Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3065 (11.9.1927)
- Date
- 1927-09-11
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 306ö Wien, Sonntag kenntnis, daß au s d e r V e reüni.gu-n g zw eie-r e n U g.e-^.e n g e s echütt-OLH ch 11 chllich c n Zellen eine Frucht entsteht,-Re-das Geschlecht der sch acheren Zelle haben wird. Me pharüüWch»dieS alleS>auch klingen mag, sicher ist, da,;..bei der wirWistSindustriellen Ausstellung des Litorialgebietes Vignoli Hunderte von b^eg Vamch^Ktevn Attesten und auf deren Grund e i n <^vup hikon ausgestellt hatte, worin bezeugt wurde, datz ««in so und so viel Fällen Monate vor Geburt deS Kindes oder auch des jungen Tieres dessen Geschlecht im voraus bestimmte, und ,;war in jedem einzelnen Falle durch ainen Notariat sackt. Sicher ist auch, datz die Ausstellungsjury ihm die Golde me Med aickle zusprach, und zwar mit folgender Motivierung: »Wegen der uns vorgelegten vielfachen Dokumente über willkürliche Geschlechtsvorausbestimmung sowohl bei Menschen wie bei höheren Tieren." Vignoli soll üereitS-Girssadungen-mach-T'erx^'cvs eichalten haben. Wesens in Me«. Vvtt^lKomrnerzialrat Karl Klemperer, PräMeiMdemOenttcckswllefür«sildische soziale' Fürsorge. Me Wiener Kultusgemeinde hat ihr Füvsorgebudget > zum-größeren Täil bereits valorisiert; im Jahre 1942 betrugen die Ausgaben hiefür ohne Berücksichtigung des Kranken-, Siechen- und Versorgungsyauses K. 316.000, im Jahre 1926 S. 320:000. Aber das Verhältnis der einzelnen Posten, aus welchen diese Beträge sich zusammensetzen, ist in diesen zwei Vergleichsjahren ein ganz anderes geworden, wie folgende Zahlen zeigen: J-Urg-emrd^Mrosto'D.ge: 1912: rund K. 66:000, 1920r rund S. EeOOO. G^NHre>Vum^t^r^üch«um»g!'e.N': 1912: K. 130:000, Remck-emü«t1HG2: K. 69:000, 1923: <B. 48.000. SmL-v«snrtkrio-mem o<hm e Jw>g-e-n dfü-r-so r ^e: Mm- K. ÄtOOO, 1926: S. 84.000. Zmchicrm-Mre-n: 1912: K.316:000, 1926: S*'320:000. Der Mehraufwand für die Jugendfürsorge wurde hauptsächlich durch die prekäre Lage der Waisenhäuser und anderer Fürforgecmstalten verursacht; diese hatten ihr Budget vor dem Kriege aus den Zinsen von Stiftungen gedeckt rmd ein eventuelles Defizit durch private Spenden leicht aufgebracht. Durch die Inflation verloren sie'ihr Kapitals- Vermögen und mußten sich an das In- und Ausland wenden, um den Zusammenbruch zu vermeiden; es ist selbstverständlich, daß sich die Gemeinde an der Sanierung beteiligte. Ein ähnliches Bild, wie die obigen Zahlen, zeigen fcte privaten Vereine. Allein die zwei Waisenhäuser, Lehrlürgshetm, Elisabethheim, Kinderfteundc und Kinderheim, haben im vorigen Jahr, ohne die Subventionen der Gemeinde und des Joint, die stattliche Summe von über (3. 200:000 aufgebracht, liebet die Einnahmen der Fürsorgevereine für Erwachsene fehlt eine verläßliche Statistik, und die privaten direkten Spenden an die Bedürftigen sind ubechaupt nicht zu erfassen. Wir wissen aber leider sehr genau, daß die Einnahmen dieser Vereine mit den für die Jugendfürsorge nicht zu vergleichen sind, datz ihre Stellung eine sehr schwierige geworden ist und in ihren Beteilungen Schillinge schon eine Rolle spielen. Da außerdem die Armut in Wien keinesfalls kleiner, sondern größer geworden ist, so müssen wir gestehen — es ist überaus tvauig und fällt schwer, es niederzuschreiben — datz die ertvachsenen Bedürftigen die Kosten der besseren Jugendfürsorge gezahlt haben, daß für sie viel schlechter gesorgt wird als früher. Die 2lufgabe der geplanten Reform des Fürforgewesens der Jüdischen Gemeinde in Wien ist, datz bei voller Aufrechterhaltung und Ausgestaltung des Jugendamtes auch die anderen Aufgaben des Fürsorgewesens verbessert werden. Daß dieses durch Schaffung von Zweckverbänden, das heißt durch ZusammenmLeit der Gemeinde mit den in der Zentralstelle für Wische soziale Fürsorge organisierten Vereinen geschehen könnte, wird allgemein anerkannt; auch Herr Kultusvorstand Dr. Kl ab er hat in seinem in der »Wiener Morgenzeitung" veröffentlichten Resormvorschlag eine Reihe solcher zu gründender Zweckverbände — einige bestehen ja bereits — genannt. Ihre Aktivierung bildet keine Schwierigkeiten; die Namen der in Betracht kommenden Vereine sind ja bekannt, und sie werden zu gemeinsamer Arbeit, die eine Intensivierung der Fürsorge bezwecken soll, sehr gerne zu haben sein. Unbestimmt ist bloß die Art der Teilnahme der Gemeinde, und da ist eines vorerst nötig: Eine Reform der Organisation des Wohltätigkeitsamtes. Genau so wie jetzt alle für die Jugendfürsorge bestimmten Gelder durch den Zweckverband »Jüdische Jugendfürsorge" gehen, so sollen in Zukunft all die anderen Fürsovgegelder, über welche jetzt das Wohltätigkeitsamt verfügt, durch die betreffenden Zweöwerbändc gehen. Daß der Gemeinde aller Einfluß auf die Zweckverbände gewahrt bleiben muß, ist selbstverständlich; auch die Vereine, welche die Zweckverbände bilden, werden keine bloßen Nutznießer sein, sondern materielle Leistungen auf sich nehmen müssen. Diese Reform ist der dringendste Schritt zur Verbesserung des Fürforgewesens; alle anderen mehr oder weniger wichtigen Fragen hängen von ihrer guten Durchführung ab. Die Zentralstelle für jüdische soziale Fürsorge ist ja für solche Zweckverbände geschaffen, und sie könnte es nur freudig begrüßen, wenn außerdem nach dem Vorschläge des Herrn Dr. K l a b e r ihre Kompetenz erweitert würde. Der Vergleich, den Herr Dr. Klaver mit denr Zentralwohlfahrtsamte in Berlin zieht, beruht wohl auf einen Irrtum. Die¬ Wiener Morgenzettmrg September 1927 ses Amt ist die Zusammenfassung der gesamten Wohlfahrtspflege in ganz Deutschland mit seinen vielen bedeutenden, von jüdischem Leben erfüllten Gemeinden. In unserem kleinen Staate mit einer einzigen großen und wenigen kleineren und kleinen Gemeinden ist ein solches Amt nicht nötig; die Zentralstelle steht jedoch mit der deutschen Zentralwohlfahrtsstelle in Verbindung und wirp deren Tätigkeit nach Möglichkeit gerne zum Vorbild nehmen Die deutsche Stelle, welche bei der Reform des Fürsorgewesens für Wien in Frage kommt, ist das Wohlfahrtsamt in Berlin, welches im Jahre 1922 gegründet nmrde und das eine weitgehende Dezentralisierung mit einer straffen Zentralisierung an der Spitze der Wohlfahrtspflege kombiniert; doch sind die Verhältnisse in Wien zu verschieden, um durchgeyends eine Nachahmung dieses Prinzips empfehlen zu können. Die Schaffung der Zweckverbände allein in dem oben skizziertem Sinne würde bei richtiger Zusammenstellung eine bedeutende Besserung der Fürsorge herbeizuführen imstande sein und einer weiteren Entwicklung die Wege bahnen. Die Reform ist nicht so schwer, wie sie scheint, sie verlangt aber von den maßgebendem Fccktoren guten Willen v und «strenge Sachlichkeit. Was M mein Knnstbesttz werk? Bestrebungen zur Schaffung einer SMerteozeutrike. TRIESTINO AO- □ □ Rascheste Verbindung zwischen Europa und PalSstlna über Aegypten mit den Expreßdampfern „Vienna“ and „Helouan“ FAHRTREKORDB i Trient (Venedig) —Ale*indfien . . .VTage Brindisi—Alexandrien.STage Ferners Eil* and Postdampferorbindnngen nach Griechenland, der Türkei, den Schwanen Meer-Hafen, Syrien, Palästina, Indien and dem fernen Osten. Herrliche und dabei billige Erholungsreisen aor See t ■ Auskünfte: Fassagetrarean de» Lloyd Trlestlno, Wien, I, Kürntnerrmg i Telephon 66*0-68 Dieser Zustand hat den Gedanken der Notw endigtest seiner Expertisenzentrale Nach Ansicht der Fachleute hat sich der Besitz von Kunstwerken zum größten Teil stabilisiert. Die Zeit ist vorüber, da infolge der Geldentwertung und der allgemeinen Bedenkenlosigkeit Schieberhände wahllos Kunstwerke zusammengerafft oder an der Kunst uninteressierte Menschen Objekte zu Anlagezwecken erworben haben. Jnflationsgelvinner haben ihre Beute auch an Kunstwerken wieder hergegeben und aus Spekulanten sind, wirkliche Liebhaber, ja sogar Kenner geworden. Nichtsdestoweniger hat sich der Sammlerbetrieb merkantilisiert, und der allgemein übliche Vorgang, Kunstwerke vor dem Kauf expertisieren zu lassen, hat cm Aktualität nichts verloren. Einzelne, in der letzten Zeit besonders kraß zutage getretene Fälle, wie der Kauf eines Rubens aus: der Wiener Liechtensteingalerie icher die zahlreich auftretenden Fälschimgon von Renoir Md antiken Stilmöbeln haben bewiesen, daß die bisherige Art der Expertise den Bedürfniffeir von Händlern und Sammlern nicht genügt. Vorläufig ist keine Organisation vorhanden, auf Grund welcher Käufer und Verckäufer einwandfrei befriedigt werden können. Dieses Chaos macht sich besonders in den Ländern mit großer Sammlertätigkeit und lebendigem Kunsthandelsbetrieb geltend. Für Deutschland, wo sich ein reger internationaler Markt entwickelt hat, ist die Expertenfrage überaus wichtig. Auch Oesterreich, das große Schätze an Stilmobiliar,. Gobelins, Handschriften, Erstdrucken und alten Meistern besitzt, kann an dieser Frage nicht achtlos vorübergehen. Zwar gibt es sogenannte beeidete Sachverständige, aber diesen fehlt der große wissenschaftliche Nmne. Gewiß wird beispielsweise der Kunsthändler von Rang den ein bestimmtes Gebiet beherrschenden Gelehrten finden. Namen in Deutschland, wie M. I. Friedländer, Robert Schmidt, Kurt Glaser, William Cohn, Adolf Goldschmidt, Julius Meier-Gräfe, Georg Swarzenski, die Professoren Wocrmann, Worringer, in Oesterreich Professor Glück, Stix, Maurer, Eigenberger und große Auttionäre sind den bedeutenden Händlern mit Kenntnissen und Verbindungen bekannt. Aber Menschen, die ererbtes und nicht katalogisiertes Kunstgut besitzen, Lei Erbschaften eine genaue Abschätzung brauchen oder ihren Besitz verkaufen wollen, wissen nicht, an wen sie sich wenden sollen. Mit der Frage: „Was ist mein Kunsibesitz wert?" treten sie an irgendeinen Künstler, an irgendeinen Amateursachverständigen heran oder sie lassen sich von einem befreundeten Händler, eventuell von einem Museumsbeamten beraten. Da nun aber dieser Beamte gewöhnlich nur sein. Spezialgebiet beherrscht, kann seine Antwort keinen Anspruch auf unbedingte Sicherheit erheben. wachgerufen. In dieser Zentrale müßten die führenden kunsthistorischen Persönlichkeiten für die Gebiete der Malerei, der Plastik, des Kunstgewerbes aller Jahrhunderte, der antiken und außereuropäischen Archäologie und die prominentesten Museumsbeamten vereinigt sein. Eingehende Anfragen -könnten leicht den betreffenden Spezialisten von der Kommffsion zugeteilt werden. Es wird in der Praxis jedenfalls zweckmäßiger sein, wenn der Besitzer eines wertvollen Objektes dieses an den ihm von der Expertisenkommifsion genannten Fachmann schickt, der ihn über den Wert seines Besitztums auftlärt, als daß er von irgendeinem Konservator seines Wohnsitzes oder gar von einem wilden Kunsthistoriker ein Gutachten einholt. Die Zentrale wird zunächst eine Photographiedes betreffenden Gegenstandes, manchmal sogar daS Original selbst in die Hand bekommen, nur zn entscheiden, ob es sich um ein Werk hohen Ranges handelt, bei de« Mühe und Kosten keine Rolle spielen, oder um ein Objekt minderen Wertes, das ein znr Hand stehender Fachmann beurteilen kann. Das Prestige allein e'tzrer solchen autoritativen Expertisenzentrale wird dem Besitzer eine hohe Gewähr bekesD des Wertes seines Objektes geben. Was die f inanz i ell-e Seite der Cxpertifenfratze anlangt, so führen beispielsweise die Berliner Museen die Fachberatung kostenlos durch, während in den anderen deutschen Museen Expertisen außerhalb der Dienststmcken von den Museumsleitern honoriert werden. In einzelnen Fällen wird für jede Expertise ein Honorar bezahlt, an welchem das Museum mit einer Quote partizipiert, mchtbeamtete Sachverständige, wie Privatgelehrte, Umversitätsprofessoren und Kunstschriftsteller, lassen sich ihr Gutachten vergüten. Man sieht also hier das Fehlen bestimmter Normen in bezug auf die Honorierung und in b^ng auf die Höhe derselben. Auch hierin soll eine sachgemäße nnd^biudendL-NorM geschaffen werden. Es ist durchaus nicht angemessen, daß ein Sachverständiger, der mit ein paar Zeilen jemandem einen Dürer oder Tizian als echt in die Hand gibt und ihm dadurch einen enormen Bermögensznwachs verschafft, ebenso honoriert werde wie einer, der beispielsweise einen drittrangigen Holländer begutachtet. Aber ebenso falsch wäre es, einen fixen Prozentsatzvom Schätzungswert zu beanspruchen, da hier leicht Mißtrauen geweckt werden könnte. Schließlich muß auch in Betracht gezogen werden, daß prominente Werten Beziehungen zu den großen internationalen Käufern besitzen und daher Die Kerze im Pulvermagazin. Eine furchtbare Rächt in Krakau. Krack au, 9. September. Eine Nacht des Schreckens liegt hinter den Einwohnern der Stadt. Die Munitionsmagazine in der nächsten Nähe der Stadt und Festung Grembalow sollten in die Lust gesprengt werden. Der Lagermeister K o r n i a k der Munitionsmagazine in Grembalow wurde plötzlich von Wahnsinn befallen und wollte dadurch Selbstmord üegchen, daß er die Festung Grembalow mit den Munitions- Vorräten und sich selbst in die Luft sprengen wollte. Der Wahnsinnige hatte bereits gestern cm seine Vorgesetzten sowie an einige Behörden Briefe abgesandt, in denen, er mitteilte, daß er wegen seines schlechten Gesundheitszustandes und schlechter Familienverhältnisse beschlossen habe, d i e Festung in die Luft zu sprengen, um so den Tod zu finden. Nach Erhalt dieser Bnefe trafen an Ort und Stelle die Vertreter der Behörden und des Krakauer Militärkorps ein, doch fanden sie alle Eingänge zum Fort avgesperrt. Im ersten Stockwerk der Festung stand der Wahnsinnige mi't einer brennenden Kerze, und | jeden Moment drohte die unheilvolle Katastrophe einj zutreten, die mit Rücksicht ans die AM der Fesinng j von Krakau zumindest die Hälfte der Stadt dem Boden gleichgemacht hätte. Oberst BoIeslawicz vom Militärkommando in Krakau sprach auf den Wahnsinnigen, der noch immer die Kerze bei offenem Fenster in Händen hielt, in ruhiger Weffe ein, um ihn von der Tat abznhalten, was ihut auch schließlich gelang. Der Oberst sagte zu ihur, man werdnfür seine Familie sorgen und ihn wieder gesund machen. Daraufhin forderte der Wahnsinnige, es wöge der Präsident der Republik, sowie Ministerpräsident Marschall Pilsudski bei ihm erscheinen, da er nur dirserrndie Schlüssel zur Festung übergebe. Schließlich lieferte er die Schlüssel dem Obersten-auS^Man mutzte mit aller Vorsicht gegen Korniat Vorgehen, da er sonst die brennende Kerze in das Pulver-geworsen Hütte, was die unheilvollste Katastrophe zur Folge gehabt hatte. Der Wcchnsinnige beruhigte sich schließlich. G ef^e sff-elt wurde er der Irrenanstalt übergeben.