Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3065 (11.9.1927)
- Date
- 1927-09-11
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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' Nr. 3065 Wien, Sonntag Wiener Morgenzett«ttg September. fSBfl Vette-S MüionenspenSe ffir die BMothekdesBölkerbuoves. iG^enf» 10. September. Dem Völkerbund wurden von einer anrerikanischen Gruppe 2 M' illionen Doklar zur Verfügmrg gestellt, damit er sein« B-rb listchek »er - voNstä-ndigan könne. Die feierliche Uebernahme dieser Schenkung wird die V-o l l ve r sa-m.mlumg des Völker-- bundes durchführen. Anerkeunmig der MnorMen in der Türkei? MWr Sertretmig in in «im»«. 'Ko n sta n t in &pc l, 10. Septenrber. In Mittschen Kreisen verlautet, daß sich,lu staphaKemal Pascha angesichts der in der letzten Zeit zutage getretenen natiorralrtätenfedrdlichen Haltung der chauvinistisch-türkischen Bevölkerung entschlossen habe, den nationalen 'Minderyeniben, und zwar den Inden, Armeniem und Griechen, eine parlamentarische Vertretung zu gewähren. Es 'ist zum erstenmal seitdem die Türkei eine Republik getuorden ist, daß die nationalen Minderheiten gesetzlich zu einer Vertretung im Parlament gelangen. Besonders wichtig wäre dies für die Juden, deren Lage, ivie berichtet wurde/ seit den letzten Zusammenstößen in Konftantinopel besonders ernst geworden ist. Kemal Pascha soll Blättermeldungen zufolge ausdrücklich betont haben, daß er sich von einer jüdischen Vertretung im Parlament große Moralische iwrt4> tzvOdttrstch-e M-vr^kumg auf die BebMerung verspreche^' Heute Wahlen kn Jugoslawien. B-egrad, 10. September. In ganz Jugoslawien finden nrorgen die Neuwahlen in die Skuptschina statt. Es sind im ganzen. Z15 Mandate zu besetzen, für welche sich mt 5000 Kandidaten gemeldet haben. Der Wahlkampf wurde außerordentlich scharf geführt. besichtigen s.i£. . KRUPNIKS MODELL- AUSSTELLUNG Unsere Herbst-, u. 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Vor siebzehn Jahren also hat man in Wien bereits die hohe Wichtigkeit des jüdischen Emigrationsproblcms 'erkannt und von Wien ging auch damals der ernste Versuch aus, einen jüdischen Emigrationskongreß elnzubcruseu. Der Aufruf wuvde von einer Reihe führender Mitglieder der B'nei B'rith unter Führung des inzwischen verstorbenen Professors Dr. S. Ehr m ann, vom Vizepräsidenten der Wiener Kultusgemeinde, Dr. Gustav Ko hu, vom Zionisten und damaligen! Gemeinderat und Kultusvorsteher Max F r a n f, dem Gemeinderat Dr. Oskar Hein, Redakteur Dr. Josef S.' Bloch, Prof. Dr. Leon Kellner, Direktor Dr. S. Krenberger, dem Vertreter der russischen Gruppe, Schriftsteller G. Dawidowitsch, dom Schreiber dieser Zeilen und anderen unterzeichnet. Liest man heute die umfangreiche Denkschrift durch, so findet man, daß ein ansehnlicher Teil der in ihr begründeten Postulate auch heute noch ihrer Erfüllung harren, und die von der Wiener jüdischen Gemeindevertretung einberufene heutige Tagung wird wohl auch an diesen Forderungen nicht achtlos vorWergehen können. Das Memorandum stellt zunächst fest, daß die jüdische Emigrationsbewegung aus den östlichen Ländern Europas, namentlich aus Rußland, Galizien und Rumänien (seither ist auch Ungarn dazugekommen), eine soziale Erscheinung ersten Ranges ist, von deren Konsequenzen nicht nur die betreffenden Auswanderungsländer, sondern auch die Durchzugsländer, welche von den wandernden Juden berührt werden, und nicht zuletzt bie Einwanderungsstaaten in empfindlichster Weise getroffen werden. „Es ist also die ganze zivilisierte Welt — denn wo gibt es einen noch so verborgenen Winkel auf den bewohnten Erdball, zu dem nicht wenigstens eine Welle dieses Wanderstromes gelangen würde — die in ihrer wirtschaftlichen, sozialen und auch kulturellen Entwicklung von dieser Volkswanderung beeinflußt wird. Insbesondere sind es die Juden der ganzen Welt, die ein erninentes Interesse daran haben, daß der Emigrant an Leib und Seele unversehrt, materiell und moralisch unbeschädigt sein Ziel erreiche, daß er ein neues, seinen geistigen und körperlichen Anlagen entsprechendes Leben beginne und dabei dom Judentunr erhalten bleibe." Einer! lvichtigen Umstand der gegenwärtigen Wiener Beratung hebt auch das besprochene Memorandum hervor, indem es feststellt: Dadurch, daß. die verschiedenen Gesellschaften, wenn auch in löblichster Absicht, eine vorwiegend philantropische Tätigkeit entfalteten, mußte diese auch mit den mannigfachen Nachteilen einer nicht zentralisierten philantwpischen Tätigkeit behaftet sein. Tatsächlich ist, um nur ein Moment besonders hervorzuheben, die Einschränkung der Ausbeutung der Emigranten durch Agenten, Schiffahrtsgesellschaften, Wohnungswucherer usw. nicht erzielt worden. Andererseits haben die verschiedenen Emigrationsgesellschaften, Hilfskaffen usw. heute schon große Mühe, sich der immer größer lverdenden Zahl von schnorrenden Emigranten zu erwehren. Der Umstand, daß es in allen Weltteilen, besonders aber in den europäischen Durchzugsländern zahllose Emigrationsgesellschaften, Vereine, Hilfsburean usw. gibt, die miteinander in gar keinem oder nur in losem Zusammenhangs stehen und gar dft unentgeltlich ihre Hilfsbereitschaft bekunden, hat schon viele jüdische Emigranten dazu verleitet, mit unzureichenden Mitteln die Wanderung anzutreten, oder von Bureau zu Bureau zu wandern, überall eine Gabe 51t erzwingen, um schließlich die Zahl jener jüdischen Weltbummler und Wanderbettler zu vermehren, die in manchen Ländern zur wahren Kalamität geworden und dem Judentume schon manchen moralischen Schaden zugefügt haben. Eine auf der Höhe ihrer Aufgabe stehende jüdische Organisation wird es nun als ihre vornehmste Pflicht anseheu, die Leitung des Emigranten schon zu einer Zeit in die Hand zu bekommen, wo in ihm der Entschluß zur Emigration noch nicht gereift ist. Der für September 1910 in Aussicht genommene allgemeine jüdische Emigrationslongreß ist aber, obgleich sich für ihn die damaligen maßgebenden jüdischen Organisationen in Amerika, Rußland, Galizien und Deutschland ausgesprochen hatten, nicht zustande gekommen. Aber aktuell sind auch heute noch manche der für den Kongreß bestimmten Programmpunkte geblieben. So zum Beispiel die ständige Kooperation der bestehenden Emigvationsgesellschasten und Institutionen, sowie der bedeutenden Gemeinden und Wohltätigkeitsvereine, welche an der Regelung der jüdischen Emigration interessiert sind. Heute gibt es fast keine einzige jüdische Gemeinde in der Welt, die durch den gewaltigen jüdischen Wandererstrom nicht berührt wäre. Auch der Punkt 2 dieses Programms harrt noch seiner Erfüllung: Schaffung einer einheitlich organisierten Interessenvertretung der gesamten jüdischen Emigration, einer Vertretung, die sich ohne Zweifel sowohl bei den bedeutenden und für das Schicksal der Emigranten während >der Wanderung maßgebenden Schiffahrtsgesellschaften als auch bei der Beratung von Aus- und Einwanderungsgesetzen in Parlamenten und Regierungskonserenzen Gehör verschaffen könnte. Bezüglich der Schaffung und Finanzierung der zur Regelung der gesamten jüdischen Emigration notwendigen Institute und Unternehmungen hatte das Kongreßprogramm unter anderem vorgesehen: Etablierung von Bureaus in den Hauptpunkten der jüdischen Wanderung, Gründung eiiies Finanzinstituts für das jüdische Enügrationswescn, Organisierung des Arbeitsnachweises, Anlegung einer Zentralstatistik für die jüdische Emigration und Konstituierung eines permanenten Ausschusses, dem die Interessenvertretung der Gesamtheit der jüdischen Emigranten obliegen würde. So war schon vor siebzehn Jahren Wien als das Zentrum dieser allgemeinen jüdischen Interessenvertretung für die jüdische Emigration ausersehen. Es ist jetzt weder Ort noch'Zeit, die Gründe zu erörtern, warum die Wiener Mische Gemeinde und die Wiener Judenschaft sich . ..'■'.'■■'■1. ———-—— '~g—• *— -r llchLUals*dteser Ehrenpflicht entzogen, hatten. Heute ist Wien ^wch immer eine wichtige Station ans dem Leidenswege der jüdischen Wanderung. Heute vermag aber Wien nicht mehr als richtunggebender Faktor in dieser Frage aus dev Pbm zu treten. Das Wiener jüdische Gemeinwesen ist heule selbst notleidend und von den wtrffchafMchen Folgen der jüdischen Wanderung hart betroffen. Was die Wiener jüdische Gemeinde und die Wiener jüdischen Organisationen aber noch immer auf diesem Gebiete leisten können und zu leisten verpflichtet sind, ist, sich so rasch als möglich einzufügen in die im Aufbau begriffene Mvellliche Organisation «der jüdischen Emigrantenfürsorge,' die allmählich jenem Programm zu entsprechen im Begriffe ist, das der im Jahre 1910 geplante jüdische Emigrantenkongreß zur Durchführung bringen sollte. Wien wird auch so dank ferner geographischen Lage und der hier gesammelten Erfahrungen und geleisteten Vorarbeiten in dem großen Hklfskonzern wertvolle Arbeit leisten können. ———t—•—<—1- Ser Kongreß der englischen Sewerkschasten. Edinburgh, 10. September. Der Kongreß der -Trade UnionS wurde heute geschloffen. Ein Antrag der Möbelarbeiter, der sich gegen die Friedenspropaganda einzelner Arbeiterführer wendete, gab Anlaß zu großen Lärmszenen. ES kam fast zu Raufe r e i Mt. Schließlich wurde der Antrag abgelehnt. La« Abenteuer der Grenzkommiffion. Acht Tage im Wasser ohne Lebensmittel. Lomüe-r g, 9. September. Die polnisch-rumänische Grenzkommiffion bei Sniatpn wurde gestern abends telephonisch verständigt, daß die seit 25. August' vermißte rumänisch-Pvlnische Expedition zur Msteckung der polnisch-rumänischen Grenze ansgeftmden wurde. Die Mitglieder der Expedition, die von einem heftigen Wolkenbruch und von UeSerfchtvemmungen an der Grenze überrascht wurden, konnten nach unmenschlichen Anstrengungen, nach einem zirka eine Woche andauernden Marsch in die Ortschaft Wyznüa. aufrumänischen Boden gelangen. -Sie trafen vollkommen eavübr-wf-Leck am, "'bat- -sie rttHre« Tage ml UeberfchwemMuttgsgebiet vchwe MVamAnEdekk dastanden. Das Auto, in dem sich die (Apedrkwn zur IGvenze -begab, wurde von den eine Bankinsolvenz k« Großdmwekn. Demonstrationen der Einleger. G r o-ß w a r d e i n, 10. September. Die Bchorvv«: Banka hat mit 100 . Millionen Lei Verlusten die Schcüber geschloffen. Ungefähr 1000 kleine Einleger demonstrierten vor dem Bankhaus, entfernten sich aber auf Zureden-dev' Polizei. Die Nationalbank und zwei andere Barcken Pdchi zu einer Stützungsaktion mit einer Emlage-von Lei bereit. WltommuaWscherPlltschveNmvdrramogV» Hauptmann Majus entkommen. Ko wn v, 10. September. Gestern mvrgtzns-^lchrwLirde ein kommunistischer- Staatsstreich'in der WaUrscheU Prvtnnzsiadt Daurvggen entdeckt. Der Putsch wuvde, 1wie litauische Kriegsnrinisterrum amtlich nnkteilt, durch rasches und energisches Eingreifen der Regiermrgstruppen im Kenne erstickt. Im Lande herrscht bereits wrcher Ruhe Und die Regierung ist Herrin der Lage. ' v iDer Kampf zwischen den Regierungstvuppen und den Kommunisten dauerte bis in den späten MeUd; angeblich ist es dabei nicht zum BlNtvergiech'Mr gekommen. Ueber Tauroggen wurde der Belagv-rnugs znstamd verhängt. Einige Hundert Kommunisten Wurden verhaftet. Der konmmnistische Haupträdelsführer, der frühere Haüptmann Majus, ist flüchtig. Auf ferne Festmchme -Wikrde ein Preis von 5000 Lit gesetzt. Ser Putsch niedergeschlagen. Kwchs n o, 10. September. Amtlich wird erklärt, daß der-Putsch in Tau vogg en niedergeschlagen ist. Mm BttKafttuiten ln Sltnuau Rlwga, 10. Septenrber. Aus Kownv und verschiedenen Provinzstädten Litauens werden, aiffcheinfind -Zusammenhang mit dem niÄ>ergeschlagenen Putsch, HamsdurchfuchungvUs uud Verhaftungem gemeldet; unter anderem wurde in Kownv der ftuJjSrß ^Mgjejmtmetv SchLge-kis verhaftet. Nach deir letzten Meldungen Wmde über, Scha-wLa ^Schauleu) den: Bela-ge-VuMg-S-- zustiand verchÄMg>t. ' -1—c-Lj-- -; Sie Expedition Fllchner ««versehet. Berlin, 10. September. Die letzten >MeldungÄvM»er das Schicksal des deutMn Forschers Filchner, Öfe fct* soferne günsHg lauteten, als sie wenigstens keine BMÜgung ersinn Meldung von der Ermvrdmrg brachte^, lverden jetzt durch eine in iMoskau vorliegende MittÄlung der mongolischen Negierung erhärtet. Danach besiivtzet sich Filchner am Leben. Der Expedition Wchner sei nur ein Teil des Handgepäcks gestohlen worden.