Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3065 (11.9.1927)
- Date
- 1927-09-11
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3005 Wien, Sonntag Wiener Morgenzettnng 11. September 1987 SMe 5 Alu :(v»v uHtrwwivwifmiwv»* Fünf BerhanvlMgen vor dm Schöffe». Vor einem- Schöffenfenat unter Vorsitz Hofrates Czerny fanden gestern wieder fünf V e r h a n d l u ng e n gegen Juli-Demonstranten statt. Die Anklage vertrat in. allen Fällen Staatsanlvalt Dr. T u p p y. In der ersten-Verhandlung kam der Vorfall am 16. Juli, um 3 Uhr nachmittags, vor der Waffcnhandlung Kalec.ky zur Sprache, die von Demonstranten geplündert wurde, um sich Waffen gegen d i e Polizen zu verschaffen..- Obcrwachmann Josef Pranauer verhaftete während der Demonstrationen den 24jährigen Maschinisten Johann F all, der ihr.: von dem Kaufmann N eh ar als einer der Rädelsführer bezeichnet lvurde. Falk befindet sich bereits seit sieben. Wochen in Untersuchungshaft und hatte sich gestern ivegen versuchten Hausfriedensbruches zu verantworten. Der Hauptbelastungszeuge Nehar war nicht erschienen und wurde auf Verfügung des Vorsitzenden vorgeführt. Falk bekannte sich nichtschuldig und erklärte, er habe mit den Ereignissen vor dem Waffengeschäft nichts zu tun gehabt. Es müsse eine-Personettverwechslung vorliegen. Er sei mit zwei Freunden gegen 2 Uhr nachmittags aus Favoriten in die Innere Stadt gekommen und habe am Schillerplatz gesehen, wie ein Wachmann von der Menge geprügelt, jedoch bald wieder ausgelassen wurde. Der Wachmann lief dann, zu dem tu der Nähe aufgestellten Wachekordon, kehrte dort um und feuerte einen Schuß ab, welcher eine kränklich ausschcnde alte Fran traf. Dann habe die Wache eine S a l v e a b g e g e b e n, und er sei geflüchtet, wurde jedoch von einem Wachmann über Aufforderung Nehars verhaftet.' Ob erwach inann Pranauer sagte aus, Nehar chabe ihm den Falk bezeichnet, der die I Menge.zum Plündern des' Waffengeschäftes aufgereizt habe. Der Vorsitzende hielt dein Zeugen vor, daß der Vorfall im Polizerbericht anders geschildert wird. Dort heißt es, daß Nehar dem Angeklagten nachgelaufen sei und seine Ver- ■ Haftung , veranlaßt, habe. Der Zeuge blieb bei seiner Darstellung. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob der Angeklagte geschlagen wurde oder Säbelhiebe bekommen habe, sagte der Zeuge: „V o.n mir nich t. QL unsere Wachleute ihn geschlagen Haben, weiß ich nicht," . ... .... Der Zeuge.Oskar Neh ar sagte aus, er sei mit .seinem-Auto, zur Wachstube in die Elisabethstrahe gefahren, hgbe dort die Polizei alarmiert und sie auf einen blonden 'jungen Mann aufmerksam gemacht, der die Menge aufhetze. Er habe bann vor der Wachstube gewartet, und kurze Zeit, 'darauf sei Falk eingeliefert worden. DerVorsltzende machte den Zeugen auf den Widerspruch seiner Aussage mit der des Wachmanns aufmerksam, doch blieben beide bei ihrer Aussage..-^ Da aus diesen widersprechenden.-Zeugenaussagen kein .strikter Schuldbeweis erbracht werden konnte, fällte der Senat euren Freispruch. Der Angeklagte lourde sofort auf freien Fust gesetzt. In der zwei t e n V e r h a u d l-u'n g hatte' sich der 24jährige Ofensetzergehilfe Rudolf B l aha wegen des Verbrechens, der Erpressung zu verantworten, weil , er am 16/Juli, um 7 Uhr aberrds, auf dem Michaelerplatz ein Auto angehalten, die Fahrgäste zum Aussteigen gezwungen und den Chauffeur, beauftragt habe, ihm znm Justizpalast zu führen. Der Chauffeur blieb aber an der Kreuzung Graben^—Tuchlaiiben stehen und veranlaßte die Verhaftung Blahas. Bei einer LeibcSdurchsuchung wurden in seinem 5l: sitze fünf faustgroße Ziegelbrocken gefunden. Blaha gab zu seiner Verantwortung an, er habe mit dem Auto Verwundete-aus dem Parlament holen toollen. Die Steine habe ihm ein F r e m d e r i n d e n S a ck g e st eckt. Auf der Wachstube am Petersplatz sei er blutig geschlagen worden. Der Chauffeur, der die Verhaftung veranlahte, konnte nicht ausgeforscht werden, da sein Name und seine Adresse im Polizeiprotokoll unrichtig angegeben waren, weshalb auch dieser Verhaftete frrtgesproche wurde. In der Begründung heißt es, daß trotz schwerwiegender Verdachtsmomente ein Freispruch gefällt werden mutzte, weil nicht festgestellt werden konnte, wie der Zwang, den der Angeklagte auf den Chauffeur ausgeiibt -haben sollte, beschaffen war. Der dritte Angeklagte war-der aus Boryslawstammende 87jährige Handelsangeftellte Paul Segal, der am 15. Juli die Volksmenge gegen die Polizei durch aufreizende Reden aufgehetzt haben soll. Er soll gesagt haben, die Polizei sei an allem schuld, die Wachleute seien Arbeitermörder, und der Schober gehöre aufgehängt. Der wegen Auflaufes angeklagte Segal erklärte, sich an den genauen Wortlaut seiner Aeußerungen nicht zu erinnern. Er wurde zu einen: Monat strengen Arrest verurteilt. In der nächsten Verhandlung hatte sich der 33jährige Hilfsarbeiter Gustav I e r a b e k ebenfalls wegen Auflaufes zu verantworten. Er habe einer Aufforderung der Wache, weiterzugehen,' nicht Folge geleistet uqd gegen die Polizei räsoniert.' Der Gerichtshof verurteilte ihn zu einer Wo che Arrest s. ' Schließlich hatte sich der 26jährige-Küchenbursch Alois H e l m e r t wegen. Auflaufes zu verantworten. Er soll auf die Aufforderung der Wache, den Platz zu räumen, gesagt haben: „Das geht Sie nichts an, ich kann stehen, wo ich will." Als ihn ein Wachebeamter auf das Trottoir bringen wollte, sägte der Angeklagte zu ihm: „S i.e böhmische r L a kk c I, geben Sie mir Jhre'-Nummer, ich werde mich beschweren." Dämufhin-wurde er verhaftet. Helmert-wurde zu vierz e h n Tagen st r e n g e n A r r e st sverurteilt. Brand im Geschästrviertel von Konstantinopel. London, 10. September. Nach einer Reuter?>Mewuug, ans Ko n st a nt i n op-e l .wurdendurch ein GroUeuer ün G e s ch ä f t s v i e r t e I der Stadt, in der Nähe des Goldenen Horn, - v ie rhundert Häuser und Läden zerstört und' beträchtlicher Materialschad::t. angerichte-t. geilen Männern hatten wahrlich weder Hannah, noch ihr Bräutigam gedacht: Der Greis führte und führte sie, immer tiefer irr den ZederlNpald hinein, dochplötzlich, war:-er verschwunden -und .sie blieben allein: Und auch der -Abend senkte sich auf sie hinab. - ,, ' - ' . , . Sie irrtenmoch eiire Weile herum, gingen bald in dieser, - bald in jener Richttrng, um vielleicht! doch aus dem weglosen Wald. hinauszüfinden Und. auf den zur Stadt. führenden -Weg zu.gelangen.; doch vergebens war ihr Bemühen. Satan hatte seine Arbeit gut verrichtet. Sie gelangten auf eine kleine Lichtung, wo sich ein ziemlich großer Felsblock befand; hier ließen'sie sich - müde nieder und ruhten aus. - „Was sollen-wir nun beginnen?" fragte der Bräutigam. „Wir können auch schon nicht mehr weitergehen, denn es ist schön Feiertag; auch die Sterne sind schon hervcrge- . krochen und es ist eine Sünde, am Feiertag zu Fuß zu gehen." -. „Wir bleiben hstr,". erwiderte Hannah, „und lvir loerden hier zu unserem Gott beten." „Die Gebetsrolle hat jedoch dein Vater zu sich genommen; ich aber kenne aus dem- Gedächtnis nicht ein '.einziges-Bittgebet." ,--Auch nicht das Gebet-für das Leben, Dan?" „Auch dieses nicht .'. . Was 'sollen wir tun?" Hannah erschrack sehr. Nicht.um sich selbst-:oar sie besorgt, sie dachte nur an Dan, ihren Bräutigam. Der Feiertag wird zu. Ende gehet:, der Tag des allerhöchsten Gerichtes, und wenn er nicht die gebräuchlichen Gebete sagt, n:n in das Buch des Lebens eingeschrieben zu werde::, kann der Tod über ihn Macht gewinnen. Ihr Bräutigam, ihr Geliebter sollte sterben? Unvermögend hockte sie dort auf der Code, ivährend ihr .Bräutigam müde hinsank, um zu überlegen, was zu tun wäre. Es wurde Nacht. Am Himmel zogen Wolken herauf und das um ihren Bräutigam besorgte Mädchen sah in jedem Wolkenhaufen, der am Himmel drohend aufstieg, ein Grabmal. Heute ist der Tag des himmlischen Gerichts mrd wer betet, tann vor dem Herr-: noch Gnade sticken . . . Die aber aus dem Buche des Lebens ausbleiben, denen wird,, bevor noch das Jahr zu Ende geht, ein Stein aufs Grab gewälzt. - Und -auf-einem dieser Steine tvird auch, der Name ihres . Bräutigams stehen. , Sie schrie entsetzt auf. Ein Lachen war.das Echo auf ihren,.Schrei. ,Mun, Hannah, so bete doch für. dem Leben," klang es mit höhnischem Gelächter - durch die Nacht. „Hast du gehört, Dan?", rief Hannah fast außer .sich. „Hast du es gehört? Sprich! Der Verderber ist-in unserer Nähe, der Satan!" - Hannah rüttelte ihren Bräutigam; aber dieser schlief nne ein Betäubter und rührt c^ich nicht. Diesen tiefen Schlaf hatte der Satan über ihn geschickt. Die entsetzten Mädchenaugen forschten jetzt in, den Sternen am Himmel, und indem sich ihr Blick auf das Firmament heftete, sagte ihr Nicht der Verstand, aber der Instinkt, daß etwas getan werden müsse. Rusen Gott, in ivelcher Form immer, nur rufen Gott, damit er helfen möge. Denn Gott ist ja stets nahe jenen, die ihn aus vollem Herzen rufen. Was - soll sie aber zuck Himmel emporschicken, loelches Gebet stammeln, wo doch das Bittgebet um das Leben und ihr Vater mit sich genommen hat. Aus.dem Gedächtnis kann auch alle anderen Gebete in jener Rolle enthalten sind, die sie nicht ein einziges Gebet sage,:. Ihre Seele zzappelte noch eine Weile im WMel des Unvermögens, dann Mrf sie sich verzweifelt zu Boden und stammelte— da ihr kein anderer Einfall kam — nur die Buchstaben der . hexischen Sprache, so wie sie im Alphabet, aufeinander folgen. Vom Äleph bis zum Taph, nacheinander wohl auch fünfzigmal, hundertmal, und zum Schluß, als sie schon nicht mehr wett« konnte, rief sie schluchzend zu dem in Wollen' gchüllten Himmel : „Mein himmlischer Vater und König, diej heiligen Buchstaben deiner heiligen Sprache wären es, die deine MaK in ihrer uickermögenden Unwiffe:cheit zu deinem Thron enrporgeschickt hat. Aus diesen Buchstaben reihen sich zum Jufflp«r-Kl»idsr S 35 — Hirrm-PullOTer S 19‘50 KliNltr-WntM, Kinder-Pullonr . S 860 ^pezlalhaiu ftlr SlrlcKiööden JN. Rotzer VI., MarSahlllerÄlr. 89 (neben FloMenkbio) DT-, Taborsftr. 18 (Hotel Nnttoxral) KARLSBAD, Alte Wiese. Ner Räuber mit dem Revolver. Mißlungener Raubllversall ans eine Trastkantln. — %tt Ater schießt auf seine Bersolger unv erschießt M. Gestern gegen 7 Uhr abends drang ein junger Bursche, als die in der Kriehubergasse etablierte Trafikantin Marie K u N c: k eben ihre Lösung von. zirka 200 Schilling in ihrer Handtasche verwahrt hatte und den Laden schließen wollte, in das Lokal ein, schloß die Tür von innen und versuchte, ettwn Revolver «ms dir Frau gerichtet, ihr die Handtasche mit dem Gelde zu entreißen. Die Frau rief laut um Hilfe, weshalb der Bursche, der sein Spiel verloren sah, den halb heruntergelasienen Rollbalken hochriß und flüchtete. Die Trafikanttn verfolgte ihn, und Paffanten sowie ein Wachmann eilten hinterdrein. Auf der Flucht, gcck der RäuLM einige Schüsse auf feine Verfolger ab, ohne jedoch jemanden zu treffen. Auch einer der. verfolgenden Wachleute schoß zweimal. In der Stollberggaffe, als einer dbr Wachleute dem flüchtenden Räuber schon auf ein paar Schritte nahegekommen war, blieb der verfolgte Bekbrechcr plötzlich stehen, fetzte den Revolver an seine rechte Schläfe und jagte sich eine Kugel durch den Kopf. Er wurde ins Wiedener Krankenhaus gebracht,- wo er bald nach der Einlieferung, ohne das Bewußtsein ^iedererlangt zu haben, starb. Nach seinen Answe-iHrapieren ist der Räuber, der Selbstjustiz geübt hat, eht -ta Wien geborener Bäckergehilfe namens Josef S-chwa rz. Nach Angabe von Zeugen des Vorfalles dürfte Schwarz zwei Komplizen gehabt haben, nach denen gefahndet wird. " Irr letzte Messetag. . Die Abteilungen der Wiener H^bstWst!^^-W'WWpdWj und in der Neuen Burg wurden geftÄm gjefchlloffen!; M Expositionen in der Rotunde samt Midi -Mch KMik den ganzen Tag geöffnet. Auch der gestrige letzte Ärg .bvaiW M, MHWgjM und in der Neuen Burg eine große« Mycchl von Mschäftsabschlüssen; so hatte' die Wirk- Müj Mr«W>«Ähva^ noch Äufttäge aus' Rumänien, dev TBrW WÄ MckWrck! zu verzeichnen. ' " ^. Das geschäftliche Ergebnis der Herbstmvffe NW Miseren Umfragen erheblich besser als >das dtzr'letzten jahrsmesse! und übertrifst ' in mehreren 'Zwergen fies vorigen Herbstmesse; es wird ans im Ä^eckÄuxn üV gut mittel bezeichnet. - Gebete die Worte . . . Ich aber bin ußNufffend,. üh versuche mich nicht darauf, mein Vater. Füge sie also du zu Worten und die Wort« zum Gebet. Dlr^ mein GÄt, wiie es die heilige Inbrunst. meiner Svelö und jedes Geftchl meines Herzens! wünschen. . ' So jammerte Hannah znm Hrmmvl empor; sie sagte kein Gebet; sondern-zählte nur nacheinander Buchstaben auf, aber, hem barmherzigen Gott , genügte auch das. Ist doch Gott stets nahe jenen, , die ihn aus vollem Herzen. rufen. WMwottend hörte er Hannah an wä» feine. Stmrme. donnerte zum Satan hinab: , ' „Du hast dich bemüht. Böser, damit dieses^ unschuldige Kind, heute, am Naujahrstage, nicht ein einziges Wort beten könne? Worte-hat. sich tatsächlich nicht zu mir empvrgeschickt, sondern bloß Buchstaben^- und ich tt:e dennoch! so, Pie sie es gewtinscht hat. Ich füge die Buchstaben zu Worten, zusMmen und die Worte znm Gebet Md ich erhöre - dieses. Sei verflucht, Schau ... Dn . ab^r, Hauyah, wirst glücklich werden und noöh länger lcheyals deine Stammutter Sarah.". -. Als das Mädchen am nächsten Tage. aufwachte, war der Felsen mit IMoos LedeÄ, . d^^!M!yos ccher bildete Buchstaben auf der Steinplatte. Durcheinander die Buchstaben der hebraffchon Sprach«: hierein Dalled, Hort ein Aljin, hier ein Lammed, dort ein He oder ein Bekh, . * , . . Das ist die Legende, mein Herr," beendigt« der FlüchtKng seine Erzählung. ,Lener Steinblock.auf der Lichtung wuäe der Ferssen dev heAgen B::Uchben. benannt und der Wald, dier ihn umgab, der Harn dev heiligen Buchstaben Er war der helligs Wallfahrtsort derr Bräute, dort beteten sie für das Los des Bräutigams, »aber die Engländer habm während des Krieges den Wall> gefällt und den Felsen in die iLuftg espvengt." (Au-toriisiette «Uebertragung <mS dem Ungarifchen' von - Maurus MezeiL)