute schon sdelilde Fuß den Ausgleichher. Nunmehr halben die jüdischen Spieler die Initiative und bleiben überilegen. In der 18. Minute erzielt Ke stk er mit hübschem Schuß die Fü-h r u ng. In den letzten zehn Minuten verteidigt Hakoah 'das Reficktat, Schwarz tvi-rd zurückgezoge, doch kommt es in der 42. Minute nach großtem Terror gegen den Schied-s-rrchter zu dem Elfmeterstoß, den Pittweinr verwandelt. In der letzten Minute erzielt der Sportklub ein Goal, dem der Spielleiter die Anerkennung versagt. Schiedsrichter Vo-r^'t kann nur durch ein Wache- und Ordneraufgebot umÄe« he l l i g t bleiben. Das Spiel der Reserven gewann der Sportklub 3.1 (2 :1), für Hakoah schoß Birnbaum einen Effmeier cm. Die Meisterschaften der zweiten ProfesfiormUkasie. Sankt Marxer Bewegungsspreler—Wr. Sportfreunde 2:2 (I r.ll), Rudolfshügel—Viktoria 21 6:2 (2:2), Meidlinger Sportfreunde—Äörsthof 3:3 (1:1), Neulbau-Ä. A. F. 2:0 (1 r,0). Donau—Bewegung 20 B: 1 (1:1), Nicholson—Vorwärts 06 8:1. Der Hausarzt. Redigiert von Dr. Sanel Beer. Hygiene des Greisenalters. ^ie das Säuglings- und Kiudcsalter in der modernen Heilkunde eine besondere Stellung einnimmt, so verdient auch das höhere Lebensalter wegen seines chm eigentümlichen Zustandes . erhöhte Beachtung. Wenn man auch nicht der Anschauung zustimmt, daß da» Greisenalter an uttb für sich eine Krankheit sei, so läßt sich doch nicht leugnen, daß der alternde Mensch viele Zeichen der Schwäche und einen gewissen Mangel an WidarstaMsühigkeit ausweist. Auch fnldel man beim Arp.se viele neue KvankheitStypen, die ihre ErklÄrung in denr veränderten alten ÄSrper haben. 'Am wahrsteir ist wohl der Ausspruch, der besagt, daß dir Mansch so alt ist wie sein Herz. Tatsächlich kommt es bei allen Zwischenfällen des Se&enS immer wieder darauf an, wie sich das Herz verhält. Ein gesundes Herz kann beu mannigfachen Ansektionen, den grüßten Aufrvgtuvgen Widerstand leisten. Gin krankes, schvacheS Herz versagt leichter. Im allgemeinen nimmt jedoch die Umgebung auf das Wohl PcS alten Menschen viel zu tvenig Rücksicht. Alles, was dem reifen Lebensalter gut tut, ist nicht immer für den ArxiS gut. Wa» man dem kräftigen Mellscheil zumutm kann, solttv vom höheren Lebensalter nicht gefordert tverden. Daö gilt vor allen: vont Berufe. Der alternde Mensch «mß sick) van seiner körperlich anstrengmrdetr und aufreg^tdsn Weschüftigung allmählich zurückziehen. DaS tzlaiche gilt von der intellektuellen. Arbeit; sie muß vermindert tVerden. Die tröllige Aendomng deS Beruft» trifft ältere Leute sehr schrftr. Giic fmtattt sich schtoer in «ü« ander« ArbG, die MlWe MiMt wandelt gern in ausgetvetenen Bahnen. Völliges Aufgeben des Berufes hiwviederum macht viel« Greise zu Schwerkcanken, man sicht sie unter dem süßen Nichtstun, das ihnen, gar nicht bebagt, förmlich dahinsiechen. Im großen und ganzen sollte die LebenÄveise der älteren h-kenschen überhaupt nicht plötzlich geändert werden. Es ijt dcch befairnt, wir sehr sie etwa unter einem Wohnungswechsel oder einer OrtSveränderung leiden. Geringe körperliche Arbeit, Wenigs stens ein ausgiebiger Spaziergang soll täglich Vorgeirommen werden. Anstrengende Fußmärsche, Besteigutlg von Bergen vermeide der Greis, da plötzliches Versagen des Herzens auftreten kann, tvenn nicht gerade der Betreffende in beständigem Training ist. Besondere Sorgfalt gebührt denr Speisezeitel. Im Gegensatz zum Menscherr im mittler«: Lebensalter ißt der Greis öfter im Tage Er. nimmt nur kleinere Mahlzeiten zu sich und soll sich besonders des Abends mit einer leichteren Mehl-, Gemüfeioder Milchspeise bvgnLgerr. Die Abendmahlzeit verabreiche man Mi biö drei Stunden vor dem Schlafengehen, um durch einen gefüllten Magen nicht den Schlaf zu beeinträchtigen- Ueberhaupt bevorzuge man für die Kost der älteren Leute leichtere Speise» und beschränke den Fleischg«luß. Das Fleisch muß gut gekocht und durchgebvaten sein, da sonst leicht BerdauungsbesäMrdeu entstehen, Das Bedürfnis nach fUssiger und breiiger Nahrung unterstütze nran. Beliebt ist reichlicher Genuß von weißem Kaffee und Dee. Was die geistigen Getränke betrifft, fo sind große Altvholmengen abzuraten; doch lasse man dm an ein ivvnkg Wein oder Bier Gewöhnten ruhig getvähren. Große FlüssigkeitsmenMll lverden aber schlecht Vertragen, da sie sowohl .Herz als Nieren stark belasten. Ein Unrecht wäre eö, doö Rauchen ganz zu v.-rbirten, selbst -W«lN Mingeude Gründe vorliegen. Wtan dringe wohl mtf Beschränkung. Man raubt den: alten Manne sonst leicht dsrr 'Appetit und die ganze Lebensfreude. Besondere Vorsichtsmaßregeln bedarf das Baden. Alte Leute suchen gerne Dampfbäder und heiße Bäder auf, w!as aber im allgemeinen abzuraten ist. Nicht fetten sieht man hernach unangenehme Herzerscheinungen äufwetem!Auch jedev Gelcgcnhir.it, sich zu erkälten, soll muh Tunlichkeit äus >dom Wege gegangen tverden. Bei Eintritt von Krankheiten greise «man bei alten Leuten, nie zu forcierten und anstrengenden Kuren. Immer trMwv muß aus die Herzkraft Rücksicht genommen »werden. Dies zu beurteilen, vermag der Laie nie- Deshalb Überlasst man feto? Behandlung der Entscheidung des ArFbcs. Auch dev DarmtätigkÄt MUß man 'l«stmdare Aufmepksamkett toidmen. Regelmäßige EntleermP >ist eine VorbeÄiWmg des Wohlbefindens. Es entsteht sonst Leicht ein cmfgetritzbener Unterleib, der durch den Hochstand LeS Zwisvchstkles Iu 'WemerMvornis von seiten dies Herzens.und der Lange Dtzrt. Darunter leiden die meisten altem. Lenst. Daß Erregurrgen jeher Art dem höheren Aller KWrlich wieriden kürwen, ist bekarent. iMMvaWas« V«^rÄchmgiVwW«d!ikameuben ist näht ungefLhÄich Deshalb vovaLmoicht 8er IW bei jchler ernste» Erkrmcknng alter Leute nur HftrUmM, um der sinkenden HerAvast vorMtbmselr- «Auch lÄngtttz BMruho verträgt das Alter nichts da sdiie Gefahr der WaumtzarM-Äer Lunge besieht. Man hilft sich Lamit, daß der Dmu-o Wers am Tage anher Batt in «inen Lehnstuhl! Mvacht Wed Md <WiW»Äctzlkwechsel vornimmt. Diese angedontHten. RcckjäMge möge» daß der Mensch ikn, seinem höheren LebxnSatter ÄWtze! des geänderten. Körper- und SeslenzustGiM Weist bedarf. '

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