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Wiener Morgenzeitung · 1927-09-11 · Heft 3065 (11.9.1927) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3065 (11.9.1927)
Date
1927-09-11
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Wien, Sonntag 11. September Rt. .M5 Auleihekommiffion und Kontrollamt. Am der stnanzpolitischeu Debatte der zioniftenkongreffes. Bafel, 10. Sepiemver. Wie swon berichtet, hat der Zwnistcnkongrcß in seiner dreizehnten Sitzung (am 8. September, nachinittags) die Einsetzung einer Anlcihckonimission beschlossen. 2er Referent Senator 2r. Rottenst r e i ch erklärte hiezu: „2er Ausschuß Ivar der Airsicht, daß cs hier weder darauf ankommt, welcher Partei die Mitglieder dieser Ko m missio n ang ehören, noch ob sie in Erez Israel tv o h u e n. Es hat sich eins hauptsächlich darum gehandelt, Männer aufzustellen, die geeignet sind, die P r o j c k L c zu prüfen und die Verhandlungen 31t führen. UebcrdicS sind 5 LH'it diesen S Männern Persönlichkeiten, die selbst Anlcihcprojekte borgcbracht haben." Die Anlcilickommifsion besteht aus 8 Mitgliederrr, deren Wahl die finanzpolitische Kommission dem Kongreß Vorschläge: Deiwel, Viktor Jacobson, N a i d i t s ch, R u f e i s e n, Zlat 0 P 0 lsky, Bernhardt, R 0 t t c n st r c i ch» Stricker. Berichterstatter R 0 t t c n st reich schlägt vor, als weitere Mitglieder in die Anleihekommission die Herren 2r. Bart h und L 0 ck e r zu entsclldcn. Der Vorsihend!'. des Aktionskomitees soll Sitz und Stimme in der Anlckhe-- kommission haben. Dr. Barth beantragt, den Teil des erstell Punktes, der von der Zusammensetzung der Ailleihckommissioit handelt, an den Pcrmancnzausschuß zu überweisen, da Wahl- Vorschläge deil PermanenzauSschus; passieren müssen. Dr. N u s e is c n erinnert daran, daß die Konunission zu Punkt 1 einen allgemeinen Satz beschlossen. hat, wonach der Kongreß zur Verstärkung der Aufbauarbeit eine Prostzügige Operation für notwendig hält und beschließt, zur Prüfung der vorliegenden Pläne für eine äußere und innere Anleihe eine Anlcihekonunissiou einzusetzen, die diese Plane soweit konkretisieren soll, daß die Exekutive in der Lage ist, der nächsten Aktionskomitee-Sitzung Vorschläge zu erstatten. Der Antrag wird hieraus in dieser Form angenommen, cbcil.so ein Alltrag Mcreminskys aus Wahl einer Subkoinmission für Anleiheangelegenheiten, mit dem Sitz in Palästiila, die aus 6 Mitgliedern bestehen soll. Sodann wurde folgende Resolution angenommen: „Der Kongreß ermächtigt die Exekutive, die ihr geeignet erscheinenden Operationen zur Aufnahme langfristiger Kredite zum Zweckepr 0duktiver Aufbauarbeiten in die Wege zu leiten und die damit znfammenhäNgcndenVercinbarrmgen zu treffen, lieber die Verwendung solcherMittel und die hiedurch etwa notwendig gewordenen Aenderungcn des Budgets hat die Exekutive einer, zu diesem Zwecke einzuberufenden Attionskomitccsitzung Vorschläge zu machen." Die sodann angenommenen Beschlüsse über das K 0 n- -trollamt lauten: .ZI. Der Kongreß errichtet zum Zwecke der Kontrolle aller mit Einnahmen und Ausgaben verbundenen zionistischen oder von der Zionistischen Organisation abhängigen oder ihr verantwortlichen Institutionen ein Kontrollamt. Z 2. Das Ziel d e r K 0 n t r 0 l t c isr: a) Die Gewährleistung korrekter, wirtschaftlich zweckmäßiger - Geschäftsführung. b) Die Sicherstellung der Durchführung zionistischer Beschlüsse und Richtlinien in allen Zweigen der Organisation. c) Die Gewähr für gedeihliches, sich nicht durchkreuzendes Zusammenarbeiten aller einzelnen Abteilungen und Institutionell. d) Die Vereinigung und Vereinfachung sowie Verbilligung des Gesamtapparatcs. Z 3. Das Kontrollamt entwirft sich sein Arbeitsprograrttm selbst. Z 4. Alle das Kontrollamt interessierenden Aenlter und Verwaltungsstellen sind verpflichtet, dem Äontrollamt in seiner Tätigkeit jede erwünschte Auskunft zu geben, ihm alle erforderlichen Unterlagen vorzulegen und ihm freien Zutritt zu allen Stellen zu ermöglichen. Z 5. Das Kontrollamt hat der Exekutive und fcem Aktionskomitee zu Händen des Vorsitzenden monatlich Bericht zu c r st a t t e u. Dem Bericht haben als Sonderanlagen Spezialberichte über vorgenommene Revisionen beizüliegcn. Mit diesem Bericht hat das Kontrollamt die von ihm für erforderlich erachteten Vorschläge zu unterbreiten. Z 6. An der Spitze des Kontrollamtes steht der Kontrolleur, der für die Dauer eitler Kongreßperiode vom Kongreß, ziehungsweise vom Aktionskomitee gewählt wird. Eine 'Wv berusung des Kontrolleurs während seiner Amtsdauer ist durch das Aktionskomitee nur mit Z w c i d r i t t e l m a j 0 r i t ä t möglich. Auch die Eriiennung des Kontrolleurs soll laut Kongretzbeschluß rmr mit Ziveidrittelmajorität vom Aktionskomitee vorgenommen werden. Z 7. Der Kontrollellc darf kein Amt t 0 d-e r Ehrenamt in den ihm amtlich interessierenden Organisationen und Institutionell bekleiden, auck' kein Dclegiertemnandat irgendwelcher Art ausübei! Z 8. Dem Kontrolleur steht das Recht zu, der Exekutive lvegen E n t la s s 11 n g v 0 n Beamten und S ch l i c ß u n g v 0 n Bure a u s Vorschläge zu unterbreiten. Falls die Exekutive seine Vorschläge ablehnt, kann er die Entscheidung des Aktionskomitees anrnfen. IModenhaus Syma . Wien, II., Taborstraße 1 Telephon 40-4*97 Telephon 40-4-97 bringt allerneueste Herbst-Modelle in Kleidern und Mänteln zu Spottpreisen! 4» k^U«h»NM»4« Einführungspreise zu Kassapreisen. in Crepe de Chine, la Kleiderware.. 8 8.50 Crepe de Chine, imprfme.. 8 8.05 Foulard (feinster Lyoner Druck).8 9.30 Crepe Georgette (Kleiderware) in allen Farben . 8 11.08 Die neuesten Pariser Mantelstoffe eingelangt! Günstigste Einkaufsquelle für Messebesucher 1 Schocken — Leiter des Kontrollamtes? Basel, Kl September. Wie die I. T. %. meldet, hat die Fiiianzkominission als Leiter des neueinzurichteiiden Korrtrollamtes Herrn S. Schocken in Zwickau vorgeschlagen. Tr. Wcizinann lmbe diesem Anträge zugestimnrt. 2r. Rnppin reist nach der Krim. Basel, 9. September. (I. T. A.) Dr. Arthur Ruppin tritt Demnächst eine Reise n-ach Südrußland und der Krim an, um d i e neue jüdische Kolonisation in diesen Gebieten, ihre Bedingungen und Methoden zu studieren. Beschwerden der jüdischen Ratiomirats kn inPNIllftiaa. I e r >u s a l e m, 9. September. Vor einigen Tagen empfing der Zivilsekretär der Palästina-Regierung, Colonel Symes, eine Abordnung des Waad Haleumi, die im Verlause der Unterredung eine Anz-ahl von Beschwerden vorbrachte. Zunächst fragten sie, wann das vor einiger Zeit im Amtsblatt verlautbarte Gemeindegesetz in Kraft treten werde. Colonel Symes erwiderte, daß dies gleich nach der Rückkehr des Leiters des JustiKdepartements, Mr. Norman B e n t w i ch, der Fall sein werde. Die Abordnung gab ihrem Befremden über die Ernennung Mr. Richmon-ds zum Direktor des Altertunisdepartements, da ja bekannt sei, daß Richmond während seiner früheren Tätigkeit in Palästina sich offenkundig als Gegner des Zionismus benahm. Colonel Symes wies diese Behauptung zurück und meinte, daß die Juden sich aus der Amtstätigkeit Richmonds überzeugen werden, daß diese Anschauung u n b e- Gcnf, 10. September?. In dLrVölk-erbundverMwrlutrg sprach heute als erster Redner der österreichische /Delegierte Me ns dar ff, der sich für den Ausbau der Völkerbundbestrebungen auf dem Gebiete der geistigen Zusarmrvenarbert einsetzte. Sodann hielt Briand unter großer Sparumng eine Rede, in der er zunächst Stresemann wegen seiner gestrigen Artsprache bekomplimentierte und erklärte, er habe nunmehr erst die volle Gewißheit, daß alle Hindernisse, die sich noch der Annäherung des beittscheir und französischen Volkes entgegettstellen, verschwinden werden. Briand stellte in Abdede, daß große, mittlere und kleine Mächte im Völkerbund verschieden handelt werden. Was die Abrüsimrgsfvage betrifft, so,fei, lvemr auch die Arbeiten selbst noch keinen unnÄtMaveyr Erfolg gehabt haben, doch die indirekte Wirkung itr Rechnüng zu stellen. Die Kraft des Völkerbundes bestehe in soirkeu Propagandamacht. Wir müssen — schloß Briand — den Frieden in aller Form und in jeder Art hiNMsschreien. Der Völkerbund habe sich schon als fähig gezeigt, einer'. Krieg zu verhindern, als er im Jahve t933 den griechisch-bn-lgä»ri<hcheu Konflikt beigelegt habe. Dazu sei keine präzise Feststellung des Angreifers nötig gewesen und sie werde es bei gutem Willen auch weiterhin nicht sein. Den Weg zunr Frieden mitssen die Staatsmänner inrrch das Schiedsgericht gehen. Wir hadert — sagte Ariand rveiter — hier den Mfbauwilleri, bekundet. Die Bemühungen stick» nicht auf derr ersten Hieb geglückt, aber das Material liegt gesammelt und bereit vor uns. Der Völkerbund muß die EleMerrle les Provlenrs eines nach dem anderen aufnehmen und alle Vorsicht ivalten lassen. Eine feierliche Verpflichtung, nicht zmn Krieg zu greifen, das Ist eine Moralische Barriere, die vielleicht knabenhaft scheint, aber ich sage, richten wir sie auf! gründet sei. Richmord wurde übrigens für den neuem Posten von der britischen archäologischen Gesellschaft als die geeignetste Persönlichkeit empfohlen. Auf den Hinweis der Delegierten, daß die Juden, welche ihre Andacht au der Klagemauer verrichten, in der letzten Zeit abermals durch Ueberfülle belästigt und bedroht werden, meinte Colonel S y in e s, daß die Mitteilungen der Presse Über diese Vorfälle fterrk übertrieben seien, Immerhin habe die Regierung Maßnahmen zur Verhinderung fernerer Ruhestörungen bei der Klageinauer getroffen. Zum Schluß trug die Mordnung den Wunsch vor, daß die öffentlichen Arbeiten in Jerusalem in Hinkunft in mehrere ArbeitsrayonS geteilt werben und die Arbeiten im Gegensatz zu dem bisherigen Usus auch an jüdische Unternehmungen und?-r bebte r g e se lisch a f i 0 rt vergeben werden mögen. Irr Zionismus in der Familie Balfonr. Wie berichtet wurde, nimmt unter den vielen Gästen auch eine NichteLordBalfours und eine Kusine L 0 r d N 0 b e r t C e e i l s in Gesellschaft der Gattin Herbert SamuelS am 16. Zionistenkongreß in Basel teil. Die Damen, denen eine Ehrenlogc zugewicsen worden ist, verfolgen mit gespannter Aufmerksamkeit die Beratungen des Plenums. Der Berichterstatter des Lemberger „Morgen", Schalom Gottlieb, hatte mit Miß Dagdel, der Nichte Balfours eine Unterredung, im Verlause welcher sich die Dame über den Kongreß und insbesondere darüber äußerte, wie sie zum Zionismus gekommen sei. Die Arbeit des Kongresses gefiel ihr außerordentlich, die Diskussion verlaufe mit viel mehr Temperament und innerer Ucberzeugung, wie die Beratungen des VöKerbundes in Genf, dessen englischer Delegation Miß Dagdel als ständiges Mitglied angehört. Sic tvar auch bereits in Palästina, von wo sie die stärksten Eindrücke heimbrachte. Auf die Frage, wie sie Zionistin geworden sei, antwortete Miß Dagdel: „Ich entstamme doch einer Familie, in der alle Anhänger des Zionismus sind. Schon in meiner frühesten Jugend erzählte mir mein Onkel Lord Balfour von dem großen Wunder, das sich jetzt im nahen Orient abspielt. Cr machte mich mit der zionistischen Bewegung bekannt und. pflanzte in meine Seele Liebe zum jüdischen Volk. Ja. mein Lhcke'l träumt ständig von dem Augenblick, da das jüdische Volk wieder glücklich in seinem eigenen Heim werde leben können. Ich interessiere mich für alles, toas mit den Juden geschieht, und so oft ich von den Verfolgungen, unter denen Juden in verschiedenen Ländern zu leiden haben, lese, empfinde ich schweres Herzwch. Ich wundere mich gar oft, wie cs möglich war, daß das Judentum trotz der heftigsten Verfolgungen durch die anderen Völker doch so große Männer hervorzubringcn vermochte, wie, um nur die jüngste Zeit hervorzuheben, Freud, Bergson, Einstein, -Ehrlich u. a." Zum Schluß erklärte Miß Dagdel, datz sie auch sehr angenehme Erinnerungen an Warschau knüpfen, wo sie an dem Kongreß der Völkerbundligen tcilnähm und unter Führung des Senators Ringel das Loben und Treiben der Juden in Warschau kennen lernte. Es sei . nicht ausgeschlossen, daß sie wieder einmal nach Polen kommen werde. All-e Mitglieder des Bölkerbundes inüssen die klare lleoerzeuglmg haben, daß sie MigKedor der menschlicher und Wettsamrlic fmfo* die von dem Wunsche beseelt ist, auf den großen Dag und den Frieden hitrzuarbeiten. Meine Herren, «ruf zum F-rired-en dwrch die Vch'i-e-ds'gerichtsbar-- keit! Nach Bviand, dessen Rede starken Eindmck machte, sprach als letzter Redner in der VorMittagssitznng der australische Delegierte Sir Foster, der sich der Schiedsgerichtsbarkeit gegenüber skeptisch aussprach. EhamHerleri n, der heute seine langerwartete Rede hielt, lehnte die Genfer.Protokolle nach wie vor ab. Sie enthalten eäne Garantieverpflichtung, und England habe aus dem alten belgischen Neutralitätsvertvag schon eminal eine solche Verpflichtung einlösen Müssen. England nwitz es — sagt der Redner mit starkem Nr,-. lwack —, was es heißt, Garantien zu geben, und es w« ' auch, was es heißt, sie zu hMen. Gott verhüte, daß das jeumls wieder ointritt! Chamberlain tvandte sich gegen die Kritik an der DÄigkeit der Diplonratie. Me man heutzutage den Mieden zu organisieren versuche, das erinnere zu sehr an die frühere Art, de« Krieg zu organifloren. Der Völkerbund könne nicht urehr sein, ci{3 was sein« G r ü u de r aus ihm genwcht haben. ' Unter dem Eindruck der Rede E h a m b e r I a l tvl änderte der holländische AußenMii'-stor seine Refolütlim derart ab, daß sie zu einem neilen Antrag wurde, der aM Montag eingebracht Ivird. Die polnische Formel lvurde an den dritten AttSschr^ß gvwiesen^ Ae Friedensreden in Senf. Briand und khamberlai«.

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