Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3066 (12.9.1927)
- Date
- 1927-09-12
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Wi-en, Montag Wiener Morgerrzeituug 12. September 1^27 Nr. 8688 tks Jischow im Lande verlangt insbesondere Reformen jdie in den weiteren Ansätzen angeführt werden). Dr. ® 0 I b in n ii u beantragt im Namen der Nadilalcn die selgcnde Resolution: 'Der Kongretz konstatiert nn- Veoaueeu, ta,; die potitische Lage in Palästina in h o h e in M atze u it l» o f r i c d iijcnb ist, daß trotz jahrelanger Forsrnni-geii, des Kongresses Nlvd des Aktionskomitees die iviwtigsten politischen uns ökonomischen Postuwi« der Zionistischen Organisation und des vaiästinönsischoit Jischuw unerfüllt geblieben sind und die Poletik der ptrläftinensisäien Aüininistration die systematische aktive Urrtersttitzung des Mnsun KolonijerdionSwerkeS, zu der sie auf Grund des Mandats verpflichtet ist, völlig ttcrmi{se n lätzt. Me Exekutive der Zionistischen Organisation ihrerseits hat er unterlassen, durch Ausarbeitung eines umfassenden politischen und lvirtschastspolitischen Programmes für die bkaoperarion der palästinensischen Administration und durch eine energische und zähe Vertretung der zionistischen- Forderungen die ManidatSregierung zur InauguVierung einer Politik zu veranlassen, die im Sinne des Mandats die Mitverantwortung irnd aktive Unterstützung am Aufbau des jndischiiationaleil Heimes übernimmt. Der Marrgel einer solchen Koopeml'.mr seitens der rviandatsregierung bedeutet eine dauernde Erschwerung und Hemmung des jüdischen Ausbauwerkes und ist emer der Gründe der gegenwärtigen schweren Lage in Palästina. Der Koltgretz hält cs daher für die dringendste und bedeutsamste politische Aufgabe der nächsten Zukunft, eine gru-ndlcgandie Acndcrnng in der Politik der palästinensischen Admiriistration im Sinne ihrer aktiven Kooperation herbe izuführeu und beauftragt die künftige Exekutive, durch eine Informierung der Mandalsregierung über die tiefe Unzufriedenes der Zionistischen -Organisation mit der politischen Lage in Palästina, durch Ausarbeitung und Untsrbreitung eines umfassenden politischen und wirtschsstspMtischen Programmes auf die Jnaugutierung einer Politik der Mamdatarmacht «inzuwirken, di« alle politischen znd wirlschastspoli tischen Matznahmen trifft zur Erleichterung und Sicherung des Ausbaues des jüdischnationalen Heimes und damit zur konkreten Verwirklichung Manda ts. Dieser Antrag wurde abgelehnt und sodann jche Präambel in mnuventlicher Abstimmung mit 85 gegen 22 Stimmen zum Beschlüsse erhöbe.!. Die verlangten Reformen betreffen die Herabsetzung her Besitzsteuer (Wevke), die Gebühren für Eigentumstitel (Kuschane), Erleichterung für neue landwirtschaftliche Siedelungen, die Umwandlung des Z-.eH ent in eine feste Jahr es Zahlung, die Be- . freirmg neuer Fabriken von der B e s i tz st e u e r und Maßnahmen zu einer raschen Durchführung der Bestimmung des Artikels 6 des Mandates mit Bezug auf die Forderung geschlossener Ansiedlung von Inden ans dem Lande, einschließlich von Staats- und Brach» ländercien durch die Regierrmg, des weiteren aktive Unterstützung von Handel und Industrie durch die Negierung, Durchführung einer A r b e i t s - gefetzgebung und Sozialversicherung, angemessene Beschäftigung Mischer Arbeiter bei Negierungsunternehmungen und angemessene Zuweisung aus öffentlichen Mitteln für die ärztlichen und sanitären Erfordernisse der von Juden bewohnten Bezirke. Die auf diese Forderungen sich beziehenden Absätze Werden einstimmig angenommen. Der weitere Absatz: „Der Kongreß drückt s e i n V e rt rauen aus, daß die Exekutive energisch und ausdauecn alle diese Forderungen vertreten und unsere Lebensinteressen und zugesicherten Rechte verteidigen wird", wird äuge n o m m e n und der Antrag G o l d m a n n, statt „drückt sein Vertrauen aus" „fordert" zu sehen, a b gelehnt. 2. Die Exekutive wird ferner ausgefordert, von der Regierung zu verlangen, daß sie bei der Durchführung ihres laufenden Programmes für Arbeiten öffentlichen Nutzens die derzeitige Lage des Arüoitsmarktes entsprechend berücksichtige und der Zionistischen Organisation jede mögliche Unterstützung bei der Durchführung von Kraditen für Aufbau- -ivecke, insbesondere für Amcliorationsarbeiten in unentwickelten landwirtschaftlichen Gebieten gewähre. (Angenommen.) 3. Der Kongreß würdigt die Informations- »nd Aufklärungsarbeit der Exekutive, die in der laufenden Berichtsperiode im Völkerbünde und in her öffentlichen Meinung durch Gründung der Pro-Palästina-Komitees Keleistet worden ist. Der Kongreß hofft, daß diese Arbeit in Europa, Amerika und der arabischen und mohammedanischen Welt fortgesetzt und erweitert wird. (Angenommen.) 4. Der Kongreß bedauert» daß die Paläsiuw» Regierung daS neue Grenzkorps ohne Rücksicht ans die einheimischen Vorstellungen und die gerechten Forderungen des jüdischen Jischuw und ohne Rücksicht auf das Verhalten bei Präzedenzfällen (Gendarmerie) formiert und damit die Rechte des jüdischen Jischuw verletzt hat. Der Kongreß fordert demgegenüber. daß der. jüdische Wchuw entsprechend seinem gerechten Verlangen und seinen Bedürfnissen unter Wahrung seiner nationalen und religiösen Interessen beteiligt werde. Ebenso fordert der Kongreß die Beteiligung der Inden gemäß ihrer Bedcntnng an allen Polizei», Sicherheit-- und VerteidigungSformationen de- Lande?. Dieser Passus wird, nachdem die von Ben Zivi vorgeschlagene .Hinzufügung der Worte „entsprechend dem gerechte!: Verlangen seiner gewählten Vertreter" mit 73 gegen 54 Stimmen abgelchitt worden ist, angenommen. 5. Die Einbürgerung in E r e z Israel ist eine fundamentale nationale Pflicht. Der Kongreß verlangt, daß jeder in Palästina lebende Jude dieser Pflicht unverzüglich genügt. (Angenommen.) Resolution zur Jewtsh Agency. lieber diese Resolution wird nach Vorschlag Doktor Goldmanuö in einzelnen Absätzen abgestimmt. Nach« dem Dr. Goldmann das Minoritätsvotum der Radikalen begründet hat, wird der erste Absatz mit 99 gegen 19 Stimmen angenommen. Er lautet: Genrüß den Beschlüssen des 14. Kongresses über die Erweiterung der Jewish Agency zwecks einer wirksamen Zusammenarbeit aller Juden am Aufbau des Jüdischen NationalheimS in Palästina im Geiste der Balfour-Deklaration und des Mandatebeschließt der 15. Kongreß, daß die prinzipiellen Bestimmungen, die vom 14. Kongreß als unabänderliche Grundlagen festgesetzt wurden, nämlich dauernde Verstärkung der Alijah, Auslösung des Bodens als BoNSVefitz, landwirtschaftliche Kolonisation auf Grund der jüdischen Arbeit» hebräische Sprache und Kultur, in der Konstitution der erweiterten Jewish Agency verankert werden. Die folgenden Absätze 2 und 3 wurden angenommen. Sie lauten: Ebenso muß in der Konstitution der erweiterten Jewish Agency sestgetcgt werden, daß der Präsident der Zionistischen Organisation in jedem Falle Präsident der Jewish Agency ist. Die Mit« glieder der verschiedenen Organe der Jewish Agency können in ihrer Abwesenheit nur durch ständige Ersatzmitglieder vertreten werden. Gemäß den früheren Beschlüssen erwartet der Kongreß mit Bcstiinnitheit, daß die Jewish Agency die hauptsächlichsten jüdischen Gemeinschaften der Welt auf demokratische r Grundlage repräsentiert und Vertreter der organisierten jüdischen Arbeite r s ch a f t enthalten wird. Der Kongreß fordert die Exekutive auf, die Verhandlungen mit den jüdischen Gemeinschaften der verschiedenen Länder energisch sortzusetzen. Der vierte Absatz lautet: * Ter Kongreß nimmt die Einsetzung der g e m e t itf a in c u .Palästinakomnrission gemäß der am 17. Jänner 1927 von Dr. W e i z in a n n und Louis M a rshall unkerzeichneten Vereinbarung zur Kenntnis und hofft, daß die Arbeit dieser Kommission erfolgreich sein werde. Mit 79 gegen 28 Stimmen a n g e u u nt m c n. Dr. Nahum Gold mann verliest die politischen Minon'tätsankväge. Punkt 3 lautet: Der Kongreß fordert, daß die endgültige Beschlußfassung über die Konstitution und die politischen, ökolumnschen und finanziellen Kompetenzen der erweiterten Jewish Agency durch einen neuen Kongreß erfolgen soll und beauftragt die, neue Exekutive, vor der definitiven Konstituierung der erweiterten Agency einen Kongreß «inzuberufen, der speziell der Entschieidnng dieser Fragen dienen soll. Diesem Kongreß soll die Exekutive die Beretlnkarungen mit de« nichtzionistischcn Gruppen, die zum Eintritt in die Agency bereit sind, vorlcgen, in denen das Maß und die Form ihrer finanziellen Beteiligung am Aufbau des jüdischen nationalen Heims in Palästina besttmmt stm soll. Sämtliche MinvritätsantrÄge wurden abgelehnt. I n b o t t n s k y gab hierauf die folgende Erklärung ab: Wir haben Vis zun: letzten Momlcnt auf die An« nähme der Resolution Goldmann gehofft, daß die endgültige Ratifizierung des Jewish Agency-Bedtrages einem souveränen zionistischen Kongreß überlassen werden wird. Diese Hoffnung hat unS noch die Aussicht eröffnet, auf einem konst-itutionellen Weg gegen diese Sache anzukäinpfen. Zu meinem große» Bedauern wurde diese letzte Hoffnung zerstört. Unter diesen Bedingungen muß ich i,n Namen meiner Fraktion erklären, daß wir unsere absolute Gegnerschaft gegen jeden Versuch der Teilung der politischen Funktionen mit irgendwelchen Nichtzzonisten aufrechtechatten, und litti allen Mitteln dagegen kämpfen werden, wobei wir sicher sind, daß durch diesen Kampf die Durchführung der hier vorgeschlagenen Maßnahmen unmöglich werden wird. Locker erklärte: Die Mehrheit unserer Fraktion hat für die Resolution der politischen Kolmmisslpn gestimmt, nachdem eine ganze Reihe von Forderungen durchgosstzt imtr&c, um soweit wie möglich ein Minimum von Demo* kretischem Charakter bei der Agency zu sichern. Mit dieser Abstimmung dokumentieren wir nicht, daß unsere Zweifel aufgehÄt haben. Abtzr wir machen die Politik der Deuvonstratkonen nicht mit. Wir haben speziell jene Punkte in die Resolution hmeinFetragen, welche allen Teilen deS Volkes die Möglichkeit einer Beteiligung an der Agency zusammen mit jener amerikanischen Gruppe wahren. De» Kampf für die Demokratisierung der Agency werden wir mit aller Kraft führen. Schluß der Sitzung 2:30 Uhr nachts. * Diese Nachtfttzung ivar reich an dramatischen Monventen und nah in zum Teil einen stürmischen Verlauf. Bis in die dritte Morgenstunde hinein dauerten die Abstimmungen. Die Mitglieder der Mi Sr acht* Fraktion blieben der Sitzung fern und berieten ftir sich Wer die dem Kongreß zu stellenden Anträge, betreffend weitgehender Konzessionen in religiösen Fragen. Auch Weiznrann sah man im Kongretzsaal nicht» er verhandelte die Nacht über mit den Parteiführern über d-te Bil* düng der Exekutive. Das Bild der Abstimmungen mar ein oft Mtzartig mechstlndcs. Es hatte sich kein fester Majoritätskern hevausMbildet. Die linken Gruppen, insbesondere Poale Ziop, ftimiuten von Fall zu Fall mit der Majorität oder mit den Radikalen «nd RMfionisten. Für den An», trag Ben Zwi in der Frage des öffentlichen Schutt zes tn Palästina, der die jiMerzeitilge Resolution des Wnad Lemni erneuert, stinUnte eine ^.größere Anzahl allgenwiner Zionisten, die sonst sich in dieser Frage sehr zurückhaltend gezeigt haben. Einzig Hitachdstth stimmte geschlossen gegen die Resolution. Stürmisch war das Bild bei der Abstimmung Mer die AgencY-ResolNtionen, deren Resultat Grünbanm und Stricker mit dein Zuruf quittieren: „Die Majopttat des Kongresses hat sich gegen die Priorität Palästinas ausgesprochen" Von der Wischen Wanderung. Tagung der Exekutive der kmkgratiousvereiuiguug. In Berlin fand dieser Tage wüer dem Vorsitz des Herrn Dr. James Simon eine Sitzung der Exekutive der Emigratiousbereiniguug Hias-Jca-Emigdirekt statt. An der Sitzung nahmen teil: der Präsident der Hias-Gesellschaft in New Aork, Herr Abraham Hexmander Leiter des Jca-Werkes in Brasilien. Herr Rabbiner Dr. Naffalowitsch; der Vertreter der Gesellschaft „Ezra" in Antwerpen, Herr Schulsinger; sowie die Mitglieder der Exekutive und des Rates der Hicem, die Harren Gcheimrat Dr. Julius Stern, Cd. O u n g r e (Paris), Dr. M. K r e i n i n, Dr. James Bernstein, 2. L c st s ch i n - s f t), Dr. Lvovit ch und Sch. Rudel. Herr I. D i j o u r erstattete im Nameir der Direktion den Tätigkeitsbericht für die ersten 5 Monate des Bestehens der neuen Gesellschaft. In deir Auswanderungsländern standen die Komitees der HiaZ-Jca-Emigdirekt den Emigranten mit Informationen und rechtlichem Schutze bei. Es haben sich z. B. in Polen während der ersten 7 Monate des laufenden Jahres an die dortigen Komitees 10.686 Emigranten gewandt, davon 5119 Hmrdtverker und qualifizierte Arbeiter, 688 ungelernte Arbeiter, 368 Landarbeiter, 677 Händler und 153 Angehörige freier Berufe, 3684 ohne Beruf, darunter Frauen und Kinder.Es wurden in 9397 Fälleil Informationen erteilt, in 1004 Fällen Pässe kosteillos besorgt, in 637 Fällen Visa verschafft. In 1467 Fällen ivurden Ermittlirngen nach Bevwandten angestellt, in 269 Fällen gelang es. Verwandte ausfindig zu machen. Durch Beschaffung von Schiffskarteil zu ermäßigten Sätzekl ist insgesaillt eine Summe von 7000 Dollar den Emigranten erspart worden. Au§ den anderen osteuropäischen Ländern» tvie Litauen, Lettland, Rumänien ustv. liegen Allezeit statistische Berichte * noch nicht vor. Was die neu in Angriff genommenen Arbeiten betrifft, so find vorläufig folgende Resultate zu verzeichnen: Cs werden ül Polen. Lettland, Rumänien und Frankreich insgesamt 360 Emigranten auf dem Lande befchaf« tigt, wo sie sich zum landwirtschaftlichen Berufe Vovbereitrn. In Verschiedenen Städten, wie Kowno, Kischinow. Riga, wurden Chauffeurknrse sowie Lehrgänge für Schlosser und Schmiede eingerichtet. Auf dem Gebiete der sprachlichen Ausbildung der Emigranten find erfreuliche Resultate erzielt worden. Es bestehen zurzeit dreimonatige Lehrgänge für spanische und englische SMche: in Polen für 160, in Rumanim für 40, in Lettland für 40 und in Litauen für 20 Personen. Auf diese Weise absolvieren innerhalb drei Monate insgesamt 250 Personen die Sprachkurse. Aus den Jmmigrationsländern trafen bereits Berichte für das erste Halbjahr 1927 ein. So z. B. ist aus dem Bericht des Uruguay - Komitees zu ersehen, daß im Verlauf des ersten Halbjahres 449 Emigranten aufgenommrn wurdeil, von denen 179 mit Hilfe des jüdischeil ArüeitAvermittlungsburean Beschäftigung gefunden habcil. Auch die Kooperative Sparuub Leihkasse tn Montevideo entfaltet eine sehr rege und nützliche Tätigkeit, indem sie den Jmmigrailteil mit kleinen Anleihen zur Anschaffung von Werkzeugen lind zum Ankauf von Schiffskarten für deren Verwandte in Eliropa zn Hilfe kommt. Die Tätigkeit des KoniiteeL in B u e » o s : r e während des gleichen Zeitabschnittes weist »veniger günstige Resultate auf, loaö aber auf die allgemeine Krisis in dieseiil Lands zurückzuführen ist. Ans dem Gebiete des'SchutzysMWetzdM »